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Alt 27.07.2019, 10:23   #1
männlich DerArmePoet71
 
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Dabei seit: 12/2018
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Beiträge: 88

Standard Der Taucher

... nein, nicht der von Schiller,
sondern der aus Verzweiflung ...



Ein kleiner Dampfer tuckert aus dem Hafen von Stettin
hinaus auf die Ostsee, es ist früh am Abend:
ein Mann wandelt übers Deck und sieht die Lande flieh´n -
erleichtert genießt er die Freiheit, wie eine Brise, so labend!

Die Sichel des Mondes stand silbern am Firmament,
die Wellen der See, sie stemmen sich gegen den Bug:
das Herz des blinden Passagiers - aus erlittenem Leide - es brennt -
nach Jahren des Widerstandes erfolgt nun der letzte Zug!

Unter Deck, neben seiner Koje, dort lag ein Taucheranzug,
samt Sauerstofflasche und Flossen - ein letztes Abenteuer -
noch scheint es so fern - das Ende seines kurzen Lebens Fluch!
Auch nach seinem letzten Tage folgt für diese Welt ein neuer!

Der letzte Wille in seinem Leben, er wurde ihm lange blockiert,
denn die Zeugen eines Verbrechens, sie scheuten das erlösende Zeugnis -
man hatte des seltsamen Reisenden ganzes Leben restlos ruiniert,
er mußte lange warten, auf einen ehrbaren Kompromiß!

Leis´ grüßend passierte ihn der polnische Kapitän,
jedoch wußte dieser nichts Genaues von des Fremden Plan:
dieser träumte von vergangenen Tagen, einem Leben so schön,
jedoch verfolgte ihn seit Jahren ein unmenschlicher, haßerfüllter Wahn!

"Bring´ mich zur Gustloff!", so bat er den Seemann
flehend, "ich weiß dort um des Lebens größten Schatz!"
"Jawohl, fremder Herr! Ich versuche alles, was ich kann!"
erwiderte der Kapitän, "Wir werden finden den rechten Platz!"

So verging die Zeit, alte Seemannslieder erklangen
und die sternenklare Nacht, sie blickte auf ihn herab:
`Auf dieser Welt war ich lange genug schon gefangen -
ich freue mich nun auf Erlösung, auf mein nasses Grab!´

Die Glocke an Deck, sie wurde zwei Male geschlagen -
ein Uhr nachts! Das Ziel, es lag sicher nahe bei,
es wurde Zeit! Bald wird enden des Feindes ehrloses Jagen!
Der Passagier lächelte: "Bald schon, sehr bald werde ich sein frei!"

Schon hing er mit Taucherzeug am Rande des Bordes -
den Rücken zur See hin geneigt, in voller Montur:
Der Kapitän grüßte still - gemäß des Tauchers Worts
sollte er schweigsam sein, egal was komme, ein heiliger Schwur!

Die dunkle See verschlang den Fremden und sein Geheimnis -
die Wellen, sie schlugen über ihm leise zusammen:
alles was war, umhüllte die nächtliche Finsternis,
kein Fund, kein Judaslohn - stünde auch die See in Flammen!


Der_Arme_Poet71
26. Juli 2019
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freiheit, frieden, ruhe

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