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Gefühlte Momente und Emotionen Gedichte über Stimmungen und was euch innerlich bewegt.

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Alt 17.09.2018, 23:57   #1
weiblich Ilka-Maria
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Standard Narbenherz

Ein Herz weiß erst, wofür es schlägt
wenn Liebe seine Welt bewegt,
es pochte vorher unbewusst
und wenn mal heftig, dann aus Frust.

Doch wahre Liebe stimmt es mild,
sie schützt es wie ein ledern Schild,
doch nur, solang man es begehrt,
denn danach ist es nichts mehr wert.

Ein Herz, das keine Narben hat
und niemals stand an einer Statt,
zu sprechen ein Gebet,
das hat niemals gelebt.

17.09.2018
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Alt 18.09.2018, 00:37   #2
männlich Eisenvorhang
 
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Hui! Die Ilka und ein Liebesgedicht, dass ich das nochmal erleben darf

Wieso ein Schild aus Leder? Hat das eine bestimmte Bedeutung? Denn Schilde sind ja eigentlich aus Stahl oder Holz/Eisen.

Die dritte Stophe ist etwas unverständlich für mich.

Ein Herz, welches keine Narben hat und niemals an einer (was) stand, anstatt ein Gebet zu sprechen, das niemals gelebt hat. Und wieso wird das "Statt" hier groß geschrieben? Ich bin ratlos, hilf mir bitte!

Sicher meckerst du jetzt wegen Verbesserung. Du, kein Ding, wenn ich die dritte Strophe verstehen würde.
Sieh mir meine Unzulänglichkeit bitte nach.

Strophe 1 und 2 sind schön - dritte nicht. (für mich)

vlg

EV
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Alt 18.09.2018, 07:43   #3
weiblich Ilka-Maria
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Zitat:
Zitat von Eisenvorhang Beitrag anzeigen
Hui! Die Ilka und ein Liebesgedicht, dass ich das nochmal erleben darf
Das ist nichts Besonderes, ich habe schon viele Liebesgedichte geschrieben.

Zitat:
Zitat von Eisenvorhang Beitrag anzeigen
Wieso ein Schild aus Leder? Hat das eine bestimmte Bedeutung? Denn Schilde sind ja eigentlich aus Stahl oder Holz/Eisen.
Das ist ein Irrtum. In der Antike wurden Schilde auch aus sehr dickem Leder (über 6 mm) gefertigt. Stahl in heutiger Qualität gab es noch nicht, sondern gehärtetes Eisen, das nicht frei war von Schlackenresten.

Zitat:
Zitat von Eisenvorhang Beitrag anzeigen
Und wieso wird das "Statt" hier groß geschrieben?
Weil es ein anderes Wort für "Stätte ist", man kann z.B. sowohl von "Grabstatt" wie von "Grabstätte" sprechen, das ist völlig egal. Viele Wörter sind heute so selten in Gebrauch, dass viele Leute sie gar nicht mehr kennen. So hatte mir ein Lektor mal das Wort "Krume" in "Krumen" verbessern wollen, was natürlich Unsinn ist, denn ein Stück Ackerland (= Krume) hat mit Brotkrümeln nichts zu tun.

Die dritte Strophe soll die Illusion der ersten beiden Strophen korrigieren. Es gibt nun mal keine Liebe ohne Verletzungen. Mehr kann (und will) ich dir dazu nicht sagen.
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Alt 18.09.2018, 08:54   #4
weiblich Mona
 
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Hallo Ilka-Maria,
Deine Worte vom Herz mit Narben
sprechen mich sehr an..

Immer wieder,
so scheint es,
lässt sich so ein Herz auf die Liebe ein
und immer wieder
lernt es den Schmerz kennen ,
wenn sie vergeht.

Die Narben,
sind Zeichen seines Schmerzes.
Narbengewebe ist nicht so tragfähig ,
wie das unbeschädigte..
So leidet es weiter
und streichelt zärtlich seine Narben..

Danke fürs Lesendürfen
liebe Grüße
Mona
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Alt 18.09.2018, 09:20   #5
weiblich Ilka-Maria
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Zitat:
Zitat von Mona Beitrag anzeigen
Danke fürs Lesendürfen
liebe Grüße
Mona
Ich habe Dir zu danken, Mona, denn dein Gedicht "Spuren" ware meine Inititalzündigung. Manchmal lese ich etwas, und dann kommen die Assoziationen zu einem neuen Text wie von selbst geflogen.
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Alt 18.09.2018, 13:39   #6
gummibaum
 
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Sehr schön, liebe Ilka. Besonders die Narbenaussage gefällt mir.

LG gummibaum
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Alt 18.09.2018, 15:56   #7
männlich Blobstar
 
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Hallo Ilka,

sprachlich und stilistisch ist das hier natürlich sauber und gut und nicht zu beanstanden. Aber inhaltlich bin ich kein Fan von die Liebe so überhöhenden und singularisierenden Aussagen, dass nur die zählt und Wert hat und wahr sei; denn was sagt sowas denn über die, die gerade nicht lieben? Sollte ein Liebesgedicht nicht positiv affirmieren, schwärmen und loben. Aber das hier ist ja explizit abwertend: Ohne Liebe lebt man eigentlich gar nicht und ist nichts wert. Das ist doch praktisch schon beleidigend.
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Alt 18.09.2018, 16:08   #8
weiblich Ilka-Maria
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Zitat:
Zitat von Blobstar Beitrag anzeigen
Ohne Liebe lebt man eigentlich gar nicht und ist nichts wert. Das ist doch praktisch schon beleidigend.
Du hast den Inhalt völlig falsch verstanden. Mein Gedicht überhöht die Liebe nicht, sondern desillusioniert sie. Und tatsächlich ist es in den meisten Beziehungen so, dass sie nach einem gewissen Zeitraum nichts mehr wert ist (das ist sogar wissenschaftlich nachgewiesen und begründet).

Außerdem bezieht sich der verlorene Wert in meinem Gedicht nicht auf die Liebe, sondern auf das Herz (genau lesen!). Das kann man zwar als Synonym für die Liebe nehmen, aber ein Unterschied zwischen beiden besteht dennoch.
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Alt 18.09.2018, 16:48   #9
männlich MiauKuh
 
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Zitat:
Zitat von Ilka-Maria Beitrag anzeigen
Mein Gedicht überhöht die Liebe nicht, sondern desillusioniert sie. Und tatsächlich ist es in den meisten Beziehungen so, dass sie nach einem gewissen Zeitraum nichts mehr wert ist (das ist sogar wissenschaftlich nachgewiesen und begründet).
Ilka,

kannst du bitte hier die Studien verlinken, die beweisen, dass Liebe in den meisten Beziehungen irgendwann nichts mehr wert ist?
Also wenn wir nicht mehr an die Liebe glauben dürfen, rein wissenschaftlich, woran denn dann? Was für eine schwarze Weltsicht das für mich wäre, ich teile diese Ansicht keinesfalls.
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Alt 18.09.2018, 17:01   #10
weiblich Ilka-Maria
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Zitat:
Zitat von MiauKuh Beitrag anzeigen
Ilka,

kannst du bitte hier die Studien verlinken, die beweisen, dass Liebe in den meisten Beziehungen irgendwann nichts mehr wert ist?
Gerne
https://www.youtube.com/watch?v=hCoyhEqyTrE

Aber ich brauche mich auch nur in meinem Freundes- und Bekanntenkreis umzusehen, um festzustellen, dass Liebe nur auf Zeit existiert. Mein Ex-Mann hat inzwischen die sechste oder siebte Freundin (nach mir). Der Ex-Mann meiner Schulfreundin ist zum drittenmal verheiratet. Wie war das mit Joschka Fischer? Vier- oder fünfmal verheiratet? Schröder zum xten mal? Willy Brandt?

Dann könnte ich dir noch ein bisschen über Paare erzählen, die zusammengeblieben sind, sich aber täglich mindestens zwanzigmal gegenseitig die Rübe einschlagen. Mit Liebe dürfte das wenig zu tun haben.
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Alt 18.09.2018, 17:33   #11
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Nein, das Herz lese ich nicht als Synonym für Liebe, sondern als Körperteil für den ganzen Menschen, der liebt.

Die Desillusionierung steckt dann allerhöchstens nur in 2 kleinen Zeilchen. Und trotzdem, was sagt sie denn: Liebe kann so mächtig/einnehmen sein, dass mit ihr der ganze Wert verschwinden geht? Weil man außer ihr keinen Restwert übrig hatte?
Die Singularisierung dagegen:
In Strophe 1: Erst Liebe lässt einen seinen Zweck erkennen. Davor lebt man nur so vor sich hin und ist schlecht drauf. Aber immerhin irgendwie leben. In Strophe 4 hat man ja noch gar nicht gelebt, bis man Liebe und Trennungsschmerz erlebt hat.
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Alt 18.09.2018, 18:07   #12
weiblich Ilka-Maria
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Zitat:
Zitat von Blobstar Beitrag anzeigen
In Strophe 4 hat man ja noch gar nicht gelebt, bis man Liebe und Trennungsschmerz erlebt hat.
Welche Strophe 4?

Und wo ist von Trennung die Rede?
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Alt 18.09.2018, 18:10   #13
männlich Blobstar
 
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Zitat:
Zitat von Ilka-Maria Beitrag anzeigen
Welche Strophe 4?

Und wo ist von Trennung die Rede?

Tschuldigung, vertippt. Dass man "niemals gelebt" habe, findet sich natürlich in der 3. Trennungsschmerz als ein Beispiel für Narben, die Liebe hinterlässt.
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Alt 18.09.2018, 18:24   #14
weiblich Ex-eisfee
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Standard Narbenherz

Ich möchte mich der Meinung von MiauKuh anschließen.
Es ist sehr gewagt zu behaupten, das Liebe nur auf Zeit existiert.
Was sind schon Studien, ich vertraue auf das was ich sehe, spüre und selbst erlebe.
Ich glaube an die Liebe - weil ich sie selbst lebe.


die eisfee


(und daran wird keine Studie der Welt etwas ändern)
Ex-eisfee ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 18.09.2018, 18:33   #15
männlich Eisenvorhang
 
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Ich glaube die Liebe trägt viele Gesichter und beginnt dort, wo Selbstlosigkeit schwingt.

Dort wo Egoismus steigt, fällt die Liebe.

vlg

EV
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Alt 18.09.2018, 18:34   #16
weiblich Ilka-Maria
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Zitat:
Zitat von Blobstar Beitrag anzeigen
Trennungsschmerz als ein Beispiel für Narben, die Liebe hinterlässt.
Leid kann durch viele Dinge hervorgerufen werden, es muss nicht unbedingt Trennung sein und auch sonst nichts Dramatisches. Jede Kränkung im Alltag kann Wunden schlagen und eine Liebe sterben lassen, das ist sogar Alltag, ohne dass es zu einer Trennung kommt. Ein unter die Autoräder gekommener und sterbender Hund kann einem Herzen wehtun und Narben hinterlassen, je nachdem, wie die Szene aufgenommen und verarbeitet wird.

Abgesehen davon, dass die romantische Liebe, die wir für unsterblich halten, eine Erfindung der jüngsten Zeit ist - sie wurde ziemlich gleichzeitig mit der Geburt des Romans publik - und mit er Realität nichts gemein hat, stimmt es durchaus, dass der Mensch ein Seelenleben hat und psychisch anfechtbar ist. Wenn nicht, könnten wir auf Psychotherapeuten verzichten. Der Mensch ist aber mehr ein Gemeinschaftstier als die Hälfte in einer Zweiterbeziehung. Er braucht die Familie, die Gruppe, den Verbund - es sei denn, er ist von Natur aus ein Einzelgänger.

Nochmal zurück zur romantischen Lieben: Der erste Höhenflug hält - und das ist nachgewiesen - maximal sechs Monate an. Danach ebbt die Begeisterung allmählich ab, und nach drei bis vier Jahren sind die ehemals Verliebten von ihrem Rausch in einen nüchternen Zustand übergetreten. Hat alles mit Biochemie und Hormonen zu tun. Oder kurz ausgedrückt: Die romantische Liebe ist eine Fiktion, die bekanntlich blind macht und Verliebte nicht sonderlich von Verrückten unterscheidet.
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Alt 18.09.2018, 18:48   #17
weiblich Ilka-Maria
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Zitat:
Zitat von Eisenvorhang Beitrag anzeigen
Ich glaube die Liebe trägt viele Gesichter und beginnt dort, wo Selbstlosigkeit schwingt.

Dort wo Egoismus steigt, fällt die Liebe.
Diese Aussage kann ich nicht unterschreiben. Mir sind altruistische Menschen mehr suspekt als (scheinbar) egoistische. Solche Menschen sind meistens ideologisch verseucht und versuchen, sich selbst zu überhöhen (wie z.B. Mutter Theresa, dieses grausige Weib). Das grenzt sie ab von den wirklich bescheidenen Menschen, die nur helfen wollen, ohne auf sich selbst zu sehen (z.B. Albert Schweitzer).

Umgekehrt gab es Egozentriker, die im Notfall ihr volles Hab und Gut für eine gute Sache gestiftet haben. Oder Menschen, die im Luxus lebten und sich dennoch in den Dienst der Menschheit gestellt haben, wie z.B. Elsa Brändström.
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Alt 18.09.2018, 18:57   #18
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Ich verstehe was du meinst Ilka - die Liebe als Solche ist eine Tugend und als die größte Form von Wertschätzung zu verstehen.
Kommen Tugend und Werte dazu, kommt man um Ideologie nicht vorbei.

In der Ethik ist Liebe natürlich Egoismus.

Unsere Meinungen liegen nicht weit voneinander entfernt, denn auch ich habe über die Jahre ein distanziertes Verhältnis zu dem Thema, nicht weil ich es vermeide, sondern, weil ihre Wege keine kleinen Pfade sind.

Das Verliebtsein vergeht nach zirka 36 Monaten.
Am Ende bleiben nur Zusammenhalt, Loyalität, Freiheit und Freundschaft.

Wenn überhaupt.

vlg
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Alt 18.09.2018, 19:12   #19
weiblich Ilka-Maria
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Zitat:
Zitat von Eisenvorhang Beitrag anzeigen
Zusammenhalt, Loyalität,
Du sagst es. Das waren schon immer meine Schwerpunkte. Man könnte es auch als Nibelungentreue bezeichnen.

Apropos Treue, und damit meinen die meisten Menschen die sexuelle Treue: Ich höre regelmäßig den HR1-Talk im Radio, jeden Sonntag zwischen 10 und 12. Da gibt es einen Fragebogen für den Talk-Gast, in dem u.a. die Einstellung zur Treue abgeklopft wird. Generelle Antwort: Gaaaanz wichtig!

Nur einmal war die Antwort, und sie kam von einer Frau, das sei ihr überhaupt nicht wichtig, solange die Beziehung funktioniere.

Da frage ich mich, wenn doch für die Mehrheit Treue so wichtig ist, weshalb so viele Menschen fremd gehen, und laut Statistik inzwischen mehr Frauen als Männer.
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Alt 19.09.2018, 00:53   #20
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Standard Zu kurz gedacht

Hallo ihr Lieben,
es gab ja schon einige Aussagen betreffs der Liebe und ihrer Haltbarkeit.
Finde aber, dass die Argumentation, die dahingehend arbeitet, Liebe auf eine hormonell bedingte Einweg Verpackung zu reduzieren, den Kern von Liebe nicht berücksichtigt.
Ja es gibt verschiedene Formen der Liebe und diese anfängliche, "Hormon-Liebe" hat nur eine kurze Halbwert Zeit.
Deswegen ist gerade diese Form der Liebe, ihrem Wesen nach am allerwenigsten mit der Liebe verwand.
Ein jiddisches Sprichwort sagt: Unsere Mütter, unsere Väter sagten Liebe kommt erst später.
Vor dem Hintergrund, der jüdischen Tradition der Heiratsvermittlung, trifft dies den eigentlichen Kern der Liebe.
Liebes- Heirat ist bei fremdbestimmter Partnerwahl quasi ausgeschlossen.
Dieses Sprichwort greift einen viel tiefgründiger Aspekt auf.
Nämlich der sich entwickelnden Liebe, der wachsenden und vertiefenden Liebe.
Das ist die eigentliche Liebe. Sie beruht auf einem Respekt und der Achtung vor der Lebensleistung eines Menschen, mit dem man gemeinsam das Leben bewältigt.
Diese Form der Liebe ist nicht irgendein dahin flatternde Falter, der auch bald wieder weiterfliegt.
Diese Liebe ist ein Baum, die mit zunehmendem Alter immer wertvoller und schöner wird. War sie Anfangs nur ein dürrer Spross, entwickelt die sich. Ihre Wurzeln durchgraben das Erdreich, finden versteckte Wasserläufe und auch in trockenen Zeiten werden ihre Blätter nicht welk. In ihren Ästen reifen Generationen von Vögel heran. In ihrem Schatten ruhen sich Vorüberziehende aus und von ihren Früchten nähren sich die Suchenden.
Diese Liebe ist es, die den Studien spottet und die Weisheit der Weisen zunichte macht.
Diese Liebe darf ich erleben und sie lebt davon, dass du einen Menschen immer näher kommst und durch das, was du über ihn lernst und erfährst und mit ihm erlebst, du eine tiefe, immer tiefer gehende Liebe entwickelst.
Gruß vom Herzen Blade
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Alt 19.09.2018, 00:58   #21
männlich Eisenvorhang
 
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@Ilka

Der Mensch ist ein Triebtier und will rammeln.
Frauen führen die Statistik aber schon länger knapp an, was Fremdgehen betrifft.

In meinem Bekanntenkreis, also Freunde und Kumpels, ging jede Fremd.

Ich frage mich viel mehr, wenn sexuelle Treue nichts Natürliches ist, sondern was Gesellschaftliches... Was ist dann Eifersucht, was soll die bewirken?

Neid auf Besitz?

vlg

EV
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Alt 19.09.2018, 04:52   #22
weiblich Ilka-Maria
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Zitat:
Zitat von BladeRuner Beitrag anzeigen
Nämlich der sich entwickelnden Liebe, der wachsenden und vertiefenden Liebe.

...

In ihren Ästen reifen Generationen von Vögel heran.
Ich halte die Liebe, wie du sie definierst, für eine Illusion. Menschen, die eine solche Liebe leben können, sind die Ausnahme, genauso wie monogam veranlagte Menschen selten sind.

Der Vergleich mit den Vögeln scheint mir unpassend zu sein, denn es gibt Vogelarten, bei denen die Paare sich ihr Leben lang in absoluter Treue verbunden bleiben.

Genau das wäre aber beim Menschen sinnvoll, der viele Jahre braucht, um die Nachkommen aufzuziehen, also auf eine stabile Beziehung angewiesen ist. Stattdessen setzt die Natur auf unkontrollierte, völlig sinnlose Reproduktion. Nun könnte man argumentieren, dass es heute nicht mehr zwangsläufig dazu kommen muss, Nachwuchs in die Welt zu setzen. Tatsache ist aber, dass sich die Menschheit immer weiter vermehrt.
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Alt 19.09.2018, 07:36   #23
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Standard Liebe Ilka-Maria

Die Menschen können diese Liebe leben, aber es fehlt die Bereitschaft.
Dies hat unterschiedliche Gründe. Der Wille sich zurück zunehmen macht einem immer größeren Egoismus Platz. Dieser Egoismus zerstört die Fähigkeit zur Liebe und am Ende die Liebe selbst. Es hat auch was damit zu tun, dass Menschen heute keine lebendige Hoffnung haben, alles was ihnen bleibt, ist das Jetzt und Hier, Glück um jeden Preis. Es gibt ja nur dies eine Leben, da muss alles rein. Das führt zu der Unfähigkeit sich einzulassen. Liebe ist eben nicht nur ein Gefühl, sondern in aller erster Linie harte Arbeit, permanente Auseinandersetzung und ein Geben, von sich.
Leider wollen wir aber meistens nehmen und berauben uns selbst.
Die Vögel waren kein Beispiel für ewige Liebe, sondern Teil der Metapher für selbige. In diesem riesigen Baum der Liebe finden so viele Geschöpfe Heimat, Nahrung, Ruhe, Schatten, Schönheit und der Gleichen mehr.
Wir stehen uns in unserem grenzenlosen Egoismus selbst im Wege diese Liebe zu erleben.
Gruß vom Herzen Blade
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Alt 19.09.2018, 07:50   #24
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Standard Nachtrag

Liebe Ilka-Maria
Du hälst diese Liebe für für eine Illusion. Ich erlebe die Realität dazu.
Es ist halt schwierig jemanden, der die Sonne gesehen hat, das Licht zu erklären.
Ich philosophiere nicht darüber in einem theoretischen Rahmen, sondern erlebe sie praktisch.
Verstehst du liebe Ilka-Maria?
Mir diese Liebe ausreden zu wollen ist faktisch so unmöglich, wie einem Sehenden zu erklären , es gäbe kein Licht.
Das die meisten Menschen dies nicht Leben, ist kein Beweis dafür, dass es diese Liebe nicht gibt. Es zeigt nur, dass viele nicht bereit sind den Preis für diese Liebe zu zahlen.
Aber alle Menschen tragen die Sehnsucht genau nach dieser Liebe in sich.
Gruß vom Herzen Blade
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Alt 19.09.2018, 07:51   #25
weiblich Mona
 
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Hallo Ilka-Maria,
ich sehe es genau so , wie Blade in seinem Komm..
Es liegt an den Menschen, wie sie Ihr Leben gestalten ,
Ihre Lieben zulassen..

Da ich als Harmoniemensch, gerne in dieser "Illusion" bleiben möchte,
versuche ich in meinem Leben,
das Beste dafür zu geben,meine Liebe.

Ich verschenke sie,einfach so
und sie kehrt zu mir zurück..
In den Augen meines Gegenübers..
Natürlich gibt es steinige Wege,
aber mit der Liebe an der Seite laufen sie sich besser..

Seit fast 38 Jahren, gehe ich gemeinsam mit meinem Lieblingsmenschen
all diese Wege..
und ich hoffe auf mehr Jahre..
werde alles dafür tun..
Natürlich kann man nicht so lange , wie auf der Droge des Verliebtseins
dahergehen..
Liebe verändert sich und kleidet sich neu..

Es ängstigt mich, zusehen ,wie viele Lieben scheitern
an der Kälte der Welt,
am Egoismus..
An den tausend Kleinigkeiten die unser Leben begleiten..

Habt einen schönen Tag
liebe Grüße
Mona
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Alt 19.09.2018, 08:46   #26
weiblich Ilka-Maria
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Zitat:
Zitat von Mona Beitrag anzeigen
Es ängstigt mich, zusehen ,wie viele Lieben scheitern
an der Kälte der Welt,
am Egoismus..
Es ist auffallend, dass beim Thema "Liebe" oft, und zwar auf unsere heutige Zeit bezogen, die Wörter "Kälte" und "Egoismus" als Erklärung vorgetragen werden. So einfach ist es für mich aber nicht. In früheren Zeiten gingen die Menschen wesentlich liebloser miteinander um und standen gewalttätigen Auseinandersetzungen viel näher. Empathie, wie wir sie heute verstehen, ist ein ebenso junges Phänomen wie die romantische Liebe. Sie kam früher nur selten vor, und fast nie wurden Ehen aus Liebe geschlossen, sondern aus rein wirtschaftlichen Erwägungen. Trotz der Individualisierung in unserer modernen Gesellschaft sind vor allem die Männer wesentlich weniger egoistisch als früher und berufen sich längst nicht mehr auf ihre Stellung als "Hausvorstand", der allein das Sagen hat. Nicht zu vergessen, dass verheiratete Frauen in Deutschland bis in die 70er Jahre hinein keine Rechte besaßen, sondern z.B. nur mit Zustimmung ihrer Ehemänner eine Wohnung mieten oder einen Anstellungsvertrag eingehen durften, was den Ausbruch aus einer unglücklichen Ehe fast unmöglich machte. Zurückzuführen waren solche gesetzlichen Bestimmungen auf die Entstehung des Bürgertums und auf die Industrialisierung und Kapitalisierung unserer Welt. Für die Menschen, die über wachsendes Kapital verfügten, war es plötzlich wichtig, sicherzustellen, dass ihre Frauen ihnen treu waren und der Erbe des Kapitals wirklich das eigene Kind war. Davor war das allenfalls die Sorge des Adels.

Ganz anders ging es in der frivolen Epoche des Barock zu, da nahm man es mit der Liebe und Treue überhaupt nicht genau, sondern das sexuelle Zusammenspiel von Mann und Frau diente allein dem Genuss.

Mit der Theorie einer mit den Jahren "wachsenden Liebe" kann ich mich nicht anfreunden, weil mir dafür die Beweise fehlen. Einzelbeispiele sagen nichts über die wahren Gründe des Zusammenbleibens aus, die meistens sehr komplex sind. Eigentlich ist die Frage auch überflüssig geworden, denn an der Tagesordnung sind eher Scheidungen, selbst noch nach lange durchgehaltener Ehezeit, und mehrfaches Heiraten. Offensichtlich glauben viele Leute immer noch daran, dass irgendwo der ideale Partner herumläuft, man muss nur lange genug suchen und ausprobieren. Ein Trugschluss, dem man sich irgendwann, wenn die Energie verbraucht ist, resigniert ergibt.
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Alt 19.09.2018, 09:13   #27
männlich BladeRuner
 
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Standard Ach ja

Es mag sein, dass du resigniert aufgegeben hast.
Die fehlenden Beweise für die wachsende Liebe will ich dir nicht erbringen.
Ich lege Zeugnis von ihr ab und du kannst damit machen was du willst.
So schwer wie es ist dem Sehenden das Licht auszureden, so schwer ist es dem der die Augen nicht öffnet, das Licht zu erklären.
Gruß vom Herzen Blade
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Alt 19.09.2018, 10:09   #28
weiblich Ilka-Maria
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Zitat:
Zitat von BladeRuner Beitrag anzeigen
Es mag sein, dass du resigniert aufgegeben hast.
Von mir rede ich gar nicht, ich bin seit 33 Jahren in einer festen Beziehung. Auch habe ich niemanden aufgefordert, mir irgendwelche Beweise für seine Behauptungen zu liefern. Aber ich bin nicht blind und sehe, was in meiner Umgebung passiert, und das einzige, was für mich zählt, ist, dass ich meine eigenen Behauptungen beweisen kann. Ständig wechselnde Partner sind längst kein Privileg mehr für die Prominenz, sondern Alltag vieler Durchschnittsbürger.
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Alt 20.09.2018, 23:33   #29
männlich Briefmarke
 
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Ein schönes Gedicht.

Ohne die Kommentare gelesen zu haben mache ich nur einen Vorschlag am Ende des Gedichts.

hat niemals je gelebt.

Nicht außergewöhnliches, aber auch nichts, was sich im Taggeschehen des Forums verstecken müßte. Zurecht hat es die Anzahl an Beiträgen.

Gerne solches lesend, Briefmarke.
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