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Düstere Welten und Abgründiges Gedichte über düstere Welten, dunkle und abgründige Gedanken.

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Alt 20.12.2018, 00:51   #1
männlich BladeRuner
 
Dabei seit: 09/2018
Ort: Berlin
Beiträge: 175

Standard Tristesse

Gesichtslos schieben Masken über den Asphalt;
Faulende Herzen schlagen ihren Takt so kalt;
Vor Spiegeln wird Leben aus der Haut gewischt:
In rotverfärbten Tüchern unser Lachen erlischt

Füße die gehen, ohne einen Weg zu haben;
Lippen beständig reden und haben nichts zu sagen;
Unsere Augen sind schwarze Löcher am Firmament;
Tor zu einer Leere, in der ein dunkles Feuer brennt;

Preise die Totgebohrenen, die meine Hände halten;
Mich still und leise zu sich ziehen,
Während sie mein Nichts verwalten
Und wir gemeinsam aus dem Leben fliehen
BladeRuner ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 20.12.2018, 13:29   #2
weiblich AlteLyrikerin
 
Dabei seit: 11/2018
Ort: Burglengenfeld
Alter: 68
Beiträge: 726

Hallo BladeRuner,

die Tristesse beschreibst Du in starken Bildern. Es ist keine weich geschminkte Tristesse sondern eine, die auf der Kippe steht zur Verzweiflung sich zu neigen.
Diese Zeile
Zitat:
Lippen beständig reden und haben nichts zu sagen;
erscheint mir metrisch nicht so ganz gelungen.
Wäre "Lippen, beständig redend, ohne was zu sagen" eine mögliche Alternative???
Die dritte Strophe verstehe ich einfach nicht. Ihre Bilder fallen aus der Realität in ein - ich weiß nicht, was es ist.
Das ist aber nur mein Eindruck. Es ist ja so, dass jedes Gedicht in "seinem" Leser neu entsteht. So mag es auch geschehen, dass ein Leser einem Gedicht nicht gerecht werden kann, weil es nicht zum Erfahrungshorizont des Lesers passt.

Herzliche Grüße, AlteLyrikerin.
AlteLyrikerin ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 20.12.2018, 22:56   #3
männlich BladeRuner
 
Dabei seit: 09/2018
Ort: Berlin
Beiträge: 175

Standard Danke

Lyrikerin,
freue mich sehr über deine Anregung.
Deine Zeile ist deutlich besser und steht der Tristesse wahrlich gut.
Manchmal brennt ein Text so stark in mir, dass ich ihn erst mal raus lassen muss.
Die 3. Strophe beschreibt eine Sehnsucht und eine Erkenntnis, dass die Totgebohrenen, die all des Unglücks nicht gewahr wurden, besser gestellt sind, als die Lebenden.
Es beschreibt den Wunsch, ihnen gleich zu werden. Von ihnen geholt all der Nichtigkeit zu entfliehen. Es ist dieser Wunsch, ihnen gleich zu sein und die Tragödie, dass es nicht möglich ist.
Erst die Erkenntnis,dann die Ernüchterung und dann das Sehnen.
Grüße dich vom Herzen
Blade
BladeRuner ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 20.12.2018, 23:11   #4
männlich Gylon
 
Dabei seit: 07/2014
Beiträge: 3.977

Lieber BladeRuner,
wollte mich gerade schon abmelden und hab doch noch auf deinen Faden geklickt. Puh, das war knapp!
Die ersten beiden Strophen finde ich auch richtig gut. Ohne deine Erklärung wäre ich nicht darauf gekommen, worauf du in der dritten Strophe hinaus willst.


Preise die Totgeborenen, die meine Hände halten;
Mich still und leise zu sich ziehen,
auf das meine Hände endlich auch erkalten
Und wir gemeinsam aus dem Leben fliehen
?

Totegebohrenen ohne h


Liebe Grüße Gylon
Gylon ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 20.12.2018, 23:57   #5
männlich BladeRuner
 
Dabei seit: 09/2018
Ort: Berlin
Beiträge: 175

Standard Hallo Gylon

Danke für deine Mühe und deine Anerkennung.
Mag deine veränderten Zeilen.
Auch das steht der Tristesse sehr gut zu Gesicht.
Dank euch werde ich noch richtig schreiben lernen und irgendwann auch mal fehlerlos.
Lieben Gruß aus der Nacht
Blade
BladeRuner ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 21.12.2018, 01:08   #6
männlich Ralfchen
 
Benutzerbild von Ralfchen
 
Dabei seit: 10/2009
Ort: London-Kaufbeuren-Wien
Alter: 72
Beiträge: 8.291

Zitat:
Gesichtslos schieben Masken über den Asphalt;
Faulende Herzen schlagen ihren Takt so kalt;
Vor Spiegeln wird Leben aus der Haut gewischt:
In rotverfärbten Tüchern unser Lachen erlischt
servus BLADERUNNER -

(was für ein Nick. ich sah die blue-ray BLADERUNNER 2049 erst vor kurzen in meinem home-theater - es war ein megaerlebnis)

ich bin bekannt dafür, dass ich metaphern und neuschöpfungen liebe. ich erwarte allerdings bilder und kurzfilme in meinem mental um diese zu erkennen und zu akzeptieren - daher:
  • Gesichtslos schieben Masken über den Asphalt...masken schieben gesichtslos - aber was schieben sie?
  • faulende herzen können nicht mehr schlagen - sie sind der verwesung ausgesetzt (lt. deinen worten)
  • wie wird das leben - also direkt lebende wesen vor einem spiegel aus deren haut gewischt und was willst du damit sagen?
  • rot ist etwas das GE- und nicht VERfärbt ist. ein VERFÄRBEN in diesem sinne ist ein unhaltbares adjektiv. und warum lachen wir IN THE FIRST PLACE und warum erlischt dieses lachen.

Bitte um ausführliche erläuterungen was du mit all diesen metaphern in ST1 sagen willst. dann gehen wir weiter zu ST2.

gute nacht
r
Ralfchen ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 21.12.2018, 09:50   #7
männlich BladeRuner
 
Dabei seit: 09/2018
Ort: Berlin
Beiträge: 175

Standard Deutung St 1

Hallo Ralfchen,
Was will ich mit den Bildern sagen?
Zunächst ist es keine mathematische Sache, sondern ein Gefühl, eine Stimmung die ich zum Ausdruck bringe und dies erkläre ich dir sehr gern.
Gesichtslose Masken sind Massen, die ihrer Individualität beraubt über den Asphalt in Kollonen schieben. Sie drängen und werden gedrängt. Inspiriert zu diesem Bild hat mich eine Sequenz aus dem Film The Wall, von Pink Floyd. Ja Masken schieben, sie schieben sich selbst und gegenseitig. Es ist ein Bild für Massen, in der Rush Time, Einkaufszentren, etc.
Faulende Herzen sind tote Herzen, ja. Biologisch schlagen tote Herzen nicht. Aber......., das Herz ist mehr als ein pulsierender Muskel. Es steht für Leben, Gefühl. Deswegen können wir kaltherzig sein, obwohl es 37 Grad hat. Das sind eben Bilder und kein Faktencheck.
Das Leben aus dem Gesicht wischen, ist ein Bild für scheinbares. Wir sehen so gut aus. Rasiert, geschminkt, gebräunt, gestylt und du weißt schon.......
Abends allein vor dem Spiegel wird dieses Leben, diese Vitalität mit sich rotverfärbenden Schminktüchern aus dem Gesicht gewischt. Es bleibt als Farbe in Tüchlein hängen und zurück bleibt ein trostloses Grau. Dieses Bild zeichnet die Fassade, die Diskrepanz zwischen Schein und Wirklichkeit.
Ich könnte es dir seitenlang beschreiben, aber......eigentlich geht es nicht um Argumentationsstränge, du sollst es fühlen. Es soll etwas in dir entstehen und wenn das nicht beim Lesen geschehen ist, dann habe ich dich nicht erreicht und dann helfen alle Erklärungen nichts.
Grüße dich vom Herzen Blade
BladeRuner ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 21.12.2018, 10:48   #8
männlich BladeRuner
 
Dabei seit: 09/2018
Ort: Berlin
Beiträge: 175

Standard Nachtrag

Das was ich sage, die Bilder, die ich zeichne, folgen keinen Logarithmen. Es sind keine 1en und 0 en, die in logischer Abfolge aneinander gereit sinnhaft werden.
Es sind Stimmungen, Gefühle, die aufkommen, wie Wetterstürme in die ich hineinsegel.
Diese suchen nach Ausdruck, nach ihrem Ventil. Müssen aus dem Druckkessel entweichen und so verpacke ich sie in Worte und lass sie in die Welt.
Es sind alte Bilder, die ich entlassen kann, weil ich eine lebendige Hoffnung habe. Früher war ich unfähig ihnen Gestalt zu geben und so war ich im ständigen Kampf mit ihnen.
Heute freue ich mich des Sieges, der für mich errungen wurde.
BladeRuner ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 23.12.2018, 02:23   #9
männlich Ralfchen
 
Benutzerbild von Ralfchen
 
Dabei seit: 10/2009
Ort: London-Kaufbeuren-Wien
Alter: 72
Beiträge: 8.291

Zitat:
Gesichtslose Masken sind Massen, die ihrer Individualität beraubt über den Asphalt in Kollonen schieben.

du meinst Kolonnen...oder? jede maske hat ein gesicht, lieber BL. ich verwende masken verschiedenster art für meine erotischen episoden. ein maske hat mit den massen - und ich denke du meinst menschen-massen m.e.n. nichts zu tun. da divergieren wir konsequent. was du hier beschreibst in deinen antwort-metaphern sind hundertausende leere masken...die sich über den heißen asphalt schieben. ok...wer und wie beraubt man individualitätslose masken (denn sie haben auch auf dem m-träger nur ihre flachination der gestaltung) ihrer individualität. diese ist unentraubbar!!!!


meine neologs fettdruck

nun es relativ einfach zu sehen wie du dich aus deinem liter-wirr-warr mit noch mehr verwirr-warr-wirr entflocken willst. aber mit mir geht das nicht - und schneeflocken schmelzen...
Ralfchen ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 23.12.2018, 09:11   #10
männlich BladeRuner
 
Dabei seit: 09/2018
Ort: Berlin
Beiträge: 175

Standard Liebes Ralfchen

Was mit dir geht oder nicht, weiß ich nicht.
Letztlich ist das auch ohne Bedeutung, denn.....
diese Zeilen wurden nicht für dich explizit geschrieben, sondern weil sie da waren.
Für mich machen sie Sinn und du kannst es eben nicht hören. Das ist halt so und momentan nicht zu ändern.
Damit können, müssen wir halt leben und ich denke, das kriegen wir beide hin.
Dir alles Liebe
Blade
BladeRuner ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 23.12.2018, 14:59   #11
männlich Ralfchen
 
Benutzerbild von Ralfchen
 
Dabei seit: 10/2009
Ort: London-Kaufbeuren-Wien
Alter: 72
Beiträge: 8.291

Zitat:
BL MEINTE U A:

Für mich machen sie Sinn und du kannst es eben nicht hören. Das ist halt so und momentan nicht zu ändern.

lieber BL -

es ist absolut unrichtig das ich es NICHT HÖREN/LESEN kann. ich nehme metaphern und aussagen genau und will hinter die gedanken der/des autorIn kommen. dass das ev die eitelkeit der person berührt, muss ich riskieren. und auch du kannst deine eigenen worte nur (für mich) ungenügend erklären und solche erklärung werden zu ausuferungen. nicht nur bei dir. du denkst eben mehr nach als viele andere autorInnen.

auch dir alles liebe
R
Ralfchen ist offline   Mit Zitat antworten
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