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Alt 25.08.2019, 13:55   #1
weiblich DieSilbermöwe
 
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Standard Eine richtig langweilige Geschichte*

Das Auto hielt vor dem Polizeigebäude und Randolph wurde aufgefordert, auszusteigen. Der Polizist ging voran und ließ ihn dann in ein Büro eintreten. Auf dem breiten Schreibtisch türmten sich Berge von Akten.
„Bitte setzen Sie sich", sagte der Polizist und setzte sich Randolph gegenüber hin. „Möchten Sie einen Kaffee?" Randolph nickte etwas überrascht und der Polizist
drückte auf einen Knopf auf der Sprechanlage.
„Bitte zwei Kaffee", sagte er und fragte zu Randolph gewandt: „Mit Milch und Zucker?"
„Beides", brachte Randolph gerade so heraus. Er hatte ein mulmiges Gefühl in der Magengrube. Warum war der Polizist so freundlich, wenn doch eine Anzeige gegen ihn vorlag? Und außerdem fiel ihm urplötzlich eine Szene aus einem modernen Karatefilm ein, den er vor ewig langer Zeit mal gesehen hatte. Auch in dem Film wurde dem Gangster Kaffee angeboten und eine Zigarette. Dann tauchten drei geil aussehende Miezen im ultrakurzen Rock mit Kaffee und Zigaretten auf und schwupp - als der Gangster am Kaffee nippen und an der Zigarette ziehen wollte, schlugen sie ihm beides mit Karategriffen aus der Hand und vermöbelten den Gangster nach Strich und Faden. Randolph war damals so begeistert von soviel geballter weiblicher Kampfkunst gewesen, dass es ihn nicht auf dem Kinosessel gehalten hatte. Er war aufgesprungen und hatte „Bravo!" gebrüllt. Allerdings, wenn ihm das jetzt selbst passieren würde....

Doch es passierte nichts, außer dass die Sekretärin zwei Kaffee mit Milch und Zucker auf einem Tablett hereinbrachte und auf dem Schreibtisch abstellte. Randolph starrte auf ihren üppigen Busen und konnte nicht verhindern, dass seine Gedanken wieder einmal um Sex kreisten.
„Bitteschön", sagte die Sekretärin und rauschte hinaus.
„Bedienen Sie sich", sagte der Polizist und wies auf den Kaffee. „Währenddessen nehme ich Ihre Personalien auf."
Randolph gab Namen, Geburtsdaten und Adresse an. „Weswegen wurde ich denn überhaupt angezeigt?" fragte er dann.
„Zunächst wegen Diebstahl und etwaiger Entführung von Frau Agnes Stucker."
Dann las der Polizist ihm eine Belehrung vor und Randolph entschloss sich, kein Wort mehr zu sagen.
„Sie wollen also zu allem schweigen", sagte der Polizist.
„Ja. Kann ich jetzt gehen?"
„Selbstverständlich."
Randolph stand auf. „Danke für den Kaffee."

Als Randolph draußen war, atmete er tief durch. Jetzt hieß es erst einmal, in Ruhe nachzudenken.

*Sagt nicht, ich hätte euch nicht gewarnt.
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Alt 25.08.2019, 16:52   #2
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hhhhhhhhhhhhh...ich dachte echt, dass dein prot nun auch vor dem kaffee-trinken zusammengeschlagen wird. der teil macht mir spaß zu lesen ohne dabei auf technische fehler zu achten, weil davon habe ich null ahnung. der humorige twist passt m.m.n. perfekt.

vlg
r
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Alt 25.08.2019, 17:05   #3
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Ich vermute stark, dass dies eine Protest-Geschichte sein soll, um "zu beweisen", wie langweilig ein Text ist, wenn er sich zu sehr an die Realität hält. Nice try - überzeugt mich aber nicht.
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Alt 25.08.2019, 17:21   #4
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aber das segment mit dem kaffee-servieren finde t.a. ich sehr gut.
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Alt 25.08.2019, 18:02   #5
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Zitat:
Zitat von Ralfchen Beitrag anzeigen
aber das segment mit dem kaffee-servieren finde t.a. ich sehr gut.
Irrealistisch. Ein Polizist ist kein Gastgeber.

Aber du meinst wahrscheinlich den Einschub mit der Filmsequenz.
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Alt 25.08.2019, 18:08   #6
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ah ok wenn du aber den film THE USUAL SUSPECTS anguckst (habe ich vie mal gesehen) dann wir der verdächtige Kevin Spacey (der in wirklichkeit Keyser Söze ist) von Chazz Palminteri verhört wird und kaffe angeboten bekommt...

https://www.youtube.com/watch?v=QnxEeT5pCes

https://www.youtube.com/watch?v=X-LROTZ3yu0

schau bei 1:10
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Alt 25.08.2019, 18:30   #7
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Ich kenne den Film, Ralfchen.

Es geht mir gar nicht um den Kaffee, sondern um die Art und Weise, wie er angeboten wird. Warum sollte sich ein Polizist, geschweige denn ein verhörender Polizist, zum Gastgeber und seine Sekretärin zur Serviermamsell degradieren? Man stellt den Kaffee vorher in der Thermoskanne bereit, und der "Gast" kann sich selbst bedienen. Damit bleibt der Polizist auf Augenhöhe.
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Alt 25.08.2019, 18:40   #8
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stimmt...aber so schreibt SM eben. sie sieht und schreibt situationen aus einer lebensfremden perspektive. das zeigt sich immer wieder. aber so ist es eben wie hättest du den absatz formuliert?

ich:
Zitat:
Vor dem Polizeigebäude forderte einer der Bullen Randolph auf, auszusteigen, und schritt vor ihm in das Polizeirevier. Er liess ihn vor vor sich in ein Büro eintreten.

„Setzen Sie sich",

Kaffee?"

Randolph nickte etwas überrascht und der Polizist füllte aus einer Thermos zwei Schalen Kaffee.

„Mit Milch und Zucker?"

„Beides"
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Alt 25.08.2019, 18:48   #9
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Zitat:
Zitat von Ralfchen Beitrag anzeigen
wie hättest du den absatz formuliert?
Gar nicht, weil ich ihn nicht geschrieben hätte. Jeder Autor hat seine eigene Methode, in eine Geschichte einzusteigen.
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Alt 25.08.2019, 18:52   #10
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aber real gesehen kommt das vor. ich wurde 1978 bei der einreise mal am flughafen zürich festgenommen und verhört weil ich Im zusammenhang mit der ermordung von HANNS MARTIN SCHLEYER irrtümlich nach einem jahr noch immer auf der terroristen fahndungsliste abgebildet war und man servierte mir würstchen mit einem stück brot und limonade...
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Alt 25.08.2019, 19:01   #11
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Zitat:
Zitat von Ralfchen Beitrag anzeigen
aber real gesehen kommt das vor. ich wurde mal am flughafen zürich festgenommen und verhört weil ich Im zusammenhang mit der ermordung von HANNS MARTIN SCHLEYER irrtümlich noch immer auf der terroristen fahndungsliste abgebildet war und man servierte mir würstchen mit einem stück brot und limonade...
Ralfchen, das war in der Steinzeit!

Inzwischen ist man in der Kriminalpsychologie und bei Verhörtechniken eine ganze Ecke weiter. Schau dir mal die Interviews mit Josef Wilfing an. Er gilt als der Beste seines Fachs, hat aber in seiner Anfangszeit auch Fehler gemacht. Mit der Erfahrung findet man die richtigen Techniken.
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Alt 26.08.2019, 06:36   #12
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Zitat:
Zitat von Ilka-Maria Beitrag anzeigen
Ich vermute stark, dass dies eine Protest-Geschichte sein soll, um "zu beweisen", wie langweilig ein Text ist, wenn er sich zu sehr an die Realität hält. Nice try - überzeugt mich aber nicht.
Richtig vermutet

@Ralfchen

Zitat:
hhhhhhhhhhhhh...ich dachte echt, dass dein prot nun auch vor dem kaffee-trinken zusammengeschlagen wird. der teil macht mir spaß zu lesen ohne dabei auf technische fehler zu achten, weil davon habe ich null ahnung. der humorige twist passt m.m.n. perfekt.
Danke

Zitat:
stimmt...aber so schreibt SM eben. sie sieht und schreibt situationen aus einer lebensfremden perspektive.
Du hast doch in letzter Zeit immer wieder betont, dass du keine Ahnung vom Prosa schreiben hast? Die Bemerkung amüsiert mich jetzt.
Allerdings, auf den Text hier angewendet, ist "lebensfremd" schon richtig. Der Polizist hier verhält sich auch übertrieben freundlich. Ich glaube auch nicht, dass Polizisten sich so verhalten bei einer Vernehmung. Allerdings, nachdem bei der letzten Geschichte alle Kommentatoren protestiert haben, dass ein Polizist sich nicht so benehmen darf, dachte ich, ich übertreibe es mal in die andere Richtung.
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Alt 26.08.2019, 07:00   #13
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Zitat:
Zitat von DieSilbermöwe Beitrag anzeigen
Der Polizist hier verhält sich auch übertrieben freundlich. Ich glaube auch nicht, dass Polizisten sich so verhalten bei einer Vernehmung.
Nicht ganz, aber bis zu einem gewissen Grad. "Freundlich" ist dafür lediglich das falsche Wort. Der Spezialist wird vor der eigentlichen Vernehmung eine Vertrauensbasis herstellen, so dass sich sein Gegenüber entspannt fühlt, also quasi auf "Normalverhalten" schaltet. Wenn dann die konkreten Fragen kommen, kann der Kriminaler deutlicher Veränderungen in Körperhaltung, Mimik, Gestik und Stimmlage beobachten und dadurch Hinweise bekommen, wo er stärker nachhaken muss.

Jedenfalls ist ein verbindliches Verhalten des Kriminalers besser, als schroff vorzugehen, weil dann bei dem Zeugen oder Tatverdächtigen die Schotten zugehen würden.
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Alt 27.08.2019, 10:13   #14
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Liebe Silbermöwe,
eine in Prosa geschriebene Geschichte ist eine künstlerisch bearbeitete Geschichte und unterscheidet sich natürlich von einer trockenen Reportage.
Auch eine Reportage kann kurzweilig und spannend sein, unterscheidet sich aber doch sehr von einer "gestalteten" Story.
Aber zum Inhalt ist doch etwas zu sagen: Liebe Ilka-Maria, offensichtlich bist Du, danke wem auch immer dafür, nie in die Verlegenheit gekommen, verhört zu werden. Da bin ich Dir gegenüber im "Vorteil". Es war, und ich spreche von einem Zeitraum um 1979/1980, selbst in der gefürchteten Untersuchungshaftanstalt des Stasi in Berlin-Hohenschönhausen, durchaus üblich, dass gegen 9.00 Uhr Kaffee mit oder ohne Zucker oder Kaffeesahne, vom Vernehmer angeboten wurde. Der wurde dann allerdings nicht von einer hübschen Sekretärin, sondern von einem finster blickenden Unterleutnant gebracht. Beim ersten Mal war ich natürlich misstrauisch (wer konnte wissen, ob da nicht was reingemischt war?) und verlangte, dass die Kaffeekännchen je zur Hälfte vom Vernehmer, zur anderen Hälfte von mir getrunken wurde.
Selbst darauf ließ der Vernehmer sich ein und konnte sich ein leichtes Grinsen nicht verkneifen. Über die Qualität des Kaffees ließe sich trefflich streiten. Aber es gehörte wohl zu den ausgefeilten Vernehmungspraktiken, den Prozess des Stockholm-Syndroms nachzuhelfen.
Liebe Grüße,
Heinz
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Alt 27.08.2019, 10:50   #15
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Zitat:
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Liebe Ilka-Maria, offensichtlich bist Du, danke wem auch immer dafür, nie in die Verlegenheit gekommen, verhört zu werden. Da bin ich Dir gegenüber im "Vorteil". Es war, und ich spreche von einem Zeitraum um 1979/1980, selbst in der gefürchteten Untersuchungshaftanstalt des Stasi in Berlin-Hohenschönhausen, ...
Das stimmt, Heinz, ich bin noch nie vernommen worden ("verhört" ist Fernsehkrimi-Jargon). Wäre dem so gewesen, hätte das in einem Rechtsstaat stattgefunden, nicht in einer Diktatur wie der DDR, in der bekannterweise andere "Regeln" herrschten. Obendrein kann man davon ausgehen, dass die Vernehmungstechniken innerhalb von 40 Jahren neuen Erkenntnissen angepasst wurden. Der einschlägigen Literatur von Vernehmungsspezialisten meine ich das jedenfalls entnehmen zu können.
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Alt 27.08.2019, 10:53   #16
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Zitat:
Zitat von Heinz Beitrag anzeigen
Liebe Ilka-Maria, offensichtlich bist Du, danke wem auch immer dafür, nie in die Verlegenheit gekommen, verhört zu werden. Da bin ich Dir gegenüber im "Vorteil". Es war, und ich spreche von einem Zeitraum um 1979/1980, selbst in der gefürchteten Untersuchungshaftanstalt des Stasi in Berlin-Hohenschönhausen, ...
Das stimmt, Heinz, ich bin noch nie vernommen worden ("verhört" ist Fernsehkrimi-Jargon). Wäre dem so gewesen, hätte das in einem Rechtsstaat stattgefunden, nicht in einer Diktatur wie der DDR, in der bekannterweise andere "Regeln" herrschten. Obendrein kann man davon ausgehen, dass die Vernehmungstechniken innerhalb von 40 Jahren neuen Erkenntnissen angepasst wurden. Der einschlägigen Literatur von Vernehmungsspezialisten meine ich das jedenfalls entnehmen zu können. Außerdem ist es nicht von Nachteil, als Bürger der Bundesrepublik Deutschland wenigstens seine wichtigsten Rechte zu kennen.

Schriebe ich eine Geschichte, in der ein Stasi-Knast und dessen Schergen eine Rolle spielen, sähe das natürlich anders aus, als fände sie in der Bundesrepublik Deutschland statt.

Und schließlich: In Silbermöwes Geschichte geht es nicht um die staatsanwaltliche oder richterliche Vernehmung eines Festgenommenen, sondern es geht um eine Zeugenvernehmung, die bei der Polizei stattfindet. Nach deutschem Recht hätte der Protagonist sich gar nicht vorladen bzw. ins Polizeirevier oder zur Kripo mitnehmen lassen brauchen. Er hat, was die Polizei angeht, Verweigerungsrecht.
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Alt 27.08.2019, 11:21   #17
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stimmt: Man wurde nicht zum "Verhör" geholt, sondern zur Vernehmung. Folgerichtig hieß der Typ auf der anderen Seite des Schreibtischs "Vernehmer".
Die Vernehmungspraktiken haben sich im Laufe der Jahre tatsächlich geändert.
In den 50er bis Anfang der 60er war die Unterbringung im "U-Boot" gang und gäbe, inkl. körperlicher Folter, Dunkelhaft und was es dergleichen gab.
Die erpressten Geständnisse, das haben wohl die Zuständigen eingesehen, waren oft keinen Pfifferling wert. Wie man Häftlinge auch ohne physische Gewalt gefügig machen konnte? Einzelhaft, Orientierungslosigkeit, Kommunikationsentzug, Lockangebote - o ja, sie waren sehr erfinderisch.
LG
Heinz
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Alt 27.08.2019, 11:44   #18
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Zitat:
Zitat von Heinz Beitrag anzeigen
Wie man Häftlinge auch ohne physische Gewalt gefügig machen konnte? Einzelhaft, Orientierungslosigkeit, Kommunikationsentzug, Lockangebote - o ja, sie waren sehr erfinderisch.
Darüber habe ich in Wolf Biermanns Autobiografie gelesen. Er selbst war zwar nie in dieser Heftigkeit betroffen gewesen, aber etliche seiner Freunde.

Habe übrigens gerade gelesen, dass es 2017 eine Gesetzesänderung gab (§ 163 StPO). Danach sind Zeugen bei Vorladung durch die Polizei nunmehr zum Erscheinen verpflichtet. Allerdings ist die Neuregelung umstritten, da sie unscharf abgefasst ist.
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Alt 27.08.2019, 13:12   #19
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Zitat:
.Habe übrigens gerade gelesen, dass es 2017 eine Gesetzesänderung gab (§ 163 StPO). Danach sind Zeugen bei Vorladung durch die Polizei nunmehr zum Erscheinen verpflichtet. Allerdings ist die Neuregelung umstritten, da sie unscharf abgefasst ist.
Moooooment! Das betrifft ja nur Zeugen. Im ersten Teil meiner Geschichte steht aber, dass gegen Randolph eine Anzeige vorliegt. Somit ist er eigentlich ein Beschuldigter und nicht nur ein Zeuge.
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Alt 27.08.2019, 17:14   #20
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Zitat:
Zitat von DieSilbermöwe Beitrag anzeigen
Moooooment! Das betrifft ja nur Zeugen. Im ersten Teil meiner Geschichte steht aber, dass gegen Randolph eine Anzeige vorliegt. Somit ist er eigentlich ein Beschuldigter und nicht nur ein Zeuge.
Richtig, die Gesetzesänderung betrifft nur Zeugen. Beschuldigte haben allerdings bei der Konfrontation mit der Polizei weit mehr Rechte als Zeugen. Sie haben z.B. nach wie vor keine Erscheinenspflicht, keine Aussagepflicht zur Sache, keine Wahrheitspflicht (sie dürfen straffrei lügen, Zeugen nicht) und keine Eidespflicht (die Eidabnahme fällt nicht in den Zuständigkeitsbereich der Polizei).

Das Erscheinen eines Beschuldigten vor dem Staatsanwalt und vor dem Richter kann erzwungen werden, die Aussage, eine strafbewehrte Wahrheitspflicht und die Eidespflicht nicht (ein Zeuge kann hingegen wegen Falschaussage bestraft werden).

In deiner Geschichte wäre der Polizist gut beraten, sich eine richterliche Anordnung für die Mitnahme des Beschuldigten und die Vernehmung besorgt zu haben, sonst hätter er als Beschuldigter gar nicht auf das Dezernat mitgenommen werden dürfen.
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