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Literatur und Autoren Literatur allgemein sowie Rezensionen von Büchern, Stücken und Autoren.

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Alt 24.06.2020, 13:33   #1750
weiblich DieSilbermöwe
 
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Zitat:
. Deutsche Übersetzungen sind für mich geschenkt, seit ich festgestellt habe, dass die Übersetzer schwierige Teile einfach weglassen ode sogar ganze Passagen umschreiben.
Dürfen die das überhaupt? Oder einfach kürzen? Ich hatte als Kind "Tom Sawyer" aus der Bücherei ausgeliehen und wünschte mir das Buch dann von einer Tante zu Weihnachten. Was hab ich blöd geguckt, als das erwartete dicke Buch nur halb so dick war wie das aus der Bücherei... Waren allerdings beide auf Deutsch. Und was ich noch schlimmer fand: In dem geschenkten Buch fehlte meine Lieblingsstelle - die Stelle, als Tom sich vom Lehrer Prügel abholt, damit Becky sie nicht bekommt, die eigentlich etwas verbockt hat. Komplett rausgelassen! Es wurde nur ein Satz stattdessen geliefert: "Sie verbrachten versöhnt schöne Tage" oder so ähnlich, ein Satz, der in dem Buch aus der Bücherei überhaupt nicht stand. Ich war maßlos enttäuscht. Ich hätte am liebsten geheult. Die Tante konnte das nicht wissen. Und ich wusste damals noch nicht, dass die Schuld beim Übersetzer zu suchen war..... Zumindest suche ich seitdem immer nach "ungekürzten Originalausgaben". Wenn auch auf Deutsch.

LG DieSilbermöwe
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Alt 24.06.2020, 14:10   #1751
weiblich Ilka-Maria
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Ich weiß nicht, Silbermöwe, inwieweit man Kürzungen den Übersetzern oder eher der Verlagsplanung anlasten kann. Ich habe auch keine Ahnung, wie die rechtliche Verwertung i.S. Kürzungen ist. Bei Jugendausgaben ist es aber nicht ungewöhnlich, dass dicke Romane gekürzt werden. Mir ging es mit "Robinson Crusoe" ähnlich: Ich wusste nicht, dass ich eine gekürzte Jugendausgabe hatte, bis mir ein Bekannter meines Vaters die Gesamtausgabe auslieh - ein schönes altes Buch, das noch in Frakturschrift gedruckt und in Leinen gebunden war.
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Alt 24.06.2020, 18:14   #1752
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Zitat:
. Bei Jugendausgaben ist es aber nicht ungewöhnlich, dass dicke Romane gekürzt werden
Aber ausgerechnet meine Lieblingsstelle, wegen der ich das Buch überhaupt unbedingt haben wollte! Man hätte wahrhaftig etwas Unwichtigeres kürzen können.

Auf dem Buch war auf der Rückseitee
auch noch eine blöde Bemerkung zu lesen: „Für jeden Jungen ist dieses Buch so toll wie Himbeereis und Ferien an einem Tag."

Ich fühlte mich wahrhaftig als Mädchen diskriminiert.
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Alt 24.06.2020, 18:37   #1753
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Zitat:
Zitat von DieSilbermöwe Beitrag anzeigen
„Für jeden Jungen ist dieses Buch so toll wie Himbeereis und Ferien an einem Tag."

Ich fühlte mich wahrhaftig als Mädchen diskriminiert.
Na ja, wenn "Himbeereis und ein Ferientag" der Vergleich war, hättest du dich nicht diskriminiert fühlen brauchen. Ich habe als Mädchen in den Ästen eines Kirschbaums gesessen, bin auf einem ungesattelten Pferd durch den Wald geritten und habe einmal in der Woche Jui-Jitsu-Unterricht gehabt.
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Alt 24.06.2020, 18:46   #1754
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Das meinte ich gar nicht, sondern dass nur Jungen erwähnt wurden. Als würden Mädchen solche Bücher nicht lesen. Ich dachte: Wieso steht da nur etwas über Jungen? Bin ich komisch, weil ich als Mädchen ein solches Buch lese?
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Alt 24.06.2020, 19:00   #1755
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Ich weiß, was du gemeint hast. Ich hätte einen solchen Satz aber als Diskriminierung für Jungen gewertet.
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Alt 05.07.2020, 17:11   #1756
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Ich lese mich zur Zeit durch ein ganz dickes Buch, in dem anfangs geistliche Gesänge, dann eine Unmenge von Liedern/Gedichten, dann noch Opern- und Operettentexte stehen. Was da (abgesehen von der Walter von der Vogelweide - Zeit) bis ins achtzehnte Jahrhundert steht - also: Mir hat es oft die Fußnägel hochgeklappt. Dass Dichter wie Goethe, Schiller, Heine und noch ein paar andere den Menschen wie Lichtgestalten und Offenbarungen erschienen sind, und dass Gedichte der vorklassischen Zeit hier im Forum keinen einzigen Kommentar bekämen, wurde mir immer mehr klar.
Heinz
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Alt 13.07.2020, 09:33   #1757
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Günter Liehr: Frankreich - ein Länderporträt, Ch. Links Verlag, 4. Aufl. 2017, rd. 244 Seiten.

Liehr lebt in Paris, weiß also, worüber er schreibt. Über zwei Drittel des Buches widmet er der Geschichte und der Politik Frankreichs, auf etwa 30 Seiten behandelt er gesellschaftliche Themen wie Familie, Bildung und Arbeit, und die restlichen Seiten befassen sich mit Kultur.

Der Stil erlaubt flüssiges Lesen, und trotz seines überschaubaren Umfangs bietet das Buch eine Fülle an Informationen, so dass es geeignet ist, auch mal schnell das eine oder andere Thema nachzuschlagen.
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Alt 25.07.2020, 10:13   #1758
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Larry Beinhart: "Crime - Kriminalromane und Thriller schreiben", Autorenhaus Verlag, 1996/2003.

Sehr unterhaltsam geschrieben. Zwar geht es zum größten Teil um Schreibtechniken, die in anderen Büchern auf gleiche Weise beschrieben sind (bewährtes Werkzeug ändert man nicht), aber der Autor belässt es nicht bei der Abarbeitung sachlicher Einzelthemen wie z.B. Plot, Figuren, Charakter, Dialog usw. Er gibt auch Einblicke in seine persönlichen Erfahrungen über Schreibprozesse, über den Austausch mit Verlagsleuten und über die Tipps, die er von anderen Autoren bekam. Man kann aus dem Buch (rd. 230 Seiten) also noch Erkenntnisse und Anreize zum Ausprobieren gewinnen.

Michael Caine: "Weniger ist mehr - Kleines Handbuch für Filmschauspieler", Alexander Verlag Berlin, 8. Aufl., 2020.

Lesenswert, vor allem für Leute, die vorhaben, diesen Beruf zu ergreifen. Nach der Lektüre sind sie zwar ihrer Illusionen beraubt, aber dafür von der Gefahr befreit, in den Wahnsinn getrieben zu werden. Hier berichtet ein ganz großer der Filmleinwand aus dem nüchternen Alltag der Filmschaffenden, von einem knallharten Metier, in dem es auf der einen Seite auf jede Sekunde der Konzentration und Perfektion ankommt, man sich auf der anderen Seite aber auf lange Wartezeiten am Set einstellen muss. Ein dickes Fell und innere Festigkeit sind "mandatory", sonst braucht man nach den ersten zehn Drehminuten nie mehr zu erscheinen. Das Filmgeschäft hat mit Glamour und großer Welt nichts zu tun, sondern viel mit Stehvermögen, Besessenheit und zusammengebissenen Zähnen. Man muss perfekt vorbereitet sein und viel aushalten können, denn jeder Take, der wiederholt werden muss, kostet Zeit und Geld.

Caine reichen für den Einblick in die wahre Welt des Filmsets rd. 140 Seiten. Sein Stil liest sich gut und ist unterhaltsam.
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Alt 10.08.2020, 23:03   #1759
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James Gleick: "Chaos - The Amazing Science of the Unpredictable", Vintage, London, 1998.

Der Titel ist insofern passend, als er auf das Buch selbst verweist. Beim Lesen entsteht das Gefühl es mit einem ungeordneten Haufen an Stoff zu tun zu haben. Auch der Stil des Autors lässt zu wünschen übrig, mit anschaulichen Beschreibungen tut er sich schwer. Zum Glück erschließt sich das, was er hätte beschreiben wollen, manchmal durch die Abbildungen und ihre Untertitel.

Einige seiner Darstellungen haben mir immerhin den Blick dafür geöffnet, manches in der Welt mit anderen Augen zu sehen. Aber rein vom Stil des Autors her kann ich das Buch nicht reinen Gewissens empfehlen. Es liest sich mühsam und kein bisschen spannend.
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Alt 14.09.2020, 10:11   #1760
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Gerade ein tolles Buch gelesen:
"Psychology for Screenwriters" von Willian Indick
McNaughton & Gunn, Saline (Michigan, U.S.A.), 2004

Der Autor behandelt die Theorien von Freud, Erikson, Jung, Adler und May sowie das Modell der Heldenreise nach Campbell und bringt zahlreiche Beispiele für deren Verwendung in erfolgreichen Filmen, sowohl Klassiker wie auch neuere Produktionen. Nach jedem Kapitel findet der Leser eine Zusammenfassung sowie eine Check-Liste, anhand derer er das eigene Drehbuch überprüfen kann, inwieweit er die psychologischen Aspekte in seine Figuren hat einfließen lassen.

Das ist nicht nur ein fundiertes Werkzeug für Drehbuchautoren und Filmanalytiker, sondern auch außerordentlich spannend.
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Alt 20.09.2020, 19:48   #1761
wolfgang
 
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Derzeit lese ich das Buch: "Der Ruf des Hototogisu, Teil 1", von Klaus-Dieter Wirth, über die Frage, wie man ordentliche Haiku dichtet.

Klaus-Dieter Wirth behandelt 20 Grundbausteine, die er zwar empfiehlt, die er aber nicht als Dogma verstanden wissen will. Vielmehr schreibt er als Haiku-Dichter über das Haiku und davon, welche Techniken, Grundbausteine, überzeugt haben. Angefangen vom Überraschungsmoment, über die Klangmalerei, bis hin zur Beschreibung.

Auch räumt er mit Vorurteilen auf, die überwiegend Anfänger verbreiten, etwa, das man in einem Haiku nicht "ich" schreiben darf, oder, das ein Haiku nur ein Haiku ist, wenn es sich strickt an die 5-7-5-Regel hält.

Klaus-Dieter Wirth schreibt selbst Haiku und ist dafür auch international bekannt, zudem ist er Mitglied der Deutschen- Haiku-Gesellschaft.

Ich empfehle das Buch, weil es anregend ist und Orientierung für Anfänger und Fortgeschrittene bietet.
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Alt 02.10.2020, 10:22   #1762
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Klingt interessant, das Haiku-Buch. Werde ich mir vormerken.

Zur Zeit lese ich "Myth and the Movies - Discovering the mythic structure of 50 unforgettable films" von Stuart Voytilla.

Der Autor ist Drehbuchschreiber. In seinem Buch gibt er einen kurzen Abriss der Heldenreise, nach der fast jede Geschichte aufgebaut ist, sowie eine Definition der Archetypen, also Held, Gegenspieler, Schatten, Mentor, Herald, Helfer usw.

Dann analysiert er nach diesen Maßstäben Filmklassiker, die er nach Genres geordnet hat, also Action/Abenteuer, Western, Horror, Thriller, Drama, Komödie usw. Mit herkömmlichen, tiefer auf die Psychologie der Figuren, die bildtechnische Kunst des Kameramannes oder die schauspielerischen Leistungen eingehende Filmanalysen hat das nichts zu tun, der Autor beschränkt sich strikt darauf, inwieweit die Gesetze der Heldenreise und der Archetypen eingehalten worden sind. Insofern ist das Buch eine gute Ergänzung zu Christopher Voglers Klassiker "The Writer's Journey", das auf Campbells "The Hero With a Thousand Faces" aufbaut.
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Alt 06.10.2020, 19:21   #1763
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Michael Tsokos: "Der Totenleser - Unglaubliche Fälle aus der Rechtsmedizin."

Der Titel sagt alles. Ich bin ein absoluter Tsokos-Fan und für Krimis alias Tatort und Anreihner, die ihre Zuschauer für dumm verkaufen, restlos versaut.
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Alt 27.10.2020, 12:34   #1764
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"Nachricht von dir", ein Roman von Guillaume Musso, der mir von meinem Tutor empfohlen wurde.

Die Story hat zwei Protagonisten: Jonathan und Madeline. Als sie am Flughafen zusammenstoßen, gehen ihre Handys unbemerkt vertauscht.

Beide tauchen in das Leben des anderen ein. Madeline lebt als Unternehmerin in Sachen Floristik in Paris, Jonathan ist in San Francisco beheimatet. Er hat eine Scheidung hinter sich, die noch an ihm nagst, außerdem ist er als ehemaliger Spitzengastronom gescheitert und backt inzwischen kleinere Brötchen. Madeline hat gerade einen Heiratsantrag ihres Verlobten entgegengenommen und Ja gesagt.

Dabei wird es wohl nicht bleiben. Zwei Leben, die verbunden wurden. Bin gespannt, wie es weitergeht.
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Alt 18.11.2020, 18:12   #1765
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Ich lese gerade „Der Schatten" von Petra Hammesfahr. Die Beschreibung klang interessant: Filmproduzentin trinkt zuviel, verzweifelt an der Behinderung ihres Kindes und an der Schwiegermutter. Ihr Mann ist Polizeikommissar. Als sie abends alleine im Wohnzimmer ist, die Schwiegermutter oben, der Mann beruflich unterwegs, kommt ein "Schatten", Stella ist aber zu besoffen, um etwas zu realisieren. Am nächsten Morgen ist die Schwiegermutter tot und das, Baby verschwunden, nur fällt das mit dem Baby keinem so richtig auf. Ich bin jetzt auf Seite 104 von über 400 und immer noch weiß keiner, was mit dem Baby ist. Das Seltsame ist, dass es auch keiner wirklich vermisst oder sich Sorgen macht. Das ist immerhin spannend - ansonsten verzettelt die Autorin sich in langatmigen Rückblenden, in denen unwichtiges Zeug erzählt wird (sprachlich ist es auch nicht so toll, "... hatte er geheißen" zu lesen und überhaupt immer wieder "hatte, hatte, hatte"). Und es dreht sich alles mehr um eine Neben- als um die Hauptfigur Stella. Im Prinzip genau so erzählt, wie man es nicht machen sollte. Dass ich trotzdem wissen will, wie es weitergeht, wundert mich selbst.

Ich habe früher schon Bücher von Petra Hammesfahr gelesen und fand sie immer spannend. Dieses hier ist sicher nicht ihr bestes Buch.
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Alt 18.11.2020, 19:39   #1766
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Zitat:
Zitat von DieSilbermöwe Beitrag anzeigen
... - ansonsten verzettelt die Autorin sich in langatmigen Rückblenden, in denen unwichtiges Zeug erzählt wird (sprachlich ist es auch nicht so toll, "... hatte er geheißen" zu lesen und überhaupt immer wieder "hatte, hatte, hatte"). Und es dreht sich alles mehr um eine Neben- als um die Hauptfigur Stella. Im Prinzip genau so erzählt, wie man es nicht machen sollte. Dass ich trotzdem wissen will, wie es weitergeht, wundert mich selbst.
Du scheinst auch waches Auge für literarische Texte entwickelt zu haben, Silbermöwe, jedenfalls richtet sich die Aufmerksamkeit deiner Kritik nicht nur auf den Inhalt einer Geschichte.

Mit der Häufung des Plusquamperfekts ("hatte, hatte hatte") liegst du mit deiner Beschwerde richtig. Es wundert mich, dass das Lektorat das durchgehen ließ. Autoren halten sich in der Regel daran, Szenen in der Vorvergangenheit durch ein einmaliges "hatte" im ersten Satz kenntlich zu machen, dann aber in der einfachen Vergangenheit fortzufahren, damit die Sprache nicht zu gedrechselt klingt. Ich mache das auch so, es sei denn, es lässt sich gar nicht vermeiden, wieder "hatte" zu schreiben, z.B. bei verbundenen Sätzen, in denen die Satzteile unterschiedliche Zeiten des Geschehens betreffen. Man kann also variieren; das strikte grammatikalisch-gehorsame Durchziehen des Plusquamperfekts macht das Lesen hingehen schwer verdaulich.

Berichte mal, wenn du das Buch ausgelesen hast, wie es dir insgesamt gefallen hat.
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Alt 19.11.2020, 09:26   #1767
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Zitat:
. Berichte mal, wenn du das Buch ausgelesen hast, wie es dir insgesamt gefallen hat.
Mach ich gerne zumindest das hat die Autorin geschafft: Dass ich wissen will, wie es ausgeht.
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Alt 22.11.2020, 13:03   #1768
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So, jetzt habe ich das Buch „Der Schatten" von Petra Hammesfahr ausgelesen. Das Positive vorweg: Ab ca. Seite 200 wurde es dann doch noch richtig spannend - was aber bedeutet, dass man den Roman gut und gerne um die Hälfte hätte kürzen können. Beispielswiese schwelgt die Autorin darin, dass die Filmproduzentin Stella zunächst ein Manuskript von der Autorin Gabi bekommen hat und das Manuskript dann von anderen Autoren weiter schreiben lässt, was Gabi ihr sehr übelnimmt. Gabi werden übernatürliche "Hexenkräfte" nachgesagt und das Manuskript wird mehrfach umgeschrieben, wobei noch andere Leute, die in dieser Branche was zu sagen haben, mitmischen - genauso verworren, wie sich das jetzt anhört, liest es sich auch und vor allem hat es mit der eigentlichen Geschichte kaum etwas zu tun - auch die Hälfte der Protagonisten könnte man weglassen.

Stellas Wege kreuzen sich mit denen Gabis mehrfach, als sie ihren Mann kennenlernt, zieht sie auch in das gleiche Dorf, in dem Gabi wohnt, von der auch ihr Mann behauptet, dass sie seltsame Kräfte habe und man sich besser nicht mit ihr anlegen sollte. Auf diesem Thema reitet die Autorin beharrlich herum, bis aber auch der letzte Leser begriffen hat, dass mit Gabi nicht gut Kirschen essen ist.
Richtig albern wird es dann, als Stella schwanger wird, Gabi bei ihrer Schwiegermutter in der Küche sitzt, die Schwiegermuttr ihr die Neuigkeit mitteilt und Gabi einen „Fluch" ausspricht, den Stella zum Anstoß nimmt, keine Schwangerschaftsvorsorgetermine wahrzunehmen und stattdessen in der Schwangerschaft zu trinken (wovon sie anscheinend auch niemand abhält) - damit, wenn das Kind schon behindert wird, sie wenigstens selbst dran schuld ist und nicht Gabis Fluch. (Etwas Alberneres habe ich noch nie gehört.) Die Geschichte spielt in den 2000er-Jahren, unvorstellbar, dass da eine Mutter sämtliche Vorsorgetermine ignoriert und der Ehemann - und hier auch die resolute Schwiegermutter - das entweder gar nicht mitbekommen oder ohne ein Wort tolerieren. Wäre Stella zur Vorsorge gegangen, hätte man da sehen können, dass das Kind behindert ist und keine große Lebenschance hat (ich habe hier hauptsächlich weitergelesen, weil es mich interessierte, um welche Krankheit es sich handelte - tatsächlich hatte ich von dieser Krankheit noch nie etwas gehört). So kann es die Autorin immerhin so drehen, dass das Kind schwerbehindert auf die Welt kommt, die Schwiegermutter und der Vater es niemandem zeigen wollen und dass die Behinderung trotzdem nicht am Alkoholismus der Mutter liegt (was Stella aber angeblich lieber gewesen wäre. Völlig unverständlich und unplausibel). Aber natürlich denken alle, dass es am Alkohol in der Schwangerschaft gelegen hat. Keiner aus dem Umfeld bekommt das Kind oder Fotos vom Kind zu sehen.

Als das Kind verschwindet, wird angenommen, die ermordete Schwiegermutter habe es kurz vor ihrem Tod zu einer vertrauenswürdigen Person gebracht, nachdem sich herausstellt, dass Stellas Eltern, da selber verreist, es nicht zu sich genommen haben können (vorher wurde angenommen, das Kind sei bei ihnen, was aber auch niemand kommuniziert hat), auch ihre Schwester hätte es nicht nehmen können. Und noch immer macht sich keiner große Sorgen um das Kind.
Also bitte: Die Schwiegermutter will nicht, dass das behinderte Kind gesehen wird, würde es aber dann selber zu jemandem außerhalb der Famile bringen? Wie unglaubwürdig ist das denn?

Trotz allem hat die Autorin erzählerische Fähigkeiten, sonst wäre ich nicht bis zum Ende bei der Stange geblieben. Ab Seite 200 reißt sie einiges wieder heraus - trotzdem hätte es der Geschichte ganz gut getan, sie zu kürzen und nicht ständige und teils völlig überflüssige Rückblenden zu erzählen - wie z.B., inwiefern das Manuskript wie umgeschrieben wurde.

Die Auflösung ist trotz allem verblüffend. Obwohl ich die "goldene Regel" des Kriminalromans kenne, kam ich nicht - wie sonst meistens - schon nach den ersten zehn Seiten darauf, wer der Täter ist.
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Alt 22.11.2020, 16:46   #1769
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Was du beschreibst, macht auf diesen Roman alles andere als Lust, ihn zu lesen. Kommt mir fast so vor, als habe die Autorin auf die Esoterik-Szene und die psychologischen Verirrungen der 80er Jahre zurückgegriffen. Jedenfalls wirkt die Story ziemlich abstrus. Deine Kritik lässt außerdem vermuten, dass die Autorin um Zeilenschinderei bemüht war - vielleicht musste sie die Vorgabe des Verlags erfüllen, eine bestimmte Anzahl an Seiten abzuliefern. Das ist natürlich Spekulation, aber ich gehe davon aus, dass dein Gefühl eines gewissen Ausuferns berechtigt ist.

Mir fällt Kaminer ein, der in einem Interview mal gesagt hat, seiner Meinung nach seien 200 Seiten für einen Roman ausreichend. Ich finde auch, dass man da schon eine Menge reinpacken kann (bin gerade mit einem Roman fertig, der ca. 230 Seiten hat, und und ich wüsste nicht, was ich der Story noch hinzufügen könnte).

Danke, dass du dir die Arbeit gemacht hast, so ausführlich über deine Leseerfahrung zu berichten.
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Alt 23.11.2020, 07:39   #1770
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Zitat:
.Deine Kritik lässt außerdem vermuten, dass die Autorin um Zeilenschinderei bemüht war - vielleicht musste sie die Vorgabe des Verlags erfüllen, eine bestimmte Anzahl an Seiten abzuliefern. Das ist natürlich Spekulation, aber ich gehe davon aus, dass dein Gefühl eines gewissen Ausuferns berechtigt ist.
Daran dachte ich auch schon - also an eine Vorgabe von Seitenzahlen.

Zitat:
.Mir fällt Kaminer ein, der in einem Interview mal gesagt hat, seiner Meinung nach seien 200 Seiten für einen Roman ausreichend. Ich finde auch, dass man da schon eine Menge reinpacken kann (bin gerade mit einem Roman fertig, der ca. 230 Seiten hat, und und ich wüsste nicht, was ich der Story noch hinzufügen könnte).
Wie heißt dein Roman denn und wann kommt er heraus? Jetzt bin ich gespannt

Zu den Seitenzahlen habe ich Ähnliches gedacht, allerdings muss ich auch zugeben, dass ich mich umso lieber in einen Roman vertiefe, je länger er ist. Manchmal, zurzeit ist es so. Manchmal habe ich es auch von vornherein lieber kürzer.

Noch etwas zur Autorin Petra Hammesfahr. Das war das erste Buch von ihr, das ich fast bis zur Mitte langweilig fand. Ich habe verschiedene Rezensionen durchgelesen und auf viele Leser hat es genauso gewirkt wie auf mich: langatmig und langweilig. Mir tut es trotzdem nicht leid, es gelesen zu haben. Es hat mir wertvolle Erkenntnisse geliefert.
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Alt 23.11.2020, 10:08   #1771
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Wie heißt dein Roman denn und wann kommt er heraus? Jetzt bin ich gespannt
Mein Roman heißt "Die Berlinerin" und spielt in Hanau und im Berliner Bezirk Prenzlauer Berg. Bisher hatte ich alle meine Arbeiten im Selbstverlag herausgebracht, aber dieses Mal habe ich vor, mich bei Verlagen zu bewerben. In dieser Phase stecke ich gerade. Mein Tutor sagt, der Roman habe Potenzial. Aber es wird schwierig werden. Er selbst hatte wegen seines Romans 100 Verlage angeschrieben, bis einer anbiss; und eine Autorin sagte jüngst in einem Fernsehinterview, es habe 10 Jahre gedauert, bis ein Verlag sich ihrer Werke annahm.

Es ist ein schwieriges Feld, weil sehr viele Menschen schreiben und sich die Manuskripte in den Verlagen regelrecht auftürmen. Sie gehen lieber mit ihren Stammschreibern auf Nummer sicher, bevor sie sich eines unbekannten Schreibers annehmen, denn ein Buch auf den Markt zu werfen und zu bewerben ist ein teures Unterfangen, das schnell zum Draufzahlgeschäft werden kann. Ich versuche jetzt trotzdem mal, anzuheuern. Wenn es in einem gewissen Zeitraum nicht klappt, greife ich wieder auf das Self-Publishing zurück. Jedenfalls bin ich nicht so bekloppt, der reinen Eitelkeit wegen ("Ich bin Schriftsteller" !!!) mich auf einen dieser immer zahlreicher werdenden Abzocker-"Verlage" einzulassen, die den Leuten das Geld aus der Tasche ziehen. Ich habe ein Produkt, an dem ich lange gearbeitet habe, und dafür gebührt mir ein angemessener Lohn - ansonsten, wie gesagt: Selbst ist die Frau (ich bin bei neobooks registriert, ein sehr angenehmer Self-Publishing-Verlag, der noch nie einen Cent von mir verlangt hat).

Alles andere über meinen Roman schreibe ich dir gerne per PN, falls du mehr darüber wissen willst. Ich kan dir auch gerne mal ein paar Seiten zum Probelesen geben, Feedback wäre schön, denn an Probelesern fehlt es mir in meinem Verwandten- und Bekanntenkries. Aber hier in diesem Faden will ich keine Werbung für den Roman machen.

Zitat:
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Ich habe verschiedene Rezensionen durchgelesen und auf viele Leser hat es genauso gewirkt wie auf mich: langatmig und langweilig. Mir tut es trotzdem nicht leid, es gelesen zu haben. Es hat mir wertvolle Erkenntnisse geliefert.
Das ist die Hauptsache, und dann war der Roman das Durchhalten wert gewesen. Ich nehme zwar die Bewertungen erfahrender Rezensenten zur Kenntnis, aber letztendlich kann man sich nur ein vollständiges Bild machen, wenn man sich mit einem Roman selbst auseinandersetzt.
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Alt 23.11.2020, 13:39   #1772
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. Ich nehme zwar die Bewertungen erfahrender Rezensenten zur Kenntnis, aber letztendlich kann man sich nur ein vollständiges Bild machen, wenn man sich mit einem Roman selbst auseinandersetzt.
Ich hatte die Rezensionen erst gelesen, nachdem ich das Buch gelesen hatte. Ich wollte wissen, ob andere Leser den gleichen Eindruck hatten.
Nachdem ich mal eine Rezension gelesen hatte, wo zuviel vorher verraten wurde, lese ich sie meistens erst hinterher

---------------
Zitat:
. Alles andere über meinen Roman schreibe ich dir gerne per PN, falls du mehr darüber wissen willst. Ich kan dir auch gerne mal ein paar Seiten zum Probelesen geben, Feedback wäre schön, denn an Probelesern fehlt es mir in meinem Verwandten- und Bekanntenkreis
Nehme ich beides gerne an - ich glaube, du hattest wegen des Covers für das Buch hier schon mal einen Faden aufgemacht?
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Alt 23.11.2020, 14:06   #1773
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Nehme ich beides gerne an - ich glaube, du hattest wegen des Covers für das Buch hier schon mal einen Faden aufgemacht?
Ja, stimmt, das war für den Fall, dass ich selbst publiziere und alles selbst machen bzw. liefern muss, also auch das Cover. Sollte sich ein Verlag für meinen Roman interessieren, brauche ich es nicht mehr, denn er würde sich selbst um das äußere Erscheinungsbild kümmern. Verlage wollen keinen "Schnickschnack" geschickt bekommen, sondern "nur" ein Exposé und das nackte, schmucklose Manuskript, und zwar im Normseiten-Format. Wer glaubt, seine eigenen Vorstellungen über das Cover oder gar ein im Schnellhefter festgezurrtes Manuskript (vielleicht auch noch raffiniert formatiert) einschicken zu müssen, muss für sein Werk mit dem Schredderhaufen rechnen, denn das wirkt unprofessionell und kostet die Lektoren zu viel Zeit, sich damit zu befassen. Sie wollen sofort losblättern und auf den ersten Blick urteilen: Kann er/sie schreiben oder ist es Schrott.

Alles weitere per PN.
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