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Düstere Welten und Abgründiges Gedichte über düstere Welten, dunkle und abgründige Gedanken.

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Alt 10.01.2019, 13:40   #1
männlich Ex-Eisenvorhang
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Dabei seit: 04/2017
Beiträge: 1.379

Standard Die Tage, die mir durch die Seele gehn

Die Tage, die mir durch die Seele gehn,
sind schwer und ohne jeden Zweifel bös.
Könnt ich nur Mensch und Wind verstehn,
dann wäre mir das Leben melodiös.

Ich schau und seh die Bäume Blüten werfen.
Der Tag streut Diamanten in die Nacht.
Die Jahreszeiten liegen in Konserven.
Das Schwarz in meiner Seele ist entfacht.

Ich bin die Wolke über Wind und Wald -
verdeck das Sonnenlicht und es wird kalt.
Ich bin das Blau, ein sanftes Abendschweigen,
ein kalter Reifkristall im Lebensreigen -
ein Wuchs im Wort, verwachsen, so sehr eigen.

Der Herbst streicht seine Haare wie ein Geiger,
der seine Fidel über alles liebt.
Ein wenig später neigt sich unser Zeiger
des Lebens in den Winter und er schiebt

das Leben etwas weiter, bis wir waren.
Und was am Ende bleibt, das ist ein Lied:
erstrahlende Mutter in unzähligen Jahren -
hinabgesunken, ruhend - ein Abschied.
Ex-Eisenvorhang ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 10.01.2019, 15:52   #2
weiblich Mohrel
 
Benutzerbild von Mohrel
 
Dabei seit: 11/2018
Alter: 38
Beiträge: 94

Gänsehaut pur, lieber Eisenvorhang!
So traurig, aber wunderschön geschrieben.
Liebe Grüße
Mohrel ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 10.01.2019, 18:27   #3
männlich Ex-Eisenvorhang
abgemeldet
 
Dabei seit: 04/2017
Beiträge: 1.379

Danke für das Lob!

Ich freue mich sehr, liebe Mohrel. :-)

vlg

EV
Ex-Eisenvorhang ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 10.01.2019, 19:24   #4
männlich Gylon
 
Dabei seit: 07/2014
Beiträge: 3.755

Lieber Eisenvorhang,
gefällt mir auch sehr! Ich würde dir die letzten beiden Verse klauen wollen, aber du darfst sie natürlich gern behalten. Schön, dass du wieder mitschreibst!

Liebe Grüße Gylon
Gylon ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 10.01.2019, 21:41   #5
männlich Ex-Eisenvorhang
abgemeldet
 
Dabei seit: 04/2017
Beiträge: 1.379

Hey Gylon,

Literatur und Lyrik ist doch zum Teilen da!
Nimm ruhig - reich werde ich damit eh nicht.
Aber reicher, wenn es teilbar ist.

Ich freu mich auch Dich hier zu sehen!

vlg

EV

PS: Danke für die Anerkennung!
Ex-Eisenvorhang ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 10.01.2019, 23:05   #6
weiblich Unar die Weise
 
Benutzerbild von Unar die Weise
 
Dabei seit: 10/2016
Ort: in einem sagenhaften Haus
Alter: 36
Beiträge: 4.123

Standard Lieber Eisenvorhang,

schon der Titel erfasste mich.
Dann kroch der Rest, Zeile für Zeile, in meine Seele.
Das darf der auch, weil er zu tiefst berührt.

Gruß zur Nacht
Unar
Unar die Weise ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 10.01.2019, 23:10   #7
weiblich Ilka-Maria
Forumsleitung
 
Benutzerbild von Ilka-Maria
 
Dabei seit: 07/2009
Ort: Arrival City
Beiträge: 20.540

Offen gesagt gefällt mir nur die erste Strophe, der Rest ist mir zu schwülstig und klingt bemüht. Fast, als hätte es einen spontanen Aufhänger gegeben und dann den Zwang, mehr dranzuhängen.
Ilka-Maria ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 10.01.2019, 23:34   #8
männlich Ex-Eisenvorhang
abgemeldet
 
Dabei seit: 04/2017
Beiträge: 1.379

Liebe Unar!

Ich danke Dir für Dein Feedback!
Wie immer freue ich mich über Deine Kommentare besonders!

Hallo Ilka,

Danke für Dein Feedback!

vlg

EV
Ex-Eisenvorhang ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 11.01.2019, 14:16   #9
weiblich AlteLyrikerin
 
Dabei seit: 11/2018
Ort: Burglengenfeld
Alter: 68
Beiträge: 484

Lieber Eisenvorhang,

seit gestern schleiche ich immer wieder um Dein Gedicht, lese mich ein und merke, es zieht mich an und ärgert mich zugleicht.
Der Ärger mag aus dem Frust kommen, dass ich nicht alle Metaphern verstehe.
Zwei verschließen sich mir völlig, was natürlich an mir liegen kann:
Zitat:
Die Jahreszeiten liegen in Konserven.
Zitat:
erstrahlende Mutter in unzähligen Jahren -
Besonders gefallen hat mir:
Zitat:
Ein wenig später neigt sich unser Zeiger
des Lebens in den Winter und er schiebt

das Leben etwas weiter, bis wir waren.
Werde einfach immer mal wieder nachdenken über die mir unzugänglichen Bilder. Insgesamt aber gern gelesen, AlteLyrikerin.
AlteLyrikerin ist gerade online   Mit Zitat antworten
Alt 11.01.2019, 14:21   #10
männlich Ex-Eisenvorhang
abgemeldet
 
Dabei seit: 04/2017
Beiträge: 1.379

Hallo Lyrikerin,

gerade gesehen, habe kaum Zeit, hier liegt unglaublich viel Schnee und ich muss stündlich schippen, deswegen nur kurz:

Wenn irgendwas konserviert ist, lebt es ja nicht mehr wirklich.
Es gammelt mehr oder minder vor sich hin... Aber auch wurde es haltbar gemacht für später... Hier schwingt also auch Hoffnung mit... Aber auch der Lebensentzug, hier bringt nichts mehr Freude, alles wirkt konserviert.

Erstrahlende Mutter in unzähligen Jahren... Meint eine gute Mutter, die ihr Leben lang auch eine gute war, bis sie, wenn der Abschied eingetreten ist, in den Boden hinab sinkt.

Danke, dass Du rein geschaut hast!


vlg ev
Ex-Eisenvorhang ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 13.01.2019, 14:51   #11
männlich Ralfchen
 
Benutzerbild von Ralfchen
 
Dabei seit: 10/2009
Ort: London-Kaufbeuren-Wien
Alter: 72
Beiträge: 7.533

Zitat:
Zitat von Ilka-Maria Beitrag anzeigen
Offen gesagt gefällt mir nur die erste Strophe, der Rest ist mir zu schwülstig und klingt bemüht. Fast, als hätte es einen spontanen Aufhänger gegeben und dann den Zwang, mehr dranzuhängen.
mir gefällt nicht einmal diese ST. aber daran kann man wieder erkennen, wie ein text von einer technisch erfahrenen person klar und präzise betrachtet und beurteilt wird und von anderen texterInnen einfach nur gelobt um anscheinend etwas nettes zu sagen. ordentliche kritik bleibt im finsteren der schwer-bösen tage. ich kann das nicht und verlasse mich nur auf mein bauchgefühl und dahingehend ob der text mich berührt und das tut dieser überhaupt nicht. sogar die schwülstigkeit ist flach und bewegungslos homgenisiert.

Zitat:
Die Tage, die mir durch die Seele gehn,
sind schwer und ohne jeden Zweifel bös.
Könnt ich nur Mensch und Wind verstehn,
dann wäre mir das Leben melodiös.
1. wie können tage durch die seele gehen? im split kann nur die seele durch die tage gehen.
2. wie kann ein tag böse sein? das a.u.f.s. ist schon völlig unausdenkbar, auch wenn man es nur oberflächlich liest
3. menschen könnte man ab und an verstehen - aber den wind? den verstehen bestenfalls die weltklima-experten
4. ein melodiöses leben kann man sich bei einem W.A.M. und anderen komponisten, aber doch kaum bei einem hoch-defaetistischem prot. vorstellen.
Ralfchen ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 13.01.2019, 15:17   #12
männlich Ex-Eisenvorhang
abgemeldet
 
Dabei seit: 04/2017
Beiträge: 1.379

Hallo Ralfchen,

Danke für das Feedback!

vlg

EV
Ex-Eisenvorhang ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 13.01.2019, 15:57   #13
weiblich Ilka-Maria
Forumsleitung
 
Benutzerbild von Ilka-Maria
 
Dabei seit: 07/2009
Ort: Arrival City
Beiträge: 20.540

Zitat:
Zitat von Ralfchen Beitrag anzeigen
menschen könnte man ab und an verstehen - aber den wind? den verstehen bestenfalls die weltklima-experten
Ralfchen, ich werde nie begreifen, wieso du einerseits viel Phantasie entwickeln kannst, bei der Beurteilung von Lyrik jedoch in nüchternen Realismus verfällst. Die Literatur, insbesondere die Lyrik oder diverse Prosa-Genre, kommen ohne Phantasie und Metaphern nicht aus. Natürlich kann man den Wind "verstehen", entweder physikalisch oder in der Phantasie.

Zitat:
Der Wind hat mir ein Lied erzählt ... (Zarah Leander)
Zitat:
"Der Wind ist die älteste Stimme der Welt."
Donald Culross Peattie (1898-1964), amerikanischer Schriftsteller und Biologe
Und noch, als letztes Beispiel, die Liebesszene aus Spartacus, in der Viriania Spartacus die Geschichte von dem Riesen in seiner Höhe erzählt, der sehnsuchtsvolle Träume hat, weswegen er im Schlaf stöhnt und damit den Wind erzeugt.

Das ist Poesie.
Ilka-Maria ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 13.01.2019, 16:59   #14
männlich Nöck
gesperrt
 
Dabei seit: 12/2009
Ort: In den Auen des Niederrheins
Beiträge: 1.553

Lieber Eisenvorhang,

du hast einige originelle Metaphern verwendet. Diese Strophe finde ich besonders gut gelungen:

Zitat:
Zitat von Eisenvorhang
Ich schau und seh die Bäume Blüten werfen.
Der Tag streut Diamanten in die Nacht.
Die Jahreszeiten liegen in Konserven.
Das Schwarz in meiner Seele ist entfacht.
Dass du den Wind erwähnst, ist interessant und auch irgendwie logisch, schließlich ist er es, der in der ganzen Welt unterwegs ist und unzählige Gespräche "belauschen" kann. Und nicht zuletzt, der Wind kann auch singen, z.B. in Christian Morgensterns "Wind und Geige".

Lieben Gruß
Nöck
Nöck ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 13.01.2019, 18:36   #15
männlich Ex-Eisenvorhang
abgemeldet
 
Dabei seit: 04/2017
Beiträge: 1.379

Hallo Nöck,

als Jugendlicher schrieb ich in mein Tagebuch: "Der Wind ist nicht das, dass alles zu bewegen vermag, sondern das, was der Mensch nicht versteht und trotzdem wird er von dem Wind entweder sanft berührt oder zerstört."

der Wind fasziniert mich schon seit ich ein Kind bin. Ist er doch, konträr zum Mensch (Kultur), ein omnipräsenter Bestandteil der Natur der unsichtbar und sichtbar ist.

Der Begriff des Windes taucht immer wieder in meinen Werken, genau wie die Nacht, auf.
Manchmal steht er in einem unmittelbaren Bezug und manchmal etwas gelockerter.

Danke fürs Lesen und fürs Lob!
Ich freue mich sehr.


Vlg

EV
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