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Düstere Welten und Abgründiges Gedichte über düstere Welten, dunkle und abgründige Gedanken.

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Alt 26.09.2011, 20:51   #1
männlich Martin Laut
 
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Alter: 29
Beiträge: 369

Standard Tod eines Traumes

Es war ein wirrer Kampf auf freiem Feld,
und als nach ausgetöntem Todestanz
die harten Waffen müde niedersanken,
getaucht in roten, weichen Abendglanz,
die Lüfte leis und kühl nach Ende stanken,
gingen sie heiser schlafen mit der Welt.

Es war ein kummervoller Traum vom Frieden,
und als nach sternenschwerer Ruhenacht
die Schwerter aus den Scheiden krochen,
Sonne sich hoher Nase hob zur Schlacht,
Dünste kahl und kalt nach Ende rochen,
gingen sie weiter sich bekriegen
und verschieden.
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Alt 26.09.2011, 21:00   #2
männlich Ex-Schamanski
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Dabei seit: 12/2010
Beiträge: 2.884

Gar nicht übel, aber die Rhythmik springt mir zu sehr zwischen Jambus und Trochäus (mit und ohne Auftakt) umher.

Ich gehe einmal minimal über die erste Strophe:

Es war ein wirrer Kampf auf freiem Feld
und als nach ausgetöntem Todestanz
die harten Waffen müde nieder sanken,
getaucht in roten, weichen Abendglanz,
und Lüfte leis´ und kühl nach Ende stanken,
gingen sie heiser schlafen mit der Welt.


Da ist in der letzten Zeile immer noch die rhythmische Synkope auf "gingen", die ließe sich aber beim Vortrag akustisch weghobeln.

Zitat:
Sonne sich hoher Nase hob zur Schlacht,
Damit kann ich mich nicht anfreunden, und auch an der letzten Zeile kann man vielleicht noch etwas machen. Im Krieg verscheidet man nicht, man wird getötet.
Ex-Schamanski ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 26.09.2011, 21:06   #3
männlich El Machiko
 
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Ort: bye the Godfarther! The God? the God!..... Father!
Alter: 35
Beiträge: 970

schwindler
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Alt 26.09.2011, 21:38   #4
weiblich Ilka-Maria
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Benutzerbild von Ilka-Maria
 
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Ort: Arrival City, auf der richtigen Seite des Mains
Beiträge: 22.213

Zitat:
Zitat von Martin Laut Beitrag anzeigen
Es war ein wirrer Kampf auf freiem Feld
und als nach ausgetöntem Todestanz
ihre harten Waffen müde sanken,
getaucht in roten, weichen Abendglanz,
Lüfte leis´ und kühl nach Ende stanken,
gingen sie heiser schlafen mit der Welt.

Es war ein trauriger Traum vom Frieden
und als nach sternenschwerer Ruhenacht
Schwerter aus tiefen Scheiden krochen,
Sonne sich hoher Nase hob zur Schlacht,
Dünste kahl und kalt nach Ende rochen,
gingen sie weiter sich bekriegen
und verschieden.
Ich finde es klasse! Tolle Bilder, gut überlegter Ausdruck. Gerade der Vers mit der Sonne ist für mich gelungen: Die hochnäsige Sonne sieht die erschöpften Krieger, aber mit ihrem Licht und dem neuen Tag bittet sie erbarmungslos um die nächste Runde.

Auch mit dem "verschieden" habe ich kein Problem, denn in der Schlacht sterben viele Krieger nicht durch das sofortige Töten, sondern an ihren schweren Verwundungen. Sie erleben den Todeskampf und verscheiden. Ein Albtraum!

Das Gedicht strotzt vor wittrigem, erdigem und schweißigem Geruch. Wo er nicht genannt wird, steigt er dennoch zwischen den Zeilen empor.

Ich empfinde das Gedicht als sehr intensiv.
Ilka-Maria ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 26.09.2011, 22:00   #5
männlich Ex-Schamanski
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Dabei seit: 12/2010
Beiträge: 2.884

Zitat:
Zitat von Ilka-Maria Beitrag anzeigen
Ich finde es klasse! Tolle Bilder, gut überlegter Ausdruck. Gerade der Vers mit der Sonne ist für mich gelungen: Die hochnäsige Sonne sieht die erschöpften Krieger, aber mit ihrem Licht und dem neuen Tag bittet sie erbarmungslos um die nächste Runde.
Tatsächlich, so kann man es sehen. Ich lasse mich überzeugen und freunde mich an.

Zitat:
Zitat von Ilka-Maria Beitrag anzeigen
Auch mit dem "verschieden" habe ich kein Problem, denn in der Schlacht sterben viele Krieger nicht durch das sofortige Töten, sondern an ihren schweren Verwundungen. Sie erleben den Todeskampf und verscheiden.
Sie verscheiden nicht, sie verrecken. "Verscheiden" assoziiere ich eher mit einem friedlichen Tod, im Sinne von "sanft entschlafen". Für mich paßt "verscheiden" nicht zum gewaltsamen Tod, ob er nun schnell oder langsam eintritt.
Ex-Schamanski ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 26.09.2011, 23:41   #6
männlich Erich Kykal
 
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Ort: Österreich
Alter: 55
Beiträge: 876

HI, Martin!

Schwergewichtslyrik! Ganz mein Ding! Ich erlaube mir, auf ein paar Kleinigkeiten hinzuweisen:

Es war ein wirrer Kampf auf freiem Feld, Komma hier.
und als nach ausgetöntem Todestanz
ihre harten Waffen müde sanken, Das "ihre" stört hier die Strophenmelodie, da hakt's beim Lesen! Alternative: "die harten Waffenarme müde sanken,"
getaucht in roten, weichen Abendglanz,
fte leis´ und kühl nach Ende stanken, Besser "die Lüfte" vorneweg, ist runder und sprachlich besser (vielleicht auch für's Metrum?), Apostroph nach "leis" völlig überflüssig - beunruhigt nur das Schriftbild. Verkürzungen sind längst normaler Sprachgebrauch.
gingen sie heiser schlafen mit der Welt.

Es war ein trauriger Traum vom Frieden, Komma hier. "trauriger" stört das Metrum. Alternative: "Es war ein kummervoller Traum vom Frieden," So hat die Zeile den gleichen Rhythmus wie die Anfangszeile von S1.
und als nach sternenschwerer Ruhenacht
Schwerter aus tiefen Scheiden krochen, "die Schwerter aus den Scheiden krochen" melodischer, ungebrochen.
Dünste kahl und kalt nach Ende rochen,
gingen sie weiter sich bekriegen
und verschieden. Warum neue Zeile?

Nimm, was du brauchen kannst, die Kommata sollten aber dabei sein!
Sehr gern gelesen.

LG, eKy
Erich Kykal ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 27.09.2011, 00:12   #7
weiblich Ilka-Maria
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Ort: Arrival City, auf der richtigen Seite des Mains
Beiträge: 22.213

Zitat:
Zitat von Schamansky Beitrag anzeigen
Sie verscheiden nicht, sie verrecken. "Verscheiden" assoziiere ich eher mit einem friedlichen Tod, im Sinne von "sanft entschlafen". Für mich paßt "verscheiden" nicht zum gewaltsamen Tod, ob er nun schnell oder langsam eintritt.
Ich verstehe, was Du meinst, aber das gibt es in Wirklichkeit so gut wie nie. Nur einige wenige Menschen haben das Glück eines friedlichen Sterbens. Für die meisten ist es ein Verrecken, egal ob auf dem Schlachtfeld oder auf dem heimischen Sterbebett. Für die drei Menschen, die in meiner Familie zuletzt verstorben sind, war es jedenfalls ein Verrecken, anders kann man es nicht bezeichnen. Für mich ist das Wort "verscheiden" nur ein Synonym für das Ende des Sterbeprozesses, nicht mehr und nicht weniger.
Ilka-Maria ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 27.09.2011, 00:25   #8
Ex-Odiumediae
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Beiträge: 1.152

Das klingt faszinierend gut, in Melodie und Wortlaut. Und dann in Abstimmung mit dem Inhaltm sehr gelungen!

Nachtrag: was das verscheiden angeht, bin ich Schamanskys Meinung. Es will auch mir nicht zu einem Tod auf dem Schlachtfeld passen.
Ex-Odiumediae ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 27.09.2011, 04:42   #9
männlich Martin Laut
 
Benutzerbild von Martin Laut
 
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Alter: 29
Beiträge: 369

Ich danke allen für die Kommentare.

Schamansky:
Ich habe die Begriffe ,,Jambus´´ und ,,Trochäus´´ nun nachgeschaut und werde dieses neugewonnene Wissen in meine Arbeit einfließen lassen.
Vielen Dank für diese Horizonterweiterung.
Nett, dass du die erste Strophe überarbeitet hast, ich werde davon etwas in eine Neufassung übernehmen.

Ilka-Maria:
Ein solcher Effekt auf dich füllt mir das Herz mit guten Gefühlen. Das wollte ich erreichen.
Im übrigen hast du den Begriff ,,verschieden´´ aufgefasst, wie ich es beabsichtigt habe.
Da ich die Gegenposition aber verstehen kann werde ich die Formulierung überdenken.

Erich Kykal:
Super, dass ich deinen Nerv treffen konnte.
Die meisten deiner Verbesserungsvorschläge werde ich übernehmen.
Dank dir für die Mühe!
Die neue Zeile ist dort, weil ich diese letzten beiden Worte irgendwie hervorheben wollte.


in aller Freundlichkeit,
Martin
Martin Laut ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 27.09.2011, 07:10   #10
weiblich muse
 
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Dabei seit: 06/2011
Beiträge: 444

Hallo Martin,
deine Zeilen gefallen mir sehr gut. Aber eine Frage habe ich doch: warum ist der Traum von Frieden ein trauriger? Dein Titel weist darauf hin, dass sie von einem anderen Morgen träumen, als von dem, der sie letztendlich erwartet. Müsste er dann nicht eher hoffnungsvoll sein?
muse ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 27.09.2011, 13:53   #11
männlich ZychoyZ
 
Dabei seit: 02/2010
Alter: 33
Beiträge: 1.634

Hallo Martin,

das ende hat es in sich ... 'und verschieden', sehr gelungen, auch mir gefallen deine zeilen wirklich gut ...

Gute Grüße
Zycho
ZychoyZ ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 27.09.2011, 17:22   #12
männlich Martin Laut
 
Benutzerbild von Martin Laut
 
Dabei seit: 04/2009
Alter: 29
Beiträge: 369

Schön auch euer Gefallen mit dem Gedicht gefunden zu haben.

muse:
Die Träumenden sind hoffnungslos, sie gehen nicht davon aus, dass sie ein -anderer Morgen- erwartet.





sehr freundlich,
Martin
Martin Laut ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 14.03.2012, 18:40   #13
männlich ZychoyZ
 
Dabei seit: 02/2010
Alter: 33
Beiträge: 1.634

mir ist noch ein gedicht eingefallen:

"macht am anfang der kriege
euch noch gleich der wille zum siege
so seit zum endlichen frieden
ihr dennoch verschieden."

gute grüße nochmal Zy.
ZychoyZ ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 14.03.2012, 19:01   #14
Thing
R.I.P.
 
Benutzerbild von Thing
 
Dabei seit: 05/2010
Alter: 74
Beiträge: 35.150

Wieso hab ich das seinerzeit nicht kommentiert?
War ich da gerade mal wieder gesperrt?


Ich würde kein Wort ändern, selbst wenn es hundertmal "stimmiger" wäre.
So ist es aus einem Guß und völlig ungekünstelt, wahrhaftig und wahr.
Der letzte lapidare Vers muß bleiben.
Gut, daß es für Änderungen zu spät ist.

Kompliment!

Thing
Thing ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 14.03.2012, 19:15   #15
männlich Ex-Peace
abgemeldet
 
Dabei seit: 11/2011
Beiträge: 3.450

Mir gefällt das auch sehr.

Mein Lieblingsvers:

"Es war ein kummervoller Traum vom Frieden."

Liebe Grüße
Peace
Ex-Peace ist offline   Mit Zitat antworten
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