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Theorie und Dichterlatein Ratschläge und theoretisches Wissen rund um das Schreiben.

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Alt 30.10.2010, 20:12   #1
weiblich Vanessa
 
Dabei seit: 04/2010
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Beiträge: 22

Standard Was ist ein Gedicht?

Titel sagt ja so ziemlich alles. Also, was macht ein Gedicht genau aus?
Vanessa ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 31.10.2010, 15:17   #2
weiblich shy dove
 
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Beiträge: 93

Der Reim kann es wohl nicht sein. (haha.)
Ein bestimmtes Metrum auch nicht.
Die Wortwahl? Dabei kommt es auf den Gedichttypen, den Autor und das Thema an.

>> Gedicht

Mit dem Begriff „Gedicht“ wurde ursprünglich alles schriftlich Abgefasste bezeichnet. Auch hier fand im 18. Jahrhundert eine Begriffsfestigung statt: Seitdem wird der Begriff nur noch für den poetischen Bereich verwendet. Das Wort „Dichtung“ hat aber im volkstümlichen Gebrauch noch etwas von seiner ursprünglichen Bedeutung erhalten.

Ein umfangreiches, oft mehrteiliges oder als Zyklus angelegtes dichterisches Werk mit lyrischen und epischen Elementen ohne verbindliche metrische Struktur wird als Langgedicht oder Poem bezeichnet.<< [das allwissende Wikipedia.]

Und da wären wir genauso weit wie vorher

Lg, s.d.
shy dove ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 31.10.2010, 15:37   #3
weiblich FeelLetter
 
Dabei seit: 08/2010
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Beiträge: 278

Ich würde jetzt einmal ganz spontan und ohne jegliches Wissen sagen, dass ein Gedicht sich dann von jeglicher Epik abhebt, wenn die Sätze (so fern es aus ganzen Sätzen besteht) weniger miteinander verbunden sind. Dabei konzentriert sich das Gedicht also auf ein bestimmtes Wort oder Ding oder Gefühl oder einen Gedanken"brocken". Es geht weniger um das "wenn und aber", sondern um das Sein.

Aber fragt mich lieber nicht, denn von meinen Gedichten wurden auch schon manche in die Epikabteilung verbannt. Schämt euch!
FeelLetter ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 04.01.2011, 21:28   #4
weiblich Bordsteinkante
 
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Ort: In der Welt meines Wunschdenkens
Alter: 24
Beiträge: 9

Standard wann ist ein gedicht ein gedicht.

ich finde es gibt keinen Massstab an dem man gedichte erkennen kann.
ICh finde einzig es muss etwas sein was dich beschäftiigt.d.h dich auf irgendeine art beschreibt (sei es auch nur die schreibart).& es muss sich auch nicht reimen.schreibe einfach drauf los.
Bordsteinkante.
Bordsteinkante ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 05.01.2011, 01:57   #5
männlich Ex-Schamanski
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Beiträge: 2.884

Ein Gedicht ist ein Text, der in der Absicht bzw. dem Bewußtsein geschrieben wurde, ein Gedicht zu verfassen.

Über Qualität ist damit überhaupt nichts gesagt.

Auf die Spitze getrieben: wenn ich das folgende hinschreibe,
Hurrga Huurga
Kalumba Mumba
Krrr'''z frrrz
epistemologie_?
gott jesus käsekuchen
honsa honsa kabumm
mit der Absicht, es solle ein Gedicht entstehen, dann ist das da oben ein Gedicht. Wenn auch ein rettungslos beschissenes.
Ex-Schamanski ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 06.01.2011, 01:38   #6
männlich Sky2High
 
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Ort: Grenze zwischen Realität und Träumen
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Beiträge: 107

Dein Gedicht hat mich sehr berührt Schamanzky
aber ich bin der selben Meinung. Du bestimmst was du machst .

Grüsse
Sky
Sky2High ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 06.01.2011, 20:58   #7
männlich Ex-Schamanski
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Beiträge: 2.884

Zitat:
Zitat von Sky2High Beitrag anzeigen
Dein Gedicht hat mich sehr berührt Schamanzky
Danke. Besonders an "honsa honsa kabumm" habe ich 10 Jahre gefeilt.

---

Im Ernst: erst kommt die Lyrik, dann die Theorie. Wobei aber etwas Theorie der Qualität der Lyrik nicht unbedingt schaden muß.

Schönen Gruß zurück
Ex-Schamanski ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 02.02.2011, 22:49   #8
Ex-Odiumediae
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Für mich – und das wirklich nur meine persönliche Definition – ist ein Gedicht, wenn es entweder einen ansprechenden Rhythmus bietet, ein erkennbares Metrum oder vernünftig gereimt ist. Letzteres heißt für mich, dass die Reime als Reime zu erkennen sind. Ein Werk, das durchweg unreime Reime enthält (z.B. 'müde' auf 'schiede') könnte ich zur not noch als Gedicht akzeptieren, wenn der Inhalt entsprechend ästhetisch oder bedeutungsschwanger ist und das Ganze nicht zu bemüht klingt.
Ex-Odiumediae ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 02.02.2011, 23:17   #9
Thing
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Besser als Odiumediae hätte ich es nicht ausdrücken können!
Thing ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 19.09.2011, 10:26   #10
Ex-Kaleidoskop
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Dabei seit: 07/2011
Beiträge: 217

Zitat:
Ein Gedicht ist immer die Frage nach dem Ich.
Gottfried Benn

Zitat:
Ein gutes Gedicht ist das eindringlichste Mittel der Belebung des Gemüts.
Immanuel Kant

Zitat:
Nichts meint das Gedicht weniger, als in dem Lesenden den möglichen Dichter aufzuregen.
Rilke

Zitat:
Ein gesunder Mensch wird immer rot,
wenn er ein Gedicht gemacht hat.
Frank Wedekind

Zitat:
Ein Gedicht sind Worte,
hübsch mit Poesie verpackt,
die erst nach dem Entkleiden
das Wesentliche offenbaren.
Helga Schäferling



Ein Gedicht ist eine Buchstaben-Suppe.
Man liest in ihr, wie in einem Orakel.
Es bleibt entweder Suppe oder wird eine Offenbarung.

(das ist von mir )
Ex-Kaleidoskop ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 19.09.2011, 19:20   #11
weiblich Ilka-Maria
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In seinem Buch "Einführung in die Gedichtanalyse" versucht Dieter Burdorf gleich zu Beginn auf ca. 20 Seiten zu klären, was ein Gedicht ist und zitiert dabei etliche Dichter, Philosophen und Literaturwissenschaftler. Auch untersucht der den historischen Aspekt, also die Entstehung und Entwicklung von Gedichtformen. Zu einem eindeutigen Ergebnis ist er allerdings nicht gekommen.

Vielleicht ist das auch der Grund, weshalb der sonst so streitbare Reich-Ranicki sich bei Gedichten zurückhält, jedenfalls habe ich mal einen Artikel von ihm gelesen, in dem er geschrieben hatte, er könne nicht beurteilen, ob ein Gedicht gut oder schlecht ist.
Ilka-Maria ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 26.09.2011, 22:42   #12
männlich Ex-Abendstern
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Standard Was ist ein Gedicht und woran erkenne ich ein gutes Gedicht?

Hallo, ich greif das Thema neu auf, da ich es so interessant finde, bitte aber zwei Fragen zu unterscheiden:

A) Was macht aus einem Text ein Gedicht?
B) Was macht aus einem Gedicht ein gutes Gedicht?

LG
Abendstern
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Alt 26.09.2011, 23:45   #13
Ex-Odiumediae
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Beiträge: 1.152

N'abend, Abendstern!

Gute Idee!

Für mich ist ein deutschsprachiger Text dann ein Gedicht, wenn zumindest eine der folgenden Hauptkriterien erfüllt ist:
  • es für mich erkennbar und nachvollziehbar in Sinnabschnitte (Verse und/oder Strophen) aufgeteilt ist
  • ihm ein erkennbares Metrum zugrunde liegt, z.B. durch:
    • eine mindestens ein Mal wiederkehrende individuelle Betonungsfolge durch die Kombination der im Deutschen möglichen Versfüße (Jamben, Trochäen, Spondeen, Daktylen, Anapäste), also Freie Rythmen
    • Versmaße (Alexandriner, Endecasillabo, Vierheber, …)
    • ein komplexeres Silbenschema nach antikem Vorbild (Hexameter, Pentameter, …)
  • Reime (auch, sofern nicht ausschließlich oder durch andere Aspekte unterstützt, unreime Reime und Assonanzen, nicht zwingend nur am Versende)
  • dem Text ein festes Silbenschema zugrunde liegt und dessen Inhalt ein Grundthema behandelt (z.B. Haikus)
  • syntaktisch möglichst einwandfrei ist

und der Text:
  • mir zumindest eine erkennbare Interpretationsmöglichkeit bietet
  • den Eindruck erweckt, dass es der Autor im Sinn hatte, ein Gedicht zu schreiben, dass auch tatsächlich zumindest eine Interpretationsmöglichkeit bietet

Die Aussage des Autors, der Text sei ein Gedicht, reicht mir nicht mehr. Bloße Wortsalate, die auf mich den Eindruck erwecken, sie seien ohne Kohärenz und Kohäsion (im linguistischen Sinn) verfasst worden (absichtlich oder nicht) kann ich nicht mehr als Gedicht ansehen, weil meiner Meinung nach nur etwas inhaltlich verdichtet werden kann, wenn es auch inhalt im abstrakt-interpretatorischen Sinn besitzt.
Wenn ein Autor den Anspruch erhebt, sein Gedicht beinhalte dadurch einen Sinn, dass es keinen Sinn ergibt, empfinde ich das als Widerspruch, denn wie soll man ein Vakuum komprimieren?


Ein Gutes Gedicht macht für mich ein Text aus. der:
  • die oben genannten Kriterien erfüllt
  • sprachökonomisch, aber dabei nicht künstlich ist (zu viele Inversionen, Auslassungen)
  • nicht den Eindruck erweckt, der Autor sei dem Reimzwang unterlegen gewesen (merkwürdige oder semantisch fragwürdige Wortwahl)
  • eine nicht aufgesetzt wirkende klassische Sprache bietet
  • es mit der modernen Sprache (z.B. Anglizismen) nicht übertreibt
  • Fäkalsprache sparsam und zielsicher einsetzt
  • etwas bietet, dass ich noch nicht kannte und das mir gefällt oder mich inspiriert


-----

Dieser Faden gefällt mir. Endlich wird betont, dass es kein allgemeingültiges Konzept von Lyrik gibt, man kann seine eigene Meinung abgeben und muss sich nicht sagen lassen, man wisse nicht, was Lyrik sei oder könne sie nicht von Prosa unterscheiden.
Ex-Odiumediae ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 27.09.2011, 17:41   #14
männlich Ex-Abendstern
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Damit kann ich direkt was anfangen, Odiumediae. Danke für die Mühe.

Kleine Anmerkung: Bei den Kriterien eines Textes, von denen wenigstens einer erfüllt sein muß, damit Du ihn als ein Gedicht ansehen kannst, hast du "syntaktisch möglichst einwandfrei" aufgeführt. Diesen Punkt würde ich verschieben in die Kriterien für ein gutes Gedicht. Denn ein Text, der syntaktisch n u r einwandfrei ist, ist damit sicherlich noch kein Gedicht.

Bei den Kriterien für ein gutes Gedicht würde ich den ersten Punkt komplett streichen, da sich nur ein Text als g u t e s GEDICHT erweisen kann, der bereits als Gedicht (an)erkannt wurde, egal ob gelungen oder nicht. Daß ein gutes Gedicht als Grundvoraussetzung ein G e d i c h t sein muß, ist auch so klar.

Alle anderen Kriterien, die ein gutes Gedicht ausmachen, sollten prinzipiell komplett vorhanden sein, verstehe ich das richtig? Vielleicht solltest Du das ausdrücklich erwähnen, da sich die Aufzählung der Kriterien (für ein g u t e s Gedicht) in dieser Hinsicht von denen, die für dich ein Gedicht überhaupt erst ausmachen, unterscheidet.


LG
Abendstern
Ex-Abendstern ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 27.09.2011, 18:52   #15
männlich Martho
 
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Zitat:
Zitat von Abendstern Beitrag anzeigen
Bei den Kriterien für ein gutes Gedicht würde ich den ersten Punkt komplett streichen, da sich nur ein Text als g u t e s GEDICHT erweisen kann, der bereits als Gedicht (an)erkannt wurde, egal ob gelungen oder nicht. Daß ein gutes Gedicht als Grundvoraussetzung ein G e d i c h t sein muß, ist auch so klar.
- Bei den Kriterien für eine gute Banane würde ich den ersten Punkt komplett streichen, da sich nur ein Obst als g u t e BANANE erweisen kann, das bereits als Banane (an)erkannt wurde, egal ob gelungen oder nicht. Daß eine gute Banane als Grundvoraussetzung eine B a n a n e sein muß, ist auch so klar. -
Ich habe den Text ein wenig modifiziert, um euch zu zeigen: Es ist Sinnlos.
Generationen vor Euch haben sich gestritten und das werden auch Nachfolgende Generationen nicht unterlassen.
Wann ein Gedicht gut ist, ist immer eine Frage der Zeit, in der man lebt. Viele Dichter wurden zu Lebzeiten verkannt und sind heutzutage hoch angesehen. Das kann sich wieder ändern.
Des weiteren wären da noch die Kritiker. Ich meine die hochoffiziellen "Kritiker". Wenn ein solcher sagt: "Das ist Kunst!", dann hat sie das gefälligst auch zu sein, ganz gleich, was andere davon halten mögen.
Solltet ihr Euch also tatsächlich, wie auch immer einigen, dann gelten diese Kriterien bestenfalls für Poetry.de, und das auch nur, bis sie wieder geändert werden.
Ich wünsche euch dennoch viel Erfolg!
Martho ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 02.10.2011, 02:02   #16
männlich Ex-Schamanski
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Dann gebe ich einmal Antworten:

A) Was macht aus einem Text ein Gedicht?
B) Was macht aus einem Gedicht ein gutes Gedicht?

bzw.

A) Ab wann ist für Euch ein Text ein Gedicht?
B) Was macht für Euch ein gutes Gedicht aus?

---

A. Ein Gedicht ist, inhalts- und qualitätsunabhängig, ein jegliches Wortgebilde, das von einem Menschen geschrieben wurde in der Absicht, ein Gedicht zu produzieren.

B. Ein gutes Gedicht ist für mich ein Gedicht, das ich lese oder vorgetragen höre und dabei denke:

Ja. Das hat was. Da ist ein Könner am Werk. Der hat etwas zu sagen und sagt es gut. Das bewirkt in mir etwas.
Ex-Schamanski ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 02.10.2011, 11:57   #17
männlich Ex-Abendstern
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Beiträge: 583

Zitat:
Ein Gedicht ist, inhalts- und qualitätsunabhängig, ein jegliches Wortgebilde, das von einem Menschen geschrieben wurde in der Absicht, ein Gedicht zu produzieren.
Ein Autor schreibt also dann ein x, wenn er beabsichtigt, ein x zu schreiben. Das ist sehr geheimnisvoll, Schamansky. Aber man kann es auch so sehen: Wer nicht von innen heraus weiß, wann ein Text ein Gedicht ist, dem kann man es auch nicht erklären. Ich hätte es gern etwas konkreter.

Zitat:
Ein gutes Gedicht ist für mich ein Gedicht, das ich lese oder vorgetragen höre und dabei denke:
Ja. Das hat was. Da ist ein Könner am Werk. Der hat etwas zu sagen und sagt es gut. Das bewirkt in mir etwas.
Diese Art zu antworten setzt voraus, daß man weiß, was ein Gedicht ist... Außerdem sprechen mich auch Texte an, die ich im Leben nicht als Gedicht bezeichnen würde.

Ich vermute, die Ausgangsfragestellung ist etwas zu flach.

LG
Abendstern
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Alt 02.10.2011, 17:01   #18
männlich Ex-Schamanski
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zu A: ich will auf eine subjektive Definition seitens des Schreibenden hinaus. Wenn jemand einen Text schreibt in der Überzeugung, der Text sei ein Gedicht, dann gilt das. Es ist die Intention, ein Gedicht zu produzieren, die einen Text zum Gedicht macht. Sicher lassen sich viele objektive Kriterien für lyrische Texte erheben, aber eine saubere Abgrenzung zwischen Gedicht und nicht-Gedicht gelingt einfach nicht - ab wann ist ein Text kein Gedicht mehr?

---

zu B: Man kann durchaus einen Zirkelbezug da hineininterpretieren, aber meine Absicht ist das nicht. Worauf ich hinaus will: damit ich ein Gedicht gut finde, muß es keinen bestimmten formalen oder inhaltlichen Kriterien entsprechen. Damit bleibe ich offen für alle möglichen Gattungen und lege mich nicht auf konventionell-gereimt-gebunden-frei-experimentell-undhassenichgesehn fest. Ich halte Schillers "Glocke" und Rilkes "Karussell" für gute Gedichte, aber auch Celans "Todesfuge", Lasker-Schülers "Höre", Jandls "schtzngrmm", Gomringers "schweigen". Komplett unterschiedliche lyrische Kategorien, aber nach meinem Empfinden alles gute Gedichte.


---

Es ist mir bewußt, daß ich damit zwei Dinge sage, die reichlich Wischiwaschi sind. "Ein Gedicht ist das, was als Gedicht produziert wurde, und ein gutes Gedicht ist ein Gedicht, das mir gefällt." Das gibt zugegeben nicht viel ab, und ich will damit keinesfalls die gesamten literaturwissenschaftlichen Kriterien vom Tisch wischen. Die haben alle ihre Berechtigung für die Textanalyse, doch am Ende entscheidet für mich subjektiver Geschmack.
Ex-Schamanski ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 04.10.2011, 23:43   #19
männlich Heinz
 
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was ein Gedicht ist?
Die Literatur nimmt ganze Räume ein. Ich mach es mir da einfacher. Als Neudüsseldorfer frage ich einen Altdüsseldorfer, und der sagt:

Des Weibes Leib ist ein Gedicht,
das Gott der Herr geschrieben
ins große Stammbuch der Natur,
als ihn der Geist getrieben.

Ja, günstig war die Stunde ihm,
der Gott war hochbegeistert;
er hat den spröden, rebellischen Stoff
ganz künstlerisch bemeistert.

Fürwahr, der Leib des Weibes ist
Das Hohelied der Lieder;
Gar wunderbare Strophen sind
Die schlanken, weißen Glieder.

O welche göttliche Idee
ist dieser Hals, der blanke,
worauf sich wiegt der kleine Kopf,
der lockige Hauptgedanke!

Der Brüstchen Rosenknospen sind
epigrammatisch gefeilet;
unsäglich entzückend ist die Zäsur,
die streng den Busen teilet.

Den plastischen Schöpfer offenbart
der Hüften Parallele;
der Zwischensatz mit dem Feigenblatt
ist auch eine schöne Stelle.

Das ist kein abstraktes Begriffspoem!
Das Lied hat Fleisch und Rippen,
hat Hand und Fuß; es lacht und küßt
mit schöngereimten Lippen.

Hier atmet wahre Poesie!
Anmut in jeder Wendung!
Und auf der Stirne trägt das Lied
den Stempel der Vollendung.

Lobsingen will ich dir, o Herr,
und dich im Staub anbeten!
Wir sind nur Stümper gegen dich,
den himmlischen Poeten.

Versenken will ich mich, o Herr,
in deines Liedes Prächten;
ich widme seinem Studium
den Tag mitsamt den Nächten.

Ja, Tag und Nacht studier ich dran,
will keine Zeit verlieren;
die Beine werden mir so dünn -
das kommt vom vielen Studieren.

Ist das nicht wunderschön? Jetzt wissen wir, was ein Gedicht ist, und wer wüsste das besser, als einer unserer großen Dichter - Heinrich Heine.
Liebe Grüße,
Heinz
PS.
Der Titel ist "Das Hohelied"
Heinz ist gerade online   Mit Zitat antworten
Alt 13.10.2011, 20:01   #20
weiblich marlenja
 
Dabei seit: 11/2010
Beiträge: 3.206

Zitat:
Zitat von Schamansky Beitrag anzeigen
"Ein Gedicht ist das, was als Gedicht produziert wurde, und ein gutes Gedicht ist ein Gedicht, das mir gefällt."
So sehe ich das auch.

Wo bist Du denn geblieben?
marlenja ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 13.10.2011, 20:34   #21
Thing
R.I.P.
 
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Dabei seit: 05/2010
Alter: 74
Beiträge: 35.121

haha, lol, lao,loa, lila
wunderkind macht
mich hihi pipi nacht
roar roar oaooupapa lala
krschtnd nicht dicht


d a s ist ein Gedicht!
Thing ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 22.10.2011, 14:05   #22
männlich Gram
 
Benutzerbild von Gram
 
Dabei seit: 02/2010
Ort: Oettingen
Alter: 39
Beiträge: 494

Was für ein Thread!

Natürlich kann man auf Metrum und Reim verzichten, doch wo ist dann die Kunst dabei? Jeder Zweitklässler kann schreiben, Texte sind nicht gleich Kunst.

Prosa ist kein Gedicht, Prosagedichte, hehe, ja sind ja in.

Für mich ist ein Gedicht etwas, wofür man Talent braucht.

Da heisst es weiter oben, es bräuchte kein Versmaß und auch keinen Reim, doch sobald man etwas postet, wo angeblich das Versmaß "holpert", wird es kritisiert. Sobald man einen Reim verwendet, der angeblich nicht stimmig ist, wird kritisiert. Nun ist Kritik das Beste, das einem kreativen Kopf passieren kann, doch Widerspruch bleibt Widerspruch.
Gram ist offline   Mit Zitat antworten
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