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Gefühlte Momente und Emotionen Gedichte über Stimmungen und was euch innerlich bewegt.

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Alt 25.06.2008, 17:36   #1
männlich Perry
 
Benutzerbild von Perry
 
Dabei seit: 11/2006
Alter: 67
Beiträge: 2.832

Standard Vorübergehendes Domizil

Vier Wände
mit einem Quadratmeter Hinterhofblick
Mülltonnenidyll

Für die paar Wochen wird es reichen
sagen die
die immer alles besser wissen

Auf den Tapeten Biographien
Höhlenzeichnungen
des Homo Neanderthalensis

Im Schein der schirmlosen Lampe
gefühlte fünfundzwanzig Watt
Schattentheater ohne Vorhang

Langsam löse ich mich
aus der Zuschauerrolle
mache Pantomime am Fenster

und du lachst
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Alt 13.07.2008, 20:15   #2
turmfalke
 
Dabei seit: 05/2005
Beiträge: 677

hallo perry,

war eben auf streifzügen im forum und bin auf dein gedicht gestoßen. als ich's angelesen habe, wollte ich fast schon wieder wegklicken, aber irgendwie hab ich dann doch weitergelesen. und das ende hat mich wirklich berührt. zum lächeln gebracht.
aber lass mich vorn anfangen: der titel schmeckt nach rastlosigkeit, unbeständigkeit, die aber direkt vom ersten vers zunichte gemacht wird - „vier wände“, das klingt so statisch und beengend, dass es einerseits unmöglich scheint, dort atmen zu können, andererseits wird hier schon das lyrische ich in die differenzierte beobachterrolle gedrängt. bis zum „mülltonnenidyll“ bleibt das so, doch nun folgt die strophe, bei der ich nicht sicher bin, ob sie nötig ist. dass hier die „anderen“ erwähnt werden, ist meiner meinung eigentlich überflüssig, weil sich das lyr.ich doch von anfang an klar abgrenzt. und dass es nur „für die paar wochen“ ist, erklärt ja schon der titel. ich glaube, das gedicht wäre geschlossener und „fester“, wenn die strophe fehlen würde.
die nächste strophe holt das lyr.ich in seine betrachterrolle zurück, es klingt nun fast verächtlich, als es betont, wie alt diese „vier wände“ sind, wie viele geschichten sie schon erlebt haben. das wirkt wohl auch wegen der lateinischen bezeichnung so. aber gerade an der stoße ich mich ein wenig, irgendwie wirkt die strophe dadurch sehr aufgesetzt und geplant.
über alles, was dann folgt, bleibt nicht viel zu sagen, ab hier gefällt mir das gedicht sehr.
nur ein paar vorschläge: vielleicht „eine schirmlose lampe“ statt „der“ schirmlosen lampe.
und: „mache pantomime am fenster“ - da klingt das „machen“ ganz arg nach nichts. es gibt wohl kein anderes wort dafür, aber das „machen“ klingt irgendwie nach „tun“, was mindestens genau so schlimm ist, wenn du verstehst, was ich meine.
der nachsatz „und du lachst“ gefällt mir am besten im gedicht, weil er dem ganzen eine wunderbar unerwartete wendung gibt, die das gedicht in ein ganz anderes licht taucht. durch diese plötzlich persönliche handlung wird die ganze kühle und bedrückende atmosphäre des gedichts aufgehoben und es wirkt plötzlich befreit und entspannt.
mir gefällt, dass du ein lyrisches ich gewählt hast, das aus seiner persönlichen sicht schreibt, da das gedicht eigentlich so distanziert wirkt, dass man genauso gut einen allwissenden erzähler hätte wählen können (und an alle klugscheißer: ich weiß, dass es in gedichten keinen erzähler gibt, aber ich hab ferien und mir fällt das wort nicht ein. asche über mein haupt und so). so hast du dir aber die möglichkeit offen gelassen, das lyr.ich persönlich werden zu lassen. und diese auflösung ist das, was mir an deinem gedicht so gefällt.

vermutlich war das jetzt alles nicht besonders hilfreich (und ich kann mich heute irgendwie nicht ausdrücken, tut mir leid), aber ich musste einfach etwas dazu schreiben.

es hat mir also alles in allem gefallen.
du kannst dir das mit den vorschlägen ja mal durch den kopf gehen lassen.

liebe grüße,
falke
turmfalke ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 14.07.2008, 18:10   #3
männlich Perry
 
Benutzerbild von Perry
 
Dabei seit: 11/2006
Alter: 67
Beiträge: 2.832

Hallo falke,
schön, dass du meinem Gedicht auch in diesem Forum "Leben" eingehaucht hast. Die von dir angesprochenen Punkte kann ich soweit nachvollziehen, wenn auch nicht umsetzten.
Z.B. ist der Hinweis "auf die anderen" ein wesentlicher Aspekt des Textes, weil wir i.d.U. nicht selbstbestimmt durchs Leben gehen, sondern meistens von anderen (Eltern, Freunde etc.) mitgeprägt werden. Weiterhin ist diese Stelle wichtig für den Schluss, weil das lachende DU ja auch zur Außenwelt gehört und hier den mehr positiven Teil besetzt. Das lateinische Wortspiel ist einfach eine Stil- bzw. Geschmackssache. Ansonsten lass ich mir den Text natürlich noch einmal mit deinen Anregungen durch den Kopf gehen.
Danke für dein Interesse und LG
Perry
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