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Alt 05.05.2022, 22:35   #1
männlich Hikikomori
 
Dabei seit: 05/2022
Beiträge: 3

Standard Unser Brasilien

Da wo die breiten Arme dich empfangen
Die Berge als Grenze von Grün zu Blau.
Da wo unendliche Weite
Unendliche Höh, unendliche Freiheit,
die den Raum ausfüllt,
gleich Nebel der die Sicht auf das Schlechte verhüllt.

Dort liegt Brasilien.

So Augen zu, Zeit verbannt, doch im Traum erkannt:
,,Spieglein, Spieglein an der Wand,
zeig mir das Schlechte über das Land."
Und nachdem er die das Schlechte zeigt
und der Spiegel zerbricht,
verfällt deine verdrehte Sicht auf die Welt.
Was die scharfen Kanten des Glases aufweist
Ist die Trennung von
Arm und Reich
Alt und Jung
Schwarz und Weiß
Ist wie das Land entgleist, doch nicht dagegen tut
hauptsache die Schönheit nach Außen bleibt.
Kein Fortschritt, seit Jahren schon gleich.
Die Mimik des Landes vereist und die Scherben am Boden
werden zu einem Mosaik zusammengeschweißt.

Das ist Brasilien

Der Versuch der Verschleierung hebt die Probleme hinauf.
Gewere und Großstadtslums produzieren den Rauch.
-Fließbandarbeit-
Eine Produktion von Leichen in einem Lauf.
,,Das ist Produktivität, wir beuten die Arbeiter nicht aus !"
Und der Rauch
verdichtet sich zu Wolken am himmlichen Blau.
Und die Landschaft
verwelkt zu einem rostigen Braun.
Und die stählernde Freiheit
wirkt wie trostloses Grau.

Zwischen Hochhäuserblocks baun
Obdachlose ihre Zelte auf.
Bereit weiterzuziehn, wenn den Bewohnern
die Optik nicht gefällt.
Sie gehören zum Landschaftsbild,
doch werden vom Maler übersehn.
Ein Trauerspiel sodass man sich fragt:
,,Ist es das Leben noch wert,
bleibt mir doch die Schönheit verwehrt ?"

Das ist die Welt

Die Welt ist eine,
die die Freiheit als Waffe gegen dich benutzt.
-Spiegelkabinett-
Ich fühl mich wie ein gläsernder Mensch,
dich reflektiere meine Taten.
Ich will den Durchblick haben,
um den Blick von Problemen abzulenken.
Ich will Größe zeigen,
um Leuten den Weg zu versperren.
Ich will klare Gedanken,
um negative Erfahrungen auszusortieren.
Warum?
Warum bau ich eine eiserne Mauer aus Essen,
um mich abzuschirmen von den Hungerleidenden?
Warum?
Warum will ich immer in den Süden reisen,
um am Ende am Anfangspunkt anzugelangen?
Warum?
Warum belüg ich mich, um mich besser zu fühln,
will aber ehrlich sein?
Warum?
Warum weiß ich, dass ich nicht bin, wie ich will,
will mich aber nicht wirklich ändern?
Warum?
Warum mag ich die Gesellschaft in der ich lebe nicht,
versuche mich aber anzupassen?
Warum?
Warum trau ich andern mehr als mir selbst?
Warum stell ich das Wohl der andern unter das Geld?
Warum ist das Ziel das Ziel und nicht der Weg?
Geht es nicht darum, bei der Reise was zu sehn?

Denn so ist der Mensch

Wir sind Brasilien.
Wir sind die Welt.
Wir sind eine Gemeinschaft,
die uns selbst zerstört.
Wir sind außen schön,
doch verwesen innen.
Wir sind Roboter, die emotionslos durchs Leben gehn.
Bis wir sterben, weil wir aufhörn uns gegen uns selbst zu
wehren.
Wir.
Sind.
Unser.
Brasilien.
Hikikomori ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 06.05.2022, 10:48   #2
männlich Sinneswandler
 
Dabei seit: 12/2020
Ort: in einer besseren Welt
Beiträge: 136

Hallo,
ein interessanter Text mit vielen meiner Meinung nach gelungenen Beschreibungen.
Ich finde man kann sich aufgrund deiner Sätze viele Missstände und Probleme des Landes (und natürlich der Welt) bildlich vor Augen führen.

"Sie gehören zum Landschaftsbild,
doch werden vom Maler übersehn."

Dieser einfache Satz lässt sich universell für so gut wie alle Länder verwenden
die im Reisekatalog mit freudig grinsenden Menschen angepriesen werden...

Grüsse

Sinneswandler
Sinneswandler ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 06.05.2022, 11:03   #3
männlich Hikikomori
 
Dabei seit: 05/2022
Beiträge: 3

Hallo,
Danke für die Antwort.
Du hast es richtig interpretiert, ich wollte die kritische "Betrachtung" mit Brasilien als Aufhänger starten, dann rauszoomen auf die Welt, ein bisschen verallgemeinernd ist das schon. Und am Ende den Kreis verkleinern und auf mich persönlich schauen.
Was sind meine Kämpfe?
Wo zeige ich mich nach außen hin schön, verselle mich etc.

Hoffe dir hat der Text gefallen
Hikikomori ist offline   Mit Zitat antworten
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