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Alt 28.03.2014, 15:46   #1
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Standard Probekapitel Roman "Verballistik"

Autor: Robert Schulz, erschienen als ebook für 1,99€



Feuer und danach im Nebel der Diman-Rothaen.

Woraus und warum hatte sich der, von vielen indirekt involvierten und nicht näher einzuordnenden Gruppen beobachtete, Kampf zwischen Roberts Gefolge auf der einen Seite und den Nectorphen auf der anderen Seite, wo der D.O.U.T. seine Ränke spann, entwickelt? Bildeten sich die betroffenen Gruppen nicht nur scheinbare Gegensätze ein, welche schon dadurch Abschreckungscharakter bekamen, dass sie nur als total verstümmelte Gerüchte die absonderlichsten Vorfälle zum Uranlass der Auseinandersetzung nahmen? Die Antwort darauf und das weitere Schicksal lag verborgen in der ältesten Simulation des Universum, der Zeit, welche in allen Richtungen aus- und ineinanderlief, um Ereignisse und Horizonte zu Katastrophen und Glücksfällen zu verschmelzen. Ihr Ursprung liegt im Sternbild Schütze und ihre Bestimmung in jeder weiteren, sie verlängernden, Geste. War es unter diesem Gesichtspunkt noch eine konventionelle Fehde, die bei ihm in der Wohnung ausgetragen wurde, oder mussten neue Maßstäbe zu ihrer Beurteilung angewendet werden, die wiederum so altmodisch werden konnten, dass Annotationen bezüglich der Sinnausprägung ständig umgeschrieben werden mussten, damit sie ihren deskriptiven Charakter nicht nur einem Ziel opfern mussten. Welche historischen Begebenheiten erfuhren dadurch einen neuen Aufguss und welches vergessene Detail wirkte dadurch so bestimmend, dass es scheinbar nur neu in Szene gesetzt wurde, ohne die Gewissheit, dass es schon immer entscheidend gewesen wäre? Warum ging es zum Beispiel ständig um den Zweck und wer von beiden Feindesgruppen hatte eigentlich sein Ziel klarer vor Augen und konnte sich auf Strukturen verlassen, die eben dem Wirkmechanismus der Zeit näher kamen als sie nur einzukalkulieren, zu manipulieren und letztendlich falsch zu verstehen? Trotzdem schadete Detailverliebtheit aber jeder größer angelegten Strategie oder war alles nur ein Szenario der optofonfixierten Selbstliebe, welche der Technophobie entsprang und im Umkehrschluss Traditionsliebe bedeuten würde? Es war allgemein- und weithin bekannt, dass man schon von Gewohnheit der nectorphanischen Auseinandersetzungspolitik mit den üblichen anderen Mitteln, fern jeder bereits verstummten Debatte, sprechen konnte und dass sich deshalb die Frage stellte: Wie viel Eigenleben war für wen noch gesund und für wen unvertretbar? Der immer wieder herbeigeredete Ursprung des Konflikts, welcher, sich selbstverstärkend, in der Psyche der beiden Gegner eskalierte, lag in der korrelierenden Geschichte beider Rassen, die aufgrund eines Überlegenheitskomplexes nur nach der Maxime eines durch alle Faktoren optimierten Geltungsbedürfnisses Entscheidungen trafen, die aufgrund ihrer Erfahrungen das Ungleichgewicht immer weiter zu Ungunsten des anderen verschieben sollten, was auf folgenden seit Urzeiten bestehenden Nenner gebracht werden konnte: „Des einen Nehmen war des anderen Geben.“. Menschen sowie die Neohumanoiden hielten beide ihren Stolz für das Grundgefühl im Gesellschaftsgewühl und richteten sich nach diesem Nenner in ihrer eigenen selbstbeschleunigten Niederlage ein, denn Differenzierungen in der Auffassungsgabe, welche Vorteile und Nachteile rational gewichten würde, entstanden rein grundsätzlich aus verschiedenen Kommunikationsauffassungen, die bei den Gelehrten ohne philosophisches Vorspiel der Auseinandersetzung also nichts wert gewesen wären. Trotzdem hatte alles einen ganz anderen Anschein als man vor dem Kampf annahm, und das Ende dessen zu erkennen oblag niemandem, war aber jedermanns Hobby auf beiden Seiten, denn schließlich fielen genug Informationsmüll und Gerüchteküchenzutaten für alle ab, die in irgendeiner Form Medienzugang hatten. So unterschiedlich die Vorraussetzungen waren, so gleich sprudelt aus dem Rachen die Sprache und sorgte dafür, dass nur das, was dem einen die Heilung war, dem anderen das Geschwür war. Das war in seiner eigentlichen Bedeutung aber noch nicht erforscht, denn aller vorgekauten und unverstandenen Theorie zum Trotz fand sich hier niemand ohne Herzblut wieder, was schon für die eine oder andere unschöne Szene auf Parties sorgte, auf denen man davon träumte im Hauptraum der Wohnung Roberts einige Dialogfetzen durch die Wohnung lodern zu hören.
Robert: „ Lass den hinterm Sofa live aufgehen, Asche bindet nur zu gut. Jetzt zu Staub auf immer, fürderhin gewesen.“
Christyx: „ Allein schon die Wände zittern, wenn ich nur das Visier schärfe. Meine Kraftreserven können das ab. Doppeltes Schallkreuz auf Nectorphenradar. Frequenzen online. Unser Abknalldurchbruch wird ihr Oktankoma zum Todeshorizont ausweiten. Venensaft gab Motorkraft, jetzt wird abgeschafft!“
Robert: „ Energie jetzt, Ruhm später. Vokabulator auf Null und Feuer auf voll.“
Durch die Wohnung flashen Zeit- und Raumkoordinaten auf wellenverschobenen Spektralprojektilen und Strudelassoziationen in den Optofonen berechneten ihre relative Flugbahn, wodurch ein hieroglyphisches Linienwirrwarr entstand. Die absolute Einschlagskoordinate wurde vom Gegner nur ansatzweise kalkuliert und dadurch begannen die Wände auf selbstzoomenden Achsprojektionen zu kreisen und dienten wie beschrieben als Reflektor bei der Zielsuche und als Horizontersatz für eventuelle Fluchtgedanken. Elektronische Okularverstärker konnten die Winkel und Abmessungen sowie relativen Entfernungen der, das Schlachtfeld begrenzenden, Einfassungen nur noch näherungsweise bestimmen, was zum Teil an den Laserkratern auf den entspiegelten Wänden aber auch an der immer noch latenten Zeitverformung lag. Diese hatten die Nectorphen durch spinnennetzartige Entkopplungsrhythmen ihrer Optofone hervorgerufen, so dass einige lokale Dualladepunkte von Zeit zu Zeit einfach so zwischen den einzelnen Kampfphasen scheinbar aus dem Nichts in der jeweiligen Projektionsfläche durchschimmerten, und in ihnen kreisten die Sauerstoffviren wie Power-Ups. Hierbei diente aber weder der Sinn dem Zweck, noch heiligte der alle Mittel, denn mit Hilfe eines breitwandigen Quarantäneboosters wandelte Robert den subtilsten aller Vorteile für seine Crew in einen Nachteil für die Nectorphen um. Durch ihn wurden die Netzkrieger an ihrer empfindlichsten Stelle getroffen, denn sie hatten ihren Immuncode in den Viren hinterlegt, um im Nachhinein Ansprüche geltend machen zu können. Neben den Showgeschossen war das Roberts Beitrag zur Demoralisierung dieses ach so menschlichen Fehlverhaltens der Nectorphen, denn jenes bezeichnende Manko der außerirdischen Technologie trat jetzt als systemische Beliebigkeit zu Tage. Dies geschah meist unfreiwillig bei dem Einsatz ihrer Kommunikation und Verteidigung vereinenden Sprachmodule, da die Funktion darauf beruhte, zentralgespeicherte Szenarien, angepasst an die reale Situation der jeweiligen Auseinandersetzungs- oder Eroberungsstrategie, einzusetzen. Die jeweilig relevanten lokaldeterminierten Handlungssplitter wurden schon auf der entsprechenden Basis weit außerhalb der jeweiligen Krisengebiete, in diesem Fall dem ABC Gebiet, berechnet, denn es gab genug Schlachtfelder um Durchschnittswerte galaxieweit zu vernetzen. Dadurch war es ihrem Feind, aktuell den Menschen, leider und zum Glück möglich, tiefergehende Einsicht in ihre Kalkulationsalgorithmen zu gewinnen, was dazu führte, dass Extremwerte sowohl Fehler als auch Glückstreffer darstellen konnten. Aber davon waren die Nectorphen hier so weit entfernt, wie die Menschen aller Wahrscheinlichkeit zum Trotz noch brauchten ihren Stolz herunterzuschlucken, denn noch war es den Humanen nicht möglich diese Erkenntnisse in prozessierbare Datenkanäle zu lenken, da die Raumzeit zwar als Mysterium schon ausgedient hat, aber immer noch nicht anwendungsbereit zur Verfügung stand. Die Raumzeitkapseln konnten immer noch nicht als Generika hergestellt werden und die Nectorphen hüteten diesen Schatz wie ihren, dem heiligen Gral entsprechenden, inneren Augapfel, doch solange das reichte, hatten sie auch keine Probleme. Somit blieb den Menschen nur übrig ihre Siege im realen Kampfverlauf zeit- und raumartig wasserdicht zu machen und sich Schritt für Schritt , Lichtsekunde für Raumquadrant dem angestrebten Ziel ihrer Unabhängigkeit von den Nectorphen zu nähern, was umso wahrscheinlicher wurde, je gemeinsamer sie planten und ausführten, was ihre Strategen und Wissenschaftler der Forschung und Erfahrung abgerungen hatten. Jetzt kurz vor diesem Kampfende, das redlich verdient war, zogen sie Bilanz ihrer Träume und Erfolge und schauten zurück auf eine Wohnungsverwüstung vom übelsten, die so gerne in Kauf genommen wurde, wie sie sich als notwendiges Opfer vor den Medien rechtfertigen lassen würde. Auseinandersetzung und die dazugehörigen Begriffe begannen langsam Revue zu passieren und dabei auch jene Gestalt anzunehmen, mit der niemals gerechnet wurde, die aber Veteranen vertrauter war als ihre eigenen Familienangehörigen. Greifbar war ein torpediertes Entsetzen, was allen Kampfbeobachtern die Gesichtszüge sterilisierte, da sie zu geschockt waren, um das Weite zu suchen, und deshalb hatten sie auch in den Sternenkreisen alle virtuellen Monitore gesynct um aus dem Hauptsaal den Tod online empfangen zu können. Mehr ins Leere konnten sie damit gar nicht greifen und niemand sprach, obwohl es Screens gab die durchbrannten, denn eigentlich hätten sie lieber Teleporter mitbringen sollen um nicht von den verwesenden Nectorphen wer weiß was zu bekommen. Als der letzte aufrauchte, war auch ihnen klar, dass dies das Ende war und sie trauten sich hervor, wovon einige blieben und 2 sich, den Tumult nutzend, sich so schnell wie möglich entfernten, da sie aus Erfahrung wussten, dass denen die blieben, nichts erspart blieb. Das Resultat konnte sich wirklich sehen lassen, weil keiner jemals so tiefen Einblick in Kampfhandlungen genossen hatte, dass sie sich nicht routiniert, dem nächsten Kitzel zuwandten, sondern wie ungläubig zusahen, dass Feinde zu bloßer Materie wurden und somit dem anheim fielen was sie verdienten. Niemand kannte mehr Hierarchien und Befehle beschleunigten nur noch den in seinen Endzügen liegenden Kampfverlauf in dem vorprogrammierte Durchhalteparolen ein Übriges dazutaten. Alles näherte sich einer Spaltung mit hohen Verlusten der beteiligten Netzkrieger und reziproker Gewinne ihrer humanen Widersacher, was dergestalt Ausdruck fand, dass das Wort zurück sich vielleicht schon mit Brisanz dem ranghöchsten Nectorph empfahl, welcher den Disput letzte Nacht mit den Worten „ Wer spricht hat das Wort zu sagen, was er denkt.“ so arglistig eröffnete. Aber jetzt am Ende , kurz vor der Flucht der Verlierer, verblassten die Koordinaten und Projektionsachsen in Roberts Wohnung und die überstürzten Szenen erinnerten an Videospiele der Milleniumswende. Stafetten von Lokalkopierpunkten hatten nicht gereicht, um den Virenfauxpas zu egalisieren, denn die angewandten theoretischen Berechnungen hatten zwar für die Spieltheorie Bedeutung , überschatteten die Kampfhandlung aber mit einem Beweisnimbus, der sich nachteilig auf die Flexibilität der Nectorphen auswirkte. Genau wie die Videospiele waren die Nectorphen in ihren Strategien Gefangene der Mathematik und Poesie hätte nur noch Linderung spenden können, anstatt wie üblich ungewohnte Zugänge zu präsentieren, damit man nicht darauf angewiesen war zu merken, dass die Zeit einfach verbogen war und niemand mehr genug davon auf Lager hatte, um eben noch den Fliehenden einen Vers hinterher zu schleudern. Außer Verfluchungen war der orale Output gleich null, denn manche Konflikte wurden eben besser ohne Worte geführt, da weitere kommunikative Reizungen nur für Diplomatengeschichten belangreich wären. Der Tod braucht kein Wörterbuch zu keiner Zeit nirgendwo, aber auch bei Nectorphen wächst der Stolz mit der Lebensdauer und der Tiefe ihrer Erfahrungen, und auch bei ihnen hat sich noch niemand in seiner Jugend mit dem Meriten des Alters schmücken können. Außerdem schaute er auf eine desolate Bilanz seines Besuches bei Robert zurück, wenn man dieses Wort schon aus fadenscheinigsten Gründen strapazieren wollte, die nur verdeutlichten, dass keiner seiner Netzkrieger je wieder waffentauglich sein, geschweige denn einem Außenkommando angehören würde, denn die eingetretenen körperlichen und mentalen Verletzungen sprachen ihre eigene Sprache.
Einige Entstellungen waren auch dem bald zu erwartenden Lazarettpersonal nur schwer zu erklären, und die dazu passenden Prothesen würden eine Menge Raumzeit kosten, aber das war Nectorphenproblem, da man ihnen schon oft nahe gelegt hatte, dass sie sich für weitere Außeneinsätze besserer Rücklagen bei ihrem Lebensversicherer vergewissern sollten , da sonst eine Heimkehr dem Wort ruhmreich immer öfter nur noch erneute Pleite den Rang ablaufen würde.
Christyx : „Wir haben es geschafft. Es ist vollzogen. Wir sind hindurch gekommen und haben unseren Platz zurückgewonnen. Es ist endlich vorbei , das war ihr letzter Schrei. Erstrahle oh Sieger, schmettere die Lieder, lass uns funkeln, und verlier uns im Dunkeln.“
Robert: „ Es gibt uns noch, die Freiheit lebt. Wir ließen sie verstummen und zwangen ihnen unser Schweigen auf. Die Ruhe lenkte unsere Schritte. Der Sieg ist sicher, und wir es auch. Wer glaubt, der sieht und wer fühlt, der weiß. Feuer dem Eis und Luft zu Wasser gerinnt und dass Nass zum Himmel empordampft .“
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