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Alt 13.10.2018, 12:31   #1
weiblich DieSilbermöwe
 
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Standard Die Tochter des Grafen und das Dienstmädchen (Märchen) 3. Tl

Alberta verzog keine Miene, als Ella in die Küche kam und hatte auch kein freundliches Wort für sie übrig. Auf Ellas Gruß nickte sie nur knapp und deutete dann auf einen Schrank.
„Hol dir dort eine Haube raus.“
„Eine Haube?“ Ella verstand nicht, was sie meinte.
„Ja, für die Haare.“
„Die habe ich doch schon zusammengebunden.“ Ella hatte ihre dunklen langen Haare zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden und dann aufgesteckt, wie sie es zu Hause auch machte, wenn sie Hausarbeit verrichtete.
„Das reicht nicht. Zieh die Haube an. Ich will nicht, dass Haare ins Essen fallen. Jule hat Zöpfe und trägt die Haube auch immer. Und zieh sie unter dem Kinn fest zu, damit keine Haare hervorlugen können!"
Albertas Ton duldete keinen Widerspruch. Widerstrebend öffnete Ella den Schrank, zog eine weiße Haube heraus und setzte sie auf.

Auf dem Tisch standen drei große Eimer mit Kartoffeln. Alberta wies Ella an, diese zu schälen, danach könne sie den Salat putzen und sie solle nicht bei den Arbeiten trödeln, denn die Gäste würden pünktlich ihr Abendessen auf der Feier erwarten. Ella schnitt Alberta hinter deren Rücken eine Grimasse, fing aber gehorsam an, die Kartoffeln zu schälen. Sie hatte gerade den ersten Eimer fertig geschält, als die Küchentür aufgerissen wurde und Charlotte hereinstürzte.
„Alberta, dein selbstgemachter Orangensaft ist schon alle! Ich brauche aber unbedingt noch welchen!" stieß sie atemlos hervor. Dann bemerkte sie Ella und brach in Gelächter aus.
„Wie siehst du denn aus? Steht dir aber gut, die Haube. Wie aus dem letzten Jahrhundert", feixte sie. „Ich habe schon gehört, dass du heute in der Küche helfen musst. Du siehst also, du bist immer noch mein Dienstmädchen, genau wie früher." Sie lächelte herablassend.
"Ich helfe heute nur aus", sagte Ella. "Ich bin nicht dein Dienstmädchen."
„Nicht? Aber du siehst doch genauso aus."
Charlotte wandte sich wieder Alberta zu.
„Machst du bitte noch Orangensaft?"
„Natürlich, Charlotte, gerne. Ich werde mich gleich daran machen."
Ella hätte es nicht gewundert, wenn Alberta vor Charlotte geknickst hätte, so ehrfürchtig war jetzt ihr Tonfall.
Von draußen war eine weitere Stimme zu hören.
„Charlotte? Wo steckst du denn?"
Dann öffnete sich die Tür und Charlottes Mutter, Gräfin von Serensburg, trat ein.
„Ah, hier bist du! Raus mit dir, dein Verehrer wartet!"
„Was für ein Verehrer?" hätte Ella am liebsten gefragt, biss sich jedoch noch rechtzeitig auf die Zunge.
„Ich wollte mich ein wenig mit Ella unterhalten. Mama. Ist es nicht schön, dass sie immer hilft, wenn wir ein Dienstmädchen brauchen?"
Der Gräfin entging die feine Spitze gegen Ella in Charlottes Satz und so sagte sie nur lächelnd: „Ja, es ist schön, dass Alberta Hilfe bekommen hat. Aber jetzt geh endlich zu dem jungen Mann!"
„Ich bin schon unterwegs, Mama." Und schon war Charlotte aus der Küche verschwunden.
„Wie schade, dass Jule sich den Magen verdorben hat!“ bemerkte Gräfin von Serensburg.
„Ja, Frau Gräfin“, sagte Alberta. „ Unsere Jule ist wirklich ein dummes Ding. Ich sagte noch zu ihr, nasch nicht soviel, du verdirbst dir nur den Magen! Aber sie hat einfach nicht auf mich gehört."
„Wir haben ja Ersatz gefunden." Die Gräfin lächelte Ella freundlich an und nickte ihr zu, hielt es aber nicht für nötig, das Wort an sie zu richten, sondern fuhr fort, mit Alberta zu plaudern.
„Heute ist ein richtig schöner Tag für unser Fest. Wie schön, dass alle Gäste kommen konnten! Sogar der Bürgermeister ist da. Am meisten freut es mich aber, dass Charlotte einen so netten Jungen eingeladen hat."
„Das ist wohl wahr, Frau Gräfin", pflichtete Alberta ihr bei.
„Oh, hast du ihn schon kennengelernt, Alberta?"
„Ich habe ihn heute Mittag gesehen, als Charlotte mit ihm in den Garten kam, Frau Gräfin. Er machte einen netten Eindruck."
„Ja", sagte Gräfin von Serensburg versonnen, „und er ist auch noch ein recht hübscher Bursche! Meine Tochter hat Geschmack, das muss ich sagen."
Dann schaute sie sich in der Küche um. „Ihr habt ja noch einiges zu tun. Ich kann mich ja darauf verlassen, dass heute Abend alles perfekt läuft, Alberta?“
„Selbstverständlich, Frau Gräfin.“
„Wunderbar, Alberta.“ Dann wandte sich die Gräfin Ella zu. „Du bringst dann nachher das Essen nach draußen, Ella.“
Und mit diesen Worten rauschte Gräfin von Serensburg aus der Küche.

Ella stand da wie vom Donner gerührt. Wenn sie das Essen in den Garten bringen sollte, wäre es sehr unwahrscheinlich, nicht von Carl dabei gesehen zu werden. Wie sollte sie es anstellen, ihm aus den Weg zu gehen? Und wenn sie sich weigerte? Aber in ihrem Kopf hörte sie sogleich die Stimme ihres Vaters: „Wir können es uns nicht leisten, den Grafen zu verärgern.“ Und sie wollte bestimmt nicht dafür verantwortlich sein, dass ihr Vater Ärger bekam oder gar seine Stelle verlor.
„Dieser dumme große Vogel da“, sagte Alberta in ihre Gedanken hinein. „Sitzt schon die ganze Zeit auf dem Fensterbrett und glaubt wohl, was von dem Essen für die Herrschaften stibitzen zu können.“
Sie schüttelte den Kopf und machte eine drohende Handbewegung zum Fenster hin, offenbar in dem Glauben, den Vogel damit verscheuchen zu können. Ella folgte ihrem Blick und stutzte: War das nicht der Rabe, der auch bei ihr zu Hause schon auf dem Fensterbrett gesessen hatte? Und tatsächlich: Es sah aus, als würde der Rabe ihren Blick auffangen. Dann nickte er langsam mit dem Kopf. Ella musste wieder lächeln. Ob der Rabe wohl gekommen war, um ihr zu helfen?
„Jetzt trödele nicht hier herum“, schalt Alberta sie, „mach, dass du fertig wirst! Die Gäste sollen ihr Essen schließlich pünktlich bekommen.“

Ella hoffte, die Zeit würde stehenbleiben und sie müsse nicht irgendwann hinausgehen, um das Essen zu servieren, doch die Zeit hatte kein Mitleid mit ihr. Der Zeiger der großen Küchenuhr rückte unerbittlich vorwärts und dann war es auch schon soweit. „Das Essen ist fertig, pünktlich wie Frau Gräfin es erwartet hat", verkündete Alberta feierlich, "und du kannst jetzt hinausgehen und die Schüsseln auftragen. Frau Gräfin wird sehr zufrieden sein."
Ella wollte sich die Haube vom Kopf ziehen, doch Alberta hinderte sie daran, indem sie sie leicht am Arm packte.
„Die Haube bleibt auf! Du willst ja wohl nicht das Essen ruinieren, wenn dir ein Haar hinein fällt."
Ella murmelte etwas und nahm die Schüsseln. Sie ging zur Tür und schaute sich vorsichtig um. Auf den ersten Blick war weder Charlotte noch Carl zu sehen. Sie ging, so schnell es mit den schweren Schüsseln in den Händen möglich war, zu dem Tisch, auf dem das Essen aufgebaut werden sollte und stellte die Schüsseln darauf ab. Aufatmend drehte sie sich um und wollte wieder in die Küche verschwinden, als wie aus dem Nichts aufgetaucht Charlotte vor ihr stand. Und hinter ihr stand Carl.
Charlotte grinste hämisch. "Siehst du, Carl? Sie arbeitet für mich. Sie war ja schon in der ersten Klasse mein Dienstmädchen. Manchen Menschen ist ihr Stand einfach vorherbestimmt."
Sie trat vor und zupfte neckisch an Ellas Haube. „Und sie sieht auch noch super dabei aus! Steht ihr doch gut, die Haube, findest du nicht auch?" fragte sie, albern kichernd und Ella wünschte sich, dass sich der Boden auftun und sie verschlingen möge.
Carl hatte Ella verblüfft angesehen, als er sie erkannte. Er schien sich sichtlich unwohl zu fühlen, nicht zu wissen, was er zu der Situation sagen sollte und entschied sich schließlich nur für ein kurzes „Hallo, Ella."

Ende des 3. Teils

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Alt 19.10.2018, 08:06   #2
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Ich stelle diesen Teil mit ein paar kleinen, aber notwendigen Verbesserungen noch einmal hier ein

Alberta verzog keine Miene, als Ella in die Küche kam und hatte auch kein freundliches Wort für sie übrig. Auf Ellas Gruß nickte sie nur knapp und deutete dann auf einen Schrank.
„Hol dir dort eine Haube raus.“
„Eine Haube?“ Ella verstand nicht, was sie meinte.
„Ja, für die Haare.“
„Die habe ich doch schon zusammengebunden.“ Ella hatte ihre dunklen langen Haare zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden und dann aufgesteckt, wie sie es zu Hause auch machte, wenn sie Hausarbeit verrichtete.
„Das reicht nicht. Zieh die Haube an. Ich will nicht, dass Haare ins Essen fallen. Jule hat Zöpfe und trägt die Haube auch immer. Und zieh sie unter dem Kinn fest zu, damit keine Haare hervorlugen können!"
Albertas Ton duldete keinen Widerspruch. Zudem trug sie auf ihrem Kopf selbst ein etwas unförmig wirkendes, weißes Etwas, das vermutlich eine ebensolche Haube war.
Widerstrebend öffnete Ella den Schrank, zog eine weiße Haube heraus und setzte sie auf.

Auf dem Tisch standen drei große Eimer mit Kartoffeln. Alberta wies Ella an, diese zu schälen, danach könne sie den Salat putzen und sie solle nicht bei den Arbeiten trödeln, denn die Gäste würden pünktlich ihr Abendessen auf der Feier erwarten. Ella schnitt Alberta hinter deren Rücken eine Grimasse, fing aber gehorsam an, die Kartoffeln zu schälen. Sie hatte gerade den ersten Eimer fertig geschält, als die Küchentür aufgerissen wurde und Charlotte hereinstürzte.
"Alberta, dein selbstgemachter Orangensaft ist schon alle! Ich brauche aber unbedingt noch welchen!" stieß sie atemlos hervor. Dann bemerkte sie Ella und brach in Gelächter aus.
"Wie siehst du denn aus? Steht dir aber gut, die Haube. Wie aus dem letzten Jahrhundert", feixte sie.
"Ich habe schon gehört, dass du heute in der Küche helfen musst. Du siehst also, du bist immer noch mein Dienstmädchen, genau wie früher." Sie lächelte herablassend.
"Ich helfe heute nur aus", sagte Ella. "Ich bin nicht dein Dienstmädchen."
"Nicht? Aber du siehst doch genauso aus."
Charlotte wandte sich wieder Alberta zu.
"Machst du bitte noch Orangensaft?"
"Natürlich, Charlotte, gerne. Ich werde mich gleich daran machen."
Ella hätte es nicht gewundert, wenn Alberta vor Charlotte geknickst hätte, so ehrfürchtig war jetzt ihr Tonfall.

Von draußen war eine weitere Stimme zu hören.
"Charlotte? Wo steckst du denn?"
Dann öffnete sich die Tür und Charlottes Mutter, Gräfin von Serensburg, trat ein.
"Ah, hier bist du! Raus mit dir, dein Verehrer wartet!"
"Was für ein Verehrer?" , hätte Ella am liebsten gefragt, biss sich jedoch noch rechtzeitig auf die Zunge.
"Ich wollte mich ein wenig mit Ella unterhalten. Mama. Ist es nicht schön, dass sie immer hilft, wenn wir ein Dienstmädchen brauchen?"
Der Gräfin entging die feine Spitze gegen Ella in Charlottes Satz und so sagte sie nur lächelnd: "Ja, es ist schön, dass Alberta Hilfe bekommen hat. Aber jetzt geh endlich zu dem jungen Mann!"
"Ich bin schon unterwegs, Mama." Und schon war Charlotte aus der Küche verschwunden.
„Wie schade, dass Jule sich den Magen verdorben hat!“ bemerkte Gräfin von Serensburg.
„Ja, Frau Gräfin“, sagte Alberta. "Unsere Jule ist wirklich ein dummes Ding. Ich sagte noch zu ihr, nasch nicht soviel, du verdirbst dir nur den Magen! Aber sie hat einfach nicht auf mich gehört."
"Wir haben ja Ersatz gefunden." Die Gräfin lächelte Ella freundlich an und nickte ihr zu, hielt es aber nicht für nötig, das Wort an sie zu richten, sondern fuhr fort, mit Alberta zu plaudern.
„Heute ist ein richtig schöner Tag für unser Fest. Wie schön, dass alle Gäste kommen konnten! Sogar der Bürgermeister ist da. Am meisten freut es mich aber, dass Charlotte einen so netten Jungen eingeladen hat."
„Das ist wohl wahr, Frau Gräfin", pflichtete Alberta ihr bei.
„Oh, hast du ihn schon kennengelernt, Alberta?"
„Ich habe ihn heute Mittag gesehen, als Charlotte mit ihm in den Garten kam, Frau Gräfin. Er machte einen netten Eindruck."
„Ja", sagte Gräfin von Serensburg versonnen, „und er ist auch noch ein recht hübscher Bursche! Meine Tochter hat Geschmack, das muss ich sagen."
Dann schaute sie sich in der Küche um. „Ihr habt ja noch einiges zu tun. Ich kann mich ja darauf verlassen, dass heute Abend alles perfekt läuft, Alberta?“
„Selbstverständlich, Frau Gräfin.“
„Wunderbar, Alberta.“ Dann wandte sich die Gräfin Ella zu. „Du bringst dann nachher das Essen nach draußen, Ella.“
Und mit diesen Worten rauschte Gräfin von Serensburg aus der Küche.
Ella stand da wie vom Donner gerührt. Wenn sie das Essen in den Garten bringen sollte, wäre es sehr unwahrscheinlich, nicht von Carl dabei gesehen zu werden. Wie sollte sie es anstellen, ihm aus den Weg zu gehen? Und wenn sie sich weigerte? Aber in ihrem Kopf hörte sie sogleich die Stimme ihres Vaters: „Wir können es uns nicht leisten, den Grafen zu verärgern.“ Und sie wollte bestimmt nicht dafür verantwortlich sein, dass ihr Vater Ärger bekam oder gar seine Stelle verlor.
„Dieser dumme große Vogel da“, sagte Alberta in ihre Gedanken hinein. „Sitzt schon die ganze Zeit auf dem Fensterbrett und glaubt wohl, was von dem Essen für die Herrschaften stibitzen zu können.“
Sie schüttelte den Kopf und machte eine drohende Handbewegung zum Fenster hin, offenbar in dem Glauben, den Vogel damit verscheuchen zu können. Ella folgte ihrem Blick und stutzte: War das nicht der Rabe, der auch bei ihr zu Hause schon auf dem Fensterbrett gesessen hatte? Und tatsächlich: Es sah aus, als würde der Rabe ihren Blick auffangen. Dann nickte er langsam mit dem Kopf. Ella musste wieder lächeln. Ob der Rabe wohl gekommen war, um ihr zu helfen?
„Jetzt trödele nicht hier herum“, schalt Alberta sie, „mach, dass du fertig wirst! Die Gäste sollen ihr Essen schließlich pünktlich bekommen.“

Ella hoffte, die Zeit würde stehenbleiben und sie müsse nicht irgendwann hinausgehen, um das Essen zu servieren, doch die Zeit hatte kein Mitleid mit ihr. Der Zeiger der großen Küchenuhr rückte unerbittlich vorwärts und dann war es auch schon soweit. "Das Essen ist fertig, pünktlich wie Frau Gräfin es erwartet hat", verkündete Alberta feierlich, "und du kannst jetzt hinausgehen und die Schüsseln auftragen. Frau Gräfin wird sehr zufrieden sein."
Ella wollte sich die Haube vom Kopf ziehen, doch Alberta hinderte sie daran, indem sie sie leicht am Arm festhielt.
"Die Haube bleibt auf! Du willst ja wohl nicht das Essen ruinieren, wenn dir ein Haar hinein fällt."
Ella murmelte etwas und nahm die Schüsseln. Sie ging zur Tür und schaute sich vorsichtig um. Auf den ersten Blick war weder Charlotte noch Carl zu sehen. Sie ging, so schnell es mit den schweren Schüsseln in den Händen möglich war, zu dem Tisch, auf dem das Essen aufgebaut werden sollte und stellte die Schüsseln darauf ab. Aufatmend drehte sie sich um und wollte wieder in die Küche verschwinden, als wie aus dem Nichts aufgetaucht Charlotte vor ihr stand. Und hinter ihr stand Carl.
Charlotte grinste hämisch. "Siehst du, Carl? Sie arbeitet für mich. Sie war ja schon in der ersten Klasse mein Dienstmädchen. Manchen Menschen ist ihr Stand einfach vorherbestimmt." Sie trat vor und zupfte neckisch an Ellas Haube. "Und sie sieht auch noch super dabei aus! Steht ihr doch gut, die Haube, findest du nicht auch?" fragte sie, albern kichernd und Ella wünschte sich, dass sich der Boden auftun und sie verschlingen möge.
Carl hatte Ella verblüfft angesehen, als er sie erkannte. Er schien sich sichtlich unwohl zu fühlen, nicht zu wissen, was er zu der Situation sagen sollte und entschied sich schließlich nur für ein kurzes "Hallo, Ella."
"Hi Carl", antwortete Ella mechanisch und in diesem Moment durchfuhr sie eine Erkenntnis wie ein schmerzhafter Stich: Carl würde nie ein armes Mädchen wie sie, Ella, auswählen, wenn er ein Mädchen wie Charlotte haben konnte. Sie brauchte Charlotte nur anzusehen mit ihren langen blonden Haaren, dem hübschen Gesicht, der schlanken Statur und vor allem dem selbstsicheren Auftreten, etwas, das sie, Ella, nie haben würde, auch wenn sie genauso hübsch wie Charlotte war. Davon war unter der riesigen Haube jetzt allerdings nicht viel zu erkennen, und im Gegensatz zu Charlotte, die ein lieblich duftendes Parfüm trug und frisch und ausgeruht aussah, war sie müde und verschwitzt und hatte allenfalls Küchengerüche an sich. Warum sollte Carl sich ausgerechnet in sie verlieben und nicht in Charlotte?
"Komm, Carl, wir gehen weiter. Das Dienstmädchen hat schließlich zu arbeiten." Charlotte ergriff Carls Hand und wollte ihn weiterziehen, doch Carl blieb wie angewurzelt stehen.
"Krah! Krah!" war auf einmal zu hören und über allen dreien flog ein Rabe hin und her. Dann schlug er mit seinen Flügeln, flatterte anmutig im Sinkflug und ließ sich genau vor Charlotte auf dem grünen Rasen nieder.

Ende des 3. Teils
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