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Philosophisches und Nachdenkliches Philosophische Gedichte und solche, die zum Nachdenken anregen sollen.

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Alt 15.01.2020, 19:27   #1
weiblich Silver
 
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Standard Eine Frage der Interpretation

Der Dichter gibt seine Gedanken frei
sein Herzblut fließt durch seine Hände
er denkt sich immer was dabei
kennt Hintergründe und Umstände

Er will aus Worten Bilder kreieren
und stellt sich mutig der Kritik
es ist am Leser zu interpretieren
deutet der um, an wem´s wohl liegt?

Es ist sicher des Dichters Feigheit
wenn er sich selber leugnen will
es gibt die dichterische Freiheit
und jeder hat seinen eignen Stil
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Alt 16.01.2020, 21:11   #2
weiblich Silver
 
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Standard Hallo,

wie seht Ihr das? Drückt sich der Dichter umständlich aus? Sollte man nicht Raum für Interpretation lassen? Danke für Eure Meinungen.

LG Silver
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Alt 16.01.2020, 21:22   #3
weiblich Ilka-Maria
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Zitat:
Zitat von Silver Beitrag anzeigen
es gibt die dichterische Freiheit
und jeder hat seinen eignen Stil
Dichterische Freiheit und eigener Stil sind zwei paar Schuhe.

Keine Freiheit ist grenzenlos, und die dichterische Freiheit schon mal gar nicht.

Grenzenlos ist der eigene Stil, aber damit kann ein Dichter ziemlich einsam enden.
Ilka-Maria ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 16.01.2020, 21:25   #4
weiblich Silver
 
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Standard Danke sehr

ja da stimme ich zu. Was ist mit den verstorbenen Dichtern, die können nichts mehr erklären. Damals hatten sie auch eine andere Sprache als heute, ob wir das heute noch richtig verstehen?

Danke LG Silver
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Alt 16.01.2020, 21:35   #5
männlich Eisenvorhang
 
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18.-19. Jahrhundert war die Zeit... Das Bildhafte der Sprache... Man malte mit Worten, Romantik eben.

Die Sentimentalität hat sich sehr verändert und viele Menschen sind für eine schöne Sprache einfach nicht mehr zu begeistern.
In meinen Augen ist das abgestumpft und einfach unkreativ.
Ich kann dem modernen Deutsch nichts abgewinnen.
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Alt 16.01.2020, 21:36   #6
männlich Ralfchen
 
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hallo silver -

ich sage mal so: es ist eine unverschämtheit deine texte hochzupushen wenn kein mensch dir darauf antwortet. es unfair gegenüber anderen teilnehmern. abgesehen davon ist dieser text eben nicht beachtenswert von seiner aussage her, die hinten und vorne nicht passt. besser gesagt ein literarisches debakel ist.

du solltest - und das hatte ich schon mehrmals gesagt - denken, bevor du stuss einstellst und den dann mit eigenen kommentaren nach oben schiebst, damit irgend jemand was sagt. dein verhalten ist nicht in ordnung.

vlg
r
Ralfchen ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 16.01.2020, 21:54   #7
weiblich Ilka-Maria
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Zitat:
Zitat von Eisenvorhang Beitrag anzeigen
18.-19. Jahrhundert war die Zeit... Das Bildhafte der Sprache... Man malte mit Worten, Romantik eben.
Eine Spanne von 200 jahren war aber nicht nur die Romantik. Du spannst den Bogen vom Pietismus über die Vorklassik und Klassik bis zur Romantik. Komischerweise habe ich in der Schule über die Romantiker meine beste Klassenbarbeit geschrieben, und ich habe auch den Safranski gelesen - aber ansonsten kann mir die Romantik gestohlen bleiben. Die Romantiker haben nicht gemalt, sondern von Wolkenkuckucksheimen geträumt. Atlantis ist überall, und alle sind auf der Suche nach der blauen Blume ... meinetwegen, aber ohne mich. Das Leben spricht eine andere Sprache, und sie muss in die Zeit passen.

Damit wir uns nicht falsch verstehen: Ich schätze die Romantiker - aber eben innerhalb ihrer Zeit und Befindlichkeit. Ich lese auch ihre Werke gerne. Hilfreich mögen sie für die innere Reife noch sein, aber nicht mehr für das gesellschaftliche Miteinander. Was vorbei ist, ist vorbei. Neue Zeiten rufen nach neuen Ausdrucksformen, und dagegen lässt sich nicht mit Althegebrachtem anschreiben. Wer Altes mit Neuem zusammenbringen will, muss ein Genie sein, und zuweilen gibt es solche Geistesblitze, aber sie sind äußerst selten.
Ilka-Maria ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 16.01.2020, 22:04   #8
weiblich Ilka-Maria
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Zitat:
Zitat von Ralfchen Beitrag anzeigen
hallo silver -

ich sage mal so: es ist eine unverschämtheit deine texte hochzupushen wenn kein mensch dir darauf antwortet. es unfair gegenüber anderen teilnehmern. abgesehen davon ist dieser text eben nicht beachtenswert von seiner aussage her, die hinten und vorne nicht passt. besser gesagt ein literarisches debakel ist.

du solltest - und das hatte ich schon mehrmals gesagt - denken, bevor du stuss einstellst und den dann mit eigenen kommentaren nach oben schiebst, damit irgend jemand was sagt. dein verhalten ist nicht in ordnung.

vlg
r
Ich danke Ralfchen für sein Engagement. Er mutiert zum Oberlehrer. Dem Vorschlag, erst zu denken und dann erst einzustellen, könnte eine Plattform dienen, als deren erstes Mitglied er Neuankömmlinge begrüßen dürfte mit dem Hinweis, von seinen lyrischen Ergüssen besser keine Kenntniss für eine erfolgreiche Zukunft zu nehmen.
Ilka-Maria ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 16.01.2020, 22:08   #9
männlich Eisenvorhang
 
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Beiträge: 2.556

Ja Ilka, ich will nun nicht jede einzelne Schale der Zwiebel runterfummeln...

Für mich gibt es nur wenige Faktoren die ein Gedicht genial machen.
Einfache Worte, die tief gehen und bewegen müssen und eine gewisse Tragweite umfassen.

Nehmen wir mal den Heine:

Der Brief, den du geschrieben,
er macht mich gar nicht bang;
du willst mich nicht mehr lieben,
aber dein Brief ist lang.
(dein Brief jedoch ist lang )

Zwölf Seiten, eng und zierlich!
Ein kleines Manuskript!
Man schreibt nicht so ausführlich,
wenn man den Abschied gibt.

An der Sprache ist nichts alt. Sie ist schlicht, tiefgehend, vielschichtig und aussagekräftig.
"Mehr" muss gute Lyrik nicht haben - in Unabhängigkeit von der Sprache.
Ich bezweifle arg, dass jemand, der bemüht ist "Neues" zu schaffen, etwas produziert, was genial ist.

Jeder gute Dichter aus der Vergangenheit, der einen Namen hinterließ, sorgte sich nicht um solche Dinge, sondern sprach durch sein Herz, weil er es musste! Kennst du die Briefe von Rilke? Sinngemäß: "Ein Dichter, der nicht schreiben kann, will nicht mehr leben - ein Dichter, der für andere schreibt, ist für die Lyrik nicht geboren" (vgl. Briefe an einen jungen Dichter)

Und das ist doch der Anspruch, den ein Gedicht erfüllen muss, oder?
Was sind denn die Wurzeln der Poesie? Das Herz, das Leid, der Gesang -
wie viel Herz steckt denn in der heutigen Gesellschaft?

Schau mal, hier, ein modernes Liebesgedicht (das wird gefeiert):

deinetwegen muss
ich mich
menstruieren
eine vene ist auch
nur eine abfahrt
in meinem herz ist
jetzt nur ein kläffen
ich verdiene dein
wildschwein nicht
dein auge liegt noch
bei mir

Lyrik steht schon lang nicht mehr für Poesie, sondern für Individualismus und Expressionismus. Schau mal durch die Foren, jeder hält sich für einen Meister und strebt das Podest der Originalität an, nur weil er Hirnfürze aufschreibt.
Eisenvorhang ist gerade online   Mit Zitat antworten
Alt 16.01.2020, 22:08   #10
weiblich Silver
 
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Beiträge: 631

Standard Vielen Dank

Eisenvorhang, ja ich bedaure das auch sehr, dass das Bildhafte nicht mehr im Vordergrund steht. Die Menschen dafür nicht mehr empfänglich sind.
Danke Dir für das Verstehen.

Ralf: hol bitte tief Luft, danke

Ilka-Maria: Danke sehr für Dein Engagement zu diesem Thema


vG Silver
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Alt 16.01.2020, 22:14   #11
weiblich Silver
 
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Standard Lieber Eisenvorhang,

Jeder gute Dichter aus der Vergangenheit, der einen Namen hinterließ, sorgte sich nicht um solche Dinge, sondern sprach durch sein Herz.
Und das ist doch der Anspruch, den ein Gedicht erfüllen muss, oder?
Was sind denn die Wurzeln der Poesie? Das Herz, das Leid, der Gesang -
wie viel Herz steckt denn in der heutigen Gesellschaft?


Da stimme ich absolut zu. Ich lasse in meinen Gedichten sehr oft nur mein Herz sprechen. Das liegt mir mehr, als geistreiches Gefasel. Es soll ja keine wissenschaftliche Abhandlung werden. Wenn ich ein Gedicht liebe, weil es mit Herzblut geschrieben wurde, und es wird als Mist abgetan, tut mir das weh, aber deshalb liebe ich es trotzdem. Das ist das Wichtigste. Es steckt kaum mehr Herz in der heutigen Gesellschaft.

GLG Silver
Silver ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 16.01.2020, 22:26   #12
weiblich Ilka-Maria
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t
Zitat:
Der Brief, den du geschrieben,
er macht mich gar nicht bang;
du willst mich nicht mehr lieben,
aber dein Brief ist lang.
Ich verstehe, was du meinst. Dennoch: Vergiss es!

Wer schreibt heute noch Briefe? Und in diesem Stil?

Wer heute solche Zeilen schriebe, bekäme die freundliche Aufforderung, sein Täschlein zu packen und sich zur Behandlung in die nächste Klinik zu begeben.

Heute schreibt man SMS, E-Mails, WhatsApp-Nachrichten, oder man skyped. Die hohe Kunst des Briefeschreibens ist passé, und da können die letzten Hofhunde und Hüter der deutschen Sprache so viel bellen und heulen wie sie wollen: Der Sprachverfall schreitet voran.

Ins Feld geführt wird immer wieder, Sprache habe sich schon immer gewandelt. Das stimmt. Aber es gibt einen Unterschied zwischen einst und heute: Sprachwandlung hat früher Sprache bereichert, heute wird Sprache eingedampft. Sie verarmt. Ein Schuft, der Schlechtes dabei denkt, wenn er der Politik unerstellt, dass sie diese Verarmung wünscht und vorantreibt.
Ilka-Maria ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 16.01.2020, 22:34   #13
männlich Eisenvorhang
 
Dabei seit: 04/2017
Beiträge: 2.556

Ich habe noch eine Brieffreundschaft!
Und eingewiesen hat mich bisher noch keiner!

Naja, Skype ist wie ICQ und MSN ja auch schon alt...
In 10 Jahren hat Whatsapp und Co abgedient.

Und ja, Sprache verarmt...

Was früher Bereicherung war, führte zur Poesie
Was heute Verarmung ist, führt zu?
Eisenvorhang ist gerade online   Mit Zitat antworten
Alt 16.01.2020, 23:13   #14
weiblich frankaaimy
 
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Ort: Leipzig
Beiträge: 189

Lyrik funktioniert auch heute noch. Auch wenn der Sprachverfall sehr präsent ist, gibt es sehr viele Menschen, die die Schönheit der Sprache noch schützen. Mehr, als man denkt!
frankaaimy ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 16.01.2020, 23:40   #15
weiblich Ilka-Maria
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Ich liebte einst die Romantiker, habe sogar in einer Klassenarbeit eine eins gechrieben, und mein Lehrer hatte dazugestzt: "Fleißige Arbeit!"

Klar. Ich hatte auswendig gelernt. Für die Note. Ein bisschen war ich aber auch verzaubert gewesen von der Tonart der Romantik. Und etwas davon ist für immer hängen beblieben.

Aber nicht genug. Oder sogar zu wenig.

Neue Dichter haben mich eingeholt. Allen voran mein großes Vorbild: Mascha.

Mascha Kaléko.

Verflucht die Romantik mit ihren Trugbildern! Es lebe die Realität!
Ilka-Maria ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 16.01.2020, 23:52   #16
männlich Eisenvorhang
 
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Ja, Mascha mag ich auch sehr.
Die Romantik ist aber kein Ausbruch aus der Realität, sie war und ist ein Bestandteil der Realität. Ein Raum für alle Freigeister, für alle Unverstandenen, für alle Fühlenden und Denkenden. Und dann kam die Industrialisierung.
Jede Zeit besitzt ihre Berechtigung und jeder hat einen anderen Geschmack.
Sprache ist Schönheit.
Wer eine schöne Sprache besitzt, ist für mich ein schöner Mensch.
Durch Sprache, lerne ich Menschen kennen. Jedenfalls bilde ich mir das ein.
Die Sprache in 2019 ist für mich einfach nur ein Eisblock.

Nochmal wegen Mascha... Soweit ist sie von den Romantikern nicht entfernt, wenn man die Romantik als kreativen Raum für Freidenkende begreift.
Ihre Sprache ist nämlich auch sehr schön... Ich schaue fast jeden Tag in ihre Gedichte.

vlg

EV
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dichter, freiheit, interpretation

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