Poetry.de - das Gedichte-Forum
 kostenlos registrieren Forum durchsuchen Letzte Beiträge

Zurück   Poetry.de > Gedichte-Forum > Düstere Welten und Abgründiges

Düstere Welten und Abgründiges Gedichte über düstere Welten, dunkle und abgründige Gedanken.

Antwort
 
Themen-Optionen Thema durchsuchen
Alt 30.12.2017, 19:45   #1
weiblich Ex-MeineEigeneWelt
abgemeldet
 
Dabei seit: 12/2014
Beiträge: 1.506

Standard Rauer Tau

Türen knallen, Lichter flackern,
Münder schweigen wie Gräber.
Harmonien schwinden wie einst,
Symphonien erklingen wie nie.

Und wenn die Nacht anbricht,
die Stadt tausend Stimmen verliert,
dann lehnen einsame Seelen
an Mauern, die nichts mehr bedeuten.

Selbst wenn nach all den 30 Jahren
Herzen bröckeln und zerbrechen,
so gibt es trotzdem Totengesang,
dessen Melodien man noch lebt.

Mir sind Träume sachte nur zerronnen
und Hoffnungen hat man zermürbt.
Ruinen entreißen, Schmerzen lindern:
Meinen Geist befreien; erleben.

26.12.2017
Ex-MeineEigeneWelt ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 31.12.2017, 09:01   #2
männlich Gemini
gesperrt
 
Dabei seit: 05/2006
Alter: 46
Beiträge: 1.345

Hallo mein Lieber

Ein sehr schönes Gedicht.

Mir fehlen allerdings noch ein paar -
und ;
und

Ab

Sätz

E

Du könntest die Zeilen besser auslaufen lassen.
Wenn du das Gedicht laut vorträgst, wirst du merken, wo diese Zeichen fehlen.

Schönen Gruß

Gem

edit: Verzichte auf . und ,

Nur meine Meihnung
Gemini ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 01.01.2018, 23:04   #3
weiblich Ex-MeineEigeneWelt
abgemeldet
 
Dabei seit: 12/2014
Beiträge: 1.506

Danke für Deine Anregungen, lieber Gemini!

Jedoch fällt mir ein Verzicht auf Punkt und Komma schwer.

Ich werd mich nochmals damit beschäftigen; hab Dank!
Ex-MeineEigeneWelt ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 02.01.2018, 02:41   #4
männlich Eisenvorhang
 
Dabei seit: 04/2017
Beiträge: 2.588

Hi MeineEigeneWelt!

Bei Versen wie:

"Harmonien schwinden wie einst"

Würde ich der Präzision wegen lieber:

"Harmonien verschwinden wie einst"

oder "vergehen", "dahingehen", "entschwinden", "erlöschen" etc.

schreiben. In dem Fall aber ver-schwinden.

"Schwinden" ist ein starkes Verb, das in meinen Augen lyrisch nicht verwoben werden sollte.

Eine liebgemeinte und keine böse Kritik!

Denn: ich habe Dein Gedicht wirklich sehr gern gelesen.

gursky
Eisenvorhang ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 27.01.2018, 03:53   #5
männlich Meishere
 
Dabei seit: 05/2014
Ort: Berlin
Alter: 24
Beiträge: 885

Hey, bin gerade mal wieder hier durchgehuscht, war ja länger nicht da, und wollte doch mal nen Kommentar da lassen

Das ist mit Abstand das beste, was ich bisher von dir gelesen habe. Und auch allgemein betrachtet find ich es wirklich gut.
Eine einzige Sache, die meinen Lesefluss etwas stört ist die 30. Aber ich gehe mal stark davon aus, dass sie eine wichtige Bedeutung hat, sonst würde sie da ja nicht stehen. Und deswegen ist das auch gar nicht schlecht, dass sie einen kurz stoppt.

"dann lehnen einsame Seelen
an Mauern, die nichts mehr bedeuten"
Toll


Liebe Grüße
Meishere ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 27.01.2018, 10:35   #6
männlich Heinz
 
Benutzerbild von Heinz
 
Dabei seit: 10/2006
Ort: Hilden, NRW
Beiträge: 5.492

Hallo MeineEigeneWelt,
gestolpert bin ich über die beiden Verse
"Harmonien schwinden wie einst,
Symphonien erklingen wie nie."
Was ist eine Symphonie? Doch wohl ein harmonisches Zusammenklingen von Tönen. Wenn die Harmonien schwinden, dann ist finito mit der Symphonie.
Bitte mal darüber nachdenken beim Überarbeiten.
Liebe Grüße,
Heinz
Heinz ist gerade online   Mit Zitat antworten
Alt 28.01.2018, 12:00   #7
männlich Meishere
 
Dabei seit: 05/2014
Ort: Berlin
Alter: 24
Beiträge: 885

Hallo Heinz,

ich finde es interessant, dass du auf diesen Punkt eingehst, mit der Unterstellung, die Dichterin hätte das nicht bedacht und müsste überarbeiten.
Wenn jemand solche Verse schreibt, dann ist es doch recht wahrscheinlich, daß derjenige aus aus genau diesem Grund diese Worte wählt, oder?
Ist solch eine Anmerkung nicht vergleichbar damit, Paul Celan zu sagen "Milch kann nicht schwarz sein, das solltest du nochmal überdenken beim Überarbeiten"?

Ich denke der Ansatz sollte eher sein darüber nachzudenken, was es bedeutet.
So könnte man darin bspw. eine Art Scheinheiligkeit sehen. Symphonien ohne Harmonie wirken doch recht verzweifelt. Vielleicht aber auch das Gegenteil; auch wenn die Harmonien schwinden (aber noch nicht komplett verschwunden sind!), erklingen (einige!) Symphonien lauter denn je, in dem Versuch sich zu wehren. Oder Symphonien kann als starker Euphemisms und Ironie verstanden werden; die Harmonie zwischen (zwei?) Menschen schwindet und trotzdem erzeugen sie eine neue Art von Symphonie, von Zusammenspiel, durch Unmut, Streit, Brüllen.
Und jenachdem, wie man das Gedicht liest, mag man auch noch einige andere Möglichkeiten der Interpretation finden.
Die beiden Verse zu überarbeiten ist da meiner Meinung nach nicht zielführend


Liebe Grüße
Meishere ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 28.01.2018, 13:37   #8
gummibaum
 
Dabei seit: 04/2010
Alter: 66
Beiträge: 10.927

Liebe MeineEigeneWelt,

über das Zerbrechen einer Welt legt sich gütig der Tau und benetzt das Weiterleben. Das Gedicht gefällt mir, die reimlose Form passt gut zum Inhalt. Es erinnert mich an eines, das ich mit 16 schrieb, als meine Eltern sich trennten.

Liebe Grüße
gummibaum

Geändert von gummibaum (28.01.2018 um 18:53 Uhr)
gummibaum ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 28.01.2018, 18:45   #9
männlich Heinz
 
Benutzerbild von Heinz
 
Dabei seit: 10/2006
Ort: Hilden, NRW
Beiträge: 5.492

Hallo Meishere,
es ehrt Dich, wenn Du Dich für eine Poetin einsetzt, der ich allerdings nur eine Verständnisfrage gestellt habe.
Richtig: Ich vermute, die Dichterin hat nicht bedacht, dass sie zwei Begriffe mit identischer Bedeutung gebraucht hat, ähnlich als würde ich von Hochprozentigen ohne Alkohol sprechen.
Harmonie ist Einklang, Eintracht, Ebenmaß und eine Symphonie ohne Harmonie wirkt nicht verzweifelt - sie ist dann einfach keine.
Was Celans schwarze Milch damit zu tun hat, wird wohl ewig Dein Geheimnis bleiben.
Liebe Grüße,
Heinz
Heinz ist gerade online   Mit Zitat antworten
Alt 29.01.2018, 11:36   #10
männlich Meishere
 
Dabei seit: 05/2014
Ort: Berlin
Alter: 24
Beiträge: 885

Hallo Heinz,

oh, es geht mir nicht wirklich um das Einsetzen für die Dichterin. Das kann MeineEigeneWelt ja selbst, wenn es wirklich nötig sein sollte.
Ich hatte nur Lust drüber zu sprechen :P
Und auf dieser Basis soll mein Post natürlich auch nicht böse gemeint sein
Mir ist nicht ganz klar, wo in deiner ersten Antwort die Verständnisfrage steckt, das war ja mein Problem.
Celans schwarze Milch ist eine Art Paradoxon und hübsch kurz und deswegen ein gutes Beispiel :P
Und noch dazu sicher eins der meist diskutierten in der Fachwelt.
Ich wollte damit nur sagen, dass dysharmonische Symphonien nicht möglich sein mögen, genauso wie Hochprozentiger ohne Alkohol nicht möglich sein mag, dass ich beides aber in einem Gedicht nicht per se als unbedacht betrachten würde, sondern grundsätzlich erstmal als das genaue Gegenteil.

Vielleicht gehen da unsere Meinungen auch einfach auseinander, bzw. wollte man das hier im speziellen wirklich klären, kommt es natürlich drauf an, was die Dichterin sich dabei gedacht hat.
Mich störte wohl die Frage "Was ist eine Symphonie?", die auch hätte sein können "Magst du mir das erklären, weil ich nicht verstehe, was du mir damit sagen möchtest?"
Natürlich verstehe ich aber deine Gründe für's Hinterfragen und wenn ein Denkfehler vorliegt, dann muss wohl auch irgendwer drauf hinweisen :P


Liebe Grüße
Meishere ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 29.01.2018, 22:59   #11
weiblich Ex-Letreo71
abgemeldet
 
Dabei seit: 01/2014
Ort: Niedersachsen
Beiträge: 4.052

Oh ha, liebe MEW, das ist aber ganz schön derbe, aber sehr gut geschrieben.
Schön, dich mal wieder zu lesen.

Lieben Gruß

Letreo
Ex-Letreo71 ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 01.06.2018, 23:12   #12
weiblich Ex-MeineEigeneWelt
abgemeldet
 
Dabei seit: 12/2014
Beiträge: 1.506

Zitat:
Zitat von Heinz Beitrag anzeigen
Was ist eine Symphonie? Doch wohl ein harmonisches Zusammenklingen von Tönen.
Und ein Werk aus mehreren aufeinander folgenden Sätzen.

Meishere, Du bist mit Deinen Erklärungen auf meinem Weg: Schwindet die Harmonie, wird begonnen in altbekannten Mustern (in Sätzen) nach außen hin die Harmonie aufrecht zu erhalten. Da dieser Akt schon fest in der Gewohnheit verankert ist, entsteht eine Art Symphonie.
Das Anhängsel "wie nie" in V4 ist pure Ironie.
-
Lieber Gummibaum,
Zitat:
über das Zerbrechen einer Welt legt sich gütig der Tau und benetzt das Weiterleben.
richtiger, starker Satz!
-
Lieber Eisenvorhang,
Zitat:
Harmonien verschwinden wie einst
Dein Vorschlag klingt für mich weniger geschmeidig, als mein "schwinden". Jedoch (wie Du schon sagst), der Präzision wegen passt "schwinden" weniger. Wenn ich es mir ausmale, dann machen sich die Harmonien abrupt aus dem Staub, und eben nicht geschmeidig. Dennoch passt mir das "verschwinden" nicht so ganz, da es die Harmonien so aktiv macht. Und ursprünglich sind sie nicht als Akteure gedacht. Sie werden nämlich einfach so weg gedroschen. Sind für mich passiv.


Nun:

Rauer Tau

Türen knallen, Lichter flackern,
Münder schweigen wie Gräber.
Harmonien entschlafen wie einst -
Symphonien erklingen wie nie.

Und wenn die Nacht anbricht,
die Stadt tausend Stimmen verliert,
dann lehnen einsame Seelen
an Mauern, die nichts mehr bedeuten.

Selbst wenn nach all den dreißig Jahren
Herzen bröckeln und zerbrechen,
so gibt es immer noch Totengesang,
dessen Melodien man stets lebt.

Mir sind Träume sachte nur zerronnen
und Hoffnungen hat man zermürbt,
doch:
Ruinen entreißen, Schmerzen lindern.
Meinen Geist befreien, erleben.


- Danke Euch allen, für Eure Kommentare!
Ex-MeineEigeneWelt ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 01.06.2018, 23:41   #13
männlich curd belesos
 
Benutzerbild von curd belesos
 
Dabei seit: 04/2013
Ort: Lübeck
Alter: 74
Beiträge: 1.131

Zitat:
Zitat von MeineEigeneWelt Beitrag anzeigen

Nun:

Selbst wenn nach all den dreißig Jahren
Herzen bröckeln und zerbrechen,
so gibt es immer noch Totengesang,
dessen Melodien man stets lebt.
moin moin MEW,

es ist nicht die Zahl, es ist die unglaubliche Erfahrung, das es noch gefühlt wird.....man lebt.

Du beeindruckst mich immer wieder ............mit deiner Art Gefühle in Worte zu fassen.

LG
CB
curd belesos ist offline   Mit Zitat antworten
Antwort

Lesezeichen für Rauer Tau

Themen-Optionen Thema durchsuchen
Thema durchsuchen:

Erweiterte Suche



Sämtliche Gedichte, Geschichten und alle sonstigen Artikel unterliegen dem deutschen Urheberrecht.
Das von den Autoren konkludent eingeräumte Recht zur Veröffentlichung ist Poetry.de vorbehalten.
Veröffentlichungen jedweder Art bedürfen stets einer Genehmigung durch die jeweiligen Autoren.