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Lebensalltag, Natur und Universum Gedichte über den Lebensalltag, Universum, Pflanzen, Tiere und Jahreszeiten.

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Alt 24.06.2008, 15:23   #1
männlich Ex Albatros
abgemeldet
 
Dabei seit: 12/2005
Beiträge: 1.227

Standard Nebelmann

Nebelmann

Wenn die Sonne kurz nach Mittag hinterm Grat entflieht,
und in Lärchenzweigen bange Wehmut schaukelt,
wenn der Rauch in Schwaden abends über Dächer zieht,
hat dein Herz dir längstens Sommer vorgegaukelt.

Eng und einsam wird es jetzt um Hof und Scheunen,
denn der Nebelmann streicht lautlos durch die Gassen,
wischt hinweg was weit war hinter Zäunen
und bricht ein, wo Türen aufgelassen.

Schleicht als schaler Atem in die trägen Herzen,
die im Takt verklungner Melodien schlagen;
und erstickt mit grauem Tuch die dürren Kerzen,
die den Schein von leerer Hoffnung zu dir tragen.
Ex Albatros ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 24.06.2008, 15:44   #2
Drehrassel
 
Dabei seit: 03/2008
Beiträge: 100

solcher art langverse (mehr als fünf hebungen) erinnern mich immer sofort an stadler... naja egal! - meistens - finde ich - misslingen sie und kommen ungelenk, gewaltsam "geschmiedet" und rhythmisch wenig genießbar daher (außerdem inhaltlich willkürlich, weil einizg auf den end-reim hin konzipiert... was stadler ja genau zu vermeiden im sinn gehabt hatte), zumindest wenn es sich dabei um ein alternierendes maß handelt wie hier: trochäisch. -

in diesem fall aber - überraschung! - finde ich es gelungen! deine kleine legende vom "nebelmann", albatros, hat charme und liest sich flott und geschmeidig... schöne bilder, nicht innovativ, aber hübsch und in keinster weise gesucht epigonal. - gelungene ausgewogenheit an mimetischen naturbeschreibungen und sie romantisch "besinnenden" und mit gefühl aufladenden begriffen und attributen! nicht einmal die erzählstruktur stört hier wie sonst so oft in solchen kurzen und gereimten gedichten...

ganz kleine verbesesserungsvorschläge:
- das komma nach dem ersten vers würde ich lassen
- dafür vielleicht ein semikolon (plus gedankenstrich?) nach dem zweiten
- das doch etwas komisch-verklassizistischte "höf´" tauschen gegen "hof" (EIN hof - mehrere scheunen! schöneres bild zudem!)


fazit:
nicht die große kunst vielleicht, aber hübsch... gut gemacht
und gern gelesen,

drehrassel
Drehrassel ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 09.07.2008, 08:14   #3
männlich Ex Albatros
abgemeldet
 
Dabei seit: 12/2005
Beiträge: 1.227

Standard Lieber Drehrassel,

die ersten beiden Verse sind für sich gesehen jeweils Hauptsätze, deshalb ist das Komma nach der deutschen Rechtschreibung eigentlich richtig.

Den Strichpunkt habe ich gesetzt. Das Höf' habe ich in Hof umgewandelt, obwohl ich nicht unbedingt davon überzeugt bin, dass das wirklich besser ist.

Dir ganz lieben Dank für die überwiegend positive Textkritik.
Ach ja, entschuldige, wenn die Antwort so lange auf sich warten ließ.

LG Albatros
Ex Albatros ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 22.07.2008, 12:13   #4
michel schäfer
 
Dabei seit: 05/2007
Beiträge: 71

Hallo Albatros -

ich empfinde die 1.strophe als sehr stimmig, was sowohl rhythmus als auch bildhaftigkeit betrifft. Die wehmut (die Du fast schon überflüssigerweise auch noch nennst?) atmet durch die verse. Besonders gefällt mir hier, wie Du mit dem 'Herz'-begriff umgehst,
Zitat:
hat dein Herz dir längstens Sommer vorgegaukelt.
-

das hat was von ernster melancholie, von bewusstheit. Kompliment für die ganze strophe.

In der 2.strophe kam ich dann allerdings beim ersten lesen ins stolpern:
Zitat:
denn der Nebelmann streicht lautlos durch die Gassen,
irgendwie war ich auf ein anderes ende als "Gassen" eingestimmt, auf eine andere betonung bspw. wie in 'Gesträuch'...also unbetonte erste.
(Kann auch an der länge des zweiten verses liegen, denn

die letzten beiden strophen bieten mir keinerlei schwierigkeit.
Außerdem kreieren sie den höhepunkt an unheimlicher atmosphäre.

Gern gelesen! Grüße, Michl

P.s. "Hof und Scheunen" ist schon gut so. Finde ich!
michel schäfer ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 26.07.2008, 11:13   #5
männlich Ex Albatros
abgemeldet
 
Dabei seit: 12/2005
Beiträge: 1.227

Standard Hallo Michel,

ich bin immer noch am überlegen, ob ich nicht noch einen dritten Vers anschließen lasse, der die Wirkung des Nebels und der damit verbundenen Tristesse im Leben beleuchtet.

Die Gassen müssen bleiben, da sie eine Form der Lebensgemeinschaft beschreiben, die jetzt, in der Zeit des Nebels, aufgehoben oder beinträchtigt ist.

Jedenfalls dir wie immer besten Dank für dein konstruktives Feedback.
Ich bin zur Zeit nicht so tätig, mache so eine Art "Künstlerpause".

LG Peter
Ex Albatros ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 21.12.2011, 21:09   #6
männlich MaksimG
 
Dabei seit: 02/2011
Ort: Oberallgäu
Alter: 35
Beiträge: 9

Ein wunderschönes Gedicht, das ich gar nicht weiter kommentieren, interpretieren oder gar sezieren möchte. Ich habe in den vergangenen Tagen eine Menge Werke auf poetry.de gelesen, doch ich glaube, dass mir dieses hier von allen am allerbesten gefallen hat.
Und deswegen erlaube ich mir ausnahmsweise, einen dreieinhalb Jahre alten Faden wieder nach oben zu holen...
MaksimG ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 21.12.2011, 22:59   #7
männlich Ralfchen
 
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Alter: 73
Beiträge: 12.922

ich hababa noch nie wehmut in lärchenzweigen schaukeln sehen. kann man mir da helpen (einem flabbergastet welpen) ?
Ralfchen ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 25.12.2011, 17:22   #8
weiblich KleinerSpecht
 
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Dabei seit: 12/2011
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Beiträge: 149

ich mag es sehr.

Zitat:
denn der Nebelmann streicht lautlos durch die Gassen,
Zitat:
die den Schein von leerer Hoffnung zu dir tragen.
sind meine Lieblingverse, obwohl das ganze Gedicht klasse ist.
KleinerSpecht ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 25.12.2011, 17:28   #9
Thing
R.I.P.
 
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Dabei seit: 05/2010
Alter: 74
Beiträge: 35.149

Halli Hallo -


ich schließe mich uneingeschränkt MaximG an!
@ Ralfchen: Die fehlt es an Phantasie. Goethe z.B. hat viele solcher Metaphern gefunden.


LG
Thing
Thing ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 25.12.2011, 17:59   #10
männlich Ralfchen
 
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Beiträge: 12.922

yep ROMULanticus, ich bin fantasieleer. da ich aber ein lärchenkenner bin, wage ich die metapher zu bekreuzigen.
Ralfchen ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 25.12.2011, 18:13   #11
Thing
R.I.P.
 
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Alter: 74
Beiträge: 35.149

Chacun à son gôut!
Thing ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 26.12.2011, 00:24   #12
männlich Ralfchen
 
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Beiträge: 12.922

wuuui ma scheriiii
Ralfchen ist offline   Mit Zitat antworten
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