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Alt 26.01.2019, 14:15   #1
Ex-topaz
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Beiträge: 10

Standard Tagebucheintrag aus Spanien

Geschrieben am 24.01.2018 nach fast 2 Monaten als freier Mensch am Mittelmeer, ohne Hotel, Zelt und ohne elektrisches Geraet.
Strassenmusikers Erfahrungen.




Die suedliche Haelfte meiner Welt in der ich wohne besteht aus dem endlosen Meer voller Moeven, Sirenen, Fische, Schiffe, Nixen, Wassermaenner, Fischer, Piraten, Weltenbummler, Fluechtlinge, voller Ankommende und Suchender, Traeumer und Soldaten, Nymphen und Seeungeheuer, voller geheimnisvoller staendig aendernder Lichter und glaeserner Stille oder ohrendetaeubendem Donnern, voller unbaendiger Kraft und unendlicher filigraner Schoenheit.
Die Mitte zwischen der Wasserwelt und der Welt der Festigkeit bildet meine eifoermige uralte Einsiedlerhoehle die vielleicht lange bevor die Stadt gebaut wurde, von einem Eremiten in den bunten Kalkfels gehauen wurde und im Eingang wohl zu alten Zeiten zwei Saeulen hatte von denen noch eine recht verwittert, uebrig ist.
Die noerdliche Haelfte meiner Welt besteht aus einigen Metern weissgelblich bis ocker und rotbraunem Quartzkalk der Licht sehr gut leitet und elektrisch ist.
Dieses stark in Metamorphose taetige Gestein ist durchzogen von einem zauberhaften Geaeder aus teils winzigen und teils armdicken Quartzadern die je nach Beimischung schneeweis bis glutrot leuchten und sehr oft in wunderbaren Kristallrasen ausbluehen.
Bei Sonnbeschein dringt das Licht tief in diesen Quartzfels und heizt ihn von innen auf, dazu strahlt er stark die Sonn- und Eigenwaerme zurueck so dass die eifaermige Form der Hoehle eine angenehme Waerme erzeugt ohne das ich bislang heizen musste.
Von meiner Schlafstaette aus sehe ich das wellende und an den Klippen zerschellende Meer sobald ich die Augen oeffne.
Die Hoehle ist nach Sueden hin offen sehr warm und trocken, als Vorhang waechst ein gruener Wasserfall aus mediterranen dickblaettrigen Salzpflanzen in die Tiefe wodurch die Leute auf den Bilder die ich ihnen von dem Platz zeige, diese dauernd drehen und nicht gleich oben und unten finden, solch eine Magie hat der Ort.
Darueber der Friedhof neben der alten Kirche St Sebastian. Dort wohnen meine Freunde die Toten, die Tauben, Papageien und Elstern.
Die Traenen der Toten und Lebenden sowie das Harz der Kiefern, Zypressen und weiterer Baeume sickern in den Boden und werden in die Gesteinsmetamorphose beigemischt, kommen dann als mondfarbene Kristalle in meiner Hoehle darunter wieder zum Vorschein.
Zudem finden sich immer wieder Lager von Metall und anderen Mineralien die nicht durch geologische Prozesse erklaerbar sind, auch Himmelkoerper sind unwahrscheinlich, eher handelt es sich um Reste diverser laengst verschwundener Hochzivilisationen.
Beteiligt am Versintern- und Metamorphosen sind auch die Reste des Meereslebens da der Kalk voller versteinerter und teils voellig durch Quartz umgewandellter Muscheln ist.
Einzigartige Metalle finden sich zudem nach einem Meteoriteneinschlag ganz in der Naehe vor nicht allzu langer Zeit.
Auch in der Luft besteht diese magische Grenze zwischen Wasser- und Felswelt wo heisse Luft aus Afrika mit kalter Luft polaren Ursprungs zusammentreffen und sich vermischen.
Die Huegel und Berge entlang der Kueste sorgen fuer atemberaubende Foehnwolken wenn die Tramontagne darueberweht und es bilden sich bei ablandliger Anstroemung halluzinierend schoene Lenticularis Wolken wie Fische am Himmel oder es bilden sich Wirbelketten vom Lee der Pyreneen ausgehend und sich ueber dem Meer entfaltend wo die kalte Polarluft beim Kontakt mit dem Warmen Meerwasser sofort aufkocht und langgezogene Quellwolkenbaenke bildet die sich dann bis hin zu ausgewachsenen Mittelmeertiefs entwickeln koennen, ein atemberaubendes Schauspiel das hier stattfindet. Bei gegenteiliger Anstroemung koennen sich grosse quasistationaere Gewitter bilden die lange Zeit vor Ort pulsieren und gewaltige Regenmengen ablassen koennen, in der auflandigen konvergenten Stroemung wachsend.
Diese magische Grenze besteht natuerlich auch in der Tier und Pflanzenwe, die eine Haelfte meiner Welt ist die der Unter- und Ueberwassertiere und die andere Haelfte ist die der mediterranen Gewaechse wie Kakteen, Palmen und viele Oelgewaechse. Dort wohnen die Papageien, die Tauben undElstern sowie die ganzen kleinen Singvoegel die mich jeden Morgen und Abend besuchen kommen mir ein Staendchen zu singen.
Auch viele Ameisen, Kellerasseln, Spinnen, Skorpione und Schmetterlinge, Bienen sowie Eidechsen, Schlangen und Katzen wohnen hier. Manchmal kommt mich ein schneeweisser Reiher in meiner einsamen Bucht besuchen und bleibt ein Weilchen.
Die Grenze zwischen diesen beiden Welten ist die letzte echte Freizone der Welt da sie auf keiner Karte definiert werden kann und sich sekuendlich um mehrere Meter verschiebt- die einzige lebendige Grenze der Welt die sich windet und schlaengelt.
Es ist der Eingeng in die Welt der Wasser und in die Welt des Festen zugleich und man ist fast immer nur auf einer der beigen Seiten.
Dieser letzte Ort den niemand wirklich festmachen kann ist daher auch traditionell ein Lieblingsplatz wo sich alle freiheitsliebenden Menshcen der Wellt treffen.
Entlang dieser Linie trifft man Suchende, solche die das Glueck gefunden haben, Wanderer, Fischer, Moerder, Poeten, Maler, Diebe, Musiker, Gauner, Reiche, Arme, Schoen und Haesslich, Jung und Alt, Schwarz und Weiss und Farblose.
Hier und nur hier trifft sich der Bettler mit dem Koenig, der Halbgott mit dem Gaukler und der Betrueger mit dem Heiligen, der Traeumer mit dem Beobachter und alle tanzen und feiern, lieben und leben, lachen und weinen wir ueber die grossen und kleinen Komoedien und Tragoedien dieser Welt die bei so einem Spaktakel zum grauen toten und voellig uninteressanten Bilderbrei in den Medien verkommt.
Abends wenn der Sonn sich gluehend ins endlose violette Meer versenkt, versammelt sich alles und musiziert und man spricht leise und wenn der geliebte Sonn die letzten gleissendgluehenden Strahlen verstrahlt, dann breitet sich wie auf Kommando ein unerhoertes Schweigen, wie auf Knopfdruck vertummt die Welt. Kein Kind weint, keine Jalousie rattert, kein Fahrzeug faehr, kein Hund bellt bei diesem Schweigen das stiller ist als in einer Kirche.
Das Wasser wird dann dick wie Blut und wie Honig, der Klang der Wellen stirbt ab und die dickfluessigen Wellen legen sich lautlos auf den Sand, es ist der magischste Moment der Welt die zum stummen und stillen Bild wird, als versuchten alle das Sterben des Sonns moeglichst zu verzoegern.
Danach herrschen noch einige Nachgluehen und Schweigen bis man ganz leise und vorsichtig die ersten gedaempften Stimmen und Schrittchen hoert wenn alle wieder weitergehen und nur wenige Augenblicke spaeter versinkt die Welt am Meer im allnaechtlichen Fest aus Essen, Musik, Tanz und Liebe, aus Feuer und Leidenschaft das sich immer steigert
zum unterweltliche Reiger der Sterne die ab Mietternacht die Buehen der Feste betreten.
Wesen von solch zauberhafter Schoenheit, dagagan wikt selbst die schoenste Marmorstatue wie ein plumper Sack- die man nur dann sieht, sie sind tagsueber gut versteckt.
Bis zum gruenen Morgenlicht dauert das Fest und genauso schnell wie sie erschienen, so verschwinden die lebendigen Goetter und Goettinnen wieder, wie auf Kommando um sich im ersten Sonnschein bereits wieder ihrer selbst erinnern und zurueckverwandelt in Moeven und Tauben, von mir morgends fuettern lassen, hungrig nach den wilden Taenzen der Nacht und manchmal noch etwas benommen.
Dier Herrscher beieder Welten- die Moeven und Kraehen, sind auch farblich nicht zu verwechseln und vermischen sich nicht oft- nur bei meiner ersten mehrmonatigen Anhalterreise begleitete mich eine kleine Gruppe franzoesischer Kraehen um dann die Gelegenheit zu nutzen und ein paar Wochen Strandferien zu machen, beschuetzt und geholfen von den groesseren Moeven.
Diese beiden so aussergewoehnlichen Charaktere und Reisebegeicter die immer sind wo ich bin, haben viel mit den anderen freien Menschen gemeinsam mit denen ich hier lebe.
Hier treffe ich mehr Weise, Meister und freie Moenche als sonstwo in der Welt- Wissende und Zauberer, Magier und Hexer aus aller Herren Laender sehe ich hier. Meine Freunde sind philosophen und Musiker aus allen Laendern des Mittelmeerraums; Zauberer aus Zentralafrika, Weise aus Morocco und Aegypten, Indianer aus den Anden; Einsiedler aus dem Himalaya, Meister aus Asien, Magier und Musiker aus Osteuropa, selbst aus China, Korea und Indien finden viele den Weg hierher.
Man trifft sich dort wo bekanntlich die Weltklasse zusammentrifft und wo man ungestoert von Touristen unter sich ist-
abends beim Abholen der Essensreste aus den Abfalltonnen der Supermaerkte oder bei Sonnaufgang an manch magischem Plaetzchen da man die groessten Meister traditionell bei Sonnaufgang und zu aehnlichen Gelegenheiten trifft.
Da findet sich immer jemand der eine Antwort auf ein schwieriges philosophisches Raetsel weis oder einem mit sonstigem Rat weiterhilft den es in keinem Buch gibt und auf keiner Universitaet.
Selbst einige mutige Reiche und Prominente, meist aus der Kunst- oder Medienszene, schleichen manchmal rum in der Hoffnung ihrer durch Geld und Ruhm abgestorbenen Kreativitaet hier ein paae frische Ideen und Impulse zu finden.
Mare Romanum, amore, Mare nostre, amore mia.
Mein geliebtes Mittelmeervoelkchen das hier auf der nicht ganz so verkrampft und ernsthaften Weltbuehne jeden Morgen auftritt und seine Rollen zum Besten gibt.
Es ist eine eher verspielte, vertraeumte, verliebte, magische, doppeldeutige, theatralisch, dramatisierte und vershcoenerte Lebensvariante die wie hier auf diesen uralten Kulissen spielen und leben.
Jeden Tag veruche ich meiner Rolle, die natuerlich genauso echt wie gespuielt ist, noch eine zusaetzliche Dimension zu gemen und imme rdas zu tun was man am wenigsten erwartet.So wie der Jongleur mit den Baellen spielt, sp spiele ich mit Klischees und Erwartungen.
Kleinigkeiten und Nebensachen wie Schlafplatz, Essen, Rauchwahre und derlei fehlen nie, darum braucht man sich nicht sehr zu sorgen, das laeuft eher so nebenbei mit einem bissche Strassenmusik und Verkauf von selbstgemachten Muschelketten kann man gut leben.
Wir sind uns voll bewusst welch beruehmte Menschen udn Goetter auf und vor diesen Kulissen und Ruinen hier bereits auftraten-
ob Pompeius oder Petrarca, Zeus oder Zoe,
alle sind sie immer und immer wieder hier gewesen und sind immer noch hier unterwegs- und haben leidenschaftlich und herzlich mitgelebt
und mitgefeiert die naechtleiche Feuerfeste unter den suedliche Sternen,
alles genauestens beobachtet und kommentiert von den Regisseuren des Theaters-
den Papageien auf ihren Palmen, den Moeven und Tauben.
Wenn ein Zauberer auf Reisen geht dann halten selbst Zeit und Schicksal den Atem an und vergessen fuer einen Moment ihre Rolle zu spielen.
Dennoch ist das alles nur ein Traum aus dem ich eines hoffentlich noch sehr fernen Tages erwachen werde
so wie wir aus allen Realitaetstrauemen eines Tages erwachen da diese vom Schicksal wie die groesste Welle an die Klippen geworfen wird und dort zerschellt in regenbogenfarbige Wasserkaskaden.
Der Versuch einen der Traeume in denen wir leben zu fixieren ist wie eine Welle auf dem Meer festmachen zu wollen.
Surfen das kann man auf Wellen ganz wunderbar.
Bedingung das man hier am magischen Reigen teilnehmen darf ist das man nichts als das sofortige und bedingungslose Paradies fuer alle Menschen und Tiere als Wunsch hat und sonst nichts.
Und das man dafuer lebt, betet, leidet und weint und auch hin und wieder stirbt.
Ansonsten, als Banaltourist foindet man keinen Zugeng zu dieser Welt, sie bleibt fuer blinde Augen unsichtbar
und der Tourist der nur kommt um seinen Magen zu fuellen, etwas Porno zu erleben und nur sein dreckiges Geld und Kot und Urin hinterlaesst, der hier nichts tut den Menschen und Tieren zu helfen, der wird nichts finden ausser traurige Illusionen von Glueck wie seelenlose Fresstempel, teure langeweilige Hotels, schmutzige leere oder ueberfuellte Strassen und sonstige oberflaechliche infantile Vergnuegungen fuer die er alles sein Geld lassen mus und nix kriegt ausser einem bezahlten Laecheln.
Laesst sich jemand motivieren dem Terrourist wenigstens eine einzige freie Tat der Barmherzigkeit, ihn von seinem Elektrodings zu befreien oder seinem dreckigen Geld, dann wird selbst dies einzig Gute das ihm hier wiederfuhr, nur missverstanden wie alles hier und er reits ab, erleichtert um eine Illusion von kaeuflichem Glueck.
Hier opfert sich bereits der Pakistani vom Callcenter und verbringt Tag und Nahct damit das Elektrohirn zu hueten.
Wenn der Tourist keinen von uns erkannt hat sondern nur ein paar schmutzige bedrohlich aussehende Bettler, Diebe und Halun ken, dann haben alle ihre Rolle mal wieder gut gespielt und selbst in der Pause unseres Theaterstuecks erkennt der Tourist nicht wer wir sind sondern identifizier nur Strassenverkaeufer, Dealer, Diebe, Prostituierte, Kranke und Arme von denen er Abstand haelt.
Vielen Dank. Guter Tourist und gute Heimreise und danke fuer das leckere Essen und die schoenen Kleider die Du fuer mich im Muell gelassen hast als Geschenk.
All dies wird von den Aufsehern und Schiedsrichtern beobachtet und kommentiert, die sind unbestechlich und sehen alles und man kann ihre Kommandos und Botschaften als Pfiffe durch die ganze Stadt wandern hoeren, von Viertel zu Viertel, von Vogel zu Mensch zu Vogel zu Mensch und zurueck das magische musikalische Netzwerk der Gefiederten und ihrer Freunde der Zauberer hier am Mittelmeer-
in allen Tonlagen und hochverziert oder einfach klingt dies musikalische
Meisterwerk und wogt durch und ueber der Stadt-
ein hocheffizientes Informationsnetzwer so alt wie die Menschheit und hier noch sehr gut funktionnierend.

Willkommem zuhause, Willkommen in Spanien, in Morocco, in Afrika, Willkommem in der Welt, so rufen sie.




Liebe Gruesse aus Spanien
Ex-topaz ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 27.01.2019, 11:18   #2
Ex-topaz
abgemeldet
 
Dabei seit: 01/2019
Beiträge: 10

Tut mir leid die Schreibfehler, hatte gestern kein Geld mehr fuers callcenter und nun kann ichs nicht mehr aendern.

Schoenen Tag trotzdem.

topaz
Ex-topaz ist offline   Mit Zitat antworten
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