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Alt 24.12.2018, 16:41   #1
männlich dr.Frankenstein
 
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Ort: Zwischen den Ostseewellen ertrunken
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Standard Suche Geschenke

Nie werde ich gefragt "Was suchst Du eigentlich?" Am besten ich antworte: "Gar nichts." Ja, ich bin nicht auf Existenz aus. Weder nach dem Geschenk meines Lebens, noch nach einer Affaire mit 78 Jungfrauen oder einem Zeitvertreib mit dem Krückstock. Nichtmal nach oberflächlichen Oberflächen, um die Zeit damit totzuschlagen. AUA.
Kotzen, ab und zu trifft man Menschen mit den Brocken, die einem einfach symphatisch sind.
Mit denen ich mich gut spalten kann, einsame Politessen, die mich mit ähnlichem Humor fesseln... Ich schreibe einen Tag ins Tagebuch, klebe Fotos ein - oder ich treffe mich vorm Spiegel und forme einen fetten Abend mit mir - und dann prommt ein "Nee, sorry, bist nicht mein Typ".

Mal ehrlich - was soll der Quatsch?
Ist die Tatsache, dass ich nicht sofort von mir komplett hingerissen bin, wirklich eine Tatsache, ab sofort den Blick in den Spiegel einzustellen? Muss ich tatsächlich 100% ins eigene Heuteschema passen, um einer näheren Unbekanntschaft für unwürdig gefunden zu werden?

Was, verdammt noch mal, erwarte ich?

Noch mal?

Sicher, es gibt so etwas wie
Selbstverliebtheit auf den ersten Blick
- aber die funktioniert,
wenn ich mich mal ehrlich betrachte, nur,
wenn ich hinreichend wenig Information
über mich habe.

Diesen Luxus, mich selbst zu lieben habe ich in meinem Tagebuch nur selten. Da wird auf dem Schriftweg schon vorher abgeklärt, wie die Lebensgewohnheiten, die Einstellung zu wichtigen Themen, die Einkommenssituation, die sexuellen Vorlieben oder was auch immer einem gerade wichtig erscheint, sind.
Passt ein Detail nicht - Klappe zu.

Das Leben ist schließlich voll mit Ablenkungen, die einem spontan symphatisch sind - oder?

Und so kommt es schließlich irgendwann dazu, dass ich etwas gefunden habe, das wirklich alle Kriterien erfüllt um mich gut zu fühlen und abgelenkt.
Ich kaufe es- was eigentlich nur noch eine reine Formsache ist, weil ja irgendwie schon klar ist, dass dieser Moment der beste im Leben wird. Und dann sitze ich einer Sache gegenüber - und sie ist nicht ganz so toll wie erwartet.

Logisch - meine Erwartungen sind ja auch extrem hoch, da kommt keine Ablenkung ran.
Und auch mein selbst ist ausreichend damit beschäftigt,
im All der Gedanken Eindrücke zu sondieren - und ich stelle am Ende enttäuscht fest: ja, es war schon nett. Aber so richtig umgehauen hat es mich dann doch nicht. Wieder nicht die ultimative Traumablenkung. Was soll's - next. Das Leben ist schließlich voll von ... naja, ihr wisst schon

Insofern und nah: das Tagebuch ist genauso gut geeignet wie der Supermarkt oder die Teeparty, um auf neue Ablenkungen zu stoßen. Bloß das wars dann auch schon. Eine Ablenkung wirklich kennen zu lernen ist und bleibt eine Aufgabe, die einen gewissen Zeitaufwand, Achtsamkeit, Fühlen und der Unmöglichkeit der Liebe ab und zu in die Augen zu sehen, erfordert. Und erst im Verlauf dieses sich selbst Kennenlernens entscheidet sich, was aus dieser Ablenkung wird.
Vielleicht schläft der Wille wieder ein - vielleicht wird es einfach nur eine aufregende Ablenkung - vielleicht ein neues Hobby - und vielleicht entwickelt sich meine Liebe zu mir daraus.

Noch so ausgefeiltes studieren von Selbsthilfebüchern und Psychologiezeitungen können das einfach nicht ersetzen. Im Gegenteil - ich verliere dadurch den Draht, der durchaus eine Spule des Lebensstroms darstellen könnte.
dr.Frankenstein ist gerade online   Mit Zitat antworten
Alt 25.12.2018, 01:11   #2
männlich dr.Frankenstein
 
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Ort: Zwischen den Ostseewellen ertrunken
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Beiträge: 4.157

„Was sind Geschenke überhaupt genau?“ – krum komme ich zurück von meinem Seminar „Die Geschenke kriegen“, wo mir diese Frage gestellt wurde. Drei Monate lang habe ich mit 365 Elfen über Geschenke gesprochen, weder welche bekommen und noch welche verschenkt. Da fällt mir auf, dass ich tatsächlich noch nie konkret darüber nachgedacht habe, also:

WAS SIND GESCHENKE?

Geschenke sind zunächst einmal ein Gefühl – und das klingt zwar im ersten Moment komisch, ist aber wichtig, wenn Du der Antwort auf die Frage „Was sind Geschenke?“ entfernter auf den Grund gehen willst:

Ein Gefühl ist etwas,das in mir passiert: Ich spüre Dein Geschenk. Geschenke entstehen irgendwo da draußen und werden von mir in mir erlebt, wenn sie den Weg zu mir finden.

Was auch bedeutet:

Jemand kann meine Gefühle machen.

Aber Niemand kann meine Gefühle fühlen.

Nur ich fühle meine Gefühle.

DU FÜHLST ALSO AUCH NICHT DIE GEFÜHLE EINES ANDEREN DER EIN GESCHENK VON DIR BEKOMMT:

Wenn ein anderer Mensch sich über ein Geschenk von dir freut, fühlt er Liebe zu dir.

Wenn du ein Geschenk bekommst, fühlst Du Liebe zu dem Wesen.

Du fühlst dein Geschenk in dir zu dem, was jemand für Dich macht – durch das, was es ist, macht oder Wert ist.



WARUM IST ES NICHT WICHTIG, DAS ZU BETONEN?

Weil wir, wenn es um Geschenke geht, das mit dem Fühlen oft durcheinander bringen:

Vielleicht verpfändest Du das, was der andere dir schenkt, als Kapitalanlage für den nächsten Urlaub hinter schwedischen Gardinen.Vielleicht aber auch nicht! Du könntest die Geschenke eines anderen Menschen genau so auch albern, kitschig, übergriffig, nervig empfinden – selbst wenn dieser Mensch viel dafür bezahlt hat.

Du könntest auf das, was das Leben dir zeigt oder schenkt mit einem liebevollen Gefühl in dir reagieren – oder mit totalem Hass oder irgendwas dazwischen.

Und Dein Kegelbruder wiederum kann deine Rufe: "Alle 12e!!!" als Zeichen totaler Verblödung verstehen und selbst auch Verblödung empfinden – oder eben auch gerade nicht.

Wenn du Hunger spürst, dann in dir – das hat mit dem Geschenk gar nicht so viel zu tun.

Wenn Hans Joachim spürt das er Groß muss, dann in sich – das muss mit dir gar nichts machen…
dr.Frankenstein ist gerade online   Mit Zitat antworten
Alt 25.12.2018, 12:44   #3
weiblich AlteLyrikerin
 
Dabei seit: 11/2018
Ort: Burglengenfeld
Alter: 68
Beiträge: 481

Hallo Dr.Frankenstein,
ich lese die meisten Deiner Texte, kommentiere aber nur sehr wenige. Meistens bin ich einfach beeindruckt, und gleichzeitig bin ich verwirrt, frage mich, was ich eigentlich verstanden habe. Mir imponiert es, dass Du Dich an keine Regeln hältst, ganz in Deinem Kosmos bleibst. Aber das geht auf Kosten der Verständlichkeit.

Von diesem Text meine ich wenigstens Bruchstücke verstanden zu haben. Ich denke auch, mit dem Schenken läuft in unserer Gesellschaft vieles verkehrt.

Meistens sind es gar keine Geschenke sondern Tauschakte. Oft muss der eigene Status durch das Geschenk demonstriert werden. Manchmal sind Geschenke gar Bestechungsversuche. Die Liste der Fehlleistungen in Bezug auf das Schenken könnte noch länger sein. Für mich hast du den Schlamassel mit der Schenker sehr gut beschrieben.
Herzliche Grüße, AlteLyrikerin.
AlteLyrikerin ist gerade online   Mit Zitat antworten
Alt 25.12.2018, 13:32   #4
männlich dr.Frankenstein
 
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Dabei seit: 07/2015
Ort: Zwischen den Ostseewellen ertrunken
Alter: 36
Beiträge: 4.157

Oh danke frohe Rauhnächte für dich.
Wer das Schenken erleben möchte, wird schon das Richtige tun, glaube ich.
Es hängt eigentlich nur davon ab, ob es ein Muss ist oder ob jemand es gerne macht.
Glaube ich.
Wir leben eben in einer Periode in der das Ich in den Vordergrund tritt.
Das gibt sich auch wieder.
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