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Düstere Welten und Abgründiges Gedichte über düstere Welten, dunkle und abgründige Gedanken.

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Alt 21.11.2018, 15:41   #1
gummibaum
 
Dabei seit: 04/2010
Alter: 65
Beiträge: 10.891

Standard Mutterkorn

Der Roggen zeigte in den Ähren
auch schwarze Körner dieses Jahr.
Die Herkunft ließ sich nicht erklären.
Er ging zur Mühle, wie er war.

Wer von dem Brot aß, sah Schimären.
Im Wahnsinn sträubte sich sein Haar.
Die Haut durchzog ein Kribbeln, Gären.
Es schwärmten Spinnen offenbar.

Im Körper bebten alle Sphären,
als kochte ihn ein Feuer gar.
Die Opfer brachten unter Zähren
bizarre Narrentänze dar.

Dann ging durch Hand und Fuß ein Schwären.
Verstümmelte, der Glieder bar,
erhängte man. - Verhexte nähren,
so hieß es, teuflische Gefahr…
gummibaum ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 21.11.2018, 16:36   #2
weiblich Mohrel
 
Benutzerbild von Mohrel
 
Dabei seit: 11/2018
Alter: 38
Beiträge: 94

Hallo gummibaum,

das Gedicht gefällt mir sehr gut!! Großes Kompliment!

Nur eine kleine Frage hätte ich.. Wieso "Narrentänze"?
Kommt es beim Ergotismus nicht eher zu Lähmungserscheinungen?

Liebe Grüße
Mohrel ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 21.11.2018, 17:14   #3
gummibaum
 
Dabei seit: 04/2010
Alter: 65
Beiträge: 10.891

Danke, liebe Mohrel.

Die Krankheit hat unterschiedliche Ausprägungen. Sie trug u.a. den Namen Veitstanz, mit dem aber auch andere Erscheinungen bezeichnet wurden.

Liebe Grüße
gummibaum

Geändert von gummibaum (21.11.2018 um 21:38 Uhr)
gummibaum ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 21.11.2018, 19:50   #4
weiblich Serpentina
 
Benutzerbild von Serpentina
 
Dabei seit: 04/2018
Ort: Zwischen den Gedanken
Alter: 52
Beiträge: 535

Lieber gummibaum,

du hast das Thema Antoniusfeuer mit seinen Folgen für die Betroffenen meisterhaft umgesetzt und damit gekonnt ein Schaudern beim Lesen entzündet.

Was Menschen alles so in Laufe der Geschichte erleiden, ist schon haarsträubend. Schon allein die leiblichen Symptome müssen die Hölle sein und dazu noch die Vorstellung, dass die Krankheit ohne Läuterung nur der Vorhof zu dieser ist, hat bestimmt sehr grosse seelische Nöte hervorgerufen.

LG,
Serpentina

P. S. Einfach genial gemacht. Ich wollte noch Textstellen zitieren, die mir besonders gefallen, bemerkte aber dann, dass ich dann doch das ganze Gedicht zitieren muss.
Serpentina ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 21.11.2018, 22:30   #5
gummibaum
 
Dabei seit: 04/2010
Alter: 65
Beiträge: 10.891

Genau, liebe Serpentina.

Diese Krankheit hatte ihre seelische und moralische Seite.

Einen schönen Abend wünscht dir
gummibaum
gummibaum ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 22.11.2018, 16:11   #6
männlich Einsamkeit
Gast
 
Dabei seit: 11/2018
Ort: Im Süden Sachsens
Beiträge: 167

Meine Anerkennung lieber gummibaum. Das Gedicht stammt von meisterlichen Händen.

- Einsamkeit
Einsamkeit ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 22.11.2018, 23:37   #7
gummibaum
 
Dabei seit: 04/2010
Alter: 65
Beiträge: 10.891

Danke, lieber Einsamkeit. Ich freue mich.

Grüße von gummibaum
gummibaum ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 02.12.2018, 12:11   #8
weiblich Letreo71
 
Benutzerbild von Letreo71
 
Dabei seit: 01/2014
Ort: Niedersachsen
Alter: 47
Beiträge: 4.011

Wow! Stilistisch sowie inhaltlich ein perfektes gummiwerk und das mit nur zwei Reimendungen, oder wie man das nennt.

Begeisterte Grüße und einen extra Gruß zum 1. Advent,

Letreo
Letreo71 ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 02.12.2018, 21:00   #9
gummibaum
 
Dabei seit: 04/2010
Alter: 65
Beiträge: 10.891

Danke, liebe Letreo, fürs Lob. Ich freue mich. Auch dir einen schönen 1. Advent.

LG gummibaum
gummibaum ist offline   Mit Zitat antworten
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