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Alt 09.07.2013, 06:30   #1
weiblich Ilka-Maria
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Standard Gegenwartsliteratur

Für Interessierte: Artikel über die aktuelle Literaturwelt, FAZ v. 03.07.2013.

http://www.faz.net/aktuell/feuilleto...-12268770.html
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Alt 09.07.2013, 06:37   #2
Thing
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Bei mir rennt der Artikel weitoffene Türen ein.

Los ging es schon mit Simmel und Konsalik.
Und damals haben die Leute noch gelesen....
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Alt 09.07.2013, 07:03   #3
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drucken, drucken, drucken ... bis der Druck den Schreiber erdrückt..

danke, Ilka!
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Alt 09.07.2013, 07:23   #4
weiblich Ilka-Maria
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Zitat:
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Bei mir rennt der Artikel weitoffene Türen ein.

Los ging es schon mit Simmel und Konsalik.
Und damals haben die Leute noch gelesen....
Für Konsalik mag das gelten, aber Simmel ist längst rehabilitiert. Er hat die Stimmung und gesellschaftlichen Verhältnisse im Nachkriegsdeutschland festgehalten. Außerdem hatte er mit "Der Schulfreund" eine Vorlage zu einem durchaus guten Film gegeben, was weniger bekannt ist als seine späteren Erfolgsromane. Auch gab es zu seiner Zeit längst noch nicht diese Bücherflut wie heute.
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Alt 09.07.2013, 07:53   #5
Thing
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Ich spreche hier von der Quantität.
Und Vieles von ihm war wirklich Boulevard.
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Alt 09.07.2013, 08:05   #6
weiblich Ilka-Maria
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Zitat:
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Ich spreche hier von der Quantität.
Und Vieles von ihm war wirklich Boulevard.
Wie dem auch sei: Das ist Steinzeit.
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Alt 09.07.2013, 08:38   #7
Ex-zonkeye
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Selten habe ich einen blöderen Artikel über den derzeitigen „Büchermarkt“ gelesen als diesen.

Die Autorin, eine vor allem in der Trivialistik bewanderte Journalistin, liest aus dem Kaffeesatz ihrer Redaktionstasse Erstaunliches: Die Zahl der so genannten „Schriftsteller“, vor allem der ganz schlechten, habe furchtbar zugenommen – jetzt könnten die Verlage (die sich, man höre und staune, kein Manuskript mehr zurückzuweisen trauen, und sei’s noch so schlecht!) – nur noch Mist herausbringen.

Seufzend wird der „guten alten Zeit“ gedacht, als es noch die Hauptvorschlagsbände etwa des Bertelsmann-Verlages gab, die vierteljährlich die Bücherschränke der Kleinbürger füllten. Jetzt, jammert das Mädel, könne kein „normaler“ Schriftsteller mehr von den Tantiemen leben – das monatliche Durchschnittseinkommen eines heutigen Berufsfromanciers betrüge inzwischen unter 1000.- €.

Sorry, Frau von Lovenberg – aber bis auf ganz wenige Ausnahmen haben die Dichter und Denker deutscher Nation immer schon am Hungertuche genagt. Wären sie nicht temporär bei Zeitschriften untergekommen wie Sie, hätt’s immer wieder bös ausgesehen, nicht wahr!

Man sollte die Autorin dieser Sommerlochplombe mal mit in ein Antiquariat nehmen und sie mit der Flut des Schmarrens konfrontieren, die sich etwa zwischen den beiden Weltkriegen oder in den 50er und 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts durch den deutschen Büchermarkt wälzte, den Biederfrauen das Hirn verklebend (die Männer lasen schon damals fast nichts, und der Wallace Edgar war hierzulande erst im Kommen). Dass heute mehr Idioten schrieben als früher, stimmt erweislich nicht. Die Anzahl der Dilettanten ist gleich geblieben, sie schreiben nur anderen Blödsinn als früher. Warens damals grausame Gesellschaftsromane, Patriotengeschwafel und Liebessülze hoch drei, sind’s heute die Krimis, Fantasy-Quark, das „politische“ Buch des Hinterbänklers und die gefühlt drei Millionen „lustigen“ Ratgeber, die auf den Wühltisch regnen und sich dabei deshalb leichter tun als früher, weil ihr Druck fast gar nichts mehr kostet. Sie haben den damaligen „Groschenroman“ ersetzt – nicht mehr und nicht weniger.

Wenn man, wie Frau von Lovenberg, mitten im Glashäusel sitzt, sollte man nicht mit Steinen werfen. Es kommt rasch ein Brocken zurückgeflogen, geworfen von einer Leserschaft, die sich für klug genug hält, selbst zu entscheiden, was sie (noch) liest. Eine Leserschaft, der das Geschwafel der von Frau Lovenberg verfassten Ratgeber ebenso auf die Nerven geht wie ihr das der anderen, auf die sie mit dem Finger deutet.

Die Deutsche Literatur wird daran aber ebenso wenig zugrunde gehen wie der Deutsche Wald, auch wenn deren beider Sterben immer wieder neu propagiert wird. Nicht immer nur schreiben – lesen, Frau von Lovenberg, lesen!
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Alt 09.07.2013, 09:50   #8
weiblich Ilka-Maria
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Zitat:
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Seufzend wird der „guten alten Zeit“ gedacht, als es noch die Hauptvorschlagsbände etwa des Bertelsmann-Verlages gab, die vierteljährlich die Bücherschränke der Kleinbürger füllten.
Ob das die "guten Zeiten" waren, wage ich zu bezweifeln. Gerade Bertelsmann hat die Verbreitung von Trivial-Produkten gefördert, waren unter den Vorschlagsbänden doch oft genug Konsalik, Simmel, Willi Heinrich oder Kathleen Woodiwiss angesiedelt.


Zitat:
Zitat von zonkeye Beitrag anzeigen
Jetzt, jammert das Mädel, könne kein „normaler“ Schriftsteller mehr von den Tantiemen leben – das monatliche Durchschnittseinkommen eines heutigen Berufsfromanciers betrüge inzwischen unter 1000.- €.
Das ist allerdings nicht erst seit heute so, dass Schriftsteller Einkommensprobleme haben. Es mag nicht bei jedem krasse Formen annehmen, aber einem Interview mit Bodo Kirchhoff und Charlotte Link konnte ich entnehmen, dass diese selbst als etablierte Schriftsteller nur schwer einen vernünftigen Lebensstandard halten können, und auch nur deshalb, weil sie gegen Honorar Lesungen am Fließband halten.

Ich hatte selbst mal mit Kirchhoff gesprochen, weil mein damaliger Boss ihn für einen Vortrag bei Rotary gewinnen wollte - ehrenamtlich, wie das bei Rotary üblich ist -, aber da war nichts zu machen. Ich wurde von ihm sofort an sein Sekretariat verwiesen, und da wurde mir klargemacht: Es geht um jeden Euro - ohne Honorar läuft gar nichts. Vom Verkauf der Bücher allein könnte er weder seinen Haushalt noch sein Sekretariat finanzieren.

Das trifft auch auf Udo Ulfkotte zu, der als Sachbuchautor ständig Vorträge zu seinen Themen hält - ohne diese Zusatzeinnahme sähe es traurig aus. Obwohl er auch kostenlos auftritt, wenn es für ihn eine gute Werbung ist. Ihn konnten wir jedenfalls für einen Vortrag gewinnen. Seine Sekretärin ist übrigens seine Ehefrau.

Ich denke, auf diese Erfahrung sowie auf die berufliche Kompetenz der FAZ-Journalistin kann ich mich eher verlassen als auf ein Statement, das mir sehr frei erfunden erscheint.
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