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Gefühlte Momente und Emotionen Gedichte über Stimmungen und was euch innerlich bewegt.

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Alt 06.03.2018, 18:34   #1
männlich Laie
 
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Dabei seit: 04/2015
Ort: Oberpfalz
Alter: 27
Beiträge: 792

Standard Leere Seiten

Wie gleicht der Tag letztendlich leeren Seiten
und ich dem Blinden, der sie dennoch liest,
und hofft, dass sich aus stummen Dunkelheiten
ein Wort in diese kargen Blätter schließt.

Da steigt der Abend tröstend aus den Hügeln -
es wirkt beinah, er steigt für mich allein -
und gießt aus seinen purpurroten Tiegeln
ein ganzes Buch in meinen Tag hinein.
Laie ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 06.03.2018, 18:52   #2
männlich Eisenvorhang
 
Benutzerbild von Eisenvorhang
 
Dabei seit: 04/2017
Beiträge: 832

Hi Laie,

gerade drübergestolpert!

Erste Strophe ist sehr schön.

Zweite Strophe hinken die Tiegel.

Du kannst aus Tiegeln gießen, aber nicht schreiben.
Im Tiegel wird geschmolzen oder gekocht.

und gießt aus seinen...

Oder du nimmst Siegel

Sehr gern gelesen!
Eisenvorhang ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 06.03.2018, 19:00   #3
männlich Laie
 
Benutzerbild von Laie
 
Dabei seit: 04/2015
Ort: Oberpfalz
Alter: 27
Beiträge: 792

Hi EV,

hab's geändert! Vielen Dank für die Berichtigung

Gruß,
Laie
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Alt 07.03.2018, 15:17   #4
männlich Laie
 
Benutzerbild von Laie
 
Dabei seit: 04/2015
Ort: Oberpfalz
Alter: 27
Beiträge: 792

Standard Geänderte Version

Wie gleicht der Tag letztendlich leeren Seiten
und ich dem Blinden, der sie dennoch liest,
und hofft, dass aus verstummten Dunkelheiten
ein Wort in diese kargen Blätter fließt.

Da steigt der Abend tröstend aus den Hügeln -
es wirkt beinah, er steigt für mich allein -
und schreibt aus seinen purpurroten Tiegeln
ein ganzes Buch in meinen Tag hinein.
Laie ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 12.03.2018, 13:46   #5
männlich Schmuddelkind
 
Benutzerbild von Schmuddelkind
 
Dabei seit: 12/2010
Ort: Berlin
Alter: 32
Beiträge: 4.429

Lieber Laie,

ich kann kaum sagen, welche Version ich besser finde - aus dem Bauch heraus vielleicht eher die erste. Aber egal: Ich finde, dass dir hier ein Gedicht mit einer besonderen bildhaften Sprache gelungen ist. Die leeren Seiten, die von einem Blinden gelesen werden - da muss das Hirn zweimal hintereinander Kehrt machen und taumelt dann in den Trost hinein, den die zweite Strophe anbietet. Das ist ein Gedicht zum Erleben, das etwas mit dem Leser macht. Solche Gedichte lese ich wirklich gerne.

LG
Schmuddelkind ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 12.03.2018, 15:40   #6
männlich Laie
 
Benutzerbild von Laie
 
Dabei seit: 04/2015
Ort: Oberpfalz
Alter: 27
Beiträge: 792

Hi Schmuddelkind,

es freut mich, dass du mein Gedicht gelesen und einen Kommentar dagelassen hast! Schön, dass es dir gefällt. Das Bild des Blinden, der die leere Seite liest, finde ich selbst relativ gelungen, muss ich sage (Oh pfui Deife, wie das nach Eigenlob stinkt!) So fühlt es sich zumindest für mich an, wenn der Tag irgendwie mal wieder ohne Sinn vorübergezogen ist, man es aber einfach hinnimmt.

Vielen Dank für deine Rückmeldung

Gruß,
Laie
Laie ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 12.03.2018, 16:57   #7
gummibaum
 
Dabei seit: 04/2010
Alter: 65
Beiträge: 10.360

Sehr schön, lieber Laie, wie der Tag am Abend seine Versäumnisse mehr als wieder gut macht.

Mit Freude gelesen.

LG g
gummibaum ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 13.03.2018, 21:02   #8
männlich Laie
 
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Dabei seit: 04/2015
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Alter: 27
Beiträge: 792

Lieber gummibaum,

das freut mich zu hören/lesen. Hab vielen Dank fürs Vorbeischauen

Gruß,
Laie
Laie ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 13.03.2018, 21:45   #9
Stachel
 
Benutzerbild von Stachel
 
Dabei seit: 03/2015
Ort: Niederrhein
Beiträge: 845

Hallo Laie,

ich finde, du hast hier eine ungewöhnlich schöne Sprache gefunden, um die Stimmung zu beschreiben.

Was die Tiegel anbetrifft halte ich es für deine vollkommene dichterische Freiheit, aus diesen zu schreiben oder zu gießen, wie es dir beliebt. Das Bild bleibt gleich verständlich. Und warum sollte man nicht mit geschmolzenem Licht schreiben. :-)
Wir streben doch immer nach neuen und unverbrauchten Bildern. Wie sollten diese, ohne neue und ungewöhnliche Kombinationen entstehen?

Mir persönlich gefällt "gießen" phonetisch besser, denn es strahlt mehr Ruhe aus. Es reimt sich auf "fließen" und bildet mit "Tiegeln" eine nähere Assonanz.

Ich glaube, ich sollte mal ein Gedicht über einen Tintentiegel schreiben. :-)

Freundliche Grüße von
Stachel

PS: Das ist natürlich ein Favorit.
Stachel ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 13.03.2018, 21:54   #10
weiblich Ilka-Maria
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Benutzerbild von Ilka-Maria
 
Dabei seit: 07/2009
Ort: Arrival City
Beiträge: 19.940

Zitat:
Zitat von Laie Beitrag anzeigen
Wie gleicht der Tag letztendlich leeren Seiten
und ich dem Blinden, der sie dennoch liest,
und hofft, dass sich aus stummen Dunkelheiten
ein Wort in diese kargen Blätter schließt.

Da steigt der Abend tröstend aus den Hügeln -
es wirkt beinah, er steigt für mich allein -
und gießt aus seinen purpurroten Tiegeln
ein ganzes Buch in meinen Tag hinein.
Die Idee ist hübsch, die Bilder sind schön, aber einiges passt nicht. Unbeschriebene Blätter sind nicht karg. Sie sind blank, weiß usw. Warum "schließt" sich ein Wort, was soll das bedeuten?

Verse zwei und drei der zweiten Strophe schreien nach dem Konjunktiv.

Lass mal sehen, ob ich einen Vorschlag für dich habe, ohne den Gesamteindruck zu zerstören:

Zitat:
Zitat von Laie Beitrag anzeigen
Wie gleicht der Tag letztendlich leeren Seiten
und ich dem Blinden, der sie dennoch liest,
und hofft, dass aus den stummen Dunkelheiten
ein Wort auf diese weißen Blätter fließt.

Da steigt der Abend tröstend aus den Hügeln -
es wirkt beinah, als steige er allein
zu gießen mir aus purpurroten Tiegeln
ein ganzes Buch in meinen Tag hinein.
LG
Ilka
Ilka-Maria ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 13.03.2018, 23:32   #11
Stachel
 
Benutzerbild von Stachel
 
Dabei seit: 03/2015
Ort: Niederrhein
Beiträge: 845

Zitat:
Zitat von Ilka-Maria Beitrag anzeigen
Die Idee ist hübsch, die Bilder sind schön, aber einiges passt nicht. Unbeschriebene Blätter sind nicht karg. Sie sind blank, weiß usw.
Seltsam, mein Duden sagt mir zu karg u.a. Folgendes:

1. (in Bezug auf die Menge, in der etwas Bestimmtes vorhanden ist o. Ä.) nicht üppig oder reichlich
2. sehr schmucklos, ohne jeden äußeren Aufwand

Meine obigen Zeilen zu neuen Bedeutungsschöpfungen außen vor lassen, finde ich, beide Bedeutungen passen wunderbar.

Die Wörter "weiß" und "karg" haben zum einen einen völlig anderen Klang, zum anderen auch, je nach Bedeutungsebene, eine beinahe gegensätzliche Bedeutung. Weiß als Farbe der Reinheit wird sehr oft zu Schmücken (z.B. Hochzeitskleid) verwendet und steht im starken Kontrast zu Punkt 2.

Die Anmerkung zum Konjunktiv kann ich aber sehr gut nachvollziehen. Mich stört die gegebene Wendung allerdings nicht. Ich hätte auch eine Idee, den Konjunktiv "galant" einzubauen, würde dabei aber ein anderes Reimwort und eine veränderte Satzstruktur verwenden. Dafür gefällt es mir dann umgekehrt zu gut.

Freundliche Grüße von
Stachel
Stachel ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 14.03.2018, 00:08   #12
gummibaum
 
Dabei seit: 04/2010
Alter: 65
Beiträge: 10.360

Liebe Ilka,

es geht nicht um leere, sondern letztendlich leere Seiten. Alles was dort steht, erzeugt das Gefühl von Mangel, Bedeutungslosikeit. Die Inversion im vorletzten Vers wirkt unbeholfen.

LG g
gummibaum ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 14.03.2018, 12:19   #13
männlich Laie
 
Benutzerbild von Laie
 
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Ort: Oberpfalz
Alter: 27
Beiträge: 792

Hi Stachel,

vielen lieben Dank für das Lob und den Zuspruch. Dass sich im lyrischen Sinne aus Tiegeln auch schreiben lässt, habe ich mittlerweile für mich selbst beschlossen. Welches Verb mir aber hier besser gefällt, habe ich noch nicht entscheiden können.

Auf das Gedicht über den Tintentiegel freue ich mich schon


Hi Ilka,

sei bedankt für deine Gedanken! Das sich in die Seiten schließende Wort, steht für etwas Sinngebendes, das in den sonst sinnlosen Tag tritt.

Mit dem Konjunktiv gehe ich oft etwas lax um, das weiß ich. Ich finde das aber, selbst in Gedichten, nicht weiter schlimm. Hier habe ich keine einheitliche Verwendungsweise und bin häufig nah an der Umgangsgrammatik. Korrekterweise müsste in S2V2 der Konjunktiv stehen. In S2V3 sehe ich das aber nicht so eindeutig. Das Verb "wirken", das den Konjunktiv fordert, bezieht sich nur auf den zweiten Teil von S2V2. Der dritte Vers ist die Fortsetzung des ersten Verses dieser Strophe. Der Abend steigt und schreibt/gießt. Hier sollte keine Konjunktiv stehen, meine ich.

Dennoch vielen Dank für deine Vorschläge und Mühe!

Und an alle nochmals ein großes Dankeschön für die Beschäftigung mit meinem Textlein!

Viele Grüße,
Laie
Laie ist offline   Mit Zitat antworten
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