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Alt 19.05.2016, 13:00   #1
männlich Lichtsohn
 
Benutzerbild von Lichtsohn
 
Dabei seit: 03/2015
Beiträge: 1.118

Standard Europa - Traum oder Seifenblase?

Liebe Mitautoren, liebe Leser,

in einem Faden zum Thema "Gewalt gegen Schutzbefohlene" habe ich Gedanken zur "Idee Europas" angesprochen; leider waren sie dort aber weit am Thema vorbei.

Meiner Meinung nach ist das Thema "Europa - Traum oder Seifenblase" aber ein nach wie vor interessantes Thema und somit allemal dazu geeignet unsere Gedanken und Vorstellungen zu sammeln.

Ich würde mich freuen, wenn wir in dem vorliegendem Faden über dieses Thema schreiben könnten, insbesondere würden mich hier aber nicht aktuelle politische Momentaufnahmen interessieren, sondern wir sollten uns diesem Thema aus der Perspektive

- was erwarte ich mir von Europa
- wie soll es aussehen
- welche Verwaltungsform soll es haben
- brauchen wir Europa noch?

etc


nähern.

Im Juni entscheidet Großbritannien über den weiteren Verbleib in der Europäischen Union. In anderen Ländern gibt es aber meines Wissens nach keine Umfragen, zu denen die Einwohner gerufen werden. Alleine das sollte uns gemeinsam darüber nachdenken lassen in wie weit der "europäische Gedanke" heute noch im Rahmen eines "erweiterten Wirtschaftsbündnisses" umsetzbar bleibt oder wünschenswert für den einzelnen Menschen ist.

Über eure rege Anteilnahme würde ich mich freuen.

Hier mein Statement:
Zitat:
Zitat von Lichtsohn Beitrag anzeigen
...
In Deutschland und Österreich bemüht man sich nun eine "Integrationskultur" aufzubauen, damit ist man im Prinzip mindestens einen ganzen Schritt weiter als eigentlich notwendig wäre, aber durch die allseitsbekannten Umstände ist es notwendig geworden. Die Politik sollte endlich mal anfangen verantwortungsvoll die Zukunft der bestehenden Gesellschaft zu planen - die Möglichkeiten dazu gibt es durchaus schon seit Jahrzehnten, stattdessen wird nach wie vor parteipolitisch argumentiert und die Ziele jeder Regierung richten sich einfach immer auf eine "künftige Wählerschaft".

Ich persönlich glaube nicht mehr an Politik in dem Verständnis wie wir sie zur Zeit erleben - sie wirtschaftet völlig an den Menschen vorbei. Die Akteure handeln auch nicht mehr nach irgendwelchen hohen Zielen sondern stellen ihre Parteiprogramme anhand der vorhandenen "unbedienten Nischen" in der politischen Landschaft auf. Der Blick ins Parteiprogramm und -büchlein wiegt offensichtlich deutlich mehr als der Blick zu den Menschen. Diese Rechnung wird nicht aufgehen.

Einer der Gründe warum ich auf Europa hoffe - Europa als Ordnungsmacht die diese Werte wieder neu entdeckt und in den Vordergrund stellt. Dazu müsste man sich aber von den bisher rein wirtschaftlichen Schwerpunkten wegbewegen und endlich mal erkennen dass nach dem ersten Schritt "Freizügigkeit" auch der nächste "Soziale Gesamtverantwortung" gegangen werden muss ... Zukunftsmusik, leider immer noch.

Warum ich dabei auf Europa hoffe? Weil ich im Moment keinem einzelnen Staat mehr zutraue diese Sache in den Griff zu bekommen; schauen wir nach Frankreich oder Ungarn oder Großbritannien ...

Letztlich bleibt die Familie als Gefüge die Garantie für den verantwortungsbewussten Umgang mit jedem Menschenleben, sei das der Umgang mit Schutzbefohlenen oder mit älteren Menschen. Bricht der Rückhalt in der Familie weg, droht sehr direkt und unmittelbar der soziale Abstieg und dieser wiederum provoziert Gewaltbereitschaft gegen Kinder doch um ein Vielfaches mehr.
...
Bitte lasst uns persönliche Auseinandersetzungen vermeiden und rein sachlich über diese Thematik debattieren. Vielen Dank dafür bereits im voraus.

Alles Liebe in euren Frühlingstag.
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Alt 19.05.2016, 14:11   #2
weiblich Ilka-Maria
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Benutzerbild von Ilka-Maria
 
Dabei seit: 07/2009
Ort: Arrival City, auf der richtigen Seite des Mains
Beiträge: 21.221

Das Grundproblem, das ich sehe, ist die Tatsache, dass Europa kein Staat ist, sondern eine politisch-wirtschaftliche Interessengemeinschaft. Die Idee war, ein Gebilde wie die Vereinigten Staaten von Amerika und damit einen starken Binnenmarkt und politischen Zusammenschluss zu schaffen. Aber die Voraussetzungen sind anders als in den U.S.A., und deshalb meinen die Europaskeptiker, dass das Projekt früher oder später scheitern wird.

Wir, also Europa, sind kein Zusammenschluss von Staaten mit gleichen Interessen und Zielen, wir haben keine gemeinsame Sprache, sind nicht historisch in kurzer Zeit zusammengewachsen und sind weit davon entfernt, die stärkste Macht auf unserem Planeten zu sein. Ferner sind unsere Grenzen verletzlicher als diejenigen der U.S.A., die in West und Ost von viel Wasser umgeben sind.

In den U.S.A. gilt die Subsidiaritätsregel: Erst einmal ist der Bürgermeister zuständig, dann der Gouverneur und erst ganz am Ende der Präsident bzw. die Regierung. Es gibt nur einen Kongress für das gesamte Land.

In Europa schreit in Zeiten der Krise sofort jeder nach der staatlichen Verantwortung, sei es in Deutschland, Frankreich oder sonstwo in der "Gemeinschaft". "Subsidiarität" ist ein Fremdwort. Vorteile werden gerne wahrgenommen, aber sobald es für einen Staat darum geht, sich einzubringen, rücken die nationalen Interessen in den Vordergrund. Die Exekutive gerät in den Schwitzkasten, weil sie zwischen den Verpflichtungen der EU gegenüber und den Erwartungen der eigenen Bevölkerung einen gangbaren Weg finden muss, was in vielen Fällen so realistisch ist, wie aus Stroh Gold zu spinnen.

Das größte Manko der EU ist die Unwirksamkeit des sog. "Parlaments". Es handelt sich um ein Scheinparlament, denn da die EU kein Staat ist, kann sie gar kein funktionierendes Parlament haben. Das bestimmende Organ ist die Kommission.

In ihrem heutigen Zustand kommt mir die EU vor wie ein Verlobungspaar, das festgestellt hat, dass es nicht zueinander passt, aber vor der Trennung zurückscheut, weil schon zu viel an Emotionen und finanziellen Mitteln investiert wurde.
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