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Kolumnen, Briefe und Tageseinträge Eure Essays und Glossen, Briefe, Tagebücher und Reiseberichte.

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Alt 22.11.2018, 20:04   #1
weiblich akimona
 
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Standard Roman: Mein Leben auf der Strasse/Einleitung

Ich weiß nicht wieso, aber mir ist in letzter Zeit schon öfter danach gewesen, den Herbst und den Winter nieder zu schreiben, den ich in München auf der Straße lebte. Klar wird ein jeder jetzt sagen, ist ja grausam, das war bestimmt eine schlimme Zeit für mich, das war es aber nicht. Klar es war kein leichtes mich in muc ganz allein ohne ein Dach über dem Kopf zu haben, oft über Tage lang ohne zu schlafen und immer wieder mit anderen und neuen Leuten zusammen zu sein. Diese Zeit aber erlebte ich als etwas Besonderes, hab da wenn ich an diese Zeit denke ganz besondere Gefühle, die sich so nicht beschreiben lassen. Und ich habe so Dinge erlebt, die ich nie erlebt hätte, ohne obdachlos zu sein.
Ich muss dazu sagen, dass ich es auch anders hätte haben können, meine Eltern gaben und geben mir immer ein zuhause, doch ich sträubte mich dagegen, ich fühlte mich überbehütet und das wollte ich einfach nimmer! Es war ganz allein mein Wunsch nach diesem Leben, dem Leben auf Münchens Straßen...
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Alt 22.11.2018, 21:25   #2
männlich Einsamkeit
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Gab es keine adäquate Zwischenlösung, sich von der Abhängigkeit zu lösen? Wieso die Entscheidung Straße?
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Alt 23.11.2018, 04:07   #3
männlich dr.Frankenstein
 
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Lass sie doch erstmal erzählen.
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Alt 24.11.2018, 20:13   #4
weiblich akimona
 
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Standard Eins

Ich fange mit dem Freitag an, an dem ich in Haar stationär aufgenommen wurde, ich durfte mir die Aufnahmestation sparen und konnte gleich auf die Soziotherapiestation, weil ich dort bekannt war, aber auch weil meine niedergelassene Nervenärztin selbst auf der Station gearbeitet hatte und für mich regelte, dass ich dort ein Bett bekam. Meine Mutter fuhr mich hin und war auch beim Aufnahmegespräch dabei und es wurde vereinbart, dass ich erstmal für 4 Wochen auf der Station bleiben soll um mich wieder zu stabilisieren und an mir zu arbeiten. Mir wurde angst und bange, ganze 4 Wochen hier in Haar, ich musste unwillkürlich an meine neuen Bekannten denken, Stefan und Christian, die ich in der Bahnhofsmission am Münchner Hauptbahnhof kennen lernte, wir waren uns gleich sympathisch und haben eine Nacht und einen Tag zusammen verbracht, bevor ich von der Münchner Polizei aufgegabelt wurde und mich meine Ma bei der Polizei abholte. Dort gleich noch auf dem Revier verkündet meine Mutter, die von Haar haben bei uns angerufen, die haben ab heute ein Bett für mich frei. Und ich überlegte sofort sollte ich mich darüber freuen oder aufregen? Ich wusste, dass der Haaraufenthalt anstand, ich stand seit einiger Zeit schon auf der Warteliste, am Anfang wollte ich es auch noch, irgendwie freute ich mich da auch noch drauf, aber mittlerweile war so viel passiert, hat sich so viel ereignet, dass mir das nun so gar nimmer in den Kram passte. In der letzten Zeit, bin ich immer wieder von daheim weg, rein in den Zug und ab zum Hbf in München und da waren Erlebnisse, die es echt zu schade gewesen wäre, hätte ich sie nicht erlebt. Vor allem aber das Gefühl ich gehöre dazu, dieses Gefühl habe ich zuvor noch nie verspüren dürfen und bei den Leuten von München, stand ich damals schon mal im Mittelpunkt. Doch leider wurde ich nicht nur einmal von den Polizisten aufgesammelt, länger als drei Nächte „in Freiheit“ brachte ich nie zusammen, Ma schaltete immer die Polizei ein wenn ich mal wieder auf „Trebe“ gewesen bin. Ich konnte nie verstehen, dass die einfach so damit durchkam, denn ich war schon weit über 19 Jahre und hatte auch keine richterliche Betreuung. Doch wir drehten uns beide im Kreis, sie ließ mich immer suchen und ich haute immer wieder ab.
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Alt 05.12.2018, 14:35   #5
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Standard Zwei

Nun aber war ich in Haar und ich wusste gleich schon solange wie die meinen, halte ich bestimmt nicht aus. Mir tobte die ganze Zeit im Schädel rum, ich muss nach München, ich muss zu meinen Leuten. Ich bekam dann mein Zimmer gezeigt. Außer mir schliefen noch 3 andere mit im Zimmer, meine Ma half mir auspacken, dann rauchten wir noch eine zusammen und meine Mutter fuhr wieder nach Hause. Nun war ich allein es kochte und brodelte in mir, ich will hier nicht sein, ich will wieder nach München, doch ich schaffte es trotzdem irgendwie an diesem Abend nicht mehr nach München zu fahren, war aber ziemlich in mich gekehrt und vermied es mit anderen Patienten in Kontakt zu treten. In der Nacht, als alle schon in ihren Betten lagen, lag ich schlaflos in meinem und konnte nur noch an München und an das was ich dort erlebt habe, denken. Ich schlief dann ziemlich schlecht und mir war gleich klar, als ich in der Früh wach wurde, mich hält dort nix mehr, ich frühstücke und danach setz ich mich in die S-bahn. München ich komme! Es war eine offene Station, das Personal achtet nicht drauf wo jeder einzelne sich aufhält, deshalb war es auch für mich ein Leichtes zum Bus und dann zur S-bahn zu gelangen. Ich fühlte mich großartig, bin vor lauter Vorfreude auf das was mich erwarten wird. Die Fahrt dauerte mir daher viel zu lange. Ich fuhr mit der S-bahn genau bis Hauptbahnhof durch und ging zuerst in die Wartehalle, denn die Bahnhofsmission war um diese Zeit noch geschlossen und es war am Wahrscheinlichsten dort in der Halle jemanden von meinen Leuten anzutreffen. Doch leider hatte ich erst mal kein Glück und so machte mich allein auf den Weg in die Fußgängerzone. Ich war mir sicher, wenn erst am Abend wieder die BM offen hat, treffe ich die beiden dort an. Zum Glück war das Oktoberfest nun endlich vorbei, es war wirklich heftig wie es dort in München zuging. Ich schlenderte bis zum Marienplatz und vertrieb mir im Hugendubel meine Zeit, die Bahnhofsmission würde erst um halb 8 Uhr öffnen und Geld hatte ich kaum welches, um mich irgendwo reinzusetzen oder etwas unternehmen zu können, aber ich hatte zu dieser Zeit kaum irgendwie Geld. Essen gibt es, wenn man sich auskannte, genug. Es gab in der ganzen Stadt verteilt Organisationen, wo Essen aber auch richtige Mahlzeiten ausgegeben wurden. Wenn ich rauchen wollte, schnorrte ich mir meine Kippen zusammen und Tee konnte ich mir regelmäßig in der Bahnhofsmission abfüllen. So hatte ich so weit so gut alles was ich brauchte, nur mit dem Schlafplatz war es so eine Sache.
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Alt 07.12.2018, 08:13   #6
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Alt 08.12.2018, 11:20   #7
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danke, das tut mir gut!!
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Alt 10.12.2018, 15:38   #8
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Bitte
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Alt 20.12.2018, 16:56   #9
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Standard Drei

Nach einer gewissen Zeit reichte es mir irgendwie im Hugendubel und ich fuhr gleich zum Hauptbahnhof zurück, denn ich hoffte, dass die beiden eventuell auch schon früher am Bahnhof waren, denn wir hielten uns öfter zu dritt dort auf, auch wenn wir nicht in die BM konnten. Aber sie wussten rein gar nichts von mir, wo ich steckte und was überhaupt mit mir los war, sie bekamen ja auch nicht mit, wie ich von der Polizei aufgegriffen wurde, ich war dann einfach weg und blieb es auch und dass ich nun einfach wieder da war, am Hauptbahnhof, konnten sie ja nicht ahnen. Deswegen verwunderte es mich auch nicht, dass ich sie erst mal nicht antraf! Da ich dieses mal wirklich vorsichtig sein musste, nicht dass ich gleich wieder von der Polizei aufgegriffen wurde, blieb ich nicht am Bahnhof, denn da ist die Gefahr viel größer aufgegriffen zu werden und mittlerweile fiel ich halt bei der Bullerei und auch bei dem Bahnhofspersonal echt auf! Ich meine, ich wusste ja nicht, wie schnell und wie überhaupt mich die Haarer suchen ließen, doch dass ich früher oder später gesucht wurde, war ich mir sicher, wenn die in Haar mich nicht als vermisst meldeten, dann meine Eltern! Und deshalb wollte ich kein Risiko eingehen. Aber viele Möglichkeiten gab es im Moment nicht wie ich die Zeit überbrücken hätte können, also fuhr ich nochmal zurück zum Stachus und trieb mich am Stachusrondell herum. Eigentlich wäre dort die Möglichkeit Geld zu schnorren, doch das Schnorren fiel mir alles andere als leicht, wenn es nur irgendwie ging vermied ich die Bettelei, mir war es ja schon peinlich meine Tagesration an Kippen zusammen zu betteln. Deshalb lief ich nur so herum, ohne zu wissen, was mit mir anzufangen. Ich war sehr in mich gekehrt und bekam was um mich herum alles geschah, gar nicht mit. Ich meinte gerade, ich verliere mich in mich selbst, da hörte ich, wie als wäre ich ganz weit weg, jemanden „Monika“ rufen. Erst nach dreimaligen Rufen kapierte ich, dass ich damit gemeint war, ich drehte mich um und meine Freude und Erleichterung war groß, Christian! Als ich auf ihn zulief, merkte ich, dass Christian nicht alleine war, ein etwas älterer Mann begleitete ihn. Ich schätzte ihn auf Ende dreißig, er war ziemlich groß, hatte rotblonde kurze Haare, war vollschlank und leicht einen Kopf größer als ich. Ich machte mich mit ihm bekannt und so erfuhr ich, dass er Axel hieß. Doch meine Aufmerksamkeit galt Christian, der sich natürlich Gedanken gemacht hatte, wie es mir ging und wo ich jetzt die Tage gewesen bin und ich erstattete in kurzen Sätzen Bericht. Ich wollte unbedingt wissen, was mit Stefan ist, da ich annahm, die beiden hingen die Tage zusammen ab. „Du kennst doch Stefan, wenn der seine komischen 5 Minuten bekommt, dann kapselt er sich ab, dann braucht er Zeit für sich, aber ich bin mir sicher, in einer Stunde treffen wir ihn in der Bahnhofsmission, gegebenenfalls du kommst mit“, gab Chris mir zur Antwort. Christian war in meinem Alter, ob er etwas älter oder jünger war als ich, weiß ich bis heute nicht, aber das war auch nie wichtig für uns gewesen.
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Alt 02.01.2019, 08:46   #10
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Standard Vier

Nach einer gewissen Zeit reichte es mir irgendwie im Hugendubel und ich fuhr gleich zum Hauptbahnhof zurück, denn ich hoffte, dass die beiden eventuell auch schon früher am Bahnhof waren, denn wir hielten uns öfter zu dritt dort auf, auch wenn wir nicht in die BM konnten. Aber sie wussten rein gar nichts von mir, wo ich steckte und was überhaupt mit mir los war, sie bekamen ja auch nicht mit, wie ich von der Polizei aufgegriffen wurde, ich war dann einfach weg und blieb es auch und dass ich nun einfach wieder da war, am Hauptbahnhof, konnten sie ja nicht ahnen. Deswegen verwunderte es mich auch nicht, dass ich sie erst mal nicht antraf! Da ich dieses mal wirklich vorsichtig sein musste, nicht dass ich gleich wieder von der Polizei aufgegriffen wurde, blieb ich nicht am Bahnhof, denn da ist die Gefahr viel größer aufgegriffen zu werden und mittlerweile fiel ich halt bei der Bullerei und auch bei dem Bahnhofspersonal echt auf! Ich meine, ich wusste ja nicht, wie schnell und wie überhaupt mich die Haarer suchen ließen, doch dass ich früher oder später gesucht wurde, war ich mir sicher, wenn die in Haar mich nicht als vermisst meldeten, dann meine Eltern! Und deshalb wollte ich kein Risiko eingehen. Aber viele Möglichkeiten gab es im Moment nicht wie ich die Zeit überbrücken hätte können, also fuhr ich nochmal zurück zum Stachus und trieb mich am Stachusrondell herum. Eigentlich wäre dort die Möglichkeit Geld zu schnorren, doch das Schnorren fiel mir alles andere als leicht, wenn es nur irgendwie ging vermied ich die Bettelei, mir war es ja schon peinlich meine Tagesration an Kippen zusammen zu betteln. Deshalb lief ich nur so herum, ohne zu wissen, was mit mir anzufangen. Ich war sehr in mich gekehrt und bekam was um mich herum alles geschah, gar nicht mit. Ich meinte gerade, ich verliere mich in mich selbst, da hörte ich, wie als wäre ich ganz weit weg, jemanden „Monika“ rufen. Erst nach dreimaligen Rufen kapierte ich, dass ich damit gemeint war, ich drehte mich um und meine Freude und Erleichterung war groß, Christian! Als ich auf ihn zulief, merkte ich, dass Christian nicht alleine war, ein etwas älterer Mann begleitete ihn. Ich schätzte ihn auf Ende dreißig, er war ziemlich groß, hatte rotblonde kurze Haare, war vollschlank und leicht einen Kopf größer als ich. Ich machte mich mit ihm bekannt und so erfuhr ich, dass er Axel hieß. Doch meine Aufmerksamkeit galt Christian, der sich natürlich Gedanken gemacht hatte, wie es mir ging und wo ich jetzt die Tage gewesen bin und ich erstattete in kurzen Sätzen Bericht. Ich wollte unbedingt wissen, was mit Stefan ist, da ich annahm, die beiden hingen die Tage zusammen ab. „Du kennst doch Stefan, wenn der seine komischen 5 Minuten bekommt, dann kapselt er sich ab, dann braucht er Zeit für sich, aber ich bin mir sicher, in einer Stunde treffen wir ihn in der Bahnhofsmission, gegebenenfalls du kommst mit“, gab Chris mir zur Antwort. Christian war in meinem Alter, ob er etwas älter oder jünger war als ich, weiß ich bis heute nicht, aber das war auch nie wichtig für uns gewesen. Christian war eher ein dunkler Typ, hatte einen Schnauzbart und dunkle Haare, die Größe war ziemlich die gleiche die auch Axel hatte, doch seine Art war fröhlicher als wie die von Stefan, der immer mehr in sich gezogen war, Christian musste zu allem seinen Senf dazu zu geben, aber ich mochte seine Art irgendwie sehr.
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Alt 12.01.2019, 20:16   #11
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Standard Fünf

Wir kamen genau zur Bahnhofsmission, als diese gerade aufgesperrt wurde.Heute hatten wir Glück und es gab belegte Semmeln, was nicht oft der Fall war, Standard waren Tee und Margarine oder Schmalzbrote. Nur wenn sie Spenden bekamen, gab es dann so einen Luxus. Also erst mal die Teeflasche auffüllen lassen und dann zwei von den leckeren Semmeln schmecken lassen. Wir saßen fast eine Stunde, bis Stefan kam, er sah abgekämpft aus und bemerkte mich zuerst nicht, aber als er mich bemerkte, strahlte sein Gesicht, die Freude war auf beiden Seiten! Dann ging es nochmal von vorne los, ich erzählte Stefan, warum ich solange weg war und dass ich nun echt aufpassen muss, weil die mich bestimmt suchen, am Besten wäre es wir hielten uns nicht am Hauptbahnhof auf, nachdem die Bahnhofsmission zu machte, aber Stefan sah den Ernst der Lage nicht. Wir waren zwar dann, nachdem sie geschlossen hatten, erst mal an den Stachus gefahren, aber irgendwann meinte Stefan, er will an den HBF retour, mir war echt nicht wohl beidem Gedanken, aber ließ mich letztendlich doch überreden, weil ich nicht allein abhängen wollte, doch ich blieb an der Sache dran, dass ich die Drei solange nervte, bis wir vier uns einigten: „Gut, fahren wir halt zum Flughafen raus.“ Als hätte ich es geahnt, dass es kam wie es kommen musste, wir liefen genau einem Polizisten, der mich kannte, in die Arme und der hielt mich fest. „ Hallo Monika, na bist du wieder stiften gegangen? Du kommst gleich mit mir auf die Wache und ich will prüfen ob du wieder als vermisst bei uns in den Akten stehst.“ „ Wie bitte? Hey, ich bin fast 20 ich kann tun und lassen was ich will! Und nun will ich mit Stefan weiter ziehen, ich bin volljährig!“, gab ich zurück. Aber es half alles nichts, ich musste mit ihm mit, ich krallte mich an Stefan fest, der mich auch nicht los ließ, so liefen wir beide in der Wache ein, Stefan wollte mir helfen, wollte mich retten, aber letztendlich, wurden wir von den Polizisten getrennt und sie katapultierten Stefan wieder hinaus und ich musste bleiben. Es kam dann schnell raus, dass ich aus Haar abgehauen war und dass ich möglichst problemlos zurückgeführt werden sollte. Es wurde mit meiner Mutter telefoniert und so kam es, dass vereinbart wurde, dass mich meine Ma und mein Bruder holen würden und mich nach Haar fahren würden. Ich fragte die Polizisten wieso ich immer wieder aufgegriffen werden durfte, immerhin ging ich auf die Zwanzig zu. „ Soweit wir wissen hat deine Mutter die Vormundschaft für dich und somit darf sie das sehr wohl!“ „Aber das stimmt doch gar nicht, da liegt eine falsche Information vor!
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Alt 30.01.2019, 14:33   #12
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Standard Sechs

Doch es half alles nicht, mir würden sie ja eher eh nicht glauben, deshalb diskutierte ich nicht mit denen, das hätte eh keinen Sinn! Ich wurde dann in einen separaten Raum gebracht, wo ich warten sollte bis meine Familie kommt. Es war auch immer ein Beamter mit dabei, damit ich keine Dummheiten machen kann, damit ist gemeint, dass ich nicht mich selbst verletzen kann. Aber die Wartezeit war die Hölle. „Was soll denn der ganze Mist!? Ich will nicht zurück in die Klinik, fühle mich völlig fehl am Platz, hier unter meinen Leuten fühle ich mich wohl und ganz ehrlich, ich fühle mich momentan nicht Therapie bereit, aber ich wurde ja nicht gefragt!“ Ich fing an, ohne dass ich es groß mitbekam, mich am rechten Oberarm aufzukratzen, Als der Polizist des merkte, meinte er „ Monika hör auf zu kratzen, sonst leg ich dir Handschellen um. Insgesamt dauerte es ziemlich lange bis ich abgeholt wurde, aber das war auch klar, meine Leute mussten ja erst von Miesbach kommen, in mir sträubte sich alles, ich wollte nicht mehr nach Haar, wollte hier in der Innenstadt bleiben, deshalb versuchte ich auch als wir auf dem Weg zum Auto waren davon zu laufen, aber ich hatte keine Chance, der Polizist, der uns begleitete, war schneller als ich, er führte mich zum Auto und setzte mich rein, er redete beruhigend, aber auch beschwörend auf mich ein, dass ich doch jetzt nicht noch mehr Ärger machen sollte. Ich muss sagen, ich war ja nicht das erste Mal bei den Polizisten gewesen, aber die waren immer echt korrekt zu mir. Ich ließ es nun erst mal kommen wie es kam, zumindest für diese Nacht, in der Nacht konnte ich eh nichts zerreißen. Ich ließ mich nach Haar fahren, mit dem Wissen, ich bleibe dort nur solange es nötig war, das war ja das geniale an offenen Stationen, man kann kommen und gehen und es wird nicht groß nachkontrolliert!
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Alt 21.02.2019, 10:11   #13
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Standard Sieben

So kam es dann, dass ich den Samstag erst mal ausschlief, um neue Kräfte zu sammeln und gegen Spätnachmittag saß ich dann wieder in der S-bahn nach München. Diesmal hatte ich mehr Glück und lief gleich am Hauptbahnhof Stefan über den Weg. Er war wieder einmal allein und die Freude war auf beiden Seiten groß! „ Hey Moni, wie ist es denn gestern noch gelaufen, ich war über eine Stunde vor der Polizei gehockt und hab gewartet, dass du rauskommst, aber vergebens!“ Ich bin an die drei Stunden in der Wache gesessen, meine Mutter und mein Bruder sind gekommen und haben mich nach Haar gebracht und da habe ich dann erst mal die Chance genutzt und hab ausgepennt, aber mir war eh klar, dass ich nicht in der Klinik bleiben werde, ich gehöre zu euch hier in München. Wo sind die anderen?“ „Axel und Christian sind essen zur Gräfin gegangen und ich hatte keinen Hunger, deswegen bin ich nun allein hier, aber wir können gemeinsam auch noch zur Gräfin, wenn du Bock hast, schön langsam kommt auch bei mir auch der Hunger.“
Die Gräfin ist eine Organisation für Obdachlose Einmal am Tag ein warmes Essen bekommen, ich war da schon ein-, zwei mal gewesen, da kann man echt gut essen, es ist so geregelt, dass es zwei verschiedene Essenszeiten gibt, da alle auf einmal nicht Platz haben. Es läuft fast wie in einem Lokal ab; es sitzen alle um einen großen Tisch und werden bedient. Und nun würden wir es noch gut zur zweiten Etappe schaffen. Doch ich hatte keine große Lust. Zumal es mir in der lezten Zeit immer so ging, dass egal, was ich auf dem Teller war, ich hatte eine Blockade, überhaupt etwas zu essen. Es kam schon vor, dass ich bei der Gräfin mein Essen heimlich in eine Plastiktüte tat und sie dann außerhalb weggeworfen hatte. Ich bekam einfach nichts runter und stehen lassen, das war mir einfach zu peinlich, wenn wir schon gratis ein Essen bekamen. Mittlerweile hatte ich schon einige Kilos runter, aber nicht weil ich ne besondere Diät machte, ich hatte einfach keinen Hunger, da ging mit Essen nichts.
Da wir nun alle gebrannte Kinder waren, was den Hauptbahnhof betraf, fuhren wir nach der Bahnhofsmission gleich zum Flughafen durch, keiner wollte, dass ich nochmal der Gefahr mit der Bahnhofsmission ausgesetzt war. Seit dem Vorfall von vorgestern meinte Stefan, dass wir zusammen sind, er hatte mich zuvor wieder an der Hand genommen, aber irgendwie schaffte ich es, ihm klar zu machen, dass das Interesse nur auf seiner Seite war. Trotzdem werde ich es nie vergessen, als wir am Flughafen waren, Axel und Christian waren auch mit von der Partie, wir verkrochen uns zum Pennen in die Flughafenduschen, und als ich es geschafft habe, für mich alleine eine Ecke zu finde, bekam ich mit, wie die drei diskutierten, wer mich als erstes herumbekommt, wer mich als erstes ins Bett bekommt. Ich dachte, ich höre nicht richtig! Ich habe bei keinem von den Dreien Lust, in die Kiste zu springen! Aber ich musste zugeben, irgendwo fand ich es gut, ich stand mal im Mittelpunkt, eine voll andere Erfahrung, ich war sonst immer Außenseiter! Insgesamt waren wir nicht sehr lange am Flughafen, schlafen konnten wir alle nicht und es war uns halt zu weit draußen. Wir fuhren dann wieder in der Innenstadt,so dass wir eine der ersten waren, die im „Bonifats“ anstanden. Das Bonifats, war auch eine Obdachloseneinrichtung, das ziemlich bald in der Früh aufmachte und bot Suppe und Kaffee an, außerdem bekommt man dort, wenn man will, frische Kleidung, konnte duschen und es war sogar ein Arzt vor Ort, wo Betroffene ohne Krankenversicherung behandelt werden können! Im Bonifats war ich schon mal mit den anderen, aber auch dort aß ich kaum etwas! An diesem Morgen fühlte ich mich nicht gut, hatte wieder Spannungszustände, und fragte mich das erste Mal in dieser ganzen Zeit, wo ich nun die Straßenzeit lebe, ob das nicht großer Misst ist, dass mein Weg nicht ein anderer ist und zwar der, den mit der Klinik und danach wieder daheim leben, es ist in jedem Fall so, dass ich ein zuhause habe und in keinem Fall in München auf der Straße leben müsste, doch bis jetzt, war mir diese Zeit, die ich bis dahin erlebte, einfach zu intensiv und auch zu wichtig gewesen! Aber nun wie ein räudiger Dackel zurück zu kommen auf die 27 wollte ich auch nicht, wäre ich aber nach Hause gefahren, hätte mich meine Mutter gleich retour nach Haar gebracht, das kam also gar nicht in Frage! Also galt es erst mal abwarten, irgendwann dachte ich wird mich die Polizei wieder einsammeln und bis dahin hieß es einfach durchhalten und mir die schönen Momente rauspicken! Erstmal war ich nun alleine, mich zog es in den naheliegenden Botanischen Garten und hatte da schon ein nicht übles Kopfkino, tausend Gedanken prasselten auf mich ein. Bis ich dann zufällig auf einen Spielplatz traf und mir war klar, ich schaukle nun erst mal, laut Musik an und immer höher, immer kräftiger. Mann, das tat echt gut.
Es war Sonntag, Ende Oktober und schon echt kalt. „ Was mach ich mit dem angebrochenem Tag?“ Mit den Jungs unterwegs zu sein, hatte ich heute gar keine Lust. Lag es vielleicht auch daran, wegen dem Gerede am Flughafen? Keine Ahnung. Risiko hin oder her, mich zog es zum Hauptbahnhof ohne zu wissen, was ich da eigentlich wollte. Ich ließ mich einfach treiben und als mir langweilig wurde, ging ich in die Bahnhofsmission, da waren immer Leute mit denen man reden konnte, aber eben auch nicht, wenn man keinen Bock hatte. Ich war ganz gerne dort, erstens war es dort warm , man kann essen und trinken so viel man wollte und den Trubel fand ich dort eine gelungene Abwechslung. Klar war es möglich, immer mal wieder angesprochen zu werden, aber wenn man zu verstehen gab, dass keine Lust da war, sich zu unterhalten, war das auch ok. Das Beste aber war, es war dort wie ein Schutzraum, die Polizisten konnten hier nicht so einfach rein und nach jemanden suchen, was ich natürlich ausnutzte oder normalerweise immer, mittlerweile fragte ich mich schon auch, wäre es nicht doch besser, wenn ich aufgegriffen würde, das hier hatte doch alles keinen Sinn, ich merkte halt ganz stark, dass ich so mein Leben nach und nach wegwerfe. Ich machte mir nichts aus meinem Leben, ich schaute nur wie jeder Tag vorübergeht und verplemperte dabei meine Zeit. Doch wie mache ich weiter? Einfach zurück zu meinen Eltern, weiß ich nicht? Würden die mich nicht nur wieder nach Haar fahren? Das mit Haar ist ja noch am Laufen, bin ja von dort einfach weg, und überhaupt was mache ich dann, wenn ich daheim bin. Meine Gefühle, die reinste Achterbahnfahrt und mein Selbstverletzungsdrang, war alles andere als handlebar, ich schaute halt, dass es so wenig als möglich ein Außenstehender mitbekam. Aber es ist fast täglich, dass ich mich ritzte, bin leider unter Daueranspannung, ich bekomme hier, wenn ich auf der Straße bin, auch keine Medikamente, die mich unterstützen könnten und so prasselt alles noch viel intensiver auf mich ein.
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Alt 22.02.2019, 02:50   #14
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Kuhle Geschichte
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Alt 12.03.2019, 12:37   #15
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Standard Acht

Ich fühlte mich in meiner Haut nicht mehr wohl, ich hielt es auch in der Bahnhofsmission nicht recht lange aus, ich hatte eine eine zu große Unruhe in mir und so dachte ich mir, ich gehe mal im Bahnhof spazieren, vielleicht laufe ich diesmal wieder einem Polizisten über den Weg der mich einsammelt. Ich wusste einfach nicht warum, aber ich hatte nicht die Kraft mich einfach in den Zug zu setzen und nach Miesbach zu fahren zu meinen Eltern. Wenn ich aufgegriffen werde, hätte ich es leichter, aber ich wollte es so handhaben, dass niemand mitbekam, dass ich es drauf ankommen ließ, dass ich gefunden werden wollte. Also weg von der Bahnhofsmission, rein in das Getümmel vom Hauptbahnhof. Ich schlenderte so herum, irgendwie ziemlich in Gedanken, bis ich Jemanden „Monika“ rufen hörte. Ich dachte mir, wer ruft mich denn da, ich schaute mich um und sah dann zwei Leute vom Bahnschutz, den einen kannte ich, der hatte mich Mal aufgesammelt und mich zur Polizei gebracht, den hatte ich als sehr unsympathisch in Erinnerung. Doch nun war er echt nett, wie es mir geht wollte er wissen und wenn was ist könnte ich auch zu ihm kommen, um zu reden. Boah, da habe ich mich echt getäuscht in dem und das tat jetzt echt gut! Aber trotzdem war das nicht das, was ich wollte. Ich lungerte noch ziemlich lange am Hauptbahnhof herum, aber das was ich mir erhoffte, traf leider nicht ein! Ich fühlte mich verdammt übernächtigt und mich fror, wenn ich daran dachte, ich muss die kommende Nacht auch wieder ohne zu pennen zubringen, da wurde mir ganz anders. Erstmal weg vom Hauptbahnhof und in der Fußgängerzone abhängen. Ich dachte, dort würden sie mich noch weniger aufgreifen, doch auf Dauer war es für mich auf am Hauptbahnhof auch zu langweilig. Ich mochte mich einfach selbst nicht mehr.
Als ich zur Abendöffnung der Bahnhofsmission wieder dort ankam, waren Stefan, Axel und Christian schon da. „Wo warst du denn, wir haben uns schon Sorgen gemacht, dass du wieder aufgegriffen worden bist.“ „ Ich brauchte einfach mal für mich Zeit und ganz ehrlich, ich weiß auch gar nicht ob ich das Ganze noch möchte, ich bin so übernächtigt und es geht mir körperlich auch nicht mehr gut, ich müsste einfach mal wieder schlafen.“ „ Frag doch mal hier, ob du hier eine Nacht schlafen kannst, soweit ich weiß, nehmen sie Frauen für ein zwei Nächte auf.“ meinte wieder Stefan. „Wirklich? Das wäre wirklich super, ich denke wenn ich erst mal wieder gepennt habe, geht es mir besser. Da werd ich jetzt einen Bürotermin ausmachen und da dann bitten für die eine Nacht.“
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