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Alt 16.11.2010, 17:10   #1
männlich Azzy The Original
 
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Standard Wann ist ein Text politisch?

Ich wusste nicht ob es eher hier oder in die Philosophie passt, hat von beidem irgendwie etwas.

So,
der Titel stellt schon einmal die erste Frage ganz platt, wobei ich eher noch die Frage erweitern möchte auf: "Wann ist Kunst politisch?", ist nicht alles was wir schaffen ein ausdruck unserer ansichten auf die Welt und die Gesellschaft? Und ist nicht gerade die Entscheidung zur Unpolitischkeit (gibt es dieses Wort? jetzt schon.) wieder eine politische Entscheidung?

Meine zweite Frage wäre dazu passend: Kann man ein gutes Kunstwerk (Literatur, Musik, bildende Kunst oder schauspielerische Leistung) völlig losgelöst vom Farrellen und dessen Wahrnehmung des Werkes schaffen?

Ich finde zweiteres schwierig, da ich die Meinung vertrete, dass der Betrachter, das Werk, durch seine Interprätation und überhaupt durch seine bloße Anwesenheit, mitformt.

Zum ersteren, sage ich jetzt (erst einmal unbegründet und hoffentlich anregend zur Diskussion) einfach: Kunst kann nie völlig unpolitisch sein.

Azzy
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Alt 16.11.2010, 17:43   #2
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Kunst an sich, ohne jeden Zweck, ohne zu hinterfragen oder auszudrücken, stelle ich mir schwierig vor, obwohl es die "L'art pour l'art"-Bewegung gegeben hat.

Vielleicht interessiert Dich zu dem Thema dieser Aufsatz des Philosophen Georg Simmel:

http://socio.ch/sim/verschiedenes/1914/art.htm

Es gibt aber noch ein anderes Problem: Glauben wir nicht manchmal nur, wir sähen etwas richtig, in Wirklichkeit stellt es aber etwas ganz anderes dar, weil z.B. die Zeit an dem Kunstwerk weitergearbeitet hat? Ich denke da an Rembrandts "Nachtwache". Das Bild war in hellen Farben gemalt, aber im Laufe der Jahre stark gedunkelt und erhielt deshalb erst später seinen heutigen Namen. Mit einer Nachtwache hatte es ursprünglich nichts zu tun.

Gruß
Ilka-M.
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Alt 16.11.2010, 20:34   #3
männlich Azzy The Original
 
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Abgesehen davon, dass auch im L'Art pour L'Art der betrachter nie weggelassen wurde, sondern nur ein versuch gestartet wurde, die Kunst ohne intendierte Aussage zu gestalten und allein um der Kunst willen Kunst zu machen, ist es meines erachtens eben so, dass man auch auf diesem Wege wieder eine Aussage schafft. Einfach genommen wäre es die Aussage "Kunst muss um ihrer selbst willen und nicht um einer Aussage willen existieren.", wenn man es komplexer betrachtet, ist ohnehin jedes Kunstwerk ein Ausdruck seines Künstlers und hat untrennbar mit ihm zu tun (wenn dem nicht so ist, ist das werk vielleicht nett und dekorativ aber keine Kunst mehr), somit ist auch jedes Kunstwerk ein Ausdruck seiner Zeit und der, zu dieser Zeit vorherrschenden, Umstände und Systeme, somit glaube ich dass kein Kunstwerk unpolitisch sein kann.

Und dake für den Link Ilka, er ist sehr aufschlussreich, auch wenn man sich bei unserem lieben Herrn Simmel immer fünfmal durchfräsen muss, bis man seine Sätze versteht.
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Alt 17.11.2010, 11:29   #4
weiblich Ilka-Maria
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Zitat:
somit ist auch jedes Kunstwerk ein Ausdruck seiner Zeit und der, zu dieser Zeit vorherrschenden, Umstände und Systeme, somit glaube ich dass kein Kunstwerk unpolitisch sein kann.
Das sehe ich auch so, und das kann man an zahlreichen Beispielen festmachen. So ist es typisch, daß ein Werk wie das "Narrenschiff" während des Übergangs vom Spätmittelalter zur Neuzeit geschrieben wurde; darin zeigt sich die tiefe Verunsicherung der Menschen über die politischen und wissenschaftlichen Umwälzungen jener Zeit.

Oder nimmt als Beispiel den Expressionismus, der zwischen 1900 und 1925 als Protest gegen die alte Ordnung auftrat und Werke hervorbrachte wie die Bilder Gauguins (der bekanntlich das Pariser Leben gegen ein Leben in der Südsee eintauschte) oder den Film "Das Kabinett des Dr. Caligari".

LG
Ilka-M.
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