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Alt 13.11.2018, 16:22   #1
weiblich liese
 
Dabei seit: 11/2018
Alter: 20
Beiträge: 1

Standard Die Deutsche Bahn und mein Snickers

Manche Dinge kann man einfach nicht verstehen...Warum kommt die Deutsche Bahn immer zu spät? Warum vergesse ich jedes Mal meinen Rossmann Gutschein wenn ich bei Rossmann einkaufe? Oder warum gibt es Momente im Leben die einen vollkommen aus der Bahn werfen?
Also stehe ich am Bahnhof und warte auf den Zug, der selbstverständlich zu spät kommt, esse den Snickers von Rossmann den ich von meinem Geld bezahlen musste und bekomme einen Anruf.
Ich fang an zu weinen, verstehe kein Wort mehr, hab keine Lust mehr auf meinen Snickers und stehe am Gleis. Mein Zug hält, doch ich kann mich nicht bewegen. Der Zug fährt wieder und ich denk mir Scheiße...Ich mache mir ne Zigarette an, setze mich hin und starre auf mein Handy, obwohl nur der Startbildschirm leuchtet.
Irgendwie schaffe ich es doch nach Hause. Dann sitze ich auf meinem Bett und alles dreht sich. Ich frage mich, was machst du jetzt? Wen rufst du als erstes an? Ist es wirklich so schlimm oder steigerst du dich einfach nur zu sehr rein... Aber das Gefühl geht vorbei. Ich leb mein Leben weiter. Gehe zur Schule, zum Training, zum Zug, der wie immer Verspätung hat, mit meinem Snickers in der Hand, den ich wieder bezahlen musste, weil ich meinen Gutschein vergessen habe und mache weiter.
Ich glaube irgendwann, dass ich die Situation verstehe, gehe auf Partys, lache, und alle glauben ich sei Glücklich, oder relativ glücklich in meiner Situation. Und dann irgendwann versuche ich mich auf diesen einen Moment einzustellen, glaube mit der Situation, wenn sie auftritt, zurecht zu kommen. Und dann ist es soweit. Und ich wache auf, meine Zimmertür öffnet sich und bum.
Ich fühle gar nichts mehr. Ich rufe an, und sage Bier. Dann sitze ich da, morgens um 9 und trinke Bier. Aber es schmeckt scheiße, und ich weiß nicht ob ich weinen will...Ich will, aber ich kann nicht, oder doch, aber nicht dann wann ich will. Und dann denk ich wieder recht schnell, ich komme klar. Ich wusste doch es würde bald passieren und es ist doch jetzt auch besser so.

Dann lebe ich 10 Tage so und dann kommt der Tag des Abschieds. Alle Menschen sind da, sie sprechen mit mir, sie nehmen mich in den Arm und sie wollen nur das Beste für mich. Aber ich bin noch da. Ich bin nicht weg. Und ich werde auch noch bleiben. Und endlich fühle ich was. Ich fühle Hass, und Trauer, und Liebe, und Schmerz und Vergänglichkeit. Wir sind doch alle irgendwann nicht mehr da. Ich bin 20 Jahre alt. Und ich bin noch da. Und du bist auch noch da, weil ich ein Teil von dir bin. Du hast mich zu dem gemacht wer ich bin. Und du prägst mein Leben. Du sitzt auf deiner Wolke und lachst mich aus weil ich hier so rumheule. Du würdest mir sagen: "Reiß dich zusammen, leb dein Leben, du brauchst mich nicht mehr!" Und ich würde sagen:"Ich werde dich für immer brauchen" Und du sagst: "Ach quatsch. Ich bin doch immer bei dir." Ich sage: "Aber nicht mehr so wie früher!" Und du würdest sagen: "Doch! Noch viel mehr als früher."

Und jetzt stehe ich wieder am Gleis und warte auf meinen Zug, wie immer zu spät, mit meinem Snickers, den ich mit meinem Gutschein bezahlt habe.
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Alt 13.11.2018, 18:20   #2
weiblich Ilka-Maria
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Benutzerbild von Ilka-Maria
 
Dabei seit: 07/2009
Ort: Arrival City, auf der richtigen Seite des Mains
Beiträge: 21.232

Zunächst willkommen auf Poetry, liese, und viel Spaß hier.

Gleich mal: Kompliment! Deine kurz beschriebene Gedankenwelt liest sich butterweich, zum Glück leidest du nicht an Adjektiv-Verliebtheit, was für mich als Leser wohltuend ist, und vor allem: Du scheinst die Rechtschreibung zu beherrschen. Denn Fehler konnte ich kaum finden, und wenn, dann eher hier und da bei der Interpunktion. Die Geschichte hat auch Anfang und Ende, ist also rund. Gewünscht hätte ich mir allerdings den Verzicht auf das Wort "Scheiße", weil es in diesen Text nicht passt, sondern eher in die Dialoge gewisser Milieus oder diskutierender Menschengruppen, z.B. beim Stammtisch, oder auch unter guten Freunden während einer lockeren Kommunikation.

Alles in allem hat es Spaß gemacht, den Text zu lesen.

LG
Ilka
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