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Düstere Welten und Abgründiges Gedichte über düstere Welten, dunkle und abgründige Gedanken.

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Alt 01.04.2012, 17:09   #1
männlich Schmuddelkind
 
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Dabei seit: 12/2010
Ort: Berlin
Alter: 33
Beiträge: 4.760

Standard Stummes Requiem

Am Meeresgrunde spielen Geigen
Totenmessen ungehört.
Wie viele Leben hat ein Schweigen
unbemerkt bereits zerstört?
Schmuddelkind ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 01.04.2012, 17:45   #2
männlich Ex-Peace
abgemeldet
 
Dabei seit: 11/2011
Beiträge: 3.450

Sehr schön und sehr richtig!!!
Ich denke sofort an das Stichwort: Zivilcourage.
Es gibt Momente, in denen man seine Stimme einfach erheben muss (Kausalketten).
Die ersten beiden Verse (mit den spielenden Geigen auf dem Meeresgrund)
finde ich äußerst gelungen. Eine schöne Vorstellung - verbunden mit etwas Schrecklichem
(dem Requiem). Ich muss auch daran denken,
dass die Menschen ihre Abfälle ins Meer kippen (alte Eisenbahnwaggons etc.).
Ein tolles Werk, das wieder stark zum Nachdenken anregt.
Danke!

Liebe Grüße
Peace
Ex-Peace ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 01.04.2012, 17:48   #3
gummibaum
 
Dabei seit: 04/2010
Alter: 66
Beiträge: 10.910

Ja, das gut. Das tönt das der Tiefe.

LG gummibaum
gummibaum ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 01.04.2012, 20:31   #4
männlich Schmuddelkind
 
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Dabei seit: 12/2010
Ort: Berlin
Alter: 33
Beiträge: 4.760

Vielen Dank!

Ja, Zivilcourage ist eine mögliche Lesart. Das gibt der Text auf jeden Fall her. Aber ich denke, es geht auch darum, ob Schuld etwas "Greifbares" ist (blöder Ausdruck in diesem Zusammenhang). Muss Schuld immer mit einer Tat einhergehen? Setzt Schuld Wissen voraus?

Freut mich jedenfalls, dass der Text zum Nachdenken anregt!

LG
Schmuddelkind ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 02.04.2012, 09:26   #5
männlich Walter
 
Benutzerbild von Walter
 
Dabei seit: 02/2012
Ort: Ludwigshafen am Rhein
Beiträge: 903

Standard Stummes Requiem

Ich bin sehr berührt von diesen Zeilen, die ein großes Lob an Dich in den jungen Tag rufen lassen- und aus Respekt, Anerkennung und Ehrfurcht vor jedem dieser Worte kann ich nur eines: schweigen und diese herrlichen Verse noch einmal tief in mich aufnehmen.
Vielen Dank, Schmuddel!

Liebe Grüße
Walter
Walter ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 02.04.2012, 14:33   #6
männlich Twiddyfix
 
Benutzerbild von Twiddyfix
 
Dabei seit: 02/2012
Ort: kleines Nest in Bayern
Beiträge: 2.703

dem kann ich mich nur anschließen. Sehr gelungen und mit großer Tiefe geschrieben, es sind nur vier Zeilen, die aber viel zum Nachdenken anregen.

Spontan fällt mir ein.....auch hier können Seelen Trauer tragen.

Eine schöne Osterwoche wünscht Dir ...Twiddy...
Twiddyfix ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 02.04.2012, 14:49   #7
männlich Schmuddelkind
 
Benutzerbild von Schmuddelkind
 
Dabei seit: 12/2010
Ort: Berlin
Alter: 33
Beiträge: 4.760

Ich bin über alle Maßen gerührt, dass ihr den wenigen Worten so viel Tiefe und Gefühl abgewinnen könnt.

LG und gleichfalls eine schöne Osterwoche, ihr Guten!
Schmuddelkind ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 02.04.2012, 15:57   #8
Thing
R.I.P.
 
Benutzerbild von Thing
 
Dabei seit: 05/2010
Alter: 74
Beiträge: 35.119

Ich habe lange über diesen vier Zeilen gegrübelt.

Ich möchte sie ebenso bejahen wie verneinen.
Die Geigen am Meeresgrund finde ich weniger gelungen, da dachte ich eher an eine Orgel mit tiefen Tönen. Den dunklen Klang der Tiefe.

Kann ein Schweigen Leben zerstören?
(Ich spreche nicht die Zivilcourage an).
Sind es nicht eher Worte, die zerstören?
Es kommt auf die Prämissen an.

Mir sagt ein Schweigen oft mehr als viele Worte.
Ob positiv oder negativ.
Und ich kenne einige Requiems, die anstelle von Worten komponiert wurden.
Hier wurde das Schweigen zur Schöpferkraft.

Aber zu diesen Überlegungen hat mich Dein Vierzeiler angeregt.
Und ich bin noch nicht zu einem Schluß gelangt.


LG
Thing
Thing ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 02.04.2012, 19:59   #9
männlich Schmuddelkind
 
Benutzerbild von Schmuddelkind
 
Dabei seit: 12/2010
Ort: Berlin
Alter: 33
Beiträge: 4.760

Zitat:
Die Geigen am Meeresgrund finde ich weniger gelungen, da dachte ich eher an eine Orgel mit tiefen Tönen. Den dunklen Klang der Tiefe.
Ich dachte eher daran, dass gar kein Klang zu hören ist - eben ein stummes Requiem.

Zitat:
Kann ein Schweigen Leben zerstören?
Das ist hier die Frage. Ich denke, Schweigen kann auch töten, selbst Unwissenheit kann töten. Ich beschäftige mich hier auch damit, ab wann Schuld beginnt.

Wenn ich jemanden mit einer Knarre töte, dann ist der Fall klar: Schuldig! Wenn ich ahne, dass sich jemand töten will und schweige, wieviel Schuld trifft mich dann? Wenn ich keine Ahnung davon habe, bin ich dann schon frei von Schuld? Ich denke, dann muss man darüber nachdenken, warum ich keine Ahnung davon habe. Hätte ich es wissen können? Das sind Fragen, mit denen ich mich beschäftigt habe, ohne eine Antwort geben zu können.

LG
Schmuddelkind ist offline   Mit Zitat antworten
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schuld, tod, trauer

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