Poetry.de - das Gedichte-Forum
 kostenlos registrieren Forum durchsuchen Letzte Beiträge

Zurück   Poetry.de > Geschichten und sonstiges Textwerk > Geschichten, Märchen und Legenden

Geschichten, Märchen und Legenden Geschichten aller Art, Märchen, Legenden, Dramen, Krimis, usw.

Antwort
 
Themen-Optionen Thema durchsuchen
Alt 19.08.2007, 17:50   #1
tagedieb
 
Dabei seit: 07/2005
Beiträge: 520


Standard Einzwei Möglichkeiten den Tod zu finden

Er ist ja nicht schuld- oder gar einsichtsfähig. Nur diesmal sticht der zu Betreuende wirklich zu und droht nicht nur. Und das stürmische Blut hat nichts Eiligeres zu tun, als Deinen Körper zu verlassen und den Boden vollzuschmieren. Das ganze verdammte Blut.

__________________


Du hast der Schönen eine Fahrradtour versprochen. Du hast Brötchen vorbereitet mit Mozzarella und Tomate, weil Du weißt, sie mag das. Nach dem Picknick fährt sie schweigend am Bach entlang. Der Weg ist eng. Du bist hinter ihr und schaust auf ihren fantastischen Hintern. Diese Frau die eigene nennen zu dürfen stellst Du Dir vor. Und kein alberner Blitz schlägt in Dich ein und kein Aneurysma an einem Hirnbasis-Gefäß sprengt Dir endlich Stille herbei.

__________________


Oder diese übermächtige Sehnsucht, von der Du nicht weißt, wo sie herkommt oder wohin sie Dich führen will, killt Dich. Du weißt nicht genau wie. Aber ganz plötzlich findest Du Dich in der letzten Ecke wieder, kniend und um Luft ringend. Was weiß ich!

__________________


Vor 50 Jahren ist einem Waldarbeiter ein Stamm aufs Bein gefallen. Im Krankenhaus ist er an einem Blutgerinnsel gestorben. Bis heute hat der Tod dieses Mannes Auswirkungen auf seine Familie.

__________________


Mein Vater war acht Jahre alt, als sein Vater starb. Sein Bruder war sechs. So alt sind meine Kinder jetzt. Mein Vater lebt noch. Und doch habe ich mich meine Kindheit über wie eine Waise gefühlt.
tagedieb ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 20.08.2007, 16:37   #2
Struppigel
 
Dabei seit: 05/2006
Beiträge: 1.007


Hallo Robert.

Nanu, gestern stand da noch ein ganz anderer Text, den vermisse ich gerade.

Kleine Fehlerteufel: "Tod" und "Waise"

Man hat den Eindruck, als sei der erste Abschnitt das, was gerade tatsächlich passiert. Der Rest geht dem Erzähler durch den Kopf, während er sein Leben verlässt. Das würde zumindest auch einen Bezug zur letzten Frage herstellen.
Interessant, dass eine Szene ganz ohne Todesvariante eingebaut ist.
Die Szenen scheinen sowieso nur sehr lose zusammenzuhängen, aber genau betrachtet könnten sie gedanklich auch aufeinander folgen. Da ist die Szene mit der Sehnsucht nach Liebe, in der kein Tod vorkommt, danach die Szene, in der das Liebesleid mit dem Sterben verglichen wird, weil es entweder einen Teil im eigenen Selbst sterben lässt, weil es genauso schmerzhaft scheint oder aber weil es zum Selbstmord führen kann.
In der Szene darauf führt der Sterbe-Vergleich zu einer Erinnerung an einen Mann, der an einer eigentlich simplen Sache gestorben ist. Der Gedanke an die Familie des Mannes führt zum Gedanken an die eigene Familie.
Der lose, assoziative Zusammenhang, sowie die umgangssprachliche Art führen zu dem Eindruck, es handele sich hier tatsächlich um Gedankenfetzen.

Der Erzähler scheint vieles zu bedauern und vieles, das er erlebt und erlitten hat, sinnlos zu finden. Nach dem Motto: Soll das alles gewesen sein?

Interessant, dass er die Schuld seines Todes nicht im zu Betreuenden sieht. Es klingt eher so, als sei das eigene Blut verantwortlich. Er verdammt nicht andere, er verdammt das, was zu ihm gehört, sein eigenes Selbst und das gleichzeitig mit offensichtlicher Unsinnigkeit, denn was kann schon sein eigenes Blut dafür.

Der Tod wird auf die gleiche Stufe gestellt mit anderen Schicksalsschlägen. Das ist vielleicht mit der Überschrift gemeint. Es gibt nicht nur den Tod der die Körperfunktionen beendet, es gibt auch einen seelischen Tod und um letzteren geht es eigentlich. Der Erzähler kämpft gar nicht erst gegen den physischen Tod an, er nimmt es hin, ist passiv und mutlos. Dabei könnte er, wenn kämpfte, eine Chance für sein Weiterleben erhalten. Nicht immer sind es andere Mächte, die alles beeiflussen. Der Erzähler krankt an dem fehlenden Bewusstsein und/oder der psychischen Unfähigkeit, selbst Einfluss auf sich zu haben und gibt sich auf.

"Wer bestimmt den rechten Zeitpunkt?" Gibt es den jemals?

Grüße

Igi

PS: Noch ein paar Fehler:
Blutgerinnsel, Mozzarella, aufs (ohne Apostroph), vollzuschmieren, herkommt
Struppigel ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 25.08.2007, 20:45   #3
tagedieb
 
Dabei seit: 07/2005
Beiträge: 520


Liebe igi,

Du bist fleißig. Danke für die Rechtschreibkorrekturen.
Ein wenig habe ich noch an dem Text gefeilt. Er ist nun stimmiger. Aber ich mag ihn trotzdem nicht.
Den Absatz, den Du vermisst, habe ich rausgeworfen, weil er unrealistischer war als die anderen. Er führte gedankllich einen Traum weiter, den ich hatte.
Mich beschäftigte das Thema Tod, weil, wie oben beschrieben, meine Kinder in einem gewissen Alter sind. Als mein Vater so alt war, wie meine Tochter jetzt, ist er Waise geworden. Wie unrecht dieser Zeitpunkt war, spüren wir heute noch. Und ich habe nun etwas Furcht ...
Die Mutter meines Vaters ist im Alter gestorben. Sie wusste um den rechten Zeitpunkt und sie hat ihn vielleicht ein wenig überlebt. Aber sie hat offen vom Tod gesprochen als etwas, dass nun langsam geschehen müsste. Als Kind hat mich das jedesmal entsetzt.
Die Frage nach der Bestimmung des rechten Zeitpunktes habe ich herausgenommen. Sie war zuviel.
Die Gedanken an den Tod wecken in uns die Erinnerung an alles, was wir verlassen müssen oder nicht erreichen konnten. Daher die Sehnsucht hier.
Deine Leseweise des Textes ist interessant. Du erkennst eine Abfolge und ein wirkliches Geschehen. So habe ich es nicht gelesen/gemeint. Das ist aber auch nicht weiter schlimm.

Da Du den Erzähler so verobjektivierst, stelle ich hier mal die Behauptung auf, dass das lyrische Ich sehr viel öfter dem Schreiber direkt oder in sehr großen Teilen entspricht, als das im Allgemeinen zugestanden wird. Ich glaube, das LyrIch hat eine Schutzfunktion. Soll es auch behalten. Ist nur eine Vermutung.

Danke nochmal und ... ach, Du weißt ja.
tagedieb ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 25.08.2007, 20:58   #4
apnoe
 
Dabei seit: 01/2007
Beiträge: 786


Zitat:
Oder diese übermächtige Sehnsucht, von der Du nicht weißt, wo sie herkommt oder wohin sie Dich führen will, killt Dich. Du weißt nicht genau wie. Aber ganz plötzlich findest Du Dich in der letzten Ecke wieder, kniend und um Luft ringend. Was weiß ich!
lieber tagedieb,
das genau beschreibt ein gefühl, das ich kenne.
schöner könnte ich es nicht sagen.
danke.
lg a
apnoe ist offline   Mit Zitat antworten
Antwort

Lesezeichen für Einzwei Möglichkeiten den Tod zu finden

Themen-Optionen Thema durchsuchen
Thema durchsuchen:

Erweiterte Suche



Sämtliche Gedichte, Geschichten und alle sonstigen Artikel unterliegen dem deutschen Urheberrecht.
Das von den Autoren konkludent eingeräumte Recht zur Veröffentlichung ist Poetry.de vorbehalten.
Veröffentlichungen jedweder Art bedürfen stets einer Genehmigung durch die jeweiligen Autoren.