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Zeitgeschehen und Gesellschaft Gedichte über aktuelle Ereignisse und über die Menschen dieser Welt.

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Alt 25.04.2019, 15:31   #1
männlich J.-C.Langenfeld
 
Dabei seit: 04/2019
Ort: Cuxhaven
Beiträge: 19

Standard Lieber Vermieter

Ich steh vor Deiner Tür
mit vielen andern hier.
Die Schlange reicht bis sonst wohin.
Es dauert noch, bis ich dran bin.

Du hattest inseriert,
ganz freundlich formuliert.
Du wolltest, dass ich zu Dir komm.
Jetzt bin ich da und warte fromm.

Zwei Zimmer, Küche, Bad:
Fünf Meter im Quadrat.
Ein Fenster, das nach Norden geht,
wo nachts die Leuchtreklame steht.

Ein halber Monatslohn,
den kostet es halt schon.
Du hast ja auch modernisiert
und Vater Staat hat's finanziert.

Der Markt, der gibt es her.
Die Auswahl fällt nicht schwer.
Nur Pech für den, der Hartz empfängt,
alleinerziehend ist oder trinkt.

Am Ende wird es gut;
ich zügle meine Wut.
Kauf mir ein Zelt, probier es aus
und schlaf im Park vor Deinem Haus.
J.-C.Langenfeld ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 25.04.2019, 18:15   #2
weiblich DieSilbermöwe
 
Benutzerbild von DieSilbermöwe
 
Dabei seit: 07/2015
Alter: 56
Beiträge: 3.931

Gut gereimt. Holprig liest sich allerdings diese Strophe (das Fettgedruckte):

Zitat:
Der Markt, der gibt es her.
Die Auswahl fällt nicht schwer.
Nur Pech für den, der Hartz empfängt,
alleinerziehend ist oder trinkt.
Vielleicht kannst du das noch überarbeiten (wenn du möchtest). Ich denke, es hängt an dem Wort "trinkt". Hier sträubt sich mein Sprachgefühl.

LG DieSilbermöwe
DieSilbermöwe ist gerade online   Mit Zitat antworten
Alt 25.04.2019, 18:21   #3
weiblich AlteLyrikerin
 
Dabei seit: 11/2018
Ort: Burglengenfeld
Alter: 68
Beiträge: 1.136

Hallo J.-C.Langenfeld,

die Mietmisere (das Wort ist fast schon zu euphemistisch für die Betroffenen) hast Du gut beschrieben mit einem ton von Ironie. Nur der folgende Vers
Zitat:
alleinerziehend ist oder trinkt.
stimmt metrisch nicht bei dem sonst rhythmisch stimmigen Gedicht. auch ist der Reim falsch.

Wie wär's mit

Nur Pech für den, der Hartz bezieht,
nur niedrig löhnt oder allein erzieht.

Herzliche Grüße AlteLyrikerin.
AlteLyrikerin ist gerade online   Mit Zitat antworten
Alt 26.04.2019, 09:22   #4
männlich J.-C.Langenfeld
 
Dabei seit: 04/2019
Ort: Cuxhaven
Beiträge: 19

Hallo Silbermöwe.
hallo AlteLyrikerin,

ich danke für die Anregungen.

Bei der Zeile hatte ich auch Probleme, aber mir fiel partout nichts ein (Brett vor dem Kopf...).
Ich denke ich werde es entsprechend überarbeiten, damit es runder klingt.

Vielen Dank!

Jan-Christoph
J.-C.Langenfeld ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 26.04.2019, 09:48   #5
männlich J.-C.Langenfeld
 
Dabei seit: 04/2019
Ort: Cuxhaven
Beiträge: 19

Von einer Misere zu sprechen, ist in der Tat Hohn.

Es handelt sich um eine Verkettung von politischen Fehlentscheidungen gepaart mit der ausufernden Konsequenz unserer Wirtschaftsordnung. Ausbaden müssen es letztlich die Mieter.

Zusammen mit dem Klimawandel ist es DAS Thema der nächsten Jahrzehnte!
J.-C.Langenfeld ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 29.04.2019, 15:11   #6
weiblich Zinaida
 
Benutzerbild von Zinaida
 
Dabei seit: 03/2019
Ort: Schweiz
Alter: 23
Beiträge: 153

Zitat:
Zitat von DieSilbermöwe Beitrag anzeigen
Gut gereimt. Holprig liest sich allerdings diese Strophe (das Fettgedruckte):



Vielleicht kannst du das noch überarbeiten (wenn du möchtest). Ich denke, es hängt an dem Wort "trinkt". Hier sträubt sich mein Sprachgefühl.

LG DieSilbermöwe
Schliesse mich 1 zu 1 Silbermöwe an. Es ist lässig zum lesen und die inhaltliche Idee, finde ich, ist gut gelungen in der Umsetzung. bis auf die erwähnte eine holprige Strophe. Als Alternative bietet sich an:

Nur Pech für den, der Hartz empfängt,
trinkt oder allein erzieht.


Vielleicht findest du den Vorschlag doof, darfst du auch. Ist dein gutes Recht oder möchtest es generell nicht ändern, weil es auf deine Weise einen besonderen emotionalen Wert für dich hat. Hoffe konnte dennoch einen nützlichen Input leisten.

Liebe Grüsse
Zinaida
Zinaida ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 30.04.2019, 09:57   #7
männlich J.-C.Langenfeld
 
Dabei seit: 04/2019
Ort: Cuxhaven
Beiträge: 19

Danke Zinaida,

ich bin für alle Anregungen offen, die mein Gedicht verbessern können.

Im stillen Kämmerlein sieht man oft den Wald vor lauter Bäumen nicht.

Also Danke!

Viele Grüße

Jan-Christoph Langenfeld
J.-C.Langenfeld ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 30.04.2019, 10:03   #8
männlich J.-C.Langenfeld
 
Dabei seit: 04/2019
Ort: Cuxhaven
Beiträge: 19

Zitat:
Zitat von J.-C.Langenfeld Beitrag anzeigen
Ich steh vor Deiner Tür
mit vielen andern hier.
Die Schlange reicht bis sonst wohin.
Es dauert noch, bis ich dran bin.

Du hattest inseriert,
ganz freundlich formuliert.
Du wolltest, dass ich zu Dir komm.
Jetzt bin ich da und warte fromm.

Zwei Zimmer, Küche, Bad:
Fünf Meter im Quadrat.
Ein Fenster, das nach Norden geht,
wo nachts die Leuchtreklame steht.

Ein halber Monatslohn,
den kostet es halt schon.
Du hast ja auch modernisiert
und Vater Staat hat's finanziert.

Der Markt, der gibt es her.
Die Auswahl fällt nicht schwer.
Nur Pech für den, der Hartz bezieht,
der niedrig löhnt, allein erzieht.

Am Ende wird es gut;
ich zügle meine Wut.
Kauf mir ein Zelt, probier es aus
und schlaf im Park vor Deinem Haus.
So klingt es etwas runder, wenn auch nicht perfekt....
J.-C.Langenfeld ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 30.04.2019, 10:57   #9
männlich Nöck
 
Dabei seit: 12/2009
Ort: In den Auen des Niederrheins
Beiträge: 1.931

Hallo J.-C.L.,

du hast ein ernstes Thema gekonnt auf die Schüppe genommen, prima.

Nun möchte ich auch noch etwas zu den beiden letzten Versen der vorletzten Strophe beitragen.

Nur Pech für den, der Hartz bezieht,
der niedrig löhnt, allein erzieht.


"Löhnen" bedeutet ja zahlen, also wäre "der wenig löhnt" passender. Aber wer Hartz bezieht, zahlt logischerweise weniger, also muss das nicht noch erwähnt werden. Es gibt schließlich noch mehr Kriterien, die dem Vermieter nicht gefallen, weshalb er die Wohnung jemand anderem gibt. Es könnte z.B. so lauten, wobei deine anfängliche Aussage sinngemäß erhalten bleibt:

Nur Pech für den, der Hartz bezieht,
nach Fusel riecht, allein erzieht.


Viel Spaß beim Tüfteln.

LG Nöck
Nöck ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 30.04.2019, 13:11   #10
männlich Heinz
 
Benutzerbild von Heinz
 
Dabei seit: 10/2006
Ort: Hilden, NRW
Beiträge: 5.111

Lieber J.-C.Langenfeld,
das Thema ist aktuell und wird noch an Gewicht zulegen. Mich wunderts, wie still sich die Gemolkenen verhalten.
Sprachlich fehlt es (nur ein bisschen) an letzter Perfektion. Um nicht nur zu meckern, hier meine Version:

Ich steh vor Deiner Tür
mit vielen andern hier.
Die Schlange reicht bis sonst wohin.
Es dauert noch, bis ich dran bin.

xXxXxX
xXxXxX
xXxXxXxX
xXxXxXxX (hier liegt eine Senkung auf "dran")

es dauert noch, bis ich der nächste bin = xXxXxXxXxX

Die Verlängerung des Verses korrespondiert mit der Wartezeit.

Du hattest inseriert,
ganz freundlich formuliert.
Du wolltest, dass ich zu Dir komm.
Jetzt bin ich da und warte fromm.

Zwei Zimmer, Küche, Bad:
Fünf Meter im Quadrat.
Ein Fenster, das nach Norden geht,
wo nachts die Leuchtreklame steht.

(Das wären 25 Quadratmeter für 2 Zimmer + Küche + Bad, mach ein Zimmer, Küche und Bad daraus oder 6 Meter im Quadrat - es wäre nachvollziehbarer)

Ein halber Monatslohn, (einen halben Monatslohn)
den kostet es halt schon.
Du hast ja auch modernisiert
und Vater Staat hat's finanziert. (Apostroph ist überflüssig)

Der Markt, der gibt es her.
Die Auswahl fällt nicht schwer.
Nur Pech für den, der Hartz bezieht,
der niedrig löhnt, allein erzieht.

Die letzten beiden Verse sind nicht stimmig. Vom Mietpreis war bisher keine Rede; er wird meistens im Inserat angegeben. Da die Miete für eine "angemessen" große Wohnung bei Hartz IV-Beziehern übernommen wird, zieht das Argument nicht (eher die Aversion des Vermieters gegen Hartz IV-Empfänger.
"der niedrig löhnt" ist ganz daneben. Du machst den Wohnungssuchenden zu einem Arbeitgeber, der niedrig "löhnt", also bezahlt. Ein Alleinerziehender wird sich auch nicht um eine 25 Quadratmeter-Wohnung bemühen

Am Ende wird es gut;
ich zügle meine Wut.
Kauf mir ein Zelt, probier es aus
und schlaf im Park vor Deinem Haus.

Am Ende wird es gut:
Ich zügle meine Wut,
kauf mir ein Zelt, probier es aus
und schlaf im Park vor Deinem Haus.

Die Pointe sitzt nicht: Wäre er allein, wäre alles o.k., aber er ist, siehe oben,
Alleinerzieher, hat also mindestens ein Kind.

Der Tenor Deines Gedichts gefällt mir, leichte Verbesserungen täten ihm gut.

Liebe Grüße,
Heinz
Heinz ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 30.04.2019, 20:35   #11
männlich J.-C.Langenfeld
 
Dabei seit: 04/2019
Ort: Cuxhaven
Beiträge: 19

Lieber Nöck,
lieber Heinz,

ich danke euch für diese konstruktive Kritik.
Werde sicherlich noch ein bisschen tüfteln und ggf. das ein oder andere anpassen.

Das Thema scheint große Relevanz zu haben.
Komisch, dass der Druck auf den Kessel nicht steigt(außer ein paar überflüssiger Enteignungsdebatten; überflüssig, weil politisch sowieso nicht annähernd umsetzbar).

Da ich beruflich mit den Themen Hartz IV und Mietkosten zu tun habe, weiß ich, wie schwer es für Menschen mit Sozialbezug und geringem Einkommen ist, bezahlbaren Wohnraum zu finden.

In diesem Sinne: Schönen ersten Mai!

Jan-Christoph Langenfeld
J.-C.Langenfeld ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 04.05.2019, 10:13   #12
männlich Gylon
 
Dabei seit: 07/2014
Beiträge: 4.268

Lieber J.-C.Langenfeld,
für mich ein super Thema mit kleinen Textschwächen. Das trinkt würde ich z.B in Fremd ändern. Guter Ansatz den ich sehr gerne gelesen habe!

Liebe Grüße Gylon
Gylon ist offline   Mit Zitat antworten
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Lesezeichen für Lieber Vermieter

Stichworte
markt., miete, wohnung

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