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Düstere Welten und Abgründiges Gedichte über düstere Welten, dunkle und abgründige Gedanken.

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Alt 25.02.2019, 09:32   #1
weiblich Ex-Serpentina
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Standard Im Moor (Pantun)

Im Moor (Pantun)

Der Wind weht einsam übers Moor
und Nebel tanzt im grauen Kleid,
es kriecht aus dem Morast empor,
ein Wesen - schaurig wie es schreit.

Und Nebel tanzt im grauen Kleid,
Gestank nach Tod betäubt den Sinn,
ein Wesen - schaurig wie es schreit,
in Bann geschlagen, seh ich hin.

Gestank nach Tod betäubt den Sinn,
noch spät gewandert steh ich starr,
in Bann geschlagen, seh ich hin,
da kraucht hervor die ganze Schar.

Noch spät gewandert steh ich starr,
in Mitten dieser dunklen Gruft,
Entsetzen bleicht mein dunkles Haar,
die Kehle zu, ring ich nach Luft.

In Mitten dieser dunklen Gruft,
seh ich die Schlacht, die hier geschah,
die Kehle zu, ich ring nach Luft,
vor Tausenden und einem Jahr.

Bis Mitternacht, dann ists vorbei,
es kriecht aus dem Morast empor,
verschwindet alle Geisterei,
der Wind weht einsam übers Moor.
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Alt 25.02.2019, 10:58   #2
weiblich Zaubersee
 
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Liebe Serpentina,


ihr habt mich mit eurer Pantunerei hier im Forum und auch andererorts ordentlich angesteckt ....

Deines ist toll geworden ... ist es Dein erstes?
Schön vergruseligt, erinnert mich ein wenig an Anette von Droste Hülshof geschriebenes:
Zitat:
Schaurig ists übers Moor zu gehen
( Das war der erste Vers, war es auch der Titel?) ... Nee:
Zitat:
Der Knabe im Moor
heißt der ...

Zitat:
Entsetzen bleicht mein dunkles Haar
finde ich wundervoll und stelle mir das bildlich vor da wird das Lyri direkt selbst zur weißen Frau ..... und Mitspielerin des Dramas

LG aus dem Norden

Zaubersee
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Alt 25.02.2019, 13:52   #3
weiblich Ex-Serpentina
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Liebe Zaubersee,

es freut mich, dass ich dich ins Moor locken konnte.
Bewusst beziehe ich mich nicht auf das Gedicht von Annette von Droste Hülshof, aber ich kenne und liebe es natürlich und so mag es gut sein, dass Erinnerungspfade aktiviert wurden. Etwas vom Totentanz von Goethe schwingt inhaltlich auch mit.

Es ist mein 2. Pantun.

Gruselgrüsse aus den schaurigen Wäldern,
Serpentina
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Alt 25.02.2019, 14:15   #4
weiblich Unar die Weise
 
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Auch ein sehr gelungenes Beispiel dieser Gedichtegattung, die mir noch Moorschrecken einjagt.
Wirklich gute Bilder entstehen mir als Leserin in deinem Moorspaziergang.
Ja, ich hätte mich hereingetraut, aber nur wenn du die Funzel hälst, vorneweg gehst und ich mich an deinem Rockzipfel festhalten kann.
Ach, ich lese grad Zaubersee begleitet uns. Gut, dann gehe ich in der Mitte, da ist es am sichersten.


Unargruß an die liebe Serpentina und an die elfenhafte Zaubersee.
Unar die Weise ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 25.02.2019, 20:22   #5
weiblich Ex-Serpentina
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Willkommen liebe Unar, ich freue mich.
Irrlichtende Grüsse,
Serpentina
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Alt 26.02.2019, 01:58   #6
weiblich Schreibfan
 
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Liebe Serpentina. Hier Mein Kurzfazit: Pantun ist einwandfrei, aber deine Liebe zur Fristen, - Anette teile ich leider nicht.
Lg Schreibfan
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Alt 26.02.2019, 13:40   #7
weiblich AlteLyrikerin
 
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Liebe Serpentina,

da wird es richtig gruselig, wie es sich in einem "ordentlichen" Moor gehört.

Deine Liebe zur Droste teile ich. In ihrer Zeit war es noch nicht gang und gäbe als Frau mit Literatur an die Öffentlichekit zu treten. Lese gerade eine Biografie über sie (Karen Duve: Fräulein Nettes kurzer Sommer), die sehr interessant ist.

Herzliche Grüße, AlteLyrikerin.
AlteLyrikerin ist gerade online   Mit Zitat antworten
Alt 26.02.2019, 15:39   #8
weiblich Ex-Serpentina
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Hallo Schreibfan und alte Lyrikerin,
es freut mich, dass ich euch mit meinem Moorpantun unterhalten konnte.

Lg,
S.

P. S. Ich möchte nicht den Eindruck erwecken, ich wäre ein Droste-Hülsoff Fan. Dazu habe ich mich zu wenig mit ihrem Werk beschäftig. Das Moorgedicht gehört aber zu den Werken, die ich mag.
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Alt 26.02.2019, 15:58   #9
weiblich Schreibfan
 
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Das Moorgedicht der Droste-Anette ist annehmbar. Aber ich finde deins sogar schöner. Richtig deppert fand ich die Judenbuche...
Schreibfan ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 26.02.2019, 21:46   #10
männlich Heinz
 
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Liebe Serpentina,
auch wenn Pantuns (ist das der Plural?) nicht meine Sache sind - hier hast Du eines der besten geschrieben.
Und dann kamen ein paar Spaßverderber mit der Annette. Nur weil Dein Gedicht im Moor verortet ist - der Vergleich ist ein Griff in die falsche Kiste.
Dein Gedicht, ich nehme mal eine Strophe heraus:

Und Nebel tanzt im grauen Kleid,
Gestank nach Tod betäubt den Sinn,
ein Wesen - schaurig wie es schreit,
in Bann geschlagen, seh ich hin.

ist (abgesehen von den Regeln für ein Pantun) in vierhebigen, jambischen Versen geschrieben und kreuzgereimt.

Ich nehme auch eine Strophe von der Annette von Droste Hülshoff:
Vom Ufer starret Gestumpf hervor,

Unheimlich nicket die Föhre,
Der Knabe rennt, gespannt das Ohr,
Durch Riesenhalme wie Speere;
Und wie es rieselt und knittert darin!
Das ist die unselige Spinnerin,
Das ist die gebannte Spinnenlenor',
Die den Haspel dreht im Geröhre!

Dein Gedicht ge-ixt:

xXxXxXxX
xXxXxXxX
xXxXxXxX
xXxXxXxX,,,,,,,,,Regelmäßige Jamben, alle Verse enden mit stumpfen .......................Endungen (und das verleitet beim Vortrag schnell zu
.......................Leiern - die Wiederholung gleichlautender Verse verstärken
.......................diese Gefahr noch und vielleicht rührt daher meine Unlust
.......................am Pantun. Nix gegen fremde Kulturen, aber dann bitte
.......................was Spannenderes als malaiische Kultgeänge)

Wie anders Annette:

XXxXxxXx (ich könnte mich auch mit xXxXxxXx anfreunden)
xXxXxXxX
xXxXxxXx
xXxXxxXxxX
xXxXXxxXxX (xXxXxxxXxX - ging auch)
xXxxXxXxxX
xxXxXxxXx

Da gibt es klingende und stumpfe Kadenzen, auch mal einen Hebungsprall, da gibt es Jamben, Daktylen und einen Anapäst, unterschiedliche Verslängen und - das Ding lebt!
Das ist kein Vorwurf, der an Dich gerichtet ist, aber die Kommentatoren und
-innen sollten beherzigen: Schuster, bleib bei deinen Leisten.

Übrigens: Auch bei deutschen Dichtern gibt es Pantuns, die aber durchaus mit den Endungen variieren.

Liebe Grüße,
Heinz
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Alt 26.02.2019, 23:48   #11
weiblich Ex-Serpentina
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Hallo Heinz,

das mit Anette von Droste Hülsoff ist wohl ein bisschen aus dem Ruder gelaufen. Zaubersee hatte eine inhaltliche Assoziation dazu und die Anfangszeile im Kopf. Ich bin dann meinen Erinnerungsspuren gefolgt und habe mich gefragt, ob ich entfernt an das Gedicht gedacht habe und fand, ebenfalls nur inhaltlich, eher Erinnerungsspuren zum Totentanz.

Bevor ich mit dem Gedicht anfing, hatte ich mir vorgenommen, verschiedene Sinne anzusprechen und fand mich dann im Moor wieder, welches ich dann mit Moorleichen belebte.

Dann kam Schreibfan, die loswerden wollte, dass sie das Pantun gelungen findet, aber A. v. D. nicht mag, was alte Lyrikerin aufgriff, um ihre Wertschätzung gegenüber
A.v. D. zu äussern. Ich wiederum wollte nun nicht fälschlicherweise als Kennerin gelten, auch wenn ich einzelne Werke kenne und schätze.
Dass ich die Judenbuche gelesen habe, ist lange her und mir ist nicht viel in Erinnerung geblieben, ich weiss nur, dass mir eine solche Abwertung wie Schreibfan sie äusserte, nie in den Sinn gekommen ist und es freut sicherlich nicht nur mich, dass du hier eine Lanze für A. v. D. brichst.

Danke auch für deine Mühe, die du dir damit gemacht hast, das Versmass zu entschlüsseln und auf eine vielgestalterische Möglichkeit der Metrik hinzuweisen Das werde ich im Auge behalten.

Das Einzige, was ich auch mit viel Wohlwollen nicht begreifen kann, ist dies:

Zitat:
Nix gegen fremde Kulturen, aber dann bitte
was Spannenderes als malaiische Kultgeänge)
Was soll ich damit anfangen, lieber Heinz?

Erstens ist das bereits ein deutsches Pantun und kein malaaischer Kultgesang. Weiter habe ich gelesen, dass Pantuns auch eine erzählerische Funktion hatten, weshalb mir auch die Idee nicht abwegig erschien, eine Schauergeschichte zu erfinden, die in der Form dann vorgetragen wird. Von Kultgesang kann also keine Rede sein.

Also hilf mir bitte:

Wieso möchtest du, so kommt es zumindestens bei mir an, das Schreiben von einem Pantun in Frage stellen, wenn ich doch in dem Fall diejenige war, die für sich entschieden hat, ein Pantun schreiben zu wollen.
Offensichtlich wollte ich es, sonst stünde es nicht da. Und Freude hat es mir auch gemacht.
Wenn ich von dir fordern würde, eines zu schreiben, könnte ich die Reaktion verstehen.
Du kannst also etwas zu dem Pantun sagen, aber doch nicht meine Entscheidung in Frage stellen, eines geschrieben zu haben.

Ich bin nur dann nicht darüber verwirrt, wenn ich das als deine Meinungsäusserung verstehe, dass für dich ein Pantun schreiben verschwendete Zeit wäre. Damit kann ich gut leben.

Vielen Dank nochmal, für deinen ansonsten konstruktiven Beitrag.
LG,
Serpentina
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Alt 27.02.2019, 00:28   #12
weiblich Ex-Serpentina
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Da wir nun von Moor auf Droste-Hülssoff gekommen sind, bin ich im Laufe des Fadens neugierig geworden und habe festegestelle, dass ihr bei "Lyrik für alle" 4 Teile gewidmet wurden.

Falls jemand Interesse hat:

https://youtu.be/V4nPR3swMFo
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Alt 27.02.2019, 08:07   #13
männlich Nöck
 
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Liebe Serpentina,

dein Pantun erzeugt beim Lesen eine leicht schaurige Stimmung, das war ja auch so beabsichtigt. Ganz rund läuft das Pantun allerdings nicht.

Zitat:
Der Wind weht einsam übers Moor
und Nebel tanzt im grauen Kleid,
es kriecht aus dem Morast empor,
ein Wesen - schaurig wie es schreit.

Und Nebel tanzt im grauen Kleid,
Gestank nach Tod betäubt den Sinn,
ein Wesen - schaurig wie es schreit,
in Bann geschlagen, seh ich hin.
In der unteren Strophe passt die kursive Zeile nicht mehr richtig, sie wirkt wie hineingezwängt. Genau das ist ja die Hürde, die es beim Erstellen eines Pantuns zu meistern gilt.

Ich habe versucht, diese Stelle runder zu machen und zur Anschauung noch ein paar weibliche Versschlüsse eingebaut.

Der Wind weht einsam übers Moor
und Nebel zieht durch kahle Bäume,
es kriecht aus dem Morast empor,
ein Wesen – Schrecken dunkler Träume.

Der Nebel zieht durch kahle Bäume,
Gestank nach Tod betäubt den Sinn,
ein Wesen – Schrecken dunkler Träume -
erhebt sich und schaut zu mir hin.


Das Pantun kann man mögen oder auch nicht, genau so wie jede andere alte Gedichtform. Wikipedia hat ein paar positive Eigenschaften hervorgehoben.

Zitat:

"Die besondere Wirkung des Pantuns beruht auf dem Bedeutungsspiel seiner Wiederholungen. Aus der Reihung sachlicher und gefühlbeladener Zeilenpaare ergibt sich ein kunstvolles Flechtwerk. Da ganz am Ende auch die erste und dritte Zeile als zweite und letzte Zeile wiederkehren, schließt sich der Kreis. Die zyklische Gestalt des Gedichtes führt den Hörer oder Leser wieder harmonisch an den Anfang zurück."

Viel Spaß weiterhin beim Dichten von Pantuns und anderen Gedichtformen.

Liebe Grüße
Nöck
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Alt 27.02.2019, 11:32   #14
männlich Heinz
 
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Liebe Serpentina,
ach ja, manchmal schieße ich übers Ziel hinaus, manchmal auch daneben.
Die malaiische Komponente - vergiss sie, sie war nur ein zarter Hinweis auf die Entstehungsgeschichte des Pantun. Mir geht es da so, wie bei der Haiku-Manie,
die meine japanischen Freunde überhaupt nicht verstehen und sich lieber mit weiter entwickelten Dichtkünsten ihren literarischen Appetit befriedigen.
Zu Deinem Pantun habe ich meine kritischen und hoffentlich nicht verletzenden Bemerkungen gemacht. An Nöcks Beispiel (der die Verse durch alternierende Kadenzen - mal klingende, mal stumpfe Versendungen "lesefreundlicher" macht) kann man erkennen, dass man aus dem eintönigen Takt regelmäßiger Jamben stets gleicher Anzahl "ausbrechen kann.
Eine Lanze für Annette von Droste-Hülshoff zu brechen fällt mir leicht, weil sie -einem erzkatholischen Elterhaus entstammend im Gegensatz zum Frauenbild der römisch-katholischen Kirche ein hochgebildetes Mädchen und später eine hochgebildete Frau war. Das war schon etwas Außergewöhnliches, ja sogar etwas Bewundernswertes.
Dein Link zur "Stimme der Lyrik", Lutz Görner, bringt mich dazu, Dir mitzuteilen, dass sich am 9. März (Samstag in einer Woche) ein knappes Dutzend Schreiberlinge in Berlin (um 15.oo Uhr in der Gaststätte "Maria", Bundesallee 181) treffen, um anschließend eine Veranstaltung (auch Bundesallee, aber Nr. 15) zu besuchen, in der eben diese Stimme der Lyrik als Moderator durch ein Programm (Robert Schumann) führt, in dem ein junger Tenor singen und eine phantastische Pianistin (ich habe ihr ein Gedicht "Die Pianistin" gewidmet) namens Nadia Singer (YouTube - Nadia Singer, Beethoven) spielen wird. Mir ist es gelungen, Lutz Görner und seine Künstler nach der Veranstaltung in die genannte Gaststätte zu einem gemeinsamen Abendessen einzuladen (und eine Zusage zu erhalten). Da eine Teilnehmerin aus Termingründen abgesagt hat, wäre noch eine Eintrittskarte zu bekommen. Ich lade Dich herzlich ein! Bei Interesse (immer dran denken: Berlin ist eine Reise wert) erfährst Du natürlich, welche illustren Schreiberlinge dabei sein werden.
Liebe Grüße,
Heinz
Heinz ist gerade online   Mit Zitat antworten
Alt 28.02.2019, 00:10   #15
weiblich Ex-Serpentina
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Zunächst einmal vielen Dank an Nöck, für das anschauliche Beispiel, um aus dem, wie Heinz ja schon angemerkt hatte, etwas monoton leiernden Rhythmus auszusteigen und die rundere Idee, die sich viel leichter einfügt. Das gefällt mir sehr gut.

Zu dem anderen, guter Heinz, versuche ich möglichst komprimiert zu antworten.
Was für ein Zufall, dass der gute Lutz Görner in Berlin sprechen wird und du ihn auch noch zu einem anschliessenden Essen einladen konntest. Du scheinst ja mit vielen fitten Menschen Kontakt zu haben. Bist du etwa der 100 Jährige, der aus denn Fenster sprang?
Nun zu deiner Einladung. Ich fühle mich geehrt und sicher wird das ein kulturell sehr hochwertiger Abend und eine illustre Runde.

Nur:
Hinter Serpentina verbirgt sich ein Mensch und ein Mensch zu sein bedeutet in verschiedene Begebenheiten und Termine eingebunden zu sein. Damit das nicht zu abstrakt bleibt, plaudere ich ein klein wenig aus dem Nähkästchen.
Dieses Wochende wird sich mein jüngster Sohn, der letztes Jahr angefangen hat zu studieren, über einen Besuch von mir freuen. Nächstes Wochende gibt es ein Familientreffen anlässlich des Geburtstages meiner verstorbenen Schwiegermutter. Die alte Dame hatte ihre Kinder und zugehörige Partner gegen Ende ihres Lebens ganz schön auf Trab gehalten, so dass beschlossen wurde, wenigstens einmal im Jahr den bis dahin brachliegenden Kontakt unter den Geschwistern, der dadurch kurzzeitig belebt wurde, zu pflegen.
Das Wochenende drauf geht es mit einer Schar befreundeter Frauen auf eine Hütte, Jasmintee trinken und Haikus dichten. Hehe, Blödsinn. Wir werden das tun, was Frauen gerne tun: Sekt trinken und quatschen. Und wenn mir dann mein Kommunikationssytem heiss gelaufen ist, schlage ich mich in die Büsche und kläre meinen Geist auf der Suche nach einem Haiku. Und so bahnen sich nach und nach, die verschiedensten Begebenheiten (runde und unrunde Geburtstage) und Projekte an, so dass an eine Möglichkeitenerweiterung durch zusätzliche Events erst einmal nicht zu denken ist. Meine Anwesenheit und poetrysche Beteiligung wird wohl virtueller Natur bleiben.
Aber nochmals vielen Dank, dass du mich mit einbeziehen wolltest. Das weiss ich zu schätzen.

Zitat:
Mir geht es da so, wie bei der Haiku-Manie,
die meine japanischen Freunde überhaupt nicht verstehen und sich lieber mit weiter entwickelten Dichtkünsten ihren literarischen Appetit befriedigen.

Da ich nun weiss, dass du gerne über das Ziel hinaus schiesst, wundere ich mich jetzt mal nicht darüber, wie es denn einem vernünftigen Menschen gelingen kann, verschiedene Wortkünste nicht nebeneinander bestehen lassen zu können.

Zitat:
Zu Deinem Pantun habe ich meine kritischen und hoffentlich nicht verletzenden Bemerkungen gemacht.
Alles gut, lieber Heinz. Deine Rückmeldungen, die mich nicht darauf schliessen hat lassen, Heinzfeind Nr. 1 zu sein, kam ja eher auf Samtpfoten daher und war konstruktiv.

Lg,
Serpentina
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Alt 28.02.2019, 01:36   #16
männlich Heinz
 
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Liebe Serpentina,
vielen Fank für Deine ausführliche Begründung Deiner Verhinderung.
Dass Du mir die hundert zutraust, stärkt meinen unumstößliches Vorhaben, mit 101 meinen Löffel abzugeben.
Lutz Görner - den kenne ich seit über vierzig Jahren, füge aber hinzu, dass er mich erst wahrgenommen hat, als ich ihm mein "Gedicht" mit dem Titel "Die Pianistin" zugeschickt habe. Bisher war meine Bekanntschaft also einseitig und durch die Besuche seiner Veranstaltungen,in denen er als Rezitator auftrat, geprägt. Zu einer näheren Fühlungnahme ist es nicht gekommen, weil mein Freund H.P. Minetti, der in Weimar eine zweite CD unter Görners Regie aufnehmen und mich mitnehmen wollte, während eines Kuraufenthalts gestorben ist. Die Veranstaltung "Robert Schmann" kenne ich schon, konnte aber fast ein Dutzend Schreiberlinge animieren, die Veranstaltung in Berlin zum Anklass eines Treffens nehmen. Meine Einladung an Lutz Görner und seine Künstler wurde ohne Probleme akzeptiert und ich freue mich nun aus zweierlei Gründen auf Berlin.
Bestimmt ergibt sich mal die Möglichkeit eines persönlichen Kennenlernens.
Liebe Grüße,
Heinz
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Alt 28.02.2019, 02:13   #17
männlich Ralfchen
 
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Zitat:
Der Wind weht einsam übers Moor
und Nebel tanzt im grauen Kleid,
es kriecht aus dem Morast empor,
ein Wesen - schaurig wie es schreit.

hallo S -

kann der wind EINSAM wehen? oder ist das Moor einsam? Nebel tanzen nie, sie lassen sich zart nieder oder hängen über (meinetwegen) dem moor.

Der Wind weht übers stille...
und Nebel zieht im grauen.
..

vlg
r
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Alt 28.02.2019, 06:56   #18
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@Rchen,

Nun, ich hatte mit dem Wind beim Carsting ein ziemlich ausführliches Gespräch. Zur Begrüssung zitierte ich damals einen Auszug aus dem Gedicht "Die Elemente" von Anette von Droste.

Und dreimal gegrüßt mein Geselle Wind,
Der stets mir wandelt zur Seite,
Im Walde flüstert durch Blätter lind,
Zur Höh' gibt springend Geleite.
Und hat die Gems, das listige Tier,
Mich verlockt in ihr zackiges Felsrevier,
Wie sind wir Drei dann so ganz allein,
Du, Luft, und ich und der uralte Stein!«


Danach fragte ich ihn, welchen Auftritt er sich in meiner bescheidenen Mooreszene vorstellen könnte und er antwortete, dass er am Anfang gerne einsam über das Moor wehen möchte.
Der tanzende Nebel überlegt es sich noch. Er würde lieber in einem Balett mit spielen.
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Alt 28.02.2019, 10:18   #19
weiblich Schreibfan
 
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[
Aber nein, liebe Serpentina. Wir müssen doch realistisch und Modern bleiben. Schau, so:


Der Wind, er breakdanced durch das Moor
und Nebel dived im grauen Kleid,
Wer jumped aus dem Morast empor?
Bushido - schaurig wie er schreit.

Und Nebel dived im grauen Kleid,
Gestank nach Tod betäubt den Sinn,
Bushido - schaurig wie er schreit,
in Bann geschlagen, seh ich hin.

Gestank nach Tod betäubt den Sinn,
noch frisch bekifft da steh ich starr.
in Bann geschlagen, seh ich hin,
da kraucht hervor der Sido gar.

Noch frisch bekifft, da steh ich starr.
in Mitten dieser krassen Gruft,
Da kraucht hervor der Sido gar.
die Kehle zu, ring ich nach Luft.

In Mitten dieser krassen Gruft,
Da bietet sich ein Anblick dar...
(die Kehle zu, ich ring nach Luft)
... gibt nichts, das gruseliger war!

Da bietet sich ein Anblick dar:
Wer jumped aus dem Morast empor?
Gibt nichts, das gruseliger war.
Der Wind! Er breakedanced durch das Moor.

So, Jetzt stimmts!

(Dies ist mein Beitrag zum Workshop "Kritisieren, einfach weils mir Spaß macht", der hier seit einiger Zeit angeboten wird)
Schreibfan ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 28.02.2019, 11:33   #20
weiblich Unar die Weise
 
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Ich liebe diese Zeile Der Nebel tanzt im grauen Kleid, ich habe da sofort ein Bild im Kopf.
Mal schauen, ob ich es malen könnte.
Ich bewundere jene, die sprachlich solche Bilder erschaffen und ärgere mich etwas, dass mir solch eine Metapher nicht eingefallen wäre.
Dein Moorgesang sprüht eine ganze Bilderflut, dass es eine Freude ist.
Und bei jedem neuen Kommentar lese ich dein Gedicht wieder und wieder und stapfe dabei tiefer und tiefer in dein Werk.

Nochmals lobend
die Unar
Unar die Weise ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 28.02.2019, 15:32   #21
weiblich Ex-Serpentina
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Hallo Schreibfan,

danke für die gekonnte Parodie. Ich sehe, hier ist ganz schön was los, in so einem Moor.

Hallo Unar,

es freut mich, dass bei dir zahlreiche Bilder entstehen.
Die Affinitäten zu Bildern können unterschiedlich ausfallen.
So ist es und so darf es zum Glück auch sein.


Ich habe, aus Freude am Ausprobieren und zur Übung, eine 2. Variante gedichtet, die auch weibliche Kadenzen enthält. In der letzten Strophe weiche ich einfach etwas von der strengen Form ab.

Im Moor

Der Wind weht einsam übers Moor
und Nebel zieht durch kahle Bäume,
es kriecht aus dem Morast empor,
ein Wesen – Schrecken dunkler Träume.

Der Nebel zieht durch kahle Bäume,
vor Angst, weiss ich nicht mehr wohin,
ein Wesen – Schrecken dunkler Träume -
erhebt sich und schaut zu mir hin.

Vor Angst weiss ich nicht mehr wohin,
Entsetzen bleicht mein dunkles Haar,
erhebt sich und schaut zu mir hin,
gefolgt von einer ganzen Schar.

Entsetzen bleicht mein dunkles Haar,
mir stockt bei dem Gestank der Atem,
gefolgt von einer ganzen Schar,
bin ich - paralysiert- am Warten.

Mir stockt bei dem Gestank der Atem
die Kehle zu, mir fehlt die Luft
bin ich - paralysiert - am warten,
inmitten dieser Grabes Gruft.

Die Kehle zu, mir fehlt die Luft,
ich seh die Schlacht, die hier geschehen
inmitten dieser Grabes Gruft,
die schlimmsten Horrormausoleen.

Nach Mitternacht ist es vorbei,
nichts kriecht mehr aus dem Sumpf empor
verschwindet alle Geisterei,
der Wind weht einsam übers Moor.
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