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Philosophisches und Nachdenkliches Philosophische Gedichte und solche, die zum Nachdenken anregen sollen.

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Alt 13.01.2013, 18:32   #1
männlich Schmuddelkind
 
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Beiträge: 4.760

Standard Vom Ende im Anfang

Wenn sich einstmals meine Lider senken,
werden Wenige nur mir gedenken.
Nur denjenigen, die weil
sie mich lieben mir die Treue schenken,
wird die Strafe dann zuteil.

Alles Glück wird einst im Elend enden,
nicht Beginn noch Ende abzuwenden;
die Geburt des Todes Hohn,
der doch alles hält in kalten Händen.
Trauer ist der Liebe Lohn.
Schmuddelkind ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 13.01.2013, 20:29   #2
Thing
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Zitat:
Zitat von Schmuddelkind Beitrag anzeigen
Wenn sich einstmals meine Lider senken,
werden Wenige nur mir gedenken./lieber "mein gedenken"
Nur denjenigen, die weil /Komma nach "die"
sie mich lieben mir die Treue schenken,/Komma nach "lieben"
wird die Strafe dann zuteil.

Alles Glück wird einst im Elend enden,
nicht Beginn noch Ende abzuwenden;
die Geburt des Todes Hohn,
der doch alles hält in kalten Händen.
Trauer ist der Liebe Lohn.
Noch kein Kommentar???
Der letzte Vers läßt mich kennend schaudern.

Dein Gedicht hat eine schrecklich eindringliche Melodie für mich.
Es hat sich eingenistet.


Thing
Thing ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 13.01.2013, 21:11   #3
männlich Schmuddelkind
 
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Alter: 33
Beiträge: 4.760

Dass es sich bei dir eingenistet hat, stimmt mich zufrieden, weil ich dann wohl Einiges richtig gemacht habe.

Danke auch für die Verbesserungen, insbesondere bei den Kommata!

LG
Schmuddelkind ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 14.01.2013, 13:00   #4
weiblich simbaladung
 
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Beiträge: 3.056

Hallo, Schmuddelkind,

dein Gedicht erscheint mir sperrig, ungelenk, besonders die erste Strophe und lässt in mir auch Widerspruch aufkommen.
Leid und Trauer - Strafe für die Liebe? (Welche Schuld hat sie auf sich geladen?)
Auch das Wort Hohn in Zusammenhang mit Geburt/Tod behagt mir nicht.
Aber ich muss es natürlich so stehen lassen, es ist ja deine Sichtweise.

Wie ich den Grundgedanken deines Gedicht interpretiere kannst du, wenn du magst, gleich nachlesen. Ich stell mal ein paar Zeilen ein.

Danke für die Inspiration!
lg simba
simbaladung ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 14.01.2013, 14:42   #5
männlich Schmuddelkind
 
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Alter: 33
Beiträge: 4.760

Hallo simba,

die Sperrigkeit würde ich nicht grundsätzlich von mir weisen; manche Stellen sind n bisschen unrund. Aber im Grossen und Ganzen liest es sich für mich flüssig.

Zitat:
Leid und Trauer - Strafe für die Liebe? (Welche Schuld hat sie auf sich geladen?)
Gar keine. Das ist ja die dem Leben zugrunde liegende Ungerechtigkeit, die ich bedichte. Es ist eine Strafe ohne Schuld, nach "unserem" Rechtsverständnis ein Paradoxon, aber genau dieses Stilmittel lässt die Ungerechtigkeit erkennen. Es ist nach meinem sporadischen Empfinden so, als ob Freunde für ihre Freundschaft mit dem Leid bei Verlust "bestraft" würden.

Zitat:
Auch das Wort Hohn in Zusammenhang mit Geburt/Tod behagt mir nicht.
Ich habe das so gemeint: der Mensch entscheidet sich nicht, geboren zu werden. Er wird in die Welt geworfen und muss alle Konsequenzen des Existierens tragen, auch den Tod. Ich habe meine Zweifel, ob (ganz hypothetisch gesprochen) ein vernünftiger Mensch, wenn er die Wahl hätte, sich für seine Geburt entscheiden würde im Wissen, dass er sterben muss und damit viele Menschen unglücklich macht, die nur wegen ihres guten Willens unglücklich werden.

Insofern erscheint mir manchmal (das ist aber weniger eine grundsätzliche Anschauung als vielmehr ein gelegentliches Empfinden) die eigene Geburt als ein Hohn des Todes, als wäre alle Schöpfung das Ergebnis böser Mächte, die sich ins Fäustchen lachen, jedesmal wenn ein ahnungsloses Opfer geboren wird.

Aber nicht zu ernst nehmen! Bin eigentlich ein lebensfroher Mensch, der für viele Momente dankbar ist und die Welt für (kontingent) schön hält. Aber gelegentlich hat wohl jeder seine Momente, in denen das nichts zu zählen scheint. Das Ergebnis eines solchen Moments ist mein Gedicht.

LG
Schmuddelkind ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 14.01.2013, 15:32   #6
weiblich simbaladung
 
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Beiträge: 3.056

Hi, Schmuddi,

schön, dass du dir die Zeit genommen hast, mir deine Gedanken noch mal zu verdeutlichen.
Ich hab sie auch in Gedichtform schon verstanden, kenn solche Gedankengänge, auch durchaus aus eigener Erfahrung. Deshalb ist dein Gedicht ja auch in sich stimmig.
Trotzdem rufe ich mich immer wieder dazu auf, das Ganze zu sehen.
Liebe und Leben sind immer ein Geschenk, auch wenn sie von Anfang an an Sorgen, Kummer, Schmerz und eben an die Vergänglichkeit
gekoppelt sind.
Wir lassen uns ja immer wieder auf die Liebe ein, obwohl wir das alles wissen,
und ich bin sicher, wir würden (wenn ich an deine hypothetische Frage
denke) genauso auch immer das Leben wählen.
Manchmal denke ich sogar, dass der Wert von Liebe und Leben an sich genau in ihrer Zerbrechlichkeit und Vergänglichhkeit liegt. So, wie wir Schönheit eigentlich auch nur als Schönheit erkennen, weil wir auch ihr Gegenteil kennen. So, wie wir den Wert der Gesundheit erst dann wirlich erleben, wenn
wir krank werden.

Genug philosophiert,
lg simba
simbaladung ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 14.01.2013, 16:14   #7
männlich Schmuddelkind
 
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Alter: 33
Beiträge: 4.760

Zitat:
Trotzdem rufe ich mich immer wieder dazu auf, das Ganze zu sehen.
Ich glaube, das ist der Unterschied zwischen uns beiden (zumindest, was die Lyrik angeht; denn ich war auch im wissenschaftlichen Bereich tätig und da bin ich immer dem Großen Ganzen hinterhergejagt): Ich versuche eher, die Momente des Lebens in ihrer Intensivität auszudrücken; da wird ein Abwägen (leider) oft außen vor gelassen. Ich will damit nicht sagen, dass eine weitsichtige Perspektive nicht lyrisch ist, aber wenn ich schreibe, möchte ich immer ein "Seelenfoto" schießen, möchte das festhalten, was gerade im Moment gedacht und gefühlt wird, auch wenn ich weiß, dass ich das grundsätzlich anders sehe.

Zitat:
Liebe und Leben sind immer ein Geschenk, auch wenn sie von Anfang an an Sorgen, Kummer, Schmerz und eben an die Vergänglichkeit
gekoppelt sind.
Das kann ich unterschreiben. In meinem Gedicht habe ich mich eher mit der Frage beschäftigt: "Was, wenn einer dieses Geschenk gar nicht will?" Aber man kann sich auch andersherum fragen: "So, jetzt hab ich dieses Geschenk in der Hand; was will ich nun damit anfangen?" Die zweite Frage stelle ich tatsächlich öfter und lieber als die erste.

Zitat:
Wir lassen uns ja immer wieder auf die Liebe ein, obwohl wir das alles wissen,
und ich bin sicher, wir würden (wenn ich an deine hypothetische Frage
denke) genauso auch immer das Leben wählen.
Vielleicht hast du sogar recht. Ich würde nur sagen, dass nicht der vernünftige, sondern der leidenschaftliche (und daher risikobereite) Mensch sich so entscheidet. Aber genau da sind wir eigentlich bei dem Punkt, den ich meistens mit meinen Gedichten machen will: Wir überschätzen heutzutage die Wichtigkeit der Vernunft gegenüber der Wichtigkeit des Gefühls. Die Folge ist, dass der vernünftige Mensch einsam und der Schönheit der Welt gegenüber abgestumpft dahin vegetiert, mit seiner Natur im Unreinen ist. Ich appeliere ja oft dafür, aus dem Geist des Moments heraus zu entscheiden und deswegen ist es richtig, sich für das Leben und für die Liebe zu entscheiden.

Wer das wunderbar auf den Punkt gebracht hat, war Erich Fried:

Zitat:
Was es ist

Es ist Unsinn
sagt die Vernunft
Es ist was es ist
sagt die Liebe

Es ist Unglück
sagt die Berechnung
Es ist nichts als Schmerz
sagt die Angst
Es ist aussichtslos
sagt die Einsicht
Es ist was es ist
sagt die Liebe

Es ist lächerlich
sagt der Stolz
Es ist leichtsinnig
sagt die Vorsicht
Es ist unmöglich
sagt die Erfahrung
Es ist was es ist
sagt die Liebe
Schmuddelkind ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 14.01.2013, 18:04   #8
weiblich simbaladung
 
Dabei seit: 07/2012
Alter: 62
Beiträge: 3.056

Das Gedicht von Erich Fried ist auch eins meiner Lieblingsgedichte.

Ich hab deine Ausführungen mit Interesse gelesen und denke, dass wir in unseren Gedichten beides tun sollten: den Menschen in seinem momentanen Gefühlen ernst nehmen und trotzdem das Ganze nicht aus den Augen verlieren.
Manchmal wird einem ja auch durch die Auseinandersetzung mit Gedanken anderer, die (scheinbar) widersprüchlich sind, die eigene Position klarer oder sogar zurechtgerückt.
Ich mag, wie du, auch diese Momentaufnahmen, oder Seelenfotos, wie du so schön sagst.
Was du über die Gewichtung von Vernunft und Gefühl sagst, unterschreibe ich gerne.

gruß, simba
simbaladung ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 14.01.2013, 20:12   #9
männlich Schmuddelkind
 
Benutzerbild von Schmuddelkind
 
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Ort: Berlin
Alter: 33
Beiträge: 4.760

Dann sind wir uns ja in allen Punkten einig. Ist ja langweilig.
Nein, schön, dass wir auf einem Nenner stehen; in einem Gedicht sieht es ja manchmal anders aus, weil ein Gedicht ja selten so differenziert alles aufgreift, was ein Autor an Gedanken hat.

P.S.: Das Gedicht von Fried gehört auch zu meinen Lieblingsgedichten.
Schmuddelkind ist offline   Mit Zitat antworten
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tod, trauer, freunde

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