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Alt 03.07.2019, 18:26   #1
männlich Ralfchen
 
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Standard Norberts Idee (veränderte Version)


Norberts Idee

(Veränderte Version - Kapitel 1)

Norberts Idee hatte sich als echter Blindgänger herausgestellt. Ich frage mich warum ich so naiv war auf ihn zu hören. Seit mehr als einem Jahr bin ich in der Escort-Agentur Boys&Toys&Us gelistet und hatte noch dazu eine dämliche Strangulats-Vereinbarung unterschrieben, die laut meinem Freund - dem Anwalt Werner von Sauen - voll idiotisch war. Naja, daher wieder eines von vielen Wochenenden an welchen ich geduldig auf ein date warte.

Date – ja wenn ich schon dabei bin: Mit Gay-Männern jederzeit und natürlich gelegentlich – na ja für mich – zu alten Frauen. Genau das was ich nicht brauche. Hab echt keine Lust mich dafür mit Cialis oder Levitra vollzumachen. Außerdem kostet der Stoff ohnedies viel zu viel für meinen bescheidenen Kassenstand. Meine zurzeitige Existenz in Hartz4 ist grenzwertig – gerade noch zu ertragen. Und jeden Tag wenn ich morgens in den halbblinden Spiegel in dem abgefuckten 1,5m2 Badezimmer gucke, könnte ich heulen. Ich bin 28, schau verdammt gut aus und konnte aus meinen Looks bis dato nichts rausholen. Bin ich wirklich soo dämlich?

Der Soundtrack von Beautiful Woman am Handy schreckt mich auf. Es ist Silbermöwe die Telefonistin der Agentur.

„Hey Souli, hab ein date für dich. Hast heute um 23 Uhr Zeit?“

„Ja Möwe, hab ich.“

„Ok, Gylon holt dich um Punkt 22:45 ab.“

„Was, Gylon holt mich ab? Warum nicht Ralfchen?“

„Was hast du gegen Gylon?“

„Weißt du wie der fährt? Der ist total lebensmüde! Und die Musik die der hört, bis ich da ankomme, bin ich schon durch mit den Nerven! Der Typ schafft mich voll

„Dann sag ihm halt, er soll die Musik ausmachen!“

„Na ja ich hab gehört, dass er schon mal ein Mädchen aus dem Auto warf, weil sie was gegen die Musik hatte. Hab keine Lust mit dem zu streiten.

„Ralfchen ist aber krank, dir wird wohl nichts anderes übrig bleiben!“

„Ok wenn’s nicht anders geht, wo ist das Date?“

„Liethberg Nr. 12.“

„Ok. Was für ne Person?“

„Eine Dame – hat sich als Olga gemeldet und hat eine offene Mobil-Nummer, kann sein Wertkarte ist aber egal. Also - viel Erfolg, gute Nacht.“

„Gute Nacht.“

***

Gylon zog sich die Krawatte gerade und warf noch einen Blick in den Spiegel. Der bescheinigte ihm gnadenlos, dass die letzten Jahre nicht spurlos an ihm vorbeigegangen waren. Das Pflaster war rauer auf den Straßen seit dem Albaner in das Geschäft eingestiegen waren. Er musste manchen dreckigen Straßenkampf ausfighten. Auch wenn seine Gegner nach kurzer Zeit lieber das Weite suchten, als sich länger mit ihm zu schlagen, kam er nicht immer spurlos davon, was sein Gesicht deutlich dokumentierte. Nun, die Weiber standen drauf seine Narben zu zählen und seinen Geschichten zu lauschen, während er sich von ihnen seinen Prügel polieren ließ.

Er steckte nur das Pfefferspray und den Elektroschocker ein, wenn er Chauffeurjobs für die Agentur übernahm. Seine 45 Magnum ließ er in der Schublade liegen, es war einfach zu riskant die Knarre bei sich zu tragen und zufällig in eine Polizeikontrolle zu geraten. Er genoss seine Selbstständigkeit, wenn er sich auch erst daran gewöhnen musste. Er war jahrelang im Dienst eines Typen aus der Organisation gestanden, für den er der Mann fürs Grobe war. Als die Albaner die Organisation vor einiger Zeit platt gemacht hatten, musste er von heute auf morgen umdisponieren. Ja - er kam in die Jahre, das ließ sich nicht ändern und so waren Chauffeurjobs nicht das schlechteste. Wenn die Bezahlung auch dürftig war, sorgten sie für ein zusätzliches Taschengeld, obschon er darauf nicht wirklich angewiesen war.

Plötzlich klingelte das Telefon.

„Ja“

„Ja, Hallo Gylon, hier Silbermöwe, hol Souli um 22:45 ab.“

„Wohin bring ich ihn?“

„Liethberg Nr. 12.“

***

Natürlich gabs auf der Fahrt zum Date eine Diskussion

„Kannst du die scheiß Musik nicht runterdrehn Gülli?“

„Hör mal, juckt dir die Fresse, du Schwuchtel, oder was? Ich spiel in meinem Auto was ich will und wie laut ich will, klar?“

Ich wusste, dass es besser war den Psychopathen einfach reden zu lassen und ersparte mir jedes weitere Wort.

***

Ich warte nun schon mehr als zehn Minuten an der Adresse. Die Strasse ist menschenleer gegenüber einer Reihe von zweistöckigen Backsteinhäusern eine Parkanlage. Ich höre Stimmen aus dem Park. Irgendwelche junge Typen.

Sollte mal die alte Blechente anrufen und fragen was Sache ist. Vom linken Ende der Straße tauchen Scheinwerfer auf. Der Wagen ein dunkler Audi, eine große Kiste - scheint ein Q8 zu sein – stoppt direkt vor mir am Straßenrand. Das rechte Fenster summt runter:

„Du bist Souli von der Agentur?“

„Ja.“

„Steig hinten ein.“

„Okay.“

***

Die Fahrt läuft schweigend ab. Nach rund 25 Minuten stehen wir vor dem Park Hyatt.

„Geh in die Apples Bar.“

„Und?“

„Man wird dich finden, Junge.“

***

„Sie sind Herr Souli?“

„Folgen sie mir.“

Der Raum neben der Restaurant-Bar ist ganz in Holz getäfelt vom Boden bis zur Decke. Ziemlich cooles Ambiente.

Eine Frau sitzt an einem der Glastische an einem Ende des Raumes. Sie blickt auf als ich rein geführt werde. Sie erhebt sich und winkt mich zu sich.

„Ah Souli - oder?“

„Ja klar. Guten Abend.“

Ich lächle sie an, sie lächelt zurück. Auf dem Glastisch steht ein – ja Glaskübel – mit offenbar Eiswürfeln und einer mittleren Flasche – Moment – Roederer Brut Rosé. Die Dame trinkt aus einem Weißweinglas. Aha sie hat den wahren Stil. Heute weiß man, dass die Flöten ein Quatsch sind und das Aroma von Schaumweinen und Champagner sich nur im Weißweinglas schnell entfalten kann. Na ja ich habe das alles studiert – für den Fall der Fälle…hahahahaha…der bis heute Nacht nicht eingetreten ist.

Sie hat Kastanienbraunes Haar – zurückgesteckt in einem Knoten. Nach den ersten zwei Blicken schätze ich sie auf ende vierzig Mitte fünfzig. Ober der Nasenwurzel zeigen zwei steile Falten, dass sie sich wahrscheinlich mit zu viel tierischem Eiweiß und Fetten ernährt. Ihre Leber ist eventuell überlastet. Die braunen Flecken am Haaransatz können ebenfalls ein Indiz für eine geschwächte Leber sein. Egal. Ihre dunklen Augenringe weisen auf Erschöpfung, Überarbeitung und Schlafmangel hin. Ich würde ihr raten zweimal pro Woche Hühnersuppe mit Gemüse und Reis zu essen – die kräftigt und versorgt sie mit Mineralstoffen.

Ein Ober taucht lautlos auf, füllt mein Glas halb ab und verschwindet ebenso lautlos.

Mal abgesehen von meiner kurzen Anamnese: Die Frau schaut attraktiv aus und muss vor Jahren eine top Schönheit gewesen sein. Könnte ich mit ihr Sex haben? Na ja – ehrlich ich spüre da nix. Kein Funke der da auf mich pieckst.

„Cheers Souli.“

„Cheers.“

Wir nippen am Roederer während sie mich mit einem forschenden Blick über das Glas mustert. Neben ihr steht eine große Handtasche aus beigem Krokodilleder. Was die gekostet hat, kann ich mir auf die Schnelle nicht vorstellen. Sie öffnet die Tasche und holt ein Kuvert heraus. Ist das schon die Kohle? Nein das ist ein großes Kuvert. Sie öffnet es und zieht eine Art Manila Folder raus und schiebt den über den Glastisch zu mir. Na ja ich bin etwas irritiert. Was kommt da jetzt?

„Schaun Sie mal hinein.“

Sie nickt mir ermunternd zu. Ich nehm das Ding in die Hand und öffne es.

Die Akte Souli Klaatu.

Ich spüre ein flaues Gefühl von der Magengrube in Richtung Brustkorb steigen.

„Schauen sie sich das in Ruhe an – am besten Zuhause – hm?“ Wenn sie einen Job mit – na ja – für sie ausreichender Bezahlung wollen, verwenden sie dieses Telefon.“

Sie schiebt mir ein iPhone über den Tisch. Erst jetzt bemerke ich, dass sie Seidenhandschuhe trägt.

„Es ist nur eine Nummer im Handy gespeichert; es verwendet das App Wickr und ist mit einer 100 Euro Wertkarte geladen. Rufen sie die Nummer an. Man wird ein Treffen mit ihnen vereinbaren.“

Ich spüre eine Beklemmung und muss mal ordentlich durchatmen.

Sie erhebt sich.

„Schönen Abend, draußen wartet mein Chauffeur für sie. Er bringt sie nach Hause.“

Was ich wahrnehmen kann, wenn ich ihr nachblicke? Sie hat eine gute Figur.

(Fortsetzung folgt)
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