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Literatur und Autoren Literatur allgemein sowie Rezensionen von Büchern, Stücken und Autoren.

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Alt 01.10.2017, 22:54   #1486
weiblich Unar die Weise
 
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Standard das ungeliebte Mädchen Misskaella

Seeherzen - von Margo Lanagan



https://www.buch-boutique.de/taschen...seeherzen.html




Ich möchte euch dieses wunderbare Buch ans Herz legen.
Mich hat es verzaubert.
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Alt 02.10.2017, 10:01   #1487
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Playboy Sonderedition zum Tod von Hugh Hefner
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Alt 02.10.2017, 12:37   #1488
Thing
 
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Zitat:
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Playboy Sonderedition zum Tod von Hugh Hefner
Der Mann wußte zu leben - immer bei Lust Bonnies in Reichweite!
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Alt 02.10.2017, 15:41   #1489
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Ja. Bin ja nur selten neidisch, aber mit dem hätte ich sofort getauscht
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Alt 31.10.2017, 18:54   #1490
männlich Amerdi
 
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Vor ein paar Wochen habe ich den Bildungsroman (nicht von dem Wort abschrecken lassen!) David Copperfield von Charles Dickens ausgelesen, der diesen als das ihm liebste Kind seiner Fantasie bezeichnete: 'But, like many fond parents, I have in my heart of hearts a favourite child. And his name is David Copperfield'.
Die Geschichte des starke autobiographische Züge tragenden Werks ist im viktorianischen England angesiedelt und hat das wechselvolle Leben des titelgebenden Helden zum Thema, das uns ich-perspektivisch von ihm selber, darauf zurückschauend, erzählt wird.
Wie für Dickens bezeichnend gibt es eine Fülle ungeheuer markanter Charaktere, die sich mir mit ihren spezifischen Merkmalen und typischen Verhaltensweisen tief einprägt haben. Natürlich erinnere ich mich vorallem gern an die sympathischen, mit ihren liebenswürdigen Eigentümlichkeiten und lustigen Marotten (ich nenne nur Peggottys abknallende Knöpfe und Micawbers Briefeschreiberei), aber die unliebsamen und zT wahrhaft abscheulichen sind nicht weniger eindrücklich geschildert.
Schon allein die Figuren machen den Roman lesenswert.
Man entwickelt eine sonderbar enge Vertrautheit mit ihnen, was sich zB zeigt wenn D.C., bei einem Wiedersehen mit jemandem, mit dem er über lange Spannen des Textes keinen Kontakt hatte (die recht hohe Seitenzahl ermöglicht größere Abwesenheiten), Eigenarten an dieser Person wahrnimmt, die ihn an frühere Zeiten, an bestimme Erlebnisse erinnern, und man sich bewegt miterinnert. Das ist mühelos möglich, weil die Details der Charaktere so eingängig sind.
Die Charaktere treten auf unterschiedlichste Weise zueinander in Beziehung und in ihrem Erscheinen, Verschwinden und oftmals unerwarteten Wiedererscheinen flechten sie immer wieder neue, interessante, überraschende Fäden in das Netz der Beziehungen ein, woraus eine vielschichte Handlung erwächst, deren ineinandergreifende und, auch für sich allein genommen fesselnden Stränge (beinahe) alle in ein befriedigendes Ende auslaufen.

David Copperfields Biografie (diese Betitelung bitte nicht falsch verstehen) hat viel großen, ernsten Schmerz und Unglück in sich (zT wird, finde ich, auch etwas zu viel geweint) in der Darstellung von Tod und Verlust, Einsamkeit, enttäuschtem Vertrauen, häuslicher Gewalt, auch Kinderarbeit der industriellen Revolution, grausamen Schulmethoden, etc, doch trotz der Tragik ist für mich der Grundton des Buchs ein heiterer, hoffnungs- und humorvoller, auch ein mitfühlender und menschlicher.
Man spürt Dickens tiefe Humanität und sie hat etwas sehr Wohltuendes.

Dass ich es wärmstens empfehle, versteht sich von selbst.


Ich will noch ein paar Sachen zu den Büchern sagen, die ich danach gelesen habe (versuche mich eher kurz zu fassen, aber das könnte hier und dort in die Hose gehen...)

Yasushi Inoue - Das Jagdgewehr
Ein Dichter veröffentlicht ein lyrisches Werk in einer Jagdzeitschrift, weil ihn ein Freund darum bittet. In dem Poem, "das Jagdgewehr" betitelt, geht es um einen Jagdmann, den der Verfasser am Rande eines Berges gesehen hat. Später bereut er es, weil er findet, dass sein Gedicht nicht zum sonstigen Ton der Zeitschrift passt. Er erwartet ablehnende Leserbriefe. Stattdessen kommt eines Tages der Brief eines Mannes, der angibt eben jener mit dem Jagdgewehr gewesen zu sein, den das Gedicht behandelt.
In Form von drei Briefen, den Abschiedsbriefen dreier Frauen (seiner Frau, seiner Geliebten und deren Tochter) will er dem Dichter, von dem er sich tief erkannt fühlt, den Eindruck der Einsamkeit und Stille erklären, die dieser in seinen Versen eingefangen hat.

Die Erzählung ist ein Klassiker der modernen japanischen Literatur.
Sehr gefühlvoll, poetisch und leise erzählt. Hat mir ausserordentlich gut gefallen.


Alfred Döblin - Berlin Alexanderplatz
Das Buch, das neben Ulysses von Joyce und Manhatten Transfer von Dos Passos zu den bedeutenden Großstadtromanen der Weltliteratur gehört behandelt das im Berlin der 1920er Jahre angesiedelte Leben von Franz Biberkopf, der frisch aus dem Gefängnis entlassen ein anständiger Mensch werden will.
Berlin selber ist ebenfalls Protagonist des Romans und parallel zu und anhand von Franz Biberkopfs ereignisreichem Rehabilitationsversuch wird hier ein Portrait dieser damals schon knappe vier mio Einwohner habenden Großstadt gezeichnet, allerdings weniger auf die funkelnden Facetten der 20er fokussiert als auf die dunklen.

Ich missbillige an diesem Buch einiges.
Vorallem die erste Hälfte zieht sich und ist oft nervig.
Was mich konkret stört sind bspw die endlosen Wiederholungen von Bahnstreckenhaltestellen und ähnlichem, das ständige plötzliche Einwerfen von Reklamesätzen (speziell die krampfhaften, misslungenen Versuche lustig damit zu assoziieren), die dauernd in den Text eingestreuten unbeholfen und dümmlich wirkenden Reime, das Aneinanderreihen von Zahlen (im Schlachthaus sind 12938 Rinder, 2398 Schweine, 234 Hühner, 23749 Schafe... und dann wird ein paar Seiten später der gleiche Stuss nochmal aufgezählt). Ich weiß, dass das damals avantgardistische Erzähltechniken (Montage usw) waren, mit denen die komplexe Realität der modernen Metropole in den Griff bekommen werden sollte. Aber es liest sich schlichtweg grauenvoll, besonders wenn man gerne ein Buch ganz aufnehmen und nicht ständig mehrere Zeilen überspringen will.
Bei mir hatte es auch den Effekt, dass ich bis zur Hälfte keine wirkliche Beziehung zum Biberkopf aufgebaut habe, daher Probleme hatte von seinen Erlebnissen berührt zu werden. Auch die aufdringliche mythologische Ebene empfinde ich als unpassend und öde. Kann natürlich Geschmackssache sein...
All das bedeutet nicht, dass es bis zur Hälfte keine gelungenen Darstellungen
des Stadtlebens, keine spannende Handlung um Biberkopf gibt, sonst hätte ich garnicht weitergelesen. Ich wurde aber oft herausgeworfen.
In der zweiten Hälfte hat mich das Buch dann doch sehr gepackt. Vielleicht weil die nervigen Elemente weniger wurden, vielleicht weil ich mich etwas darauf eingestellt habe, das weiß ich nicht (vermutlich beides).
Jedenfalls wurde ich dann sehr in das Leben Biberkopfs hineingesogen und mitgerissen. Viele spannende Verwicklungen, Beziehungen, Charaktere und Szenen (zB, für die, die bescheid wissen, die Stelle als Reinhold im Bett liegt und lauscht. Was für eine Passage und wie sie sich aus der Geschichte ergibt! Überhaupt sind die Figur des Reinholds und seine Beziehung zu Franz ungeheuer fesselnd).
Trotz der vielen Kritikpunkte hat sich die Lektüre daher für mich gelohnt.

Eine kleine Anmerkung noch:
Döblin war eine enorme Inspirationsquelle für Günter Grass und ich möchte behaupten, dass vieles Schlechte, das Günter Grass an sich hat, von Alfred Döblin kommt. Hätte Grass Döblin nicht gelesen, wäre die Blechtrommel vielleicht 200 Seiten dünner und besser geworden. Das ist etwas polemisch gesagt und ganz so arg mein ichs natürlich nicht.
Aber wer die Blechtrommel liest und dann Berlin Alexanderplatz, wird merken, dass beide Bücher nicht wenige Passagen enthalten, die auf sehr ähnliche Weise nervig sind. Oder ansprechend, je nach Geschmack.


Edgar Allan Poe - "der umständliche Bericht des Arthur Gordon Pym von Nantucket" (1838)
Kurz und knapp: Ein wunderbarer Abenteuerroman (der einzige Roman, den Poe verfasst hat), mit geheimnisvollen und phantastischen Elementen, der eine Schiffsreise in Richtung des damals noch unbekannten Südpol in Form eines Reiseberichts darstellt.


Jules Verne - "die Eissphinx" (1879)
Verne war ein glühender Poe-Verehrer und hat mit der Eissphinx eine Fortsetzung des umständlichen Berichts des Arthur Pym geschrieben.
Das Buch ist aus der Perspektive des reichen Amerikaners Herr Joerling geschrieben, der, um von einer ihn anödenden Inselgruppe (Kerguelen) fortzukommen, sich eine Mitfahrgelegenheit auf dem ersten, nach dem Winter einlaufenden Schiff verschafft. Er will zu einem anderen Archipel (Tristan da Cunha) gebracht werden, an dem die Halbrane, so heißt der Schoner, einen weiteren Halt einlegen wird.
Dann allerdings stellt sich heraus, dass der Kapitän, ein kompetenter Seefahrer namens Len Guy, den 1 Jahr vorher erschienen Poe-Roman für einen wirklichen Bericht hält und diesem aus bestimmten Gründen nachspüren will. Der zunächst irritierte Joerling gerät in ein Abenteuer.

Nicht weltbewegend, aber hat mir Spaß bereitet!


Plutarch - Alexander/Caesar
Ich könnte viel zu dieser Doppelbiographie sagen, will mich aber, wie gesagt, kurz halten. Vielleicht greife ichs nochmal auf.

Plutarch hat es verstanden Menschen schriftlich lebendig zu machen. Er war ein Seelenspeleologe, der sich in den Kopf des Beschriebenen hineinversetzte und dessen Wesen erfassen wollte. Wer ein Gefühl für die Persönlichkeit Alexanders des Großen und Caesars haben will, der lese also dieses Buch.
Neben den eindrücklichen Portraitzeichnungen, in denen der Charakter des Modells oft durch persönliche Anekdoten greifbar gemacht wird, wird auch ein genereller Eindruck der Zeit und ihrer Mentalität gegeben. Im Vordergrund steht allerdings stets die einzelne Person, weshalb Plutarch sagte, er sei kein Historiograph, sondern ein Biograph.
Bei all dem Interesse an der Psychologie, an der Wesensart des Individuums ist es kein Wunder, dass Nietzsche ein großer Verehrer Plutarchs war und ich möchte mich dessen Empfehlung anschließen: "Sättigt eure Seelen an Plutarch"
Achja - Plutarch ist witzig!

Für mich sind diese alten Schriften aus tausend Gründen faszinierend.
Einer ist, dass sich in ihnen die "menschliche Natur" oft ohne den Deckmantel der Gewöhnung zeigt. So zeigen sich einem auch menschliche Verhaltensweisen ohne diesen Deckmantel und offenbaren sich dadurch in ihrer ganzen Absurdität. Für mich ist das stets ungeheuer lehrreich und lustig.
Amerdi ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 06.11.2017, 20:52   #1491
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Standard Das Buch in dem die Welt verschwand



Die Lektüre, die mir die graue Langeweile der Novembertage nimmt.
Auch ich kann in diesen Zeilen verschwinden.

Lest nur hinein, wenn ihr mutig genug seit, in diese spannende vielschichtige Erzählung einzutauchen.
Unar die Weise ist gerade online   Mit Zitat antworten
Alt 07.11.2017, 04:25   #1492
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Ich bin gerade dabei, den Hexer von Edgar Wallace zu lesen.
Wirklich fesselndes Buch, kann ich nur empfehlen!

(Nebenbei noch Maria Stuart von Schiller - mehr oder minder unfreiwillig. Danke, Schule.)
Skaylar ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 07.11.2017, 09:08   #1493
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Zitat:
Zitat von Skaylar Beitrag anzeigen
Nebenbei noch Maria Stuart von Schiller - mehr oder minder unfreiwillig. Danke, Schule.)
Spannender Stoff. Ich kenn das Stück zwar nur oberflächlich, aber der Vergleich mit der wahren Historie macht die Sache fesselnd. Da es um Theater geht, das vom Dialog lebt, musste Schiller Mary Stuart und Elisabeh zusammenbringen, obwohl sie sich nie im Leben begegneten. Der Schottin gelang es, Elisabeth in tiefe Gewissenskonflikte zu stürzen, denn es galt damals noch als schändlich, eine Königin oder einen König hinrichten zu lassen. Dennoch sah Elisabeth keinen anderen Ausweg.

LG
Ilka
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Alt 16.11.2017, 20:29   #1494
wolfgang
 
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Von James Frey: Wie man einen verdammt guten Roman schreibt.

Ich schwanke zwischen Neugierde und Enttäuschung. Frey erzählt viel über Gustav Freytag und wie toll der ist und was für ein gutes Buch über Dramatik der geschrieben hat.

Da frage ich mich, wenn der Freytag so toll ist, warum hat dann Frey selbst eines geschrieben? Freytag reicht ja dann wohl aus ...
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Alt 17.11.2017, 13:40   #1495
weiblich Ilka-Maria
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Zitat:
Zitat von wolfgang Beitrag anzeigen
Da frage ich mich, wenn der Freytag so toll ist, warum hat dann Frey selbst eines geschrieben? Freytag reicht ja dann wohl aus ...
Ich widerspreche: Nein, das reicht nicht aus. Wer will sich schon ein einziges Vorbild nehmen, weil es super schreiben kann (worüber die Meinungen in der Regel auseinandergehen), statt den eigenen Stil zu finden?

Die Einführung in die Kunst des Schreibens ist etwas anderes, als einen Roman zu schreiben. Wer letzteres tut, macht es etweder aus dem Bauch heraus (worbei es selten gut wird) oder kennt die Regeln des Schreibens bereits (viel Vorarbeit!).

Ich habe drei Bücher von Frey und hätte nicht missen mögen, sie zu lesen ("Wie man einen verdammt guten Roman", Teil 1 und Teil 2, sowie "Die kraft des Mythos"). Teil 1 ist verständlich geschrieben, gut gegliedert und deckt alle wichtigen Aspekte ab. Deshalb ist das Buch für Anfänger absolut geeignet.

Gegliedert ist Teil 1 in "Figuren entwickeln", "Wichtigkeit des Konflikts", "Funktion der Prämisse", "Innerer Zusammenhalt der Story", "Zustreben auf den Höhepunkt", "Erzählperspektiven", "Gute Dialoge", "Überarbeitung des Entwurfs".

Damit sind alle wichtigen Aspekte berücksichtigt.

Beim Lesen von Freys Büchern über kreatives Schreiben sollte dem Leser allerdings bewusst sein, dass Frey als Amerikaner einen Zugang zur Literatur hat, der uns Deutschen oft (zumindest am Anfang) verschlossen ist. Amerikaner lernen kreatives Schreiben bereits in der Schule, fangen also schon früh mit dem Üben an. Sie haben eine weniger hohe Hemmschwelle, Gefühle zu beschreiben, Political Correctness zu ignorieren, Tabus zu brechen oder die Wahrheit einer sensationellen Handlung zu opfern.

Wenn du Freys Handwerk verstehen willst, lies seinen Roman "Tausend kleine Scherben". Es geht um einen Alkoholiker, der eine peinvolle Entziehungskur durchläuft. Ich habe zu diesem Roman eine Reihe von Stellungnahmen Alkoholsüchtiger gelesen, die sich darüber empört haben, was alles an dem Roman nicht stimmt. Trotzdem habe ich ihn fast in einem Zug gelesen. Warum?

Weil er spannend ist. Weil man sich auch als Nichtalkoholiker mit dem Protagonisten identifizieren kann ("Wie grauenvoll, ein Glück, dass mir das nicht passiert!"). Weil man wissen will, ob er es schafft, vom Alkohol loszukommen. Und nicht zuletzt: Weil der Roman mit Dialogen gespickt ist, was ihn sehr lebendig macht.

Es spielt keine Rolle, ob alle Details der Wahrheit oder der Logik entsprechen. Wichtig ist, dass der Leser den Eindruck hat, es könnte alles so gewesen sein, wie es erzählt wird, also dass die Geschichte plausibel rüberkommt.

Wenn dir Frey dennoch nicht zusagt, empfehle ich dir, es einmal mit einem deutschen Autor zu versuchen: Fritz Gesing.

https://www.amazon.de/Kreativ-schrei...40_&dpSrc=srch

Besten Gruß
Ilka
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Alt 19.11.2017, 14:00   #1496
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Zitat:
Von James Frey: Wie man einen verdammt guten Roman schreibt.
Ich bin mir nicht ganz sicher, aber ich glaube, das war der Roman, der mir vor einigen Jahren als erstes in die Hände gefallen ist zur Technik des Schreibens und den ich dann so unglaublich langweilig fand. Allerdings hatte ich damals noch nie vorher versucht, nach bestimmten Regeln zu schreiben und glaubte, wenn man Talent hätte, würde das ja wohl reichen und alles andere käme von selbst (mittlerweile weiß ich, dass das Quatsch ist).

Zitat:
Beim Lesen von Freys Büchern über kreatives Schreiben sollte dem Leser allerdings bewusst sein, dass Frey als Amerikaner einen Zugang zur Literatur hat, der uns Deutschen oft (zumindest am Anfang) verschlossen ist. Amerikaner lernen kreatives Schreiben bereits in der Schule, fangen also schon früh mit dem Üben an. Sie haben eine weniger hohe Hemmschwelle, Gefühle zu beschreiben, [I]Political Correctness zu ignorieren, Tabus zu brechen oder die Wahrheit einer sensationellen Handlung zu opfern[/I].
Das ist interessant, vor allen Dingen der letzte Teil.

Ich habe (nicht in poetry.de, sondern in einem anderen Geschichtenforum) schon Kritiken gelesen, die allen Ernstes darauf abzielten, eine Handlung solle man so darstellen, dass z. B. in einem Fast-Mordfall der Angeklagte, wenn es denn zum Mord gekommen wäre, hinterher auf "Totschlag" statt auf "Mord" plädieren könnte. (Wie kann man auf eine solche Idee kommen? Ist mir schleierhaft.) Im Prinzip wollte der Kritiker damit wohl sagen, dass man an der Wahrheit sozusagen kleben sollte. Sehe ich aber nicht so und ich wüsste auch gern, ob es dazu eine Regel gibt ... wohl kaum, denke ich.

Andererseits fällt mir da wieder meine Tina-Geschichte und Wills Beinbruch ein, wo mir gesagt wurde, dass Geschichten plausibel sein müssten (da in meiner Geschichte niemand einen Krankenwagen gerufen hat, bis Tina auf den Sportplatz kam). Gibt es dazu ein Buch, das sich mit der Thematik befasst (wie nah muss man beim Schreiben an der Wahrheit bleiben?)? Würde mich interessieren.

LG DieSilbermöwe
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Alt 20.11.2017, 09:12   #1497
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Es gibt kein anderes Buch außer:

Bernhard

Auslöschung

Und natürlich der göttliche de Sade

Gem
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Alt 20.11.2017, 10:02   #1498
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Zitat:
Zitat von DieSilbermöwe Beitrag anzeigen
Andererseits fällt mir da wieder meine Tina-Geschichte und Wills Beinbruch ein, wo mir gesagt wurde, dass Geschichten plausibel sein müssten (da in meiner Geschichte niemand einen Krankenwagen gerufen hat, bis Tina auf den Sportplatz kam). Gibt es dazu ein Buch, das sich mit der Thematik befasst (wie nah muss man beim Schreiben an der Wahrheit bleiben?)? Würde mich interessieren.
Zu derartigen Details ist mir kein Buch bekannt, aber man könnte ja mal ein Essay darüber schreiben.

Im Grunde ist das aber nicht nötig, denn die Sache ist einfach und von mir auch schon mehrfach erklärt worden: Eine Handlung muss nicht "wahr" sein, aber sie muss für den Leser plausibel sein.

Dieses Prinzip kann vor allem an Science-Fiction- oder Fantasy-Geschichten festgemacht werden: Im realen Leben ist es "unwahr", nämlich unmöglich, dass ein Mensch, der als vermeintlich tot auf dem Mars zurückgelassen wird, nach seinem Erwachen aus dem Koma allein überleben kann, indem er in einem Raum mit künstlicher Atmosphäre Kartoffeln anbaut. Innerhalb der engen, eigens für die Geschichte vom Autor geschaffenen Welt, in der sich der Astronaut wochenlang bewegt, ist es jedoch möglich.

Anderes Beispiel: In "Die unendliche Geschichte" wird Bastian in ein Buch hineingezogen und nimmt aktiv am Geschehen teil. Das geht an der Realität unserer Welt völlig vorbei, aber in Bastians Welt passiert es einfach. Ist eine Kunstwelt vom Autor erst einmal geschaffen, muss die Geschichte jedoch innerhalb dieser Welt plausibel sein, d.h., der Autor darf keine unlogischen Handlungen erfinden, die Störgefühle erzeugen.

Es wäre beispielsweise unlogisch gewesen, wenn in "Der Marsianer" der Astronaut Kartoffeln angebaut hätte, der Autor jedoch vergessen hätte, sich über die Gewinnung des dringend notwendigen Wassers zu kümmern. Der Autor muss zwingend eine Lösung für dieses Problem bereitstellen. Natürlich ist auch erklärt, woher die Kartoffeln stammen, nämlich aus den mitgeführten Vorräten der zurückgelassenen Raumschiffteile.

Über "Wahrheit", "Plausibilität" und "Logik" könnte man in der Interessengemeinschaft "Kreatives Schreiben" diskutieren, denn das würde in diesem Faden hier zu sehr ausufern.
Ilka-Maria ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 20.11.2017, 13:17   #1499
weiblich DieSilbermöwe
 
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Gute Idee. Ich werde einen entsprechenden Faden dort aufmachen.
DieSilbermöwe ist offline   Mit Zitat antworten
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