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Zeitgeschehen und Gesellschaft Gedichte über aktuelle Ereignisse und über die Menschen dieser Welt.

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Alt 07.05.2019, 01:55   #1
männlich rudigee
 
Dabei seit: 10/2017
Alter: 24
Beiträge: 14

Standard Die Todsünde des mündigen Bürgers.

Es gab einmal eine Stadt. Diese war anders als alle anderen ihrer Art. Sie war weder groß noch klein. Weder war sie dicht bevölkert oder vereinsamt. Diese Stadt widmete ihre Existenz dem Literaturgut der Zeit, der Geschichte des Einzelnen und dessen Schicksal. Es gab keine Straßen, keine Geschäfte und keine Sehenswürdigkeiten. Weder gab es tolle Restaurants, Konzerthallen oder Tiergärten. Es gab nur eines: Eine Bibliothek. Die schönste Sammlung von Wissen der ganzen Zeitgeschichte fand man dort. Doch nicht jeder durfte dieses Gebäude betreten. Im Sinne des nordischen Gottes Odin, verlangte das Betreten der Immobilie ein Opfer, ein Symbol der Wertschätzung gegenüber der gesammelten kulturellen Leistungen. Natürlich wurde nicht verlangt, dass sich die Suchenden, wie Odin, ein Auge ausreißen mussten und es gab auch sonst keine katalogisierte Leistung die zu erbringen war. Das Opfer, das es galt zu tilgen, war von individueller Natur, eine Anekdote des Einzelnen. Ein Beitrag zu dem Großem. Eine rituelle Handlung, die für jeden anders, aber für alle das gleiche Resultat erhielt. Eine Katharsis, eine Loslösung des Weltlichen und eine gleichzeitiges Bekenntnis zum körperlichen. Denn nur wer Zarathustra, den Pförtner, zufriedenstellen konnte, durfte diese heiligen Hallen betreten. Also sprach Zarathustra zu den Bittstellern: Was gibst du ? Welchen teil von dir wirst du geißeln, damit das Wissen zu dir spricht?

Die Meisten wurden abgelehnt. Sie verstanden nicht, was Zarathustra von ihnen wollte. Viele versuchten es mit Geld, andere opferten sich selbst und wieder andere versuchten Zarathustra mit Schmeicheleien zu überzeugten. All das konnte nicht ferner sein, als das, das Zarathustra forderte. Es galt die Todsünde des mündigen Bürgers, das hochhalten der Moral, zu überwinden. Es galt die Moral dem Wissen zu opfern. Es galt die Moral, als tote Ideologie zu erkennen und zu verbrennen. Es galt frei zu werden von der falschen Askese, die die Menschen plagt um dem Wissen treu zu sein. Es galt das eigen gute für das böse an dem Anderen einzutauschen. Dann, so Zarathustra, wird der Mensch sich überwinden und zum Übermenschen, dann, in dieser Form, durfte man die Bibliothek betreten.

Und somit verschwand die Stadt, denn Zarathustra reiste weiter, falsch verstanden von der kommenden Zeit. Seine Botschaft brachte den Untergang mit sich, Millionen Tote mahnen, historische Katastrophen, missbraucht von dem falschen Allvater, der nicht verstand.

Doch nun, eine neue Zeit, neues Denken, Hoffnung, auf ein baldiges Wohl der Götter.

Gruß, Teutates.
rudigee ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 07.05.2019, 02:15   #2
männlich Ralfchen
 
Benutzerbild von Ralfchen
 
Dabei seit: 10/2009
Ort: London-Kaufbeuren-Wien
Alter: 72
Beiträge: 10.273

hallo - falsche rubrik und du postest gleiche texte in verschiedenen bereichen das geht nicht. hab veranlasst dass das richtig gestellt wird.

vlg
r
Ralfchen ist offline   Mit Zitat antworten
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Lesezeichen für Die Todsünde des mündigen Bürgers.

Stichworte
allvater, zarathustra

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