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Philosophisches und Nachdenkliches Philosophische Gedichte und solche, die zum Nachdenken anregen sollen.

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Alt 29.03.2020, 18:26   #1
männlich Heinz
 
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Standard Die Chance

Die schnöde Angst beschleicht der Menschen Herzen,
sie fürchten sich vor Krankheit, frühem Tod.
Auch mir ists keinesfalls zumut zum Scherzen,
ich weiß um Siechtum, kenne ihre Not.

Das Gottvertrauen geht ganz rasch in Binsen,
mit Klopapier versucht er sich zu schützen;
die Maske vorm Gesicht verbirgt mein Grinsen -
was soll der ganze Kram uns wirklich nützen?

Nur einer, Baldur, geht mit stolzen Schritten
den Götterpfad entlang und zaubert Farben,
verwandelt die Natur und hört mein Bitten:
Lass uns, o Gott, im Jammertal nicht darben!

Der Frühlingsgott erhört mein stilles Flehen,
im Wiesengrund erblüht ein blaues Veilchen.
Die Hoffnung soll uns also nicht vergehen,
nun warte du, o Mensch, ein kleines Weilchen!

Bewahre ganz gelassen die Balance,
verlass dich auf die Kräfte der Natur
ergreife mutig und beherzt die Chance
zum Sinneswandel - seis ein bisschen nur!
Heinz ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 30.03.2020, 10:15   #2
weiblich AlteLyrikerin
 
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Lieber Heinz,
deine Verse mag ich, weil sie nicht bombastisch in die Paniktrompete blasen. Die Probleme und Gefahren werden nicht geleugnet, doch LyrI begegnet ihnen gelassen und den hamsternden Zeitgenossen spöttisch.
Vertrauen in den Frühlung, also in die Kräfte für einen Neuanfang, beschreibt die letzte Strophe. Während die Natur die beständige Erneuerung in ihren Strukturen hat, braucht der Mensch eine Struktur, die ihm hilft ethisch verantwortlich zu handeln. Woher wird er die aktuell bekommen?
Nachdenkliche Grüße, AlteLyrikerin.
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Alt 30.03.2020, 12:28   #3
männlich Heinz
 
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Beiträge: 5.732

Liebe AlteLyrikerin,
vielen Dank für Deine freundlichen Worte.
Ja, woher nimmt der Mensch die "Geh-Hilfen"? Die bisher gewohnten haben sich als nicht gegenwartspraktikabel oder zukunftsträchtig erwiesen.
(Deshalb meine zarte Aufforderung in den letzten beiden Versen: "... ergreife mutig und beherzt die Chance zum Sinneswandel - seis ein bisschen nur!"
Gespräche mit alten Freunden/Freundinnen über dieses Thema machen Mut. Das erzwungene Innehalten scheint (und hier liegt für mich die Geh-Hilfe bereit) den Spruch Kants ins Bewusstsein zu rufen: "SAPERE AUDE - HABE MUT, DICH DEINES EIGENEN VERSTANDES ZU BEDIENEN!"
Liebe Grüße,
Heinz
Heinz ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 30.03.2020, 12:32   #4
weiblich AlteLyrikerin
 
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Ich stimme Dir weitestgehend zu. Doch mit dem Verstand, der Vernunft alleine wird es nicht zu machen sein. Es liegt durchaus viel Verstandeskraft in der Fähigkeit Reichtum anzuhäufen, Innovationen zu schaffen und für den eigenen Vorteil zu nutzen. Ganz ohne ethische Grenzziehungen wird es nicht gehen, denke ich.

Liebe Grüße, AlteLyrikerin.
AlteLyrikerin ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 30.03.2020, 12:46   #5
männlich Heinz
 
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Beiträge: 5.732

Liebe AlteLyrikerin,
warum erinnert mich der kurze Meinungsaustausch an den Spaziergang der Marthe Schwerdtlein mit Mephistopheles in Faust I ?
"Ganz ohne ethische Grenzziehungen wird es nicht gehen" - das schreit nach Zustimmung, aber ich setz einen drauf:
Die mutige Benutzung des eigenen Verstandes führt zwangsläufig zu ethischen Grundsätzen (und deren Praktizierung).
Liebe Grüße,
Heinz
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Alt 30.03.2020, 12:51   #6
weiblich AlteLyrikerin
 
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Beiträge: 1.393

Zitat:
Zitat von Heinz: Die mutige Benutzung des eigenen Verstandes führt zwangsläufig zu ethischen Grundsätzen (und deren Praktizierung
Mein Blick in die reale Welt würde mich dann zu der Aussage führen: Es gibt kaum jemanden, der diesen Mut praktiziert. Ungerecht verteilter Besitz, Not, Elend, Terror und Krieg - da scheint der massenhaft Mut jedenfalls zu fehlen. Insofern behaupte ich, dein "draufsetzen" nützt letztlich nichts, wenn der von Dir zitierte Mut nicht zu Massenerscheinung wird.

Herzliche Grüße, AlteLyrikerin.
AlteLyrikerin ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 30.03.2020, 17:25   #7
männlich Heinz
 
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Ort: Hilden, NRW
Beiträge: 5.732

Du sprichst ein großes Wort gelassen aus!
Mich wundert es kaum, dass plötzlich Milliarden vorhanden sind, damit "der Wirtschaft" geholfen werden kann. Wenn ein Teil der Summe aufgewendet würde, um die Dummheit, den Rassismus, Antisemitismus und ähnliche Entgleisungen bekämpft würden - o, wie ginge es uns gut!
Liebe Grüße,
Heinz
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Alt 30.03.2020, 17:39   #8
weiblich Ilka-Maria
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Ort: Arrival City, auf der richtigen Seite des Mains
Beiträge: 23.500

Zitat:
Zitat von Heinz Beitrag anzeigen
Mich wundert es kaum, dass plötzlich Milliarden vorhanden sind, damit "der Wirtschaft" geholfen werden kann.
Das gibt es auch nichts zu wundern. Das sind neu aufgenommene Kredite, vorhanden war und ist gar nichts. Die "Schwarze Null" hat es nie gegeben, die konnte man sich nur durch den Verzicht von Neukrediten und indem man die Verbindlichkeiten außen vor ließ schönrechnen.

Und jetzt trommelt sich der Staat wie King Kong auf die Brust, dass er alle unterstützt, die er vorher bis aufs Blut ausgenommen hat, so dass sie für Notzeiten, geschweige denn für ihr Altenteil, gar nicht mehr vorsorgen konnten.

Inzwischen gilt nicht mehr der Slogan "Wir schaffen das", sondern "Wir schaffen alles". Aber Größenwahn war ja schon immer das Adelsprädikat der Fetten Henne.
Ilka-Maria ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 02.04.2020, 22:37   #9
männlich Heinz
 
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so isses!
Heinz
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