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Lebensalltag, Natur und Universum Gedichte über den Lebensalltag, Universum, Pflanzen, Tiere und Jahreszeiten.

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Alt 20.03.2016, 10:48   #1
weiblich Ilka-Maria
Forumsleitung
 
Benutzerbild von Ilka-Maria
 
Dabei seit: 07/2009
Ort: Arrival City, auf der richtigen Seite des Mains
Beiträge: 23.328

Standard Waldrand bei Nacht

Der Tümpel ruht. Die Frösche werben.
Der Mond beglitzert schwarzes Tuch,
und in die Luft steigt Moosgeruch,
erfüllt von Leben und von Sterben.

Sogar der Wind scheint eingeschlafen,
rührt weder Schilfgras noch ein Blatt
und lässt des Tümpels Spiegel glatt,
als sei er ein verwunschner Hafen.

Ein Eulenschrei durchbricht die Stille
und spottet dieser Friedensnacht:
Der stille Flug, der Klauen Macht
zerstört die biblische Idylle.

Der Mond verblasst. Die Frösche schweigen.
Der Wind beginnt sein erstes Säuseln,
der Tümpel zeigt ein leichtes Kräuseln,
Insekten sammeln sich zum Reigen.

20.03.2016
Ilka-Maria ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 20.03.2016, 15:36   #2
gummibaum
 
Dabei seit: 04/2010
Alter: 66
Beiträge: 10.930

Hallo Ilka,

stimmungsvolles Natur- und Nachtgedicht mit kunstvollem Aufbau.

Gleich der erste Vers zeigt, dass in der Ruhe einige Aktivitäten gesteigert sind. Dazu passen dann das muntere "beglitzert", das Aufsteigen eines Geruchs, der von gegenläufigen Prozessen kündet.

Nach Ausspinnen von Bewegungslosigkeit und Entrücktheit in der zweiten Strophe folgt in der dritten kontrastiv die Zerstörung der Harmonie, die, von der Stille geschützt, nur um so besser gelingt.

In der vierten laufen die Vorgänge gegenüber der ersten Strophe in der Gegenrichtung ab. Die zunehmende Bewegung am Morgen wird durch eine Änderung im Reimschema (vier weibliche Kadenzen) unterstrichen.

Sehr gern gelesen und besprochen.

LG gummibaum
gummibaum ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 20.03.2016, 15:41   #3
Thing
R.I.P.
 
Benutzerbild von Thing
 
Dabei seit: 05/2010
Alter: 74
Beiträge: 35.149

Favorit.
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Alt 20.03.2016, 19:17   #4
weiblich Daisy
 
Dabei seit: 10/2010
Beiträge: 919

Liebe Ilka-Maria,

das ist Lyrik wie ich sie schätze und sie mir wünsche!

Ein handwerklich perfekt ausgeführtes Gedicht, das die nächtliche Stimmung gekonnt und überzeugend transportiert. Ich fühle mich in dieses schöne Bild hineingezogen und staune über das märchenhafte Geschehen an diesem Tümpel am Waldrand bei Nacht.

Ganz einfach große Klasse!

Lieben Gruß
Daisy
Daisy ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 20.03.2016, 19:21   #5
männlich Ex-Poesieger
abgemeldet
 
Dabei seit: 11/2009
Beiträge: 7.285

Jetzt weiss ich auch was die Leute ihre Heimat verlassen lässt. Diese menschlich ausgereifte Kunstfertigkeit.

Mfg!
Ex-Poesieger ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 20.03.2016, 21:14   #6
gummibaum
 
Dabei seit: 04/2010
Alter: 66
Beiträge: 10.930

Sind intertextuelle Bezüge zufällig?

"Still werden die Frösche im Weiher.
Der Röhricht streicht sich im Wind."

(Benson: "Am Weiher")

LG gummibaum
gummibaum ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 24.03.2016, 14:29   #7
weiblich Ilka-Maria
Forumsleitung
 
Benutzerbild von Ilka-Maria
 
Dabei seit: 07/2009
Ort: Arrival City, auf der richtigen Seite des Mains
Beiträge: 23.328

Zitat:
Zitat von gummibaum Beitrag anzeigen
Sind intertextuelle Bezüge zufällig?

"Still werden die Frösche im Weiher.
Der Röhricht streicht sich im Wind."

(Benson: "Am Weiher")

LG gummibaum
Nicht direkt. Aber Bensons Gedicht hat mich an die Kurzgeschichte "Der Tümpel" von Carl Zuckmayer erinnert, die ich vor langer Zeit gelesen hatte. Aus der Atmosphäre, die ich noch in Erinnerung hatte, ist mein Gedicht entstanden.

LG
Ilka
Ilka-Maria ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 24.03.2016, 18:18   #8
gummibaum
 
Dabei seit: 04/2010
Alter: 66
Beiträge: 10.930

Aha, Ilka. Danke. Die Geschichte kenne ich. Sie verfolgt den Tümpel übers Jahr.

LG gummibaum
gummibaum ist offline   Mit Zitat antworten
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