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Zeitgeschehen und Gesellschaft Gedichte über aktuelle Ereignisse und über die Menschen dieser Welt.

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Alt 09.05.2019, 12:51   #1
männlich The dark Poet
 
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Ort: Hinter den 7 Bergen
Beiträge: 35

Standard Der Tod der Justitia

Sie kamen als Schergen in dunkelster Nacht,
die Herrscher der Erde mit all ihrer Macht,
brutale Gestalten mit eiskalten Mienen,
bereit ihrem Gott, dem Teufel zu dienen.

Du standest vor ihnen, zum Tode bereit,
mit Tränen in Augen und auf deinem Kleid,
im Wissen, dass mit dir, mit deinem Verderben,
all Sitte, all Anstand, Gerechtigkeit sterben.

Dein Urteil, nur Willkür, war grausam und hart,
gesprochen von Richtern der teuflischsten Art,
geschrieben von jenen auf menschliche Haut,
mit Tinte aus Herzen von Kindern gesaugt.

Den Herrschern war's Ausdruck des völkischen Rechts,
zum Schutze der Rassen, des Führergeschlechts,
schon zückten sie Waffen mit tödlicher Mündung,
verlasen so Urteil und Urteilsbegründung.

Du hättest dich selber zur Gottheit erkor'n,
du hättest in Schande nur Bälger gebor'n,
die mit ihren Reden den Volksstolz verletzten,
mit Lügen und Flugblatt die Staatsmacht zersetzten.

Die sich wie ein Schutzschild um Schwächlinge scharten,
die sich nur mit niederen Menschen verpaarten,
die dich und nicht "Sie" als Gott anerkannten,
die dich ihre "Mutter Justitia" nannten.

Du Mutter von Huren und räudigen Hunden,
du wurdest nach Rechts Art für schuldig befunden,
zum Tode verurteilt am heutigen Tage,
das Urteil vollstreckbar, nach rechtlicher Lage.

Empfang nun die Strafe für all deine Lügen,
sie würden als Herrscher die Völker betrügen,
sie wär'n tief verwurzelt in teuflischem Glauben,
und würden die Menschheit der Zukunft berauben.

Auch würden sie Reiche durch Kriege entzweien,
und dass sie des Teufels Gefolgsleute seien,
nach göttlicher Ordung gerichtet sein würden,
durch dich und dein Schwert der Gerechtigkeit stürben.

Hart trafen jetzt Fäuste dein schönes Gesicht,
du fielst auf den Boden, noch klagtest du nicht,
du sahst auf Dämonen mit schwärenden Zungen,
rochst höllischen Atem aus tiefschwarzen Lungen.

Dann spürtest du Krallen, zu allem bereit,
sie rissen und zerrten am göttlichen Kleid,
entblößten dich Schönheit, dein Körper ganz nackt,
vor notgeilen Augen, von Wollust gepackt.

Gestaffelt in Gliedern, so standen sie an,
sie stürzten sich auf dich, ein jeder kam dran,
berührten dich garstig mit blutigen Händen,
und starrten gebannt auf das Tal deiner Lenden.

Sie stöhnten und keuchten in höllischem Eifer,
von fauligen Mündern, da tropfte der Geifer,
dann stießen sie in dich mit lüsterner Wut,
mit Klingen und Dolchen aus Fleisch und aus Blut.

Du schriest voller Ekel, als sie in dich drängten,
du batest den Himmel dein Leid zu beenden,
doch kein Engel half mit all seiner Macht,
die Schreie verhallten in finsterer Nacht.

Alleine und hilflos ertrugst du die Schmach,
bis alles in dir, deine Schönheit zerbrach,
entehrt lagst du da, ein Schmerz dies schau'n,
du Göttin des Himmels, du schönste der Frau'n.

Dein Körper geschändet, die Seele geschunden,
die Hände mit glühenden Ketten gebunden,
so wurdest du weinend, zur Richtstatt gebracht,
ein Bauwerk des Schreckens, aus Knochen gemacht.

Erbaut aus Opfern von schändlichen Morden,
erschlagen von diesen dämonischen Horden,
gerichtet aus Habgier, als Menschen verachtet,
auf schwarzen Altären wie Vieh abgeschlachtet.

Hier ward'st du gefesselt an hölzernen Pfahl,
ein Bündel des Elends, ein Bündel der Qual,
dann tanzten sie vor dir den höllischen Reigen,
begannen ihr schreckliches Wesen zu zeigen.

Kanzler und Könige, Pfaffen und Richter,
rissen vom Leib sich die Menschengesichter,
darunter nur Fratzen, der Hölle entsprungen,
vortrefflich war ihnen die Täuschung gelungen.

Sie schrie'n in Ekstase, ihr Sieg sei vollkommen,
dein linkisches Leben wird dir jetzt genommen,
du wärst doch nur Abschaum, im Grunde nichts wert,
so stirb denn am Pfahl durch dein eigenes Schwert.

Sie packten die Waffe am goldenen Knauf,
und hoben sie hoch zum Himmel hinauf,
sie schrien immer lauter und auf ihr Geschrei,
zogen von Norden Gewitter herbei.

Gleißende Blitze durchzuckten die Nacht,
ein riesiger Sturm von Donner entfacht,
entsandte zur Erde den blutigen Regen,
die Hölle, sie spendete blutigen Segen.

Ganz plötzlich dann Stille, kein Laut weit und breit,
die Stille des Todes, es war jetzt soweit,
auf teuflischen Boden floss heiliges Blut,
nach machtvollem Schwertstoß der höllischen Brut.

Die Klinge des Schwertes, im Feuer gebor'n,
zum Schutze der Menscheit auf dich eingeschwor'n,
durchbohrte dich Göttin, mit tödlicher Wucht,
als Werkzeug des Bösen, jetzt ewig verflucht.

Dein Körper erbebte, er bäumte sich auf,
er kämpfte zu leben, doch gab schließlich auf,
die Erde erstarrte, unendlicher Schmerz,
zerstört jede Hoffnung, zerstört auch dein Herz.

Zu Tode verwundet durch eigenen Stahl,
hobst du deinen Kopf, und sahst noch einmal,
weit hin auf die Welt, die du so geliebt,
für die es ab jetzt keine Rettung mehr gibt.

__________

Und in einem Land, in dunkelster Zeit,
schreit ein kleines Kind nach Gerechtigkeit,
bis Flugzeuge Bomben vom Himmel stießen,
dies kleine Stimmchen verstummen ließen.

Geändert von The dark Poet (09.05.2019 um 14:40 Uhr)
The dark Poet ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 18.05.2019, 21:48   #2
weiblich victim of the night
 
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Beiträge: 4.092

Das ist ja ein gewaltiges Epos was du da verfasst hast, dark Poet. Wundert mich, dass da noch niemand kommentiert hat. Mich hat es beeindruckt. Die violenten Bilder gehen unter die Haut, man kann den Schmerz des Opfers fühlen. Fast zu eindringlich wenn man etwas zu sensibel für so Sachen ist. Das ist nicht jedermanns Sache. Ich allerdings fand die realistische Schilderung sehr gut gelungen, der Text kam mir vor wie ein 3D Film.

Nur was die vier Zeilen am Schluss bzw. nach dem Schluss sollen, keine Ahnung. Die sind schlecht geschrieben, schlecht gereimt und sachlich falsch. Flugzeuge stossen keine Bomben vom Himmel, früher liessen sie die einfach fallen, heute werden die präzis ins Ziel gelenkt. Lass doch diese Zeilen weg, kein Leser erkennt da einen Zusammenhang mit dem Gedicht.

Gruss von

Victim
victim of the night ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 19.05.2019, 12:00   #3
männlich The dark Poet
 
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Liebe Victim,
vielen Dank für deine Komplimente. Ja, es sind violente Bilder, die ich hier beschrieben habe und natürlich ist das Gedicht nicht jedermanns Sache, vor allem wenn man sensibel veranlagt ist. Allerdings handelt es sich hier nur um eine Kurzversion des Gedichtes. In der Langversion wir noch der leidvolle Gang der Justitia durch die Konzentrationslager beschrieben, bevor sie zur Richtstätte gebracht wird. Auch die Richtstätteszene wurde deutlich erweitert. Wenn du möchtest kann ich dir auch mal die Langversion als PDF zusenden.

Das mit den 4 Zeilen am Schluss überlege ich mir schwer. Eigentlich wollte ich damit die Konsequenz auf den Tod der Göttin ausdrücken, aber ich glaube, du hast Recht, sie ist eigentlich nicht nötig. Danke für den Hinweis.

LG The dark Poet
The dark Poet ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 19.05.2019, 14:40   #4
weiblich victim of the night
 
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Lieber dark Poet,
danke für deine Antwort und die positive Reaktion auf meine leichte Kritik.
Ich würde mich sehr freuen, wenn du mir die vollständige Version deines Gedichtes als PDF schickst. Ich sende dir per PN meine mail Adresse. Diese bitte nicht an andere weitergeben.
Danke und liebe Grüsse

Victim
victim of the night ist offline   Mit Zitat antworten
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