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Düstere Welten und Abgründiges Gedichte über düstere Welten, dunkle und abgründige Gedanken.

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Alt 28.10.2012, 21:53   #1
weiblich Nebelfuchs
 
Benutzerbild von Nebelfuchs
 
Dabei seit: 10/2012
Beiträge: 141

Standard Das Lied vom Henkersbaum

Ab vom Dorf an der Wegesscheide
Steht ein knorriger Baum in der Heide.

Pfeift der Wind, knarrt das Holz in der mondlosen Nacht,
Schaukel hin, schaukel her, schaukel sacht.

Von den Menschen gemieden, verlassen,
Grauer Staub, wo einst Wildblumen sprossen.

Pfeift der Wind, knarrt das Holz in der mondlosen Nacht,
Schaukel hin, schaukel her, schaukel sacht.

Raschelt Laub, altes Laub auf der Wiese,
Schwingt das Seil in der salzigen Brise.

Pfeift der Wind, knarrt das Holz in der mondlosen Nacht,
Schaukel hin, schaukel her, schaukel sacht.

Lang ist`s her, dass ich sah diesen Ort.
Nimmer war ich seit jenem Tag dort.

Pfeift der Wind, knarrt das Holz in der mondlosen Nacht,
Schaukel hin, schaukel her, schaukel sacht.

Henkersbaum, Henkersbaum, kehr ich wieder,
Lege Rosen, ja Rosen, darnieder.
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Alt 28.10.2012, 22:14   #2
weiblich Poetibus
 
Benutzerbild von Poetibus
 
Dabei seit: 09/2012
Ort: Einfach geradeaus und dann links abbiegen.
Alter: 51
Beiträge: 562

Hallo, Nebelfuchs,

ich bin beim Lesen an diesem Gedicht "hängengeblieben", es sprach mich an.

Auf mich wirken die Bilder sehr intensiv. Ganz besonders gelungen finde ich das Ende - das Bild der Rosen, die (unerwartet) "Farbe" bringen. Es spricht für den Aufbau des Gedichts, dass ich sie wirklich "rot" vor meinem inneren Auge sah, "blutrot", genauer ausgedrückt.

Die Stilmittel sind gut ausgewählt, nicht zu viel, nicht zu wenig.

Eine Anmerkung möchte ich allerdings machen. Der "Refrain" wirkt besonders "stark", vor allem durch die Anapher mit "schaukel". Hier (aber das ist wirklich nur mein persönliches "Empfinden") lässt er die Verse "dazwischen" etwas zu sehr in den Hintergrund treten, sie verlieren an Ausdruckskraft, gehen ein wenig "unter".

Keine Kritik, jemand anders kann das überhaupt nicht so empfinden. Nimm es daher lediglich als meine Leserrückmeldung an. Ich würde wenigstens (vor allem, wenn die zwischen dem Refrain stehenden Strophen ebenfalls nur zweizeilig sind) zwei Reimpaare dazwischensetzen. Wäre die Aufteilung z. B. Strophe - vier Verse / Refrain - 2 Verse / Strophe - vier Verse etc., dann sähe es natürlich ganz anders aus.

Ich hoffe, du verstehst, was ich sagen möchte.

Trotzdem: Das Gedicht gefällt mir sehr gut.

Freundlichen Gruß,

Poetibus
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Alt 29.10.2012, 10:00   #3
männlich Desperado
 
Benutzerbild von Desperado
 
Dabei seit: 03/2012
Ort: Erde, Europa, Deutschland, Bayern
Beiträge: 1.749

Hallo Nebelfuchs,

schöner Nick, schönes Lied.

Vor der sogenannten Flurbereinigung, die nichts anderes war als eine beispiellose Naturzerstörung und nicht wieder gutzumachende Schändung, gab's in Bayern noch viele dieser Galgenbäume, mit starken, querstrebenden und von der Höhe her geeigneten Ästen, Napoleon bediente sich ihrer ebenso wie die Schlächter der Bauernkriege, die SSler waren die letzten, ein paar davon haben sie stehengelassen und als Alibi ein Gedenkkreuz davorgepflanzt.

Hab Dein düsteres Lied mitgesummt.
Desperado
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Alt 29.10.2012, 11:33   #4
weiblich simbaladung
 
Dabei seit: 07/2012
Alter: 62
Beiträge: 3.056

Hallo, Nebelfuchs,

auch ich habe dein grausig-schönes, stimmungsvolles Lied sehr gerne gelesen,
mir gefällt vor allem deine Zurückhaltung, dadurch wirken Titel, das Seil, die Rosen und der Refrain besonders stark ...

lg simbaladung
simbaladung ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 29.10.2012, 17:32   #5
weiblich Nebelfuchs
 
Benutzerbild von Nebelfuchs
 
Dabei seit: 10/2012
Beiträge: 141

Hallo zusammen!

Erst mal dankeschön für die netten Kommentare und Anregungen!!! Ich muss gestehen, dass ich in Sachen Gedichte noch ein Anfänger bin. Hab mich richtig gefreut

Zu Poetibus: Du kannst Recht haben, allerdings war das Gedicht (wie der Titel schon sagt) ursprünglich als Lied gedacht. Ich finde, gesungen wirkt jeder Text anders, und ein gesungener Refrain muss stark sein, sonst wird er auf die Dauer langweilig. Aber danke für deine Meinung!!!

Gruß Nebelfuchs
Nebelfuchs ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 29.10.2012, 19:01   #6
weiblich Ilka-Maria
Forumsleitung
 
Benutzerbild von Ilka-Maria
 
Dabei seit: 07/2009
Ort: Arrival City, auf der richtigen Seite des Mains
Beiträge: 22.209

Zitat:
Zitat von Nebelfuchs Beitrag anzeigen
Ich muss gestehen, dass ich in Sachen Gedichte noch ein Anfänger bin.
Dafür machst Du Deine Sache aber gut. Du bringst unverbrauchte Themen zur Sprache, und das ist erfrischend.
Ilka-Maria ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 29.10.2012, 21:22   #7
weiblich Nebelfuchs
 
Benutzerbild von Nebelfuchs
 
Dabei seit: 10/2012
Beiträge: 141

Ach ja, und noch zu Desperado:
War das ernst gemeint, dass du das Lied mitgesummt hast? Ich suche schon länger nach einer passenden Melodie, bin aber nicht so der Mozart...

Gruß Nebelfuchs
Nebelfuchs ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 30.10.2012, 21:15   #8
weiblich Daisy
 
Dabei seit: 10/2010
Beiträge: 890

Hallo Nebelfuchs,

ich finde gar nicht, dass hier irgendetwas holprig klingt.

Für mich hat "Das Lied vom Henkersbaum" einen einwandfreien Rhythmus und ich empfinde es auch beim Lesen als ein äußerst gelungenes Lied.

Mir gefällt es so wie es ist!

LG Daisy
Daisy ist offline   Mit Zitat antworten
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Lesezeichen für Das Lied vom Henkersbaum

Stichworte
baum, galgen, tod

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