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Die Philosophen-Lounge Forum für philosophische Themen, Weisheiten und Weltanschauungen.

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Alt 18.02.2010, 16:45   #1
weiblich Aquaria
 
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Standard Nicht zu verstehende Texte

Hallo an alle Interessierten!

Ich würde gern eine Art Umfrage starten zu Gedichten, oder Texten, die schwer oder gar nicht zu verstehen sind.

Ich komme darauf, weil ich im Gedichteforum auf Texte gestoßen bin, die

1. ich mehrfach lesen musste, um sie zu erfassen (spannend),
2. nur auf Anfrage mit Hintergrundwissen zu verstehen waren,
3. nicht einmal vom Autor verstanden wurden oder erklärt werden konnten


Letzteres interessiert mich am meisten, wie entstehen solche Texte und, absichtlich provokant, was nützen Texte, die niemand verstehen soll?

Grüße,
A.
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Alt 18.02.2010, 17:01   #2
weiblich Ilka-Maria
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Da gibt es eine Menge Möglichkeiten, wie solche Texte zustande kommen:

Übermüdung, Alkoholeinfluss, Wichtigtuerei, Ungeduld, Demenz, Finger falsch auf die Tastatur gelegt, Experimentaldichtung (könnte ja sein, daß ein Leser eine brauchbare Analyse fertigbringt), mangelhafte Kenntnis der deutschen Sprache, Selbstüberschätzung oder einfach nur Spaß am Veräppeln.

Geändert von Ilka-Maria (18.02.2010 um 21:15 Uhr)
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Alt 18.02.2010, 17:21   #3
weiblich IsabelG
 
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hallo

also zu dem punkt mit unverständlichkeit der texte die nur der autor versteht kann ich nur von mir aus sprechen und sagen es resultiert bei mir nicht daher dass ich total betrunken war, drogen nahm, provozieren wollte, oder mir dachte - ich muss experimentell schreiben. ne eher sind sie einfach so. entstehen auf der basis von einer riesengroßen metapher, die natürlich alles sein könnte und demnach auch vom leser nicht verstanden werden kann oder soll oder muss. das ist es ja, ich schreib nicht damit mich die leute verstehen denn ich schreibe selten irgendwas autobiographisches. oft sind es nur bilderfragmente die dann zu etwas ganzem werden und teils auch nur kontrastbeladen sind um beobachtungen hervorzuheben. ich mag einfach zum teil wie worte zueinander im kontext stehen, wie sie miteinander klingen oder gar nicht klingen, und ich mag auch was dann dazwischen entsteht, zwischen diesen klingenden wörtern. daraus ergibt sich dann oftmals eine geschichte. auch wenn es für den leser keinen sinn ergibt gedacht habe ich mir immer was, weil das denken mal ausser acht zu lassen ensteht nur unter gewissen bedingungen die aber dann texte hervorrufen die mir noch nichtmal verständlich sind.

da komme ich jetzt zu punkt drei. dem texte schreiben die selbst dem autor nichts sagen oder zumindest er nicht erklären kann. hier frage ich mich schon "warum muss alles erklärt werden?" ist das ein menschlicher zwang alles in eine erklärung zu stecken?? warum muss ich es selbst erklären wenn ich es doch selbt verfasst habe, kann es nicht einfach so sein wie es ist und je nach gemütsverfassung unterschiedlich verstanden werden? kann es nicht jeden tag ne neue aussage bekommen oder warum muss es eine statische aussage haben a la xy.
ich mag es wenn immer etwas anderes hineingelesen werden kann, wenn sich bilder abwechseln und auch wieder neues gefunden wird.

gruß,
isa
IsabelG ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 18.02.2010, 20:10   #4
weiblich victim of the night
 
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Zitat:
Zitat von Aquaria Beitrag anzeigen
3. nicht einmal vom Autor verstanden wurden oder erklärt werden konnten
Letzteres interessiert mich am meisten, wie entstehen solche Texte und, absichtlich provokant, was nützen Texte, die niemand verstehen soll?
Liebe Aquaria,

es passiert mir manchmal, dass ich nachts aufwache, weil ich z.B. auf die Toilette muss. Ich träume, wache auf und habe ein komplettes Gedicht im Kopf und schreibe das dann auf ohne mir, da ich todmüde bin Gedanken darüber zu machen. Wenn ich dann morgens aufstehe sehe ich mir das Gedicht an und habe keine Ahnung, was es eigentlich bedeutet.
Ich versuche dann es zu interpretieren und komme oft jede Woche oder jeden Tag zu einer neuen Interpretation.
Ja, das wollte ich dir nur mal erzählen.

Corazon
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Alt 18.02.2010, 20:33   #5
weiblich Aquaria
 
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Beiträge: 521

Hm, also ich kenn das natürlich auch, dass mir Worte, Zeilen oder interessante Bilder irgendwie zufliegen. Ich glaube, das geht uns allen so und ist wohl der erste Schritt in der Entstehungsgeschichte von Gedichten (es setzt sich wohl niemand an den Schreibtisch und nimmt sich vor über genau dieses Thema, auf genau diese Weise einen Text zu schreiben).
Bei mir entwickelt sich jedes Gedicht von einem Punkt, einem Gedanken, oder einer Idee aus, aber dann gehts meist rational weiter, bin vielleicht ein bisschen kopflastig.
Die Bedeutungen meiner Texte ändert sich für mich persönlich jedenfalls niemals und ich hatte auch noch nie ein ganzes Gedicht plötzlich im Kopf, ist ja aber hoch interessant, wie das bei euch so läuft...
Aquaria ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 18.02.2010, 20:49   #6
weiblich victim of the night
 
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Zitat:
Zitat von Aquaria Beitrag anzeigen
ich hatte auch noch nie ein ganzes Gedicht plötzlich im Kopf, ist ja aber hoch interessant, wie das bei euch so läuft...
Es kommt bei mir darauf an was ich träume, die Gedichte haben meist mit dem Traum zu tun oder sind Fragmente daraus. Ich habe mal, völlig untypisch für mich, von einem Mann geträumt, Zukunft, Haus, Kinder - so eine Art Alptraum
Als ich aufwachte war ein Gedicht fertig, was ich dann allerdings, auch in Foren, auf zig verschiedene Arten interpretiert habe.
Lustig, oder?

Corazon
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Alt 18.02.2010, 21:06   #7
weiblich Ilka-Maria
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Zitat:
Bei mir entwickelt sich jedes Gedicht von einem Punkt, einem Gedanken, oder einer Idee aus, aber dann gehts meist rational weiter, bin vielleicht ein bisschen kopflastig.
Ich mache das auch auf diese recht konservative Weise. Es gibt aber viele Möglichkeiten für den lyrischen Ausdruck. Interessant ist zum Beispiel das Buch von Manfred Hagel: "Die eigene literarische Stimme finden - Mit kreativen Schreibübungen von Dada bis zur Amerikanischen Moderne". Die Avantgarde, die den Dadaismus begründete, wollte mit den alten Formen brechen. Eine Methode war z.B., Zeitungsartikel auseinanderzuschneiden und aus den Wortschnipseln neue Texte zu formen. Eine andere Methode beschäftigte sich mit Lautmalerei, wobei die Texte inhaltlich zunächst unsinnig wirken, aber dann durch den richtigen Vortrag und die entsprechende Betonung ein Bild entfalten. Wenn Dich das interessiert, dann fange mal mit den Merz-Gedichten von Kurt Schwitters an oder mit den Texten von Hugo Ball.

Isabel scheint für diese Art von Gedichten ein Talent zu haben, denn sie schafft es offensichtlich auch ohne Zeitungsschnipsel.

Ich gebe allerdings zu, daß ich mich nur theoretisch mit der Moderne beschäftigt habe, ausprobiert habe ich es nicht, weil ich nun mal meinen (konservativen) Stil habe. Das schließt aber nicht aus, daß ich es doch einmal versuchen werde.

Übrigens: Ich hoffe, mein erster Kommentar wurde als das verstanden, was er sein sollte - ein (nur ein klein bißchen ernst gemeinter) Scherz.

LG
Ilka-M.
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Alt 18.02.2010, 21:09   #8
weiblich victim of the night
 
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Zitat:
Zitat von Ilka-Maria Beitrag anzeigen
Übrigens: Ich hoffe, mein erster Kommentar wurde als das verstanden, was er sein sollte - ein (nur ein klein bißchen ernst gemeinter) Scherz.
Von mir schon. Am Besten gefiel mir das mit der Demenz, weil ich das mit Inkontinenz verwechselt hab, ehrlich.

Corazon
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Alt 18.02.2010, 21:12   #9
weiblich Ilka-Maria
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Zitat:
ehrlich
Also, Corazon ...! Du kannst es einfach nicht lassen.
Ilka-Maria ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 19.02.2010, 05:28   #10
weiblich IsabelG
 
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Zitat:
Isabel scheint für diese Art von Gedichten ein Talent zu haben, denn sie schafft es offensichtlich auch ohne Zeitungsschnipsel.
das hört sich so an als ob ich wahllos irgendwas schreiben, nur damit es auf dem papier gut aussieht. so ist das aber nicht, denn nochmals, ich denke mir dabei sehr wohl etwas. das mit den zeitungsschnippseln hört sich als übung sehr interessant an. und ich wäre durchaus geneigt das zu probieren jedoch könnte ich es mir eher als ideenlieferung vorstellen als ein wirkliches produkt aus den schnippseln an sich herzustellen.

ich denke jeder hat da andere herangehensweisen. die sache von corey mit dem traum aufschreiben in momenten der halbwachheit kenn ich auch. fällt für mich unter selbstinformation...heisst, ich sammel so informationen über mein unbewusstes durch das aufschreiben von nicht "klaren" gedanken, gedankengängen was auch immer.
auch noch eine nette übung ist das automatische schreiben, wurde hier gar nicht erwähnt, oder ich habs überlesen. ècriture automatique. daraus enstehen manchmal auch sehr nette sachen denn man kann sie überarbeiten oder auch in der absoluten rohfassung lassen, dann sind sie sogar meist belustigend.

Zitat:
Übrigens: Ich hoffe, mein erster Kommentar wurde als das verstanden, was er sein sollte - ein (nur ein klein bißchen ernst gemeinter) Scherz.
hab ich schon nicht ernst genommen, wollte nur dieses alkohol/drogen klischee vom tisch haben, denn das wird oft vermutet wenn der text an die totale unverständlichkeit grenzt.

gruß,
isa
IsabelG ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 19.02.2010, 06:29   #11
weiblich Ilka-Maria
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Zitat:
das hört sich so an als ob ich wahllos irgendwas schreiben
Das ist eine Fehlinterpretation. Ich habe es positiv gemeint.

Um es an einem anderen Beispiel zu verdeutlichen: Van Gogh mußte sich in die Landschaft stellen und sehen, was er malte; Gaughin malte seine Bilder aus dem Kopf heraus. Mit "wahllos" hat das nichts zu tun.
Ilka-Maria ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 19.02.2010, 14:48   #12
männlich moon
 
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Hiho,

wollte mich nur kurz zu Wort melden, denn auch ich schreibe desöfteren Texte, die auf den ersten Blick unverständlich erscheinen. Das hat mehrere Ursachen, sei es aufgrund von Erfahrungen, die schon an sich keine logischen Verläufe genommen haben oder persönlichen Empfindungen, die in einer logisch stringenten Form niemals das ausdrücken könnten, was wirklich dahinter steckt. Diese in eine sprachliche Form zu bringen entzieht sich daher oftmals einer - für den Leser - leicht nachvollziehbaren Intention. Doch gerade das "Unerklärliche" ist für den Menschen doch seit jeher etwas spannendes. Kürzlich habe ich mich mit dem delphischen Orakel und den überlieferten, in rätselhaften Versen verfassten Orakelsprüchen beschäftigt und das hat bei mir eine intensive Auseinandersetzung mit der griechischen Mythologie zur Folge gehabt.

Ich verbleibe mit einem Zitat eines von mir verehrten Regisseurs, welches sich durchaus auch auf die Textebene übertragen lässt:

""Das Kino kann die Zuschauer in eine Welt jenseits des Intellekts entführen, in der sie sich ganz und gar ihrer eigenen Intuition anvertrauen müssen. Es geht nicht darum, etwas zu verstehen, sondern darum, etwas zu erfahren." (David Lynch)

moon
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