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Die Philosophen-Lounge Forum für philosophische Themen, Weisheiten und Weltanschauungen.

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Alt 02.08.2018, 16:56   #34
männlich gelberhund
 
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Irgendwie kommt mir das alles nicht so genau recherchiert vor. Mein Opa hatte definitiv ein Radio in the 50ern, meine Mutter schwärmt immer von der Musik die damals alle hörten, also Schlager aus Frankreich und aus der BRD, Klassik, Jazz, usw.

Zudem betrachteten die Sowjets die DDR ja als Brudernation. Sie haben ein paar Sachen abgebaut und die DDR haben eine Reparationssteuer bezahlt, aber das alles lief nur bis Stalins Tod.

Diesen allgemeinen Haß auf den Kommunismus/Sozialismus hätte ich nicht erwartet. Ist euch denn klar wieviel Marx und auch Lenin für den Wohlstandsfortschritt der Welt getan haben? Wie mutig die Rote Armee war als sie die Weißgardisten und später die Hitlerarmeen bekämpfte? Ilka und Thing, kommt ihr überhaupt aus der DDR und kanntet ihr das Leben in ihr? Es war auf keinen Fall ein schlechtes Leben, wenn auch ärmlicher als wir es jetzt haben.

Meiner Mutter ihr Mittagessen was sie zu DDR Zeiten kochte war viel schmackhafter als heute. Ich vermisse vor allem die Milch und Tomaten und Gurken und das Schweinefleisch. Und wir waren nur eine recht einfache Familie, mein Vater war zwar beim VdgB hat aber weniger Geld verdient als ein Traktorist der LPG. Er war in der Wendezeit beim grünen Tisch dabei und ich verstehe bis heute nicht warum die Ostdeutschen damals die DDR so sang- und klanglos haben untergehen lassen. Alles nur wegen Milka, Marlboro und der D-Mark? Die DDR Schokolade war ja auch lecker, nur nicht so süß wie Westzeugs wegen den Zähnen. Vieles war gut durchdacht gewesen.
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Alt 02.08.2018, 18:02   #35
weiblich Ilka-Maria
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Sag mal, bist du wirklich so naiv? Du argumentierst mit Radios und guter Hausmannskost aus Mamas Küche? Glaubst du vielleicht, das war in Westdeutschland anders? Auch da gab es noch Pellkartoffeln statt Fritten aus der Tiefkühltruhe, und die Milch wurde beim Milchmann aus einem großen Bottich in eine 1,5-Liter-Aluminium-Kanne geschöpft. Um ein Schwimmbad zu erreichen ging man fast eine Stunde mit Gepäck zu Fuß, und für Kinder gab es Ferien auf dem Bauernhof mit Plumpsklo neben dem stinkenden Schweinekoben. Auf den Straßen fuhren kaum Autos, so dass man auf den Straßen spielen konnte, und nach Frankfurt fuhr man nicht in klimatisierten Waggons mit Lausprecherverbindung zum Fahrer, sondern mit einer von jedem Luxus weit entfernen Bummelbahn für 10 Pfennige für die gesamte Strecke. An das Pauken englischer Vokabeln dachte noch keiner, obwohl wir unter amerikanischer Knute standen, und Französisch wurde erst in den 60er Jahren populär, als die Aktion "Deutsch-Französische Freundschaft" startete.

Die DDR war den Sowjets keine Brudernation, sondern das Ergebnis eines besiegtes Landes, von dem sie angegriffen worden waren und unsägliches Leid erfahren hatten. Ihnen diente die DDR dazu, die Grenzen des Sozialismus so weit wie möglich nach Westen zu schieben und dafür arbeiten zu lassen, dass sie ihre Industrie wieder hochziehen konnten.

Marx hat für den Wohlstand der DDR und auch für sonst keinen Menschen auch nur das Geringste beigetragen. Er war eine verkrachte Existenz, der vom Geld seiner Frau lebte, die aus dem Haus der Grafen von Westfalen stammte und zu seinem Glück immer im rechten Augenblick etwas vom Familienerbe einheimste, wenn ihm gerade mal wieder das Wasser bis zum Hals stand. Sein Verdienst bestand allein darin, die Produktionsweisen und ihre Auswirkungen des Frühkapitalismus exakt zu beschreiben. Dabei hätte er es belassen sollen, statt daraus seine deterministische Theorie des "Historischen Materialismus" zu entwickeln. Auf den Sieg des Proletariats über die Kapitalisten wartet die Welt heute noch. Eher schaffen sich die Kapitalisten selbst ab. Mit Haß auf den Kommunismus hat das nichts zu tun, im Gegenteil: Die Idee gab es schon in der Antike und war mit Sicherheit gut gemeint. Aber gut gemeint ist eben meistens schlecht, weil durch die rosa Brille gesehen. Menschen kann man nicht auf Dauer nach einer Ideologie formen.

Zitat:
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Wie mutig die Rote Armee war als sie die Weißgardisten und später die Hitlerarmeen bekämpfte?
Das steht außer Frage, hat aber mit Marx und Lenin nichts zu tun. Wie sehr die Russen ihr Land lieben und zu welchen Opfern sie im Falle seiner Verteidigung fähig sind, haben sie schon im Kampf gegen Napoleons Heer gezeigt, dazu brauchten sie nicht auf Marx und Lenin zu warten. Das ist aber kein Grund, die Zeitgeschichte zu klittern und zu verklären. Das gilt auch für Westdeutschland. Russen und Amerikaner waren nicht nur Gegner, die nach soldatischen Tugenden auf beiden Seiten kämpften, sondern viele von ihnen waren auch hasserfüllte Rächer, Vergewaltiger und Plünderer.
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Alt 02.08.2018, 18:48   #36
männlich Ex-Eisenvorhang
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Zitat:
Zitat von Ilka-Maria Beitrag anzeigen
Sag mal, bist du wirklich so naiv? Du argumentierst mit Radios und guter Hausmannskost aus Mamas Küche? Glaubst du vielleicht, das war in Westdeutschland anders?
Ich denke, dass das von der Geographie abhing - die ländlichen DDR-Bürger waren allesamt sehr zufrieden und haben von der großen "staatlichen" Repression nicht viel mitbekommen. Bis auf das fehlende Brot und die schlimme Nachkriegszeit, die ja aber im Grunde schon vor einundsechzig war.

Die Intellektuellen und Aufständigen aus der Stadt sind natürlich spurlos verschwunden...

Es gab schon Unterschiede zwischen Ost und West, aber auch die waren von der Örtlichkeit abhängig. Er schreibt von seinen Erfahrungen und Du von Deinen. Jeder hat wohl andere Erfahrungen gemacht; Schnittmengen gibt es natürlich.

Es gab kein marodes und tot gewirtschaftetes Leipzig im Westen.
Das ist fakt.

vlg

EV
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Alt 02.08.2018, 19:08   #37
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Ich bin nicht naiv, nur ehrlich. Du bist dagegen einfach nur zynisch. Es gab und gibt in der Weltgeschichte einen Kampf zwischen den Guten und Bösen. Erst wenn man das begreift und hinter die Kulissen blickt kann man verstehen. Und der Kommunismus war und ist nicht böse, er ist dagegen fortschrittlich, mit Problemen zwar aber das ist immer so. Aber dein Abgesang auf die DDR ist nicht rechtens. Honecker etwa war ein Widerstandskämpfer gegen die Nazis gewesen und auch ein mutiger Mann. Ich habe Videos von ihm wo er nach der Wende Interviews gibt, und sie sind alle sehr vernünftig. Ich kannte auch Parteileute durch meinen Vater und sie waren alle interessante Menschen die viel zu sagen hatten. Du bläst einfach in dasselbe Rohr wie viele heute in der Welt. Ohne groß selbst nachzuschauen und die Menschen zu fragen wie sie wirklich in Ländern wie der DDR gelebt haben. Ich lese viele Bücher und einige aus der DDR sind meine Lieblingsbücher. Auch die Lyrik war gut, schau nur mal bei Brecht.
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Alt 02.08.2018, 19:43   #38
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Zitat:
Zitat von Eisenvorhang Beitrag anzeigen
Es gab schon Unterschiede zwischen Ost und West, aber auch die waren von der Örtlichkeit abhängig. Er schreibt von seinen Erfahrungen und Du von Deinen. Jeder hat wohl andere Erfahrungen gemacht; ...
Du willst vermitteln, Eisenvorhang, aber ich will gar nicht streiten. Die Sicht von außen ist wohl immer anders als die Sicht von innen. Mir ist es wurst, ob heute noch jemand die Mauern und Selbstschussanlagen seines Gefängnisses toll fand, nur weil er sie von seinem Dorf aus nicht sehen konnte und vielleicht für Spielzeug hielt.

Es muss jedoch zu denken geben, wenn Menschen ihre Freiheit oder sogar ihr Leben riskieren, aus so einem tollen Staat wie die DDR rauszukommen, sei es im Ballon, mit gepanzertern Fahrzeugen, mittels über die Mauer gespannte Drahtseile, mit einem Zug oder, wie es zwei junge Männer wagten, mit Surfbrettern über die Ostsee nach Dänemark. Das sind nur einige Beispiele von sehr, sehr vielen.

Mir wird Zynismus unterstellt. Für mich ist etwas ganz anderes zynisch, nämlich dass ein Staat auf junge Menschen, die ihr Leben noch vor sich hatten und in die Freiheit wollten, schießen und sie schwerverwundet liegen ließ, bis sie verbluteten. Wer mir Zynismus unterstellt, weil ich solche widerwärtigen Taten anprangere, soll mal mit den Müttern sprechen, die auf diese Art und Weise ihre Kinder verloren. Sinngemäßer Kommentar von Margot Hoecker: "Sie hätten ja nicht versuchen brauchen, zu fliehen." DAS ist ZYNISMUS.
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Alt 02.08.2018, 19:49   #39
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Zitat:
Zitat von gelberhund Beitrag anzeigen
Und der Kommunismus war und ist nicht böse, er ist dagegen fortschrittlich, mit Problemen zwar aber das ist immer so.
Der Kommunismus war und ist weder gut noch böse, das können nur Menschen sein. Er ist eine Ideologie und eine Ersatzreligion. Aber okay, ich lasse mich auf die Behauptung ein, der Kommunismus habe der Menschheit Fortschritte gebracht. Also bitte auflisten, in welchen Bereichen und durch was genau.
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Alt 02.08.2018, 19:53   #40
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Okay, nehmen wir nur einmal eines: Nimm nur einmal die Löhne. Durch den Druck des Kommunismus und weil er überall auf der Welt Sympathisanten hatte, erhöhten die Kapitalisten schließlich die Löhne, was sie vorher lange Zeit nicht getan haben. Demzufolge ist der Wohlstand der arbeitenden Bevölkerung dank dem Kommunismus so hoch wie er heute vielerorten ist.
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Alt 02.08.2018, 20:45   #41
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Zitat:
Zitat von gelberhund Beitrag anzeigen
Okay, nehmen wir nur einmal eines: Nimm nur einmal die Löhne. Durch den Druck des Kommunismus und weil er überall auf der Welt Sympathisanten hatte, erhöhten die Kapitalisten schließlich die Löhne, was sie vorher lange Zeit nicht getan haben. Demzufolge ist der Wohlstand der arbeitenden Bevölkerung dank dem Kommunismus so hoch wie er heute vielerorten ist.
Hast du noch mehr Witze auf Lager? Im Kapitalismus gibt es Gewerkschaften, die für ein bestimmes Klientel höhere Löhne verhandelt hat. Ein Großteil der arbeitenden Bevölkerung brauchte das nicht, sondern verhandelte seine Arbeitsverträge völlig frei.

Druck des Kommunismus? Davon habe ich in meinem langen Leben nicht einen Tag etwas bemerkt. Ich habe immer selbst meinen Verdienst verhandelt, ich habe mich nicht mal an meinen Vertrag gehalten, wenn mir eine Arbeit nicht mehr gepasst hat, sondern bin abgehauen und habe mir etwas anderes gesucht. Ich war frei.

Wahrscheinlich ist dir entgangen, dass man Löhne senken oder wenigestens einfrieren kann. Passiert im Kapitalismus andauernd, z.B., wenn ein Unternehmen einen Engpass durchleben muss und Kurzarbeit ansagt. Daran wird auch der Kommunismus nichts ändern.

Nee, gelberhund, das passt alles nicht mehr in unsere Zeit. Es gibt heute nicht mehr den mittelständischen Unternehmer, der seine Angestellten wie seine Familie sieht und schützend die Hand über sie hält, wenn mal Sauregurkenzeit einzieht. Unsere Zeit ist geprägt von einem Kapitalismus, der ausufert. Es geht nicht mehr darum, den Kommunismus zu bekämpfen, sondern den Kapitalismus zu zähmen und ihn wieder in moderate Bahnen zu lenken. Im Grunde kann man alles auf eine Erkenntnis bringen: Wir sind zu verschwenderisch.

Und da komme ich dir näher: Wir kaufen heute zu viele Sachen, die wir früher nicht brauchten. Auch ich denke oft an die 50er Jahre zurück, als wir uns auf der Toilette mit Zeitungspapier den Hintern abwischten und in der Küche den verschütteten Kaffee mit einem nassen Lappen wegwischten statt mit dem Papier von der Küchenrolle. Wir sind verschwenderisch geworden, und das zu ändern, daran sollten wir ansetzen.

Hier ein bisschen Unterhaltung:
https://www.youtube.com/watch?v=tkKDG_bPdVA
https://www.youtube.com/watch?v=rI1i7orgSrg
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Alt 03.08.2018, 08:13   #42
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Ilka, so wie du redest kann nur einer reden der nicht selbst in einem sozialistischen Land gelebt hat. Ich bin mir sicher du bist in Westdeutschland groß geworden und gibst eigentlich nur die Meinung wieder die dort gang und gäbe ist. Die bösen Kommunisten - usw. Bei uns in der DDR war es aber gar nicht schlecht, das sagen viele hier die zurückschauen. Es gab auch Demokratie, es wurde ja dauernd um Mitwirkung in den Parteien geworben. Wenn man irgendwelchen Ärger hatte konnte man zu einem Parteigenossen gehen und der hat dann geholfen. Mein Vater hat das dauernd im VdgB gemacht, da konnten Landwirtschaftsarbeiter hingehen und sich Hilfe holen wenn es mal geklemmt hat. Es war nur eine andere Art von Demokratie. Heute verstehen wir darunter die Wahlen, aber sonst läuft ja kaum etwas. Kennst du etwa irgendein Parteimitglied? Hast du schon mal mit der Regierung zu tun gehabt außer bei der Steuererklärung? In der DDR war es der Plan Regierung und Bevölkerung eng aneinander zu knüpfen. Manche sahen das zwar als eine Ideologisierung an aber das kam dann auf die Parteileute selbst an. Viele waren sehr pragmatisch und gemütlich. Mein Vater liebte immer die Weltfriedensdemonstrationen und die Spendenaktionen. Die Kommunisten sind ja in der ganzen Welt aktiv gewesen und haben etwa afrikanischen Ländern geholfen und sich überall engagiert. Die westliche Demokratie kennt außer bei den Wahlen kaum eine reelle Partizipation. Ich meine das nicht lästernd, ich denke daß unsere Regierung auch oft gute Ideen hat. Ich gehe manchmal auf Bundesregierungswebseiten und da sind gute Sachen dabei. Merkel hat etwa vor zwei Jahren mal so eine Initiative gestartet, "Gut Leben in Deutschland". Ich habe mir da alles durchgelesen und mir gefiel es gut. Nur wenn ich andere Leute frage hat keiner eine Ahnung. Die Politiker reden sich den Mund fusslig und sprechen über Ethik und Menschenrechte und Fortschritt. Es macht nur keiner mit. Und das bezeichnen wir dann als Freiheit, obwohl es nur Faulheit ist. Die DDR wurde eigentlich nicht wegen ihren Systemfehlern abgeschafft sondern weil wir alle Westgeld wollten und Schokolade und Bier und MacDonalds. Zum Glück bezahlt die BRD so großzügig den Solidarzuschlag, sonst wäre der Osten heute ein ganz armes Land.
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Alt 03.08.2018, 09:08   #43
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Erzähl mir nix, gelberhund: Das politische und wirtschaftliche System der DDR hat nie funktioniert und ist letztendlich gescheitert. Ich war nach der Grenzöffnung jedes Jahr in der DDR und habe die Städte und Dörfer gesehen: Alles heruntergekommen, verfallene Häuser, kaputte Straßen, in Frankfurt an der Oder sprangen die Straßenplatten zwischen den Schienen hoch, wenn die Straßenbahn drüberfuhr. In manchen Ortschaften hatte ich das Gefühl, in einer Geisterstadt zu sein. Die Fotos, die ich davon machte, erschüttern mich heute noch, wenn ich sie anschaue. Einen einigermaßen guten Eindruck hatte ich lediglich von Erfurt, Weimar und Magdeburg.

Ich hatte damals zusammen mit meinem Lebensgefährten jahrelang die DDR bereist, und zwar bis hinauf auf die Insel Rügen, weil dort meine Mutter in ihrer Jugend gelebt hatte (sie ist in Stettin geboren). Die Gastronomie war überall eine Katastrophe, was einem gereicht wurde, konnte man kaum essen, so mies war es.

Ich war eine Woche in Jena, um eine Schulung zu halten - die Stadt wirkte völlig leblos, es gab absolut nichts, was ich in der freien Zeit hätte unternehmen können. Das einzige Highlight war mein Besuch der Feengrotten in Saalfeld, was ich mir bei dieser Gelegenheit natürlich nicht entgehen ließ.

Wir waren jedes Jahr in Berlin-Mitte und haben die Sanierungsfortschritte verfolgt. Die erste Zeit war furchtbar, weil es dort überhaupt kein Leben gab, und abends Essen zu gehen konnte man vergessen, nicht mal eine Würstchenbude konnte man finden.

Ich hatte auch Kontakt zu einer Familie in Brandenburg, die ich besuchte. So wie diese Familie lebte, sah es bei uns im Westen nicht mal kurz nach dem Krieg aus. Der Familienvater tönte damals: "Der Westen ist mir egal, ich werde immer ein Brandenburger bleiben!" Ein Jahr später war die Familie nach Niedersachsen umgezogen, hatte ein neues Auto und zum erstenmal Telefon. Ich rief einmal an, danach kam nie ein Rückruf. Ich war nur gut gewesen, solange ich Pakete in die DDR geschickt hatte. Wunderte mich aber nicht, das war mit unserer DDR-Verwandtschaft nicht anders gewesen.

So hat halt jeder seine Erfahrungen.
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Alt 03.08.2018, 20:33   #44
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Schau einfach altes DDR Fernsehen an. Die Filme und Sendungen waren alle gut, kulturell wertvoll und ordentlich gemacht. Du lästerst bloß und gibst an. Ja, die DDR war ärmer als die BRD, dafür hielten wir aber alle zusammen.
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Alt 03.08.2018, 21:08   #45
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Zitat:
Zitat von gelberhund Beitrag anzeigen
Schau einfach altes DDR Fernsehen an.
Schau dir die Interviews mit Wolf Biermann an. Lass dir vom ihm erzählen, wie er, der an die Verbesserung der DDR glaubte, ohne Vorwarnung ausgebürgert wurde. Lass dir vom ihm erzählen, wie seine Hamburger Wohnung verwanzt war und wie er immer gemerkt hatte, wann jemand von der Stasi in seiner Wohnung war. Ein Mann, dessen Vater ein überzeugter Kommunist gewesen war.

Hast du schon mal die Biografie von Kurt Masur gelesen? Wie ihm die Karriere lange Zeit von der DDR-Führung verbaut wurde?

Noch ein Schaubild ohne Fernseher, denn das beste Schauspiel liefert das Leben:

Ein befreundetes Ehepaar von mir fuhr in die DDR, um Verwandte zu besuchen. An der Grenze hieß man sie aussteigen und das Auto ausräumen, im strömenden Regen, ohne Überdachung. Kofferraum ausräumen war nicht genug, die Sitze wurden ausgebaut. Reine Schikane.

Auf der Rückfahrt genau dasselbe Spiel: An der Grenze in strömendem Regen alles ausgeräumt und die Sitze ausgebaut. Obwohl jeder wusste, dass es aus der DDR nichts Wertvolles zu schmuggeln gab. Reine Schikane.

So sah die angeblich warmherzige, menschenfreundliche DDR aus. Wer seine Verwandten besuchen wollte, wurde nicht nur abgezockt - Auflage war, täglich einen gewissen Betrag an Umsatz dazulassen, obwohl es gar nichts zu kaufen gab -, sondern man musste sich auch wie der letzte Dreck behandeln lassen.

Kati Witt hatte, nachdem sie öffentlich heiße Tränen über ihre geliebte DDR vergossen hatte, schnell wieder das Lachen gelernt, nämlich bei ihren ersten Engagements für Holiday on Ice und den nachfolgenden fetten Fernsehverträgen als Moderatorin. Trauerzeit vorbei und vergessen.

Schon mal etwas von Bärbel Bohley gehört? Von den Montagsdemonstrationen? Von der Nikolaikirche in Leipzig?

Bei deinen Verklärungsversuchen eines Staates, der die Menschenrechte mit Füßen trat, bleibt mir nur Kopfschütteln. Das war kein Staat, sondern ein Gefangenenlager.
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Alt 03.08.2018, 21:09   #46
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Ich hatte zumindest immer den Eindruck, dass man im Osten sexuell freier war als im Westen. Erfahrungen
beim Sex zu dritt, was im Westen, wenn überhaupt, eher verschämt abgehandelt wurde, waren im Osten gang und gäbe. Ich hatte zwei Exfreunde und einen Arbeitskollegen aus dem Osten und verdanke allen dreien interessante Erfahrungen auf dem Gebiet. Dagegen waren die Wessies verklemmt.

Und man sollte auch nicht vergessen, dass wir erst durch die ehemalige DDR das Recht auf Abtreibung haben. Gelberhund hat recht: Es war nicht alles schlecht in der DDR.

Und ganz davon abgesehen: Die Mentalität der Menschen aus dem Osten, alleine ihr Humor, hat mich immer beeindruckt.

@gelberhund

Zitat:
.dafür hielten wir aber alle zusammen.
Ja, ich verstehe, was du meinst. Ehrlich gesagt, manchmal war ich sogar neidisch.
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Alt 03.08.2018, 21:29   #47
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Zitat:
Zitat von DieSilbermöwe Beitrag anzeigen
Und man sollte auch nicht vergessen, dass wir erst durch die ehemalige DDR das Recht auf Abtreibung haben.
Woran machst du das fest?

Die Debatte über einen legalisierten Schwangerschaftsabbruch fand in der Bundesrepublik Deutschland erst im Zusammenhang mit einer generellen Reform des Strafgesetzes statt. Dabei standen sich die Parteien mit einer "Indikationsregelung" und einer "Fristenregelung" gegenüber. Der Streit, der zunächst zugunsten der Fristenregelung ausfiel, wurde dann vom Bundesverfassungsgericht zugunsten der Indikationsregel beigelegt. Was die DDR damit zu tun gehabt hätte, ist mir schleierhaft.

Zitat:
Zitat von DieSilbermöwe Beitrag anzeigen
Die Mentalität der Menschen aus dem Osten hat mich immer beeindruckt.
Mich hat noch nie die Mentalität eines Menschen deshalb beeindruckt, ob er aus dem Osten, Westen, Norden oder Süden kam. Mich hat auch noch nie die Mentalität eines Kollektivs beeindruckt, sondern immer nur der einzelne Mensch.
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Alt 04.08.2018, 03:47   #48
Thing
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Standard Fakten

Das mit den Abtransporten aller brauchbaren Güter beginnt 1945 nach dem Sieg der roten Armee.
Das Konfiszieren aller Radios fällt ebenfalls in das Jahr 1945.

Die DDR watr 1989 total pleite, das konnte auch die gröbste Propaganda nicht hinwegleugnen.
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Alt 04.08.2018, 11:41   #49
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Hahaha ja, DieSilbermöwe - treu ist hier leider keiner.
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Alt 04.08.2018, 12:32   #50
Thing
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Das alles hat aber nichts mehr mit dem Abfall vom Glauben an Gott zu tun.
Mir persönlich ist jeder Atheist zu begrüßen.
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Alt 04.08.2018, 12:48   #51
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Ich weiß nicht wo der ganze Haß auf die DDR herkommt. Ich habe nicht verklärt, ich habe dargestellt. Es gab Unsinn in der DDR, aber es gab auch massig viel Gutes. Heute geht kaum noch einer auf Weltfriedensdemonstrationen. In der Schule ist viel weniger los, in der DDR gab es an jeder Schule viele Arbeitsgemeinschaften und die Kinder und Jugendlichen waren ordentlich gebildet. Du versteifst dich auf die Ärmlichkeit der DDR und gibst damit nur zu daß du vollgefuttert und wohlstandsversessen bist wie es gar nicht richtig ist. Alle meine Verwandten sagen daß das DDR Leben ziemlich schön gewesen ist, und ich habe eine große Familie. Aus dir spricht nur Haß und Zynismus weil du wohl keinen richtigen Lebensinhalt hast. Von den Freiheitskämpfen der Geschichte wie auch von der französischen Revolution hast du wohl nichts gelernt. Schade daß dich diese Ideen nicht mehr begeistern. Sie werden aber wieder hochkommen. Diese gegenwärtige kotzkonservative Zeit wird nicht ewig dauern.
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Alt 04.08.2018, 13:12   #52
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Ich glaub, das Schöne in der DDR war einerseits der soziale Zusammenhalt und andererseits die berufliche Sicherheit. Häuserbau ging irgendwie auch klar und war vom "Staat" abgesichert.

Wobei der Zusammenhalt für mich in Abhängigkeiten begründet war, weswegen er in meinen Augen nicht authentisch und echt ausgelebt wurde. (Eine Hand wäscht die andere)

Bin schon der Meinung, wer die DDR nicht hinterfragte und wie eine Drohne lebte, war glücklich.

Meine Eltern lebten in der DDR auch sehr glücklich (Dorf).
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Alt 04.08.2018, 13:30   #53
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Zitat:
Zitat von gelberhund Beitrag anzeigen
Aus dir spricht nur Haß und Zynismus weil du wohl keinen richtigen Lebensinhalt hast.
Du solltest bei der Sache bleiben, statt persönlich zu werden und dir Behauptungen anzumaßen, die du nicht beweisen kannst.

Nachweisbare DDR-Tatsachen sind nämlich: zugemauerte Fenster an der Grenze, Sperrgebiete, Stacheldraht, Schießbefehl, Selbstschussanlagen, unterlassene Hilfeleistung für Angeschossene, die noch zu retten gewesen wären, Ausreiseverbot, Ausbürgerung regimekritischer Personen, Stasi-Bespitzelung, Bestechung westdeutscher Politiker, Überwachung Geflüchteter in deren Aufnahmeland u.v.a.m., das mit einem Rechtsstaat nichts zu tun hat.

Mir ist völlig klar, dass jene DDR-Bürger, die Privilegien genossen, diesem Staat nachtrauern, das dürfte allerdings eine Minderheit gewesen sein.


Zitat:
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Von den Freiheitskämpfen der Geschichte wie auch von der französischen Revolution hast du wohl nichts gelernt. Schade daß dich diese Ideen nicht mehr begeistern. Sie werden aber wieder hochkommen.
Du meinst diese Revolution, die in Schrecken und Terror endete, Frankreich die Adelsherrschaft zurückbrachte und in Imperialismus und Krieg mündete? Aber klar habe ich daraus etwas gelernt, wie auch aus den Revolutionen davor und danach: Alle sind gescheitert. Auch die deutschsprachigen Länder haben es 1848 nicht hingekriegt.

Zitat:
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Diese gegenwärtige kotzkonservative Zeit wird nicht ewig dauern.
Doch, sie wird dauern, denn sie steht erst am Anfang ihrer Entwicklung. Brauchst bloß mal nach Asien zu schauen. Konservativ würde ich die Zeit nicht nennen, dazu ist sie viel zu progressiv, und die Entwicklungen passieren immer rasanter. Selbst Bürger kapitalistischer Länder, die ein hohes Tempo gewohnt sind, fühlen sich inzwischen davon Überfordert.

Eins kann ich mit Bestimmtheit sagen: Der Geschichtsverlauf wird nicht so enden, wie ihn Marx sich gedacht hatte. Marx mag einen analytischen Blick für die ökonomischen und kapitalistischen Verhältnisse seiner Zeit gehabt haben, aber von Psychologie verstand er offensichtlich gar nichts.
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Alt 04.08.2018, 13:48   #54
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Zitat:
Zitat von Ilka-Maria Beitrag anzeigen
Mir ist völlig klar, dass jene DDR-Bürger, die Privilegien genossen, diesem Staat nachtrauern, das dürfte allerdings eine Minderheit gewesen sein.
Es ist viel eher so, dass eine Minderheit im Osten der DDR nicht nachtrauert und viele davon hatte keine Privilegien.

Gerade hier im Ländlichen trauert jeder aus der alten Generation der DDR hinterher.

Alles was im Grunde vom Alter 60+ ist.
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Alt 04.08.2018, 14:42   #55
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Zitat:
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Alles was im Grunde vom Alter 60+ ist.
Das kann ich gut verstehen. Für die Alten muss das Umschwenken auf Westverhältnisse wie ein Kulturschock gewesen sein. Aber auch daran siehst du, was das DDR-Regime an den Menschen verbrochen hat: weggesperrt wie in ein Zuchthaus und somit abgeschnitten von 40 Jahren Entwicklung. Das kann doch nicht richtig sein.

Aber auch junge Menschen hatten Probleme nach der Wiedervereinigung. In meiner damaligen Firma hatte ich in meiner PC-Schulung fünf Tage lang eine Frau aus Leipzig dabei, die nach dem Unterricht nur in ihrem Hotelzimmer hockte und vor Einsamkeit Rotz und Wasser heulte. Das hatte ich leider erst erfahren, als sie wieder zu Hause war. Die Frau hatte sich einfach im hektischen Frankfurt am Main nicht zurechtgefunden.
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Alt 04.08.2018, 14:59   #56
männlich Ex-Eisenvorhang
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Das Schwenken von etwas Gewohntem zu etwas Neuem und Ungewissem ist sicherlich schwer für viele Menschen.
Im Grunde ist es ja nicht nur ein Kulturschock, sondern auch ein Raub von Identität und Orientierung.

Ich selbst lebte nicht so lang in der DDR und kann mich nur noch an Bruchstücke erinnern. Da bleibt nur das Bücherwissen... Welches ich aber mit Vorsicht genieße.

Mein Eindruck als West und Ostdeutscher (Bin viel in DE rumgekommen) ist, dass die meisten Menschen, die in der DDR lebten nicht unglücklich waren.
Von den Auswirkungen haben viele einfach nichts mitbekommen.

Oft höre ich sogar Sätze wie: "Hätte die Stasi so ein Verhalten oder so eine Untat früher mitbekommen, die hätte man schon lange weggesperrt oder verschwinden lassen".

Find ich schon irgendwie schockierend, vor allem aus psychologischer Sicht. In beide Richtungen (Sicherheitsargument und Angstargument).

Mehr kann ich dazu auch nicht beisteuern, nur das man als neugieriger Mensch im Falle einer Befragung viele Unterschiedliche Sachen und Dinge hört.

In Summe kann ich aber sagen, dass die Mehrheit, die ich befragte, wohl glücklich mit der DDR war (das betrifft das ländliche).
Und in einer Grossstadt wie LE, spricht man schon anders über die DDR.

vlg

EV
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Alt 04.08.2018, 15:03   #57
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Zitat:
Woran machst du das fest?

Die Debatte über einen legalisierten Schwangerschaftsabbruch fand in der Bundesrepublik Deutschland erst im Zusammenhang mit einer generellen Reform des Strafgesetzes statt. Dabei standen sich die Parteien mit einer "Indikationsregelung" und einer "Fristenregelung" gegenüber. Der Streit, der zunächst zugunsten der Fristenregelung ausfiel, wurde dann vom Bundesverfassungsgericht zugunsten der Indikationsregel beigelegt. Was die DDR damit zu tun gehabt hätte, ist mir schleierhaft.
https://www.mdr.de/damals/archiv/sch...bbruch106.html
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Alt 04.08.2018, 15:25   #58
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Danke für die Information, Silbermöwe, aber das beantwortet nicht meine Frage.

Zitat:
Und man sollte auch nicht vergessen, dass wir erst durch die ehemalige DDR das Recht auf Abtreibung haben.
Wieso haben WIR, also die Bürger der Bundesrepublik Deutschland, das Recht auf Abtreibung durch die Ex-DDR erhalten? Oder war dein Satz anders gemeint? Ich dachte, mit der Wiedervereinigung sei bundesrepublikanisches Gesetz für Gesamtdeutschland verbindlich geworden.
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Alt 04.08.2018, 15:35   #59
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Hast du bei dem Link ganz runter gescrollt? Ganz unten steht es. Ich bekomme es leider nicht kopiert.

Zitat aus dem Link:
"1990 steht das liberale DDR-Gesetz zur Unterbrechung der Schwangerschaft zur Debatte. Es gibt Proteste gegen die Übernahme der Regelung des jeweils anderen deutschen Staates. Am Ende kommt es zum Kompromiss."
Zitatende

Und ohne die DDR hätten wir das Gesetz heute nicht.
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Alt 04.08.2018, 15:49   #60
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Zitat:
Zitat von DieSilbermöwe Beitrag anzeigen
Hast du bei dem Link ganz runter gescrollt? Ganz unten steht es.
Da steht in meiner Bildschirm-Ansicht nichts dergleichen, aber rechts oben in einer Extra-Spalte. Alles klar, danke.
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Alt 04.08.2018, 16:27   #61
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Hallo zusammen,

ich möchte mich hier nicht einmischen, zumal das eigentliche Thema ja schon längst abhanden gekommen ist, aber ich kann auch was dazu sagen. Zur DDR: So etwas darf es nie wieder geben! Schon als Kind habe ich diese Macht deutlich zu spüren gekriegt. Ilka hat mit all ihren Aussagen Recht und ich weiß nicht, in welcher DDR gelberhund gelebt hat, aber in meiner, sah es genau so aus, wie Ilka es beschrieben hat. Zu Gott: Erst heute traue ich mich überhaupt, Gedanken an ihn zuzulassen.

Freundliche Grüße

Letreo
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Alt 04.08.2018, 17:05   #62
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Zitat:
Zitat von Letreo71 Beitrag anzeigen
Zu Gott: Erst heute traue ich mich überhaupt, Gedanken an ihn zuzulassen.
Trau dich! Über den Gottesgedanken nachzudenken ist es wert. Ich selbst glaube nicht an den Gott, wie er mir traditionsgemäß nahegebracht wurde. Ich stehe auch zu keiner Konfession, obwohl ich protestantisch erzogen wurde.

Die Frage ist doch, woher alles kommt, was wir mit unseren Sinnen erfahren. Wer hat das erschaffen? Oder hat es sich selbst erschaffen? Und woraus? Was ist hinter dem Universum und hinter all den anderen Universen?

Warum gibt es uns und alles um uns herum überhaupt?

Der Kern unserer Frage ist nicht, warum Gott die Welt so erschaffen hat, wie sie ist (falls es "seine" Schöpfung überhaupt gab), sondern wo Gott ist. Wo, verdammt noch mal, versteckt sich dieser Hurensohn, dem wir all das, was wir wissen und all das, was wir nie wissen werden, zu verdanken haben? Unsere ganze Wissenschaft ist erstanden aus der Suche, Gott zu finden. Ist das sein Plan? Uns wie Kinder spielen, suchen, experimentieren und bei jeder Endeckung "Heukreka!" rufen zu lassen?

Vielleicht ist es so. Wie sagte Schiller: "Der Mensch ist dort Mensch, wo er spielt." Wir brauchen diesen Übervater, den wir "Gott" nennen, damit wir das Spielen und Entdecken nicht verlieren.

Gehört eigentlich in die Rubrik "Philosophie" .
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Alt 04.08.2018, 17:40   #63
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Zu dem Thema folgende Buchempfehlung:

"Das Tagebuch der Menschheit" - Was die Bibel über unsere Evolution verrät

Carel von Schaik & Kai Michel

vlg

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Alt 04.08.2018, 18:19   #64
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Zitat:
.Der Kern unserer Frage ist nicht, warum Gott die Welt so erschaffen hat, wie sie ist (falls es "seine" Schöpfung überhaupt gab), sondern wo Gott ist. Wo, verdammt noch mal, versteckt sich dieser Hurensohn, dem wir all das, was wir wissen und all das, was wir nie wissen werden, zu verdanken haben? Unsere ganze Wissenschaft ist erstanden aus der Suche, Gott zu finden
Den Eindruck hatte ich nie. Den kann man auch eigentlich nur haben, wenn man Gott als Person wahrnehmen will.
Ich weiß jetzt auch wieder, wie das Buch von Dan Brown heißt, "Origin", das mich in der Hinsicht regelrecht schockiert hat. Kann man wirklich annehmen, ein einziger Jemand hätte alles erschaffen? Das ist doch einfach unglaublich.... und deswegen auch völlig überflüssig, das Gegenteil beweisen zu wollen.
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Alt 04.08.2018, 19:53   #65
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Danke für die Hinweise.
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Alt 04.08.2018, 21:44   #66
weiblich Ilka-Maria
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Zitat:
Zitat von DieSilbermöwe Beitrag anzeigen
Den Eindruck hatte ich nie. Den kann man auch eigentlich nur haben, wenn man Gott als Person wahrnehmen will.
Nicht unbedingt. Ich sehe die Frage philosophisch und stelle sie lediglich plastisch.

Für mich gibt es keinen Gott, aber es ist auch völlig klar, dass es nicht nichts gibt. Materie und Geist sind nun mal vorhanden. Auch wenn wir uns selbst nur denken würden, wäre das etwas und nicht nichts.
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