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Düstere Welten und Abgründiges Gedichte über düstere Welten, dunkle und abgründige Gedanken.

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Alt 15.11.2018, 12:01   #1
weiblich Sushan
 
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Standard Kartenhaus

An Säumen abgesteckter Grenzen
Und fest gezurrt in Zweifels Zwinge
Steht jenes Haus zum Trotz der Dinge
Mit aller Verve von zwanzig Lenzen

In Stürmen juvenilen Handelns
Wankt es fragil in Traumes Scheinen
Sieht Glücksmoment wie stilles Weinen
Ist Ankerpunkt luziden Wandelns

An Enden wilder Abenteuer
Hält heimelig es schützend Wacht
Wirft warmes Licht in dunkle Nacht
Birgt Tränenflut wie Fegefeuer
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Alt 16.11.2018, 12:46   #2
männlich Denis Krüger
 
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Hallo Sushan,

ich mag dein Gedicht lesen.

Zitat:
An Säumen abgesteckter Grenzen
Und fest gezurrt in Zweifels Zwinge
Steht jenes Haus zum Trotz der Dinge
Mit aller Verve von zwanzig Lenzen
Strophe eins ist Dir gut gelungen und bildet einen tollen Einstieg, lediglich die zwanzig ist ein wenig unklar im Bezug. Verstehe die Bedeutung die ja offensichtlich ist, aber warum zwanzig?! Warum nicht dreizehn oder hundert?
Technisch gut und mir gefällt der paradoxe Ton Deines Kartenhauses.
Ein trotziges Haus wankt immer, schon allein des Trotzes wegen, hier sehr gut. Mit aller Verve mag ich auch und hier ist es die Vergänglichkeit der Jahreszeiten, die klasse passt.

Zitat:
In Stürmen juvenilen Handelns
Wankt es fragil in Traumes Scheinen
Sieht Glücksmoment wie stilles Weinen
Ist Ankerpunkt luziden Wandelns
Strophe zwei fängst du stark an, mit dem juvenilen Handel. Hier offenbart sich ein unausgereiftes Konstrukt, welches du mit einem Organismus ja so gar einem Individuum, welches nur ein Teenager sein kann der übermütig(Stürmen) agiert, ungeachtet der Konsequenzen. Klasse.
Lediglich mit der 3. Zeile habe ich ein Bild, das mir zwar als als bewusstes
Trug/Traumbild klar ist, ein kleines Problem. Ist aber nicht weiter tragisch weil rein Subjektiv. Aus dem " Ist " würde ich ein " Im ", das würde nen schönen Abgang der dritten Strophe und den " luziden " Wandel unterstreichen. Auch hier nur meine Meinung.

Zitat:
An Enden wilder Abenteuer
Hält heimelig es schützend Wacht
Wirft warmes Licht in dunkle Nacht
Birgt Tränenflut wie Fegefeuer
M.E. hätten die beiden ersten Strophen als " ganzes " ein viel stärkeres Bild vermittelt ,denn nun wirst Du, mit der dritten Strophe, zu weich.
Zitat:
An Enden wilder Abenteuer
ist mir zu plakativ, zwar versuchst du hier weiter im Zwielicht aufzulösen, was Dir aber nur minder gelingt. Es gelingt, ja, ABER, Zeile 2 und 3 sind noch weicher und vielleicht ist die Wärme und Obhut und die klare Sicht gewollt, was sich aber gleich mit Zeile 4 wieder auflöst und Zerrüttend wirkt und somit einen Bruch
in der Strophe und auch im Sinnbild zur folge hat. Tränenflut wie Fegefeuer ist
eine Metapher die Wasser mit Feuer verbindet, was durchaus geht....
verdampfen etc. Nur ist es hier das Feuer aller Feuer, nämlich das Fegefeuer.
Klar ist die Tränenflut so nach dem Motto " Cry me a River " wohl auch das Heulen unter dem Weinen und vielleicht sogar das Superlativ.....dennoch
Strophe 3 in den ersten drei Zeilen weich, und dann Bruch, mit Zeile 4, eben inkonsequent durchgezogen.

Verstehe mich bitte nicht Falsch Sushan, Kartenhäuser sind kein leichtes Thema und Deine Entwicklung ist klar zu lesen, welche toll ist.

Mach weiter so und wohl wollende Grüße,
Denis
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Alt 18.11.2018, 19:39   #3
männlich Amir
 
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Ort: in the Moving Castle
Beiträge: 600

davon hatte ich einen luziden Traum
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Alt 19.11.2018, 13:18   #4
weiblich Sushan
 
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Alter: 22
Beiträge: 97

Hallo ihr Beiden

Zunächst ein Danke dafür, euch die Zeit genommen zu haben.
Das Gedicht ist sehr persönlich und deshalb wahrscheinlich schwer zu deuten.
Im Prinzip ist es mehr eine Innenbetrachtung, als der Versuch Wirkung zu erzielen.
Deswegen wahrscheinlich auch die "Weiche".

@Dennis

Zitat:
lediglich die zwanzig ist ein wenig unklar im Bezug. Verstehe die Bedeutung die ja offensichtlich ist, aber warum zwanzig?! Warum nicht dreizehn oder hundert?
Dies bezog sich tatsächlich auf mich selbst und mein eigenes Alter.

Zitat:
Hier offenbart sich ein unausgereiftes Konstrukt, welches du mit einem Organismus ja so gar einem Individuum, welches nur ein Teenager sein kann der übermütig(Stürmen) agiert, ungeachtet der Konsequenzen. Klasse.
Das ist auch so, aber da spielt meine Mentalität mit rein, oder besser gesagt die meiner Mutter.
Ich bin ja zur Hälfte Chinesin und wurde sehr traditionell erzogen.
Dieses Haus symbolisiert jenen Ort, an den man sich zurückziehen kann, in sein Inneres, um die wahren Gefühle zu verbergen.
Egal ob man wütend ist, oder traurig, verzweifelt, oder, oder... Man lässt es sich eben nicht anmerken und bleibt dort.
Während man nach außen hin lächelt und so den Zugang versiegelt.
Es ist sehr asiatisch.

Zitat:
Lediglich mit der 3. Zeile habe ich ein Bild, das mir zwar als als bewusstes
Trug/Traumbild klar ist, ein kleines Problem
Das ist eigentlich auch wieder unmöglich zu deuten.
Ich habe mich mal eine Zeit lang mit diesen Klarträumen beschäftigt, weil ich einen Albtraum habe, der immer wieder kommt, an dessen Inhalt ich mich aber nie erinnern kann.
Also habe ich es mal damit versucht, leider ohne wirklich zählbares Ergebnis.
Wobei ich zumindest Bruchstücke davon aufschnappen konnte.
Ich habe mal gelesen, man könnte mit Hypnose etwas machen, aber das ist eine Tür die ich nicht so gerne aufmachen möchte.
So die Kontrolle abzugeben, widerspricht meinem Wesen.
Der Plan hinter dieser Sache war damals, in meinem Traum, auch ein solches Haus zu errichten und mich so davor zu schützen. Nun ja, ich war noch um einiges jünger als jetzt.

Eigentlich hat das Kartenhaus aber eigentlich noch eine dritte Bedeutung, da ich meine Partnerschaft manches mal so empfinde.
Ohne da jetzt näher drauf eingehen zu wollen. Das Ganze ist einem fragilen Kartenhaus auch oft nicht unähnlich.
Deswegen wohl auch die dritte Strophe, ich habe mich ablenken lassen.

Zitat:
Verstehe mich bitte nicht Falsch Sushan....
Alles gut, ich kann mit Kritik umgehen und sehe sie als wertvoll an.
Ich bin ja nicht hier, um mir auf die Schulter klopfen zu lassen, Wenn jemand dies tut, ist es natürlich auch schön.
Aber an konstruktiver Kritik kann ich ja wachsen und so sehe ich sie auch.

Vielen Dank!
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Alt 19.11.2018, 14:06   #5
männlich Denis Krüger
 
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Ort: Niedersachsen
Alter: 44
Beiträge: 144

Hallo liebe Sushan,

ach, bitte bitte und sehr gerne.

Zitat:
Zunächst ein Danke dafür, euch die Zeit genommen zu haben.
Zitat:
Das Gedicht ist sehr persönlich und deshalb wahrscheinlich schwer zu deuten.
Im Prinzip ist es mehr eine Innenbetrachtung, als der Versuch Wirkung zu erzielen.
Deswegen wahrscheinlich auch die "Weiche".
Habe mir gedacht das es ein sehr persönliches Gedicht ist, aber eben nur gedacht. Nun weiß ich es und die weichen Noten machen einen Sinn, danke fürs auflösen. Dein Werk lässt allerdings fantastisch viele Assoziationen zu, Bilder in alle Richtungen, denn wie schon erwähnt, Kartenhäuser die so fein beschrieben werden, können das. Ich respektiere Deine "persönliche" Note in der 4. Strophe.

Zitat:
Dies bezog sich tatsächlich auf mich selbst und mein eigenes Alter.

So einfach kann es manchmal sein und gestehe, bin ich nicht drauf gekommen.


Zitat:
Das ist auch so, aber da spielt meine Mentalität mit rein, oder besser gesagt die meiner Mutter.
Ich bin ja zur Hälfte Chinesin und wurde sehr traditionell erzogen.
Dieses Haus symbolisiert jenen Ort, an den man sich zurückziehen kann, in sein Inneres, um die wahren Gefühle zu verbergen.
Egal ob man wütend ist, oder traurig, verzweifelt, oder, oder... Man lässt es sich eben nicht anmerken und bleibt dort.
Während man nach außen hin lächelt und so den Zugang versiegelt.
Es ist sehr asiatisch.
Verstehe das voll und ganz und kann es ein wenig nach vollziehen da mir die Asiatischen Kulturen nicht unbedingt Fremd sind. Allerdings habe ich sicherlich nicht so einen Reflektierenden Eindruck davon wie du.
Diese Gesellschaftlichen Maskeraden und Traditionen gibt es in vielen Kulturen
und sind leider in anderen Kulturen oft schwierig zu Leben, wohl aber noch schwieriger, sie abzulegen.
Dir gelingt das auf diesem Wege hier ziemlich gut.


Zitat:
So die Kontrolle abzugeben, widerspricht meinem Wesen.
Hier beziehe ich mich mal nur auf den kleinen Quote und Danke nochmal für Deine Offenheit. Macht es leichter.


Nun noch ein paar Dinge zum Abschluss, Liebe Sushan.
Ich schrieb das Dein Gedicht sehr viele Möglichkeiten zeigt, was ich auch so meine und sehe. Anwendbar auf ALLE fragilen Konstrukte, Verbindungen,
Beziehungen, in jeglicher Art und Form. Meine erste Sicht war eindeutig
Gesellschaftspolitisch und ging auch in die wirtschaftliche Richtung
(was du sicherlich auch weißt), immer im Hinterkopf ein "däng däng däng läuten" mit dem Warnhinweis, das es ein persönliches Gedicht sein könnte
Denn auf Beziehungsanalysen die ins Detail gehen bin ich nicht aus.

Hier erstmal nur soweit von mir,
Denis Krüger.
Denis Krüger ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 19.11.2018, 23:50   #6
weiblich Unar die Weise
 
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Beiträge: 4.113

Liebe Sushan,
lange bin ich schon um deine Worte geschlichen, aber um sie nicht fehlzudeuten traute ich mich nicht zu einer Wertung.
Die Wortwahl gefiel mir jedoch so sehr und ich las es wieder und wieder.
Ich dachte mir, dass es sehr persönlich ist und danke dir für deine Erklärungen.
Ich lasse dich nun gerne wissen, dass es mir total gut gefällt.

Unargruß
Unar die Weise ist gerade online   Mit Zitat antworten
Alt 25.11.2018, 11:48   #7
weiblich Sushan
 
Benutzerbild von Sushan
 
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Alter: 22
Beiträge: 97

Hallo Du Liebe

Ich freue mich das es Dir gefallen hat. Aber trau Dich ruhig, beim nächsten Mal.
Solche "Fehldeutungen" sind doch mitunter die interessantesten.
Derzeit überlege ich aber auch sowieso gerade, etwas deutbarer zu schreiben und mich einfacherer Worte zu bedienen.
Damit die Leichtigkeit mal wieder zum Tragen kommt. In meinen Werken bemerke ich doch einen gewissen Hang zum Düsteren, der meinem Wesen eigentlich nicht wirklich entspricht.

Danke Dir
Sushan ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 25.11.2018, 21:28   #8
männlich Amir
 
Benutzerbild von Amir
 
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Ort: in the Moving Castle
Beiträge: 600

Eigentlich habe ich keine Ahnung worum es geht, aber das muss es nicht immer. Würde mich aber trotzdem irgendwie interessieren.
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