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Gefühlte Momente und Emotionen Gedichte über Stimmungen und was euch innerlich bewegt.

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Alt 13.12.2016, 02:23   #1
männlich copiesofreality
 
Dabei seit: 05/2016
Ort: Dresden
Beiträge: 919

Standard "Grenzerfahrungen"

Jetzt fährt man nur ein kurzes Stück hinaus
Und prompt steht man in einer andren Zeit
Nicht einmal tausend Meter von zu Haus
Ist wirklich überhaupt nicht weit

Aus tobender Betriebsamkeit
Da steht man nun erschrocken still
Da wirkt das, wo man herkommt, schrill
Ein Schritt in die Vergangenheit

Das ist die Zeit, die du niemals gesehen hast
Und du stehst da, betrachtest dies als Enthusiast
Das Pflaster, Dorfplatz und den Teich
Das ist so fremd und wunderbar zugleich

Die alten Läden mit dem halbverwesten Schriftzug obendrauf
Erwecken in dir ein Gefühl Geborgenheit
Gefühle dieser Arten sammeln sich im Nu zuhauf
Für all dies hättest du ganz gern das Copyright

Bewundernd fährst du die alten Baumalleen entlang
Das Kopfsteinpflaster schüttelt deine Seele - Nostalgie
Zwar fährst du vorwärts, doch du fühlst dich mehr im Rückwärtsgang
Vergangenheiten, Gegenwarten vis a vis

Hier herrscht die Ruhe, riecht man noch das Land
Und nicht viel später siehst du glatt den Bauern mit dem Pferdewagen
Du fühlst nur noch und pfeifst auf den verstand
Ergibst dich in ein unbekanntes Wohlbehagen

Die Zeit, so scheint es, hat hier einen andren Wert
Kein neongrelles Hell zerschneidet abendliches Dämmerlicht
Das alles wirkt wie aus dem Bilderbuch, so unversehrt
Und für Gefühle "ohne Worte" - ein Gedicht

Rund um Berlin , 1990
copiesofreality ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 13.12.2016, 08:25   #2
weiblich DieSilbermöwe
 
Benutzerbild von DieSilbermöwe
 
Dabei seit: 07/2015
Alter: 56
Beiträge: 4.325

Von der Idee und Handlung schön, von der Metrik her scheint es mir arg zu holpern .
auch die verschiedenen Verslängen scheinen nicht wirklich zu passen.
DieSilbermöwe ist gerade online   Mit Zitat antworten
Alt 13.12.2016, 11:25   #3
männlich curd belesos
 
Benutzerbild von curd belesos
 
Dabei seit: 04/2013
Ort: Lübeck
Alter: 74
Beiträge: 1.126

Standard Gefühle mit Worten

Zitat:
Zitat von DieSilbermöwe Beitrag anzeigen
Von der Idee und Handlung schön
moin moin copiesofreality,

vielleicht solltest du es überarbeiten, wie Silbermöwe es schon schrieb, es würde bestimmt gewinnen.

LG
CB
curd belesos ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 13.12.2016, 13:27   #4
männlich Lewin
 
Dabei seit: 03/2015
Beiträge: 1.219

Standard Grenzerfahrungen

Hallo Torsten,

wer Rund um Berlin kennt, (ich zum Beispiel), der kann dir nur stimmungsvoll beipflichten. Hier passt (fast) alles. Die kleine Ausnahme, das „arg“ von Silbermöwe ist ihre Meinung, wäre:
„Bewundernd fährst du dann die alten Baumalleen entlang“.
Ich habe alles mindestens dreimal gelesen und mich auf den Pferdewagen gesetzt (gefühlt): Mein „dann“ ist nur ein Gedanke, es gäbe auch andere Möglichkeiten, mehr würde ich an dem Gedicht von 1990 (!) in keinem Fall tun.
Die unterschiedlichen Verslängen stören den Rhythmus in keiner Weise.

Herzlich Lewin.
Lewin ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 13.12.2016, 14:04   #5
weiblich Unar die Weise
 
Benutzerbild von Unar die Weise
 
Dabei seit: 10/2016
Ort: in einem sagenhaften Haus
Alter: 37
Beiträge: 4.955

Mir gefällt das Thema des Gedichtes auch außerordentlich gut.
Ich fühle mich hineinversetzt und mitgenommen, vom Pferdewagen übers Pflaster.
Schön dass es solche Ecken auch heute noch gibt und sie sich dem Wandel immer noch nicht unterwerfen.
Mancherorts sieht es immer noch aus wie "annodunnemals".

Was mich aber etwas stört, sind die verschiedenen Reimschemen.
In der 1. und 4.-7. Strophe hast du A,B,A,B. In der 2. A,B,B,A. In der 3. A,A,B,B.


Grüße, Unar.
Unar die Weise ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 14.12.2016, 10:26   #6
männlich copiesofreality
 
Dabei seit: 05/2016
Ort: Dresden
Beiträge: 919

@ Silbermöwe, curd belesos, Unar
Da stecken unterschiedliche Verslängen drin, unterschiedliche Reimschemen - und es stimmt, das macht die Sache nicht unbedingt leicht zu lesen.
Daher versuche ich solche Gedichte auch immer selbst in Betonungen und Rhythmen zu lesen und zu spüren, ob es rund geht oder ich dann wirklich an manchen Stellen auflaufe. Das geschieht aber fast nie beim "ersten" Lesen.
Mit dem Gedicht kam ich aber relativ gut in einen runden Rhythmus und der passte auch inhaltlich.
Daher weiß ich zwar um die Schwierigkeit dieses Gedichtes, bleibe aber bei meiner "furchtbaren" Sturheit sehr sehr selten etwas zu ändern an den alten Texten.
Danke aber für das Feedback und auch die Hinweise, die ich sehr wohl aufnehme.
Viele Grüße
copies of r
copiesofreality ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 14.12.2016, 10:30   #7
männlich copiesofreality
 
Dabei seit: 05/2016
Ort: Dresden
Beiträge: 919

@Lewin
Danke auch für Deine inhaltliche Bestätigung - freut mich, wenn andere dies ähnlich kennen und empfunden haben. Sind es doch dauerhafte Momente, die sich da in mir gespeichert haben.
Danke auch für den Hinweis mit dem kleinen "dann".
Das macht es tatsächlich etwas runder und ändert inhaltlich nichts - den nehme ich gerne an.
Regnerische Grüße
copies of r
copiesofreality ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 14.12.2016, 10:58   #8
männlich curd belesos
 
Benutzerbild von curd belesos
 
Dabei seit: 04/2013
Ort: Lübeck
Alter: 74
Beiträge: 1.126

Zitat:
Zitat von copiesofreality Beitrag anzeigen
- den nehme ich gerne an.
vielleicht könntet du dann auch meinen Gedanken annehmen, die Interpunktion auch in den Zeilen wegzulassen, da sie am Ende auch nicht vorhanden ist.

Da man dann nicht mehr weiß ob man die Stimme heben oder senken soll, wird man noch weniger den Text flüssig lesen können und das Großschreiben am Zeilenanfang kann dann zusätzlich manchen Wortsinn verfremden.

Einen ironischen Gruß aus dem Trave-Tal

CB

PS: aber mach dir nichts draus, es ist nur der Geschmack einen alten, einsamen Mannes
curd belesos ist offline   Mit Zitat antworten
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