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Alt 02.09.2011, 22:49   #1
männlich Ralfchen
 
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Standard Einleitung zum Eigentod

Einleitung zum Eigentod

An diesem heute ganz besonders dunkelblau eingefärbten Frühabend plane ich meinen morgendlichen Selbstmord. Und das elaboriere ich nun verfemt und nullsam – denn vor Kurzem habe auch ich mich verlassen - ungelenk auf meinem reißnagelneuen, von Sissis ungewaschener Muschi noch nach Oystersauce duftendem, Lappentop.

Ich habe „Billy der Ausgangs“ VISTA-WIE-TÖTE-ICH-MICH-HIRNABWÄRTS geladen und zur Absicherung gegen geistige Ausschreitungen meines glückbringenden subliminalen Talisbans, ein einziges hochpoliertes 38er-Magnum Projektil mit einem penishaften Dum-Dümmer-AmDümmsten-Geschoßkopf in der runden Trommel meiner Smith&Wesson plaziert.

Nein: ich ließ es eindringen wie in eine stählerne Vagina mit sechs Ein-Ausgängen.

Ich habe das Projektil mit aller erdenkbaren Härte selbst, stahlgefeilter Weise bearbeitet, um es zu höchster Wirkung und damit zu totaler Deanimierung meiner zerebralen Verschlingungen zu animieren. Haste la VISTA - ähem - Baby!

Die winzigen Bartstoppeln des schneeweißen Frotté-Handtuches sind dem maschinengebundenen Weichmacher von PERSILFLAGE erlegen und sanften wie Millionen kuschelnder Hunde auf der Textilie.

Moment - nein! Ich habe mich anders entschieden. Ich will keine Projektplanung mit einem schnellen Projektil. Es soll doch eher ein römischer Genuss werden. Das hat Tradition.

Die samtweiche Madam Gilette torkelt zärtlich schwunglos von meiner zitternden Rechten geleitet, über meine verborgenen Pulsadern und hinterlässt erst mal eine angenehme Impression in Rosa auf meiner untersehnten Gelenkshaut.

„Wie sehr sehne ich mich nach dir, oh großer Ruher!“

Flüstere ich zärtlich zu ihm. Oder ist es eine Ihr? Erstaunen macht sich über mir breit.

Ich senke Giletta ein und spüre dabei eine Art „eingeschlafenen Puls“. Wenn ihr eingeschlafene Beine oder andere Extremitäten kennt; so läuft das. Wie das Schnurren einer Raubkatze vor dem Biss in deine Kehle vor 100.000. Ein sanfter Anfang. Hätte nie geglaubt, wie entspannend die Overtüre zur Sterberei sein kann. Empfehlenswert, ihr harmlosen Leser.

Links von mir eine Rippe Suchard Chockolate Mussé. Ja, warum nicht den Abgang versüßen. Andere besaufen sich zwecks.

Es dringt aus mir, wärmt meine Haut und umspült mich. Meine Mum streichelt mich und blickt mich in High Definition an. Sie singt den kleinen Menschen in den Schlaf. Winzig meine Kinderstimme.

„Gute Nacht Mammi.“

Ich verschwimme blickwärts. Es salzt mir über die Lippen.

„Es ist zu spät Mum.“

Eine Trägheit nimmt in mir Platz, wie der Arsch einer geilen Mieze in Übergröße. Sanftes Fleisch duftet auf meinem Gesicht. Weiße Mamorwände umwölben mich und drücken steinern auf meine Lider.

„Keine Lieder mehr Mutter. Ich werde nie ein Sänger.“

„Ach Baby, du wirfst dein Talent in den Abfall.“

Ich falle ab. Der Raum wird kleiner über mir. Was sagt man vom Totwerden? Du gehst in Richtung Licht, dass am Ende der Strecke neont. Mal ehrlich: Nein. Es ist Dunkelsein, das mich umschmiegt und mich die wenigen Zeiteinheiten auf einer Grauskala - gerade noch -erkennen lässt. darunter lese ich diese verschwimmenden Glyphen aus einer fremden, wahrscheinlich zeitlosen Epoche, in der Herzen pochten.

Du warst.
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Alt 03.09.2011, 00:48   #2
Ex-Odiumediae
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Faszinierend. Wie kommst Du auf diese Vergleiche und Wortspiele? Das Beste daran ist, dass sie auch geformt noch spontan wirken, ohne künstlich oder albern zu sein. Bedenkt man die Art besagter Spielerein, ist es umso faszinierender. Und wie schaffst du es, die ordniäre Sprache in eine Art Nimbus aus Ernsthaftigkeit und Seriostiät zu tauchen? Immer wieder gerne gelesen.
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Alt 03.09.2011, 10:53   #3
männlich Ralfchen
 
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danke ODIUMchen. nun ja - den suizid aus der perspektive des mörders zu beschreiben, ist etwas, dass dem geist viele barrieren vor die front-lappen schmiegt. ein nahezu undurchdringliches wissen um die einschwebung ins nichtexistente. ein jugenfreund hatte sich vor etwa 10 jahren mit der S&W in den kopf geschoßen. vorher aber - um blutzspritzer an den tapeten zu vermeiden - auch ein frotté-handtuch um den kopf gewickelt. damals wollte ich darüber einen text schreiben und blieb in den fragmenten des anfangs stecken. nun habe ich es überarbeitet und aktualisiert. bin aber bei VISTA hängen gebliebn, obschon ich seite geraumen 7 auf dem neuen notebook und desktop laufen habe. ansonsten kann die erzählung über einen suizid weder aktuell noch disaktuell sein. sie kennt keine modischen trends. höchstens in der art und weise des abgangs. da ist vielleicht oder auch nichts neues dazu gekommen, wie etwa der GOLDENE SCHUSS etc.

nun hat sich ein situation ergeben, wo meine große liebe auf grund einer massiven krebserkrankung gedanken in dieser richtung hegt. unendliche ängste lassen uns - nicht ganz aber doch neues - lernen, denn dies ist nun schon das vierte mal und es wärmte die halbgekochte geschichte auf dem gedankenherd auf.

nun habe ich sie fertig gekocht.
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Alt 03.09.2011, 19:49   #4
Thing
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Halli Hallo, Ralfchen -


leider bin ich nicht so beweglichen Geistes wie Odiummediae, außerdem hat mich im Moment eine durch nichts begründete deprimierte Stimmung in den Fängen -

also, das muß ich erst noch zwei-dreimal verarbeiten.....
bevor ich damit an den Rande der Nacht gelange.

Überwältigend ist es allemal.
Wahrschein licht so richtig erst dann, wenn ich konkret - pardon! - dahintergestiegen bin.


Thing
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Alt 03.09.2011, 23:34   #5
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ja maches ROMerl. dein urteil ist mir ebenso wie ODIchens sehr wichtig.
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Alt 25.02.2015, 17:10   #6
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Standard Ich pushe diesen Text -nicht in eigennütziger...

...absicht nach oben, da aber sehr viele leser meine NACH DEM STERBEN lesen und den lin k ev übersehen würde ich mir wünschen, diesen kurze prosa noch als die quasi (auch) einleitung zu NACH DEM STERBEN...neuen mitgliedern zum lesen vorzulegen...
Ralfchen ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 27.02.2015, 15:43   #7
Thing
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Habe zu dem tiefen Text nur noch einen einzigen Einwand -

meine Wände dunkeln -:

Selbst m o r d gibt es nicht.
Es gibt Suizid = Selbsttötung.
Mord geschieht immer den Vielen, nicht dem ICH.

Dein Stück deprimiert mich, aber ich reite auf gleicher Wellenlänge.
Lediglich nicht so luxuriös.


Th.
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Alt 27.02.2015, 15:53   #8
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wenn deine sehkraft im rahmen des eigenmordes geringer wird, dann kommt es zu einem nachdunkeln, der umgebung. ich habe dafür einen neologismus gewählt, der nur als bedeutungs-neolog zu verstehen ist.

selbstmord ist ein MORD, denn es ist die vorsätzliche geplante tötung eines menschen, gutester THING dieser platten form...
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Alt 27.02.2015, 16:01   #9
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Zitat:
Zitat von Ralfchen Beitrag anzeigen
wenn deine sehkraft im rahmen des eigenmordes geringer wird, dann kommt es zu einem nachdunkeln, der umgebung. ich habe dafür einen neologismus gewählt, der nur als bedeutungs-neolog zu verstehen ist.

selbstmord ist ein MORD, denn es ist die vorsätzliche geplante tötung eines menschen, gutester THING dieser platten form...

Nein, mein schöner Liebling -

Mord bleibt immer einem andren Wesen vorbehalten.
Ein ICH tötet sich, es mordet sich nicht.
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Alt 27.02.2015, 16:07   #10
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doch süsse...
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Alt 27.02.2015, 16:08   #11
männlich Ralfchen
 
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Suizid (von neulateinisch suicidium, aus sui „seiner [selbst]“, und caedere „(er)schlagen, töten, morden“[1]), auch Selbsttötung, Selbstmord oder Freitod, ist die vorsätzliche Beendigung des eigenen Lebens, entweder aktiv, indem man sich Schaden zufügt (etwa durch das Zufügen tödlicher Verletzungen oder die Einnahme von Giften), oder aber passiv, indem man nicht mehr für sich sorgt, beispielsweise lebensnotwendige Medikamente, Nahrungsmittel oder Flüssigkeiten nicht (mehr) zu sich nimmt.[2]

QUELLE WIKI
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Alt 27.02.2015, 16:51   #12
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Mein süßer Puppi -

ich lasse mich allergernst belehren!
Aber ich würd mich nü selbst mürden - oder doch?


Busserl ausm Ausland:
Th.
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Alt 27.02.2015, 18:57   #13
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mein rauchendes engelchen. deine worte kränzen mein schrittmacher-getriebenes herz auf 200/minute...

busserl zurück
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Alt 27.02.2015, 23:37   #14
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freut mich sehr, dass ich mit meinen worten auch in deine seele vordringen konnte, alter junge. ich habe seit mehr als zwei jahren versucht die geschichte über den tod meiner geliebten frau LUCY (titel: DIE 27 SCHRITTE) am 12-12-12-12uhr zu verfassen und habe immer wieder - weil mich eine tiefe traurigkeit überkam - aufgegegeben. einige ideen und die struktur der ENDBIOGRAFIE sind bereits vorhanden. nun werde ich weitermachen und mit dem ende ihres leidensweges beginnen und mich dann schritt für schritt durch die berge, täler orte und wege der vergangenheit zurück bewegen.

danke für deine geduld den text zu lesen...

U.
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Alt 28.02.2015, 02:06   #15
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sehr elegant und sinnvoll ausgedrückt, mein lieber Jonny.
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Alt 28.02.2015, 11:11   #16
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Anders wäre es wohl nicht zu ertragen.
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Alt 28.02.2015, 21:41   #17
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über den tod in prosaischer form eine vorstellung wie es ablaufen könnte zu schreiben ist definitv etwas ganz anders als über ein miterlebten suizid zu schreiben. die reale erlebnisphase des sterbens ist etwas extraordinäres...ihr lieben.
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Alt 28.02.2015, 22:20   #18
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Zitat:
Zitat von Ralfchen Beitrag anzeigen
über den tod in prosaischer form eine vorstellung wie es ablaufen könnte zu schreiben ist definitv etwas ganz anders als über ein miterlebten suizid zu schreiben. die reale erlebnisphase des sterbens ist etwas extraordinäres...ihr lieben.

Weiß ich.
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Alt 06.03.2015, 22:39   #19
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darüber haben wir bei manchmal sehr lange gesprochen. und doch ist der schritt in die rekollektion so als würde ich in fester werdendem zement stehen. daher eben der text NACH DEM STERBEN. als trittbrett in diesen literarischen raum aus schmerz und leidvoller erinnerng, liebes wesen.
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