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Alt 12.03.2018, 11:42   #232
männlich Schmuddelkind
 
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Standard Brief Nr. XXXI

Liebe Babsi,

ich suche nach beschönigenden Umschreibungen in der Hoffnung, wenn es mir leichter von der Hand gehe, sei es auch leichter in meinem Herzen zu tragen. Aber es hilft nichts. So ernüchternd, wie es über mich kam, so ernüchternd muss ich es mit dir teilen: Sie sagte ihren Besuch gestern ab. Hin- und hergerissen sei sie gewesen zwischen Vorfreude und Zweifel. Wenngleich ich genau verstehen konnte, wie ihr zumute sein müsse, fand ich mich trunken im Zwiespalt innerer Kräfte. Da konnte ich nicht anders, als wenigstens in einem Punkte Klarheit zu suchen, denn in der Hingabe zur Ungewissheit ahnte ich düstere Ewigkeit, und ich eröffnete ihr die gesamte Tiefe meines Empfindens.

Dich wird interessieren, wie ich mich angestellt habe, doch dies macht keinen Unterschied. Sie teilt meine Liebe nicht und nichts ist mehr von Belang. Zwar schrieb sie mir die liebsten Komplimente - und selbstpeinigend trug ich sie mir heute immer wieder vor - zwar befand sie, dass sie keinem Menschen so viel anvertrauen könne wie mir - ach, warum ausgerechnet mir? Und ich träumte von einer Welt, in der sie diesem Vertrauen zum Zeichen ihre Hand in meine legt. Zwar meinte sie, sie müsse wohl verrückt sein, doch sie empfinde nicht dasselbe wie ich und ich erkannte, dass die ganze Welt ein großes Missverständnis sein muss.

Die Wirklichkeit wollte ich mir austreiben - mit Wein und Poesie - und bin heute doch wieder darin aufgewacht. Dann schrieb ich ihr einen Brief, von welchem ich einen Auszug mit dir teilen möchte:

"Gestern Abend habe ich sehr klar gesehen, dass dies ein Ende und ein Anfang zu gleich ist, aber ich habe das Ende zunächst höher gewichtet.

Heute Morgen aber habe ich darüber nachgedacht, welche Gründe ich meinte zu erkennen, dass du meine Gefühle erwidern könntest und da kam mir z.B. die folgende Aussage in den Sinn: "Wenn du noch einen solchen Schwächeanfall erleidest, dann rufe mich an, auch wenn es nachts um drei ist!". Ich hatte den Gedanken als unsinnig von mir gewiesen, dies könntest du aus Freundschaft gesagt haben, denn es schien mir viel zu aufopfernd und empfindsam dafür zu sein.

Jetzt, da ich aber weiß, dass du dies aus der reinen freundschaftlichen Liebe heraus gesagt hast, bin ich umso glücklicher darüber, denn so viel Nähe findet man nicht alle Tage und wenn ich mir diesen Satz in diesem Bewusstsein selbst sage, dann steigen mir fast Freudentränen in die Augen.

Und es hat mich dazu angeregt, weiter über Freundschaft und Liebe zu reflektieren. Fast neige ich dazu, dass freundschaftliche Liebe schöner und umfassender ist, als die Liebe zwischen Frau und Mann. Die Liebe unter Freunden ist leicht und geduldig. Sie trägt so natürlich empor und erträgt so Vieles. Die Liebe zweier Liebender ist schwer. Sie verschlingt beide völlig in dem Gedanken, für den Anderen zu leben, dass die Seele erstarrt und sich nur aus ihrer Starre zu befreien weiß, indem sie aufhört zu lieben. Ich neige dazu zu glauben, dass die wahre Liebe in der Freundschaft liegt und ich bin so dankbar, mit dir befreundet zu sein und erkenne, dass ich so viel mehr gewonnen als verloren habe!"

Das klingt alles sehr sinnig und heilsam, nicht wahr? Und beinahe überzeugen meine Worte mich auch. Doch ganz gleich, wieviel Wahrheit darin ist - die Welt ist eine Lüge und kaum mehr kann ich in meinen Worten sehen als der hinterlistige Versuch meines Verstandes, mich zu trösten. Nein, ich kann mir vor ihrer Allgegenwart selbst kein Freund sein! Jedenfalls werde ich nicht mehr mit ihr telefonieren.


Abschied

Ich stehe stumm im Regen
winke dir, als wenn ich wüsste...
Oh, du vielfach Ungeküsste,
wenn ich wüsst weswegen...
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Alt 13.03.2018, 12:20   #233
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Standard Brief Nr. XXXII

Danke Babsi,

für deine Anteilnahme! Bedrängen wollte ich sie sicherlich nicht mit meiner Ehrlichkeit, aber ich gebe zu, dass ich es billigend in Kauf genommen habe, um nicht im Nebel zu stehen. Weiterhin will ich ihr und mir aber von nun an etwas Ruhe gönnen. Wenn es nicht so schwer wäre! Sie rief mich an und ich, ach... ja, ich wollte es klingeln lassen. Über die ersten vier Klingelzeichen war ich auch erhaben, aber das fünfte hat mich überzeugt, doch den Hörer abzunehmen. Es ist... du kannst dir den Mangel in meiner Seele nicht vorstellen, als ich ihr zu verstehen gab, dass ich zumindest für eine Weile nicht mehr mit ihr telefonieren möchte. Ach, "möchte" - pfui! Welch schlecht gewähltes Wort! Überhaupt sind alle Worte von mir falsch und doch stehe ich dazu.

Sie spürte den Schmerz in meiner Stimme. Ihre Seufzer tasteten sich vorsichtig im Dunkeln voran und suchten nach Worten des Trostes. Doch da sie ahnte, dass mir in ihrer Stimme mehr Leid als Linderung zuteil wird, beließ sie es bei einer schüchternen Verabschiedung. Doch keiner von uns war bereit aufzulegen und da es sonst nichts zu sagen gab, das sie oder ich auszusprechen gewagt hätte, schwiegen wir eine Weile unseren Mangel in das Telefon hinein, bis sie schließlich fragte, ob ich wieder einen schönen Spaziergang gemacht habe.

Ich erwiderte, dass ich an der Pferdekoppel vorbei ging und gerade als ich zum Glauben neigte, man bekomme im Leben nichts geschenkt, entdeckte ich ein Schild mit der Aufschrift: "Pferdemist kostenlos abzugeben." Da musste sie ganz erheitert lachen. So glücklich ich war, sie lachen zu hören, so quälend wurde mir bewusst, wie sehr ich ihr Lachen vermissen werde. Auch fragte sie nach meiner Magisterarbeit und ich gestand, dass diese unter dem schönen Wetter leide und wieder durfte ich sie ganz vergnügt erleben und wieder litt ich an den Widersprüchen, die dies aufwarf. Schließlich verabschiedete sie sich erneut, um sich zu besinnen, doch noch etwas tief Empfundenes zu sagen: "Ich bin so froh, dass es dich gibt. Ich bin immer für dich da." Daraufhin legte ich auf, da ich meine Tränen nicht mehr zurückhalten konnte. Und noch unter Tränen schrieb ich dieses Gedicht:


Untröstlich

Wie ist mir wohl, berührst du meine Hand,
ihr wildes Zittern mit Gefühl zu stillen
und mir dieser Tage beizustehen!

Du hast des Trostes Anlass wohl gekannt.
Drum Liebste, lass sie los um Himmels Willen!
Denn ich werd daran zu Grunde gehen.
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Alt 14.03.2018, 23:19   #234
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Standard Brief Nr. XXXIII

Ach Babsi,

der Unmittelbarkeit ihres alles erfassenden Wesens ausgeliefert - das könnte ich nicht ertragen, auch wenn ich mich noch so sehr nach ihrer Stimme sehne wie nach den naiven Tagen, als das Schicksal unmerklich seinen Lauf nahm. Aber wir schreiben einander und geben mit größtem Bemühen vor, es wäre nichts geschehen.

Heute tauschten wir uns über Heines "Das Fräulein stand am Meere" aus und ich zeigte meine Bewunderung darüber, wie er im Moment der tiefsten Bekümmertheit und des sehnsüchtigen Ausgreifens nach der Unendlichkeit ganz lapidar auf den alltäglichen Lauf der Dinge verweist und darauf, dass die Sonne wieder aufgehen werde. Was ich für mich behielt, schrieb sie als sensible Betrachtung aus: "Aber in dem Augenblick gibt es für das Fräulein keinen Lauf der Dinge. Es gibt nur einen endgültigen Sonnenuntergang." Oh, diese Endgültigkeit überschattet mein ganzes Dasein.

Zumindest bemühe ich mich also, auch ihr zuliebe, nicht mehr darüber zu sprechen. Und doch kann ich nicht anders, als all mein Leid in Poesie einzufassen und sie kann nicht umhin, meine Gedichte zu lesen - das weiß ich. Sie leidet meine Tränen und ich beweine ihre Melancholie. Wieso kann ich es uns beiden nicht einfacher machen? Reicht es nicht aus, wenn einer leidet? Ich bin mir selbst fremd, aber ich würde sonst ersticken. Nun gut, so erhält sie also einen Einblick in meine Wunden und kann doch die Tiefe meines Leidens zum Glück nicht erahnen.


Trauermaske

Geschützt reich ich dir eine letzte Rose,
eine Trauermaske vorm Gesicht.
Du siehst nur meine eitle Schwermutspose.
Meine langen Tränen siehst du nicht.
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Alt 18.03.2018, 13:32   #235
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Standard Brief Nr. XXXIV

Liebe Babsi,

vor einigen Tagen entdeckte ich die grünen Berge des Spessarts bei Gelnhausen für mich. Ganz war ich in der gewaltigen Erscheinung verloren, die ein Mensch nicht zu erträumen vermag und ich wollte nicht länger in ohnmächtiger Bewunderung verharren. Mit jedem Schritt, mit dem ich mich seiner würdig erwies, offenbarte der Berg mir eine neue Seite seiner Selbst, vertraute mir ein Geheimnis an. Mit jedem Schritt spürte ich mehr meines Körpers und ahnte, dass ich am Gipfel bei mir selbst ankommen würde. Als ich über die letzte Anhöhe stieg und der Boden sogleich dem Himmel wich, stand ich mit offenem Munde da, ungläubig, wie klein alles ist, wie klein ich gewesen.

Die unbeherrschte Weite stand mir offen und entzog sich doch meinem Begreifen und ein schmerzhafter Schrei stieg meine Kehle empor und ist doch stumm geblieben. Sie war der Horizont - unerreichbar! Und wenn ich versucht hätte, ihn zu berühren, mich weit nach vorn auszustrecken, wäre ich den Berg hinabgestürzt und der Horizont wäre aus meiner Sicht entschwunden. Ich muss einsehen, dass das Glück sich nur aus der Ferne zeigt und wenn man versucht, es in sein Leben einzuschließen, rückt es nur weiter in die Ferne. Und doch - wie soll man derart unerfüllt vor sich auf den Boden blicken und sehen, dass man steht, wenn einem vor dieser ungekannten Aussicht zu schweben zumute ist? Und so sehr diese Erfahrung mich quält - immer wieder suche ich sie seither auf, wie im Wahn.

Als ich mich heute zum ersten Mal wieder der Welt der Schriftsteller zeigte, durfte ich einige Briefe von ihr lesen - alles kurze, fragende Texte ("Wo bist du denn, du Lieber?" "Ich hoffe, es geht dir gut!" und dergleichen) und sogleich schrieb sie mir erneut: "Du bist wieder da! Es war ganz schön leer ohne dich." Ob ich sie meide oder ob ich aus unglückseliger Distanz an ihrem Leben teilhabe - immerzu fehlt mir etwas.

In ihrer Wortwahl, in der Kürze ihrer Sätze, die mehr zu verbergen als zu offenbaren suchten, konnte ich eine ungenannte Sorge erkennen. Leidet sie etwa an der Ungewissheit, in der sie unsere Freundschaft wiederfindet? Wenn wir miteinander gesprochen hätten, hätte es mir die Sprache verschlagen, sie so in Sorge zu erleben. Gerne hätte ich sie getröstet und konnte doch nur Unzureichendes schreiben. Wie soll man jemanden in Zuversicht wiegen, wenn man selbst Trost braucht, in der Gewissheit, dass nichts wieder gut werden könne? Ich beschloss all dem keinen Grund zuzugestehen, in der Hoffnung, das Grundlose könne nicht fortbestehen.


Perpetuum mobile

Scheinbar ohne einen Grund
ach, haben deine Wangen
deine Tränen, dick und rund
behutsam aufgefangen.

Gefangen darin schaut ein Mann
zu mir und leidet stumm
und fängt sogleich zu weinen an
und weiß nicht recht, warum.
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Alt 18.03.2018, 15:03   #236
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Hallo Schmuddelkind,

die letzten Briefe gefallen mir vom Aufbau sehr gut. Die abschliessenden Gedichte sind jeweils immer ein gelungener Abschluss, und Seelenspiegel des Protagonisten.
Er scheint sich in einer Gefühlseinbahnstraße zu befinden...
"Wegen der unbeherrschten Weite"... Dieser Absatz zeigt wieder das Sich-selbst-in-der-Natur-wiederfinden allzu deutlich. Die Wanderungen sind wie Seelenspaziergänge...
Kritik liegt mir echt fern, tut mir leid

Bin gespannt wie ein Flitzebogen wie es weitergeht...

Take care
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Alt 18.03.2018, 21:43   #237
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Dankeschön lieber Pathos!

Ja, die Einbahnstraße ist außerdem eine Sackgasse, fürchtet der Protagonist wohl.

Besonders freue ich mich, dass du erkennen konntest, dass sich die Seele des Protagonisten in seiner Landschaftsbetrachtung widerspiegelt - "Seelenspaziergänge" ist ein schönes Wort.
Schön, dass dieses Motiv also angekommen ist.

LG
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Alt 19.03.2018, 13:18   #238
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Standard Brief Nr. XXXV

Liebe Babsi,

es wäre anmaßend von der Welt Gerechtigkeit zu verlangen, doch ebenso anmaßend wäre es von einem Menschen zu verlangen, die Ungerechtigkeit anzunehmen. Welchen Sinn soll das alles haben? Sie verstehen wie ich nur sie verstehen kann, wie nur ich sie verstehen kann, derart vertraut zu sein, und doch einsam bleiben! Zwischen all den bekritzelten Papieren stützt sich mein Ellbogen auf meinen Schreibtisch, mein Kopf in die Armbeuge eingesunken und mehr aus der Erinnerung als mit den Augen lese ich seit Stunden ihre Briefe, höre sie vielmehr mir vorlesen und versuche zu verstehen, welche Fehler ich gemacht haben muss, worin mein Hochmut gründete. Doch wenn ich es nicht besser wüsste, wenn dies Briefe wären, zu denen ein Freund meinen Rat erfragte, so könnte ich ihm nur begründete Hoffnung aussprechen, denn so viel bedeutsame Zuneigung kann doch nicht einfach im Nichts versiegen.
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Alt 19.03.2018, 21:23   #239
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So mancher Mensch ist ein Hoffender, wenn es um Liebe geht. Und jede Hoffnung birgt die Gefahr, sich zu täuschen und enttäuscht zu werden. Und wenn das passiert, nimmt man sich vor, das Hoffen zu lassen, weniger in Gesten und Worten des Gegenüber zu lesen. Und dann kommt die nächste Nachricht oder ein Lächeln und die Vorsätze springen freudestrahlend über Bord und winken dabei noch recht frech. Das kann ein Bürde sein.

Werther war so ein Mensch. Deine Figur ist es ebenso. Und so ehrlich und wirklich wie du es schilderst, wage ich zu behaupten, dass du es zumindest einmal warst

Du schreibst so wunderbar.

Gruß,
Laie
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Alt 19.03.2018, 22:15   #240
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Man ist eben nur so stark wie die Liebe es erlaubt. Und da kann man noch so stark sein - wenn einem die Sehnsucht übermannt, zittert die Stimme. Das haben Werther und mein Protagonist wohl tatsächlich gemeinsam. Danke, dass du dies in deine eigenen Worte gepackt hast und danke auch für dein Lob.

LG
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Alt 20.03.2018, 23:03   #241
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Standard Brief Nr. XXXVI

Liebe Babsi,

ihre Freundschaft ist das Wertvollste, das mir noch geblieben ist. Also gebe ich vor, dass ich mein Begehren hinter mir gelassen habe, um dieser Freundschaft den Raum zu geben, den sie braucht. So finde ich mich wieder in der Tragik, dass ich ihr Scherze schreibe, während ich weine. Was ist das für eine Welt, in der ich leiden muss, um sie glücklich zu erleben? Doch wie leidvoll wäre die Welt ohne ihre Freude? Nur in dieser Selbstleugnung dämmert irgendwo in der Ferne etwas sinnhaft hervor. Es ist mir unmöglich, bei klarem Verstande ich selbst zu sein. Entweder bin ich vernünftig oder die Welt ist es, keinesfalls beides.
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Alt 20.03.2018, 23:24   #242
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Genau das zeigt die Diskrepanz der Figur, die Unstimmigkeit der Gefühle und die unvollendete Liebe, an sich fast schon ein Weg in die Katastrophe/Drama...
Oder es fehlt die Akzeptanz der Realität
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Alt 22.03.2018, 09:35   #243
männlich Schmuddelkind
 
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Danke für deine Interpretation, Pathos. Ich habe ganz ähnliche Ideen zum Text wie du.

So wie ich das sehe, geht es zum einen um einen Menschen, der seinen ganz eigenen Weg gehen will, querfeldein, und der daher nicht in diese Welt passt - das zeigt auch seine Sprachverwendung. Man kann dazu positiv sagen, dass er ein Unikat sei, aber man kann auch entgegnen, dass er sich der Realität verweigere.

Zum anderen geht es aber auch um die Konflikte in ihm, um die konfligierenden Kräfte, die in einer sensiblen Seele unbändig walten, sobald ein noch so kleines äußeres Ereignis ihn aus dem Gleichgewicht bringt.

LG
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Alt 22.03.2018, 11:36   #244
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Jetzt habe ich endlich wieder Zeit gefunden, weiterzulesen.
Mit Spannung erwarte ich jeden neuen Brief.
Ich bin immernoch gefesselt.
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Alt 22.03.2018, 14:03   #245
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Hallo Unar,

schön, dass du wieder an Bord bist.
Dann will ich dich nicht länger auf die Folter spannen - der nächste Brief folgt gleich...
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Alt 22.03.2018, 14:13   #246
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Standard Brief Nr. XXXVII

Ach Babsi,

ich leide an der Schönheit der Welt. Ich höre Kinder lachen wie des Frühlings Atem, wie ein Jetzt, dem das Nachher weicht. Und ich gehe zum Fenster und sehe den friedvollsten Sonnenschein und die Bäume voller Zuversicht sprießen. Dies alles ist mir zum Spotte zugedacht. Ich leide an allem, was gut ist, schwärzte die Blumen und schüfe ewige Nacht, wenn mir im Augenblicke, da ich mich nicht mehr in der Welt erkenne, solche Macht zuteil würde.

Dennoch gehe ich hinaus, neige mich nach dem Frühling hin, spüre die Wärme mir durch jede einzelne Pore strömen. Ganz ergreift die Harmonie der Natur Besitz von meinen Sinnen - die Wiese am Hang wird von derselben Sonne in saftigem Grün widergegeben, die die Blümlein am Wegesrand zum Blühen anregt und das Große und Weite findet sich im Kleinen und Nahen wieder - und keinen Anteil habe ich daran. Ganz und gar nichtig bin ich schon, doch nichts kann mir genügen. Vor Verwirrung vergehe ich und verlange nach mehr. Aus einem Blick wird ein Spaziergang. Aus einem Spaziergang wird eine Wanderung. Aus einer Wanderung wird eine Odyssee. Ganz gleich wie weit ich gehe - nie komme ich an.
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Alt 22.03.2018, 14:42   #247
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Ach Schmuddelchen,
deiner Wortwahl und deinem Syntax bin ich längst verfallen.
Würde auch nur ein einz'ger so zu mir sprechen, es käme einer Offenbarung gleich.
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Alt 02.04.2018, 22:27   #248
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Na ja, würde ich so reden, wie mein Protagonist schreibt, würden die mich glatt einliefern.

Sorry, dass ich mich erst jetzt melde. War die letzten Tage "außer Landes".

LG
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Alt 02.04.2018, 22:28   #249
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Dann liefere mich mit ein.
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Alt 02.04.2018, 22:31   #250
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Ach, du weise Irre!
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Alt 02.04.2018, 22:35   #251
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Das wird lustig!
Ich und Du und wir zwei sind ja schon vier. (Zitat)
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Alt 02.04.2018, 22:49   #252
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Standard Brief Nr. XXXVIII

Liebe Babsi,

heute träumte ich von meiner Verdandi: Die Luft hatte sich durch die vorangegangenen Gewitternächte abgekühlt und leichter Nieselregen kitzelte auf der Haut, als wir durch das hüfthohe Gras gingen, von dem wir mit den Handflächen Tropfen pflückten. Die Bäume meidend, die hin und wieder ihr nasses Haupt schüttelten, wussten wir in dem grünen Meer bald nicht, was unser Weg war. Doch noch tiefer war ich verloren im andächtigen Anblick ihres zarten, hellen Gesichts, in welchem sich eine dunkle Strähne verfangen hatte. Sie blickte freudig nach vorn und hatte keine Regung, die Strähne aus den Augen zu streifen und spätestens da überkam mich die Bewunderung für die Leichtigkeit und Selbstverständlichkeit, mit der sie alle Seins-Umstände annahm. Jede ihrer weichen Bewegungen, jeder feine Gesichtszug, jedes Wort drückte eine wundervolle Erhabenheit über die Zukunft aus.

Als wir an einem See ankamen, ach, wie klar spiegelte sich der Wald darin, der das Gewässer zur Hälfte umschloss und zugleich auf einer Halbinsel von ihm umschlossen war! Da wurde der Regen mit einem Mal heftig und ich entfernte mich ein paar Schritte vom Ufer, um mich unter eine Eiche zu stellen. Indes zog sie ihre Kleidung aus, legte sie auf einen Felsen und sah mich an aus Augen, die so eindringlich eine Antwort einforderten, wie sie zärtlich fragten. Ich wusste nicht, ob ich mehr über die Handlung an sich verblüfft war oder über die Schönheit, die sie enthüllte. Ach, wie der Regen sanft ihre Brust hinab perlte! "Du willst doch da nicht wirklich hinein!?" rief ich ihr zu. "Wieso nicht? Im Wasser regnet es nicht." Ich zögerte einen Moment und rief: "Da hast du wohl recht" und erst jetzt begann ich mich darüber zu wundern, dass ich noch immer so weit von ihr weg war, um rufen zu müssen. So nah wollte ich ihr sein, ihr zu zuflüstern und folgte ihr in den See.

Dann wachte ich auf und ihre einladende Nähe wich der unendlichen Ferne. Ich ersehne Vergessen, erstrebe das Nichts und senke meine Lider... in ihren suchenden Blick. Ach, in jeder Erinnerung, in jedem Traum, jedem Bild, das mir aus der Fantasie in die Sinne schimmert, finde ich nur sie und Traum und Wirklichkeit trachten einander nach dem Tode.
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Alt 02.04.2018, 22:50   #253
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Zitat:
Ich und Du und wir zwei sind ja schon vier. (Zitat)
Von wem?
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Alt 02.04.2018, 22:54   #254
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Zitat:
Zitat von Schmuddelkind Beitrag anzeigen
Von wem?
Das weiß ich leider nicht.
Das sagt man bei uns im Dialekt so, wenn man jemand mag.
Du un iech un mei zwä sinner scho vier.


Oder:
Du und ich, Zewa Flüssig und die kleinen Kartoffeln.

Vielleicht stammt das ganz und gar aus meiner eignen Familie.
Find bei google nichts.
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Alt 02.04.2018, 22:59   #255
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Zitate ohne klare Urheber sind mir die liebsten: als hätte es diese Worte schon immer gegeben und sie bedürften keines Menschen, der sie formuliert.
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Alt 05.04.2018, 13:26   #256
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Standard Brief Nr. IXL

Nun Babsi,

ich versuche mich, so gut ich kann, abzulenken. Doch jede Naturschönheit offenbart, wie wenig ich von der wahren Schönheit der Welt sehen kann, wie unvollständig ich ohne ihre Anteilnahme bin. In allen Dingen fehlt sie und dies ist alles, was ich sehe. Jede Handlung, durch die ich mich ausdrücke, drückt zugleich aus, wie sehr ich sie vermisse. Wie gerne würde ich wieder ihrer Stimme lauschen! Ich sehe ein, dass ich es mir nicht gestatten kann. Doch diese Einsicht verschlimmert nur meine Sehnsucht.
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Alt 07.04.2018, 10:05   #257
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Standard Brief Nr. XL

Liebe Babsi,

da sich das Osterfest allmählich nähert, fragte sie, wie ich Ostern denn verbringen wolle und sogleich überschlugen sich ihre Worte und sie schien nicht die Macht besessen zu haben, ihren Text zu ändern - oder sie will ganz ehrlich sein oder ich lese wieder zu viel hinein: dass dies doch der Tag habe werden sollen, an welchem wir uns gesehen hätten, dass sie zu Ostern ganz allein sein werde, dass wir einander vielleicht ein anderes Mal besuchen sollten, wie bemerkenswert sie es finde, dass ich trotz allem noch immer an ihrem Wohlergehen interessiert sei und wieviel ihr unsere Freundschaft bedeute und dass ich überhaupt ein ganz besonderer Mensch sei, was sie dazu veranlasst habe, wieder über ihre Entscheidung nachzudenken: "Ich hätte dich überhaupt nicht verdient."

Was soll das alles heißen? Ist dies Trost? Ist dies Folter? Ist dies Bedauern? Verzweiflung? Hoffnung? Und doch erkannte ich mich in den Wirren ihrer Worte wieder. Ach, so viel tröstende Vertrautheit in der Verwirrung! Und doch so viel Schmerz in ihrem Trost! Und Nähe! Ja, Nähe in unserem Leid!

Ich übte mich in Zurückhaltung und schrieb lediglich, dass ich zu Ostern ebenfalls allein sein werde und verschwieg ihr meine Gründe und sah, wie ihre Einsamkeit die meinige spiegelt, so wie mein Verlangen ihre Zerrissenheit, ihre Zerrissenheit mein Leid spiegelt. Irgendwo in diesem Spiegelkabinett sah ich mich zu ihr aufbrechen, dass die Welt an mir vorüberrauschte, während ich ihr immer näher kam und alle die Widersprüche der Wirklichkeit, Sehnsucht und Geborgenheit, Unrast und Ruhe, Tag und Nacht und Dunst und Regen, sich in einem Kuss vereinten. Jedoch wusste ich, dass so sinnhaft nur Träume sein können und beließ meine Antwort dabei. Stattdessen schrieb ich ein Gedicht:


Dein Trost

Dein Trost ist Grund, warum ich leide.
Drum tröste mich noch öfter, herzlich, wahr!
Denn wenn wir uns umarmen, beide,
dann bin ich deinem Busen ach so nah.
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Alt 09.04.2018, 11:02   #258
männlich Schmuddelkind
 
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Standard Brief Nr. XLI

Liebe Babsi,

du hast sicher recht: die wahre Bedeutung ihrer Worte könnte ich wohl nur erfahren, wenn ich mit ihr spräche. Allein - wie oft kann ein Herz brechen, ehe es zugrunde geht? Stattdessen sitze ich also seit gestern über ihren Brief und deute jedes einzelne Wort. Ich analysiere, kombiniere und fantasiere, doch statt das Undeutliche in einen Sinn zu fügen, werde ich mir selbst ganz undeutlich.

Was hat es zu bedeuten, wenn sie über ihre Entscheidung "nachdenkt"? Heißt es "überdenken"? Oh, für einen Augenblick bin ich der glücklichste Mensch der Welt, ehe der Verstand einwendet: Aber warum schreibt sie, sie hätte mich nicht verdient? Vielleicht bedeutet "nachdenken" also reflektieren und in dieser Reflexion hat sie ihren Frieden mit dem gegenwärtigen Zustand gefunden. Wie kann ich wieder so hochmütig sein und glauben, sie könne es anders sehen? Dennoch drängt sich mir dann aber die Deutung auf, sie wolle mich einladen, sie vom Gegenteil zu überzeugen. Was soll "verdienen" überhaupt bedeuten? Hat man nicht den Menschen verdient, der sich nach einem sehnt, gerade weil er sich nach einem sehnt? Treffen dort nicht Ursache und Wirkung in einem Punkte zusammen? Ist das nicht das Erfüllende an der Liebe, dass sie keines äußeren Anlasses bedarf, dass sie sich aus sich selbst heraus entfaltet?

Ach, ich drehe mich im Kreise - und wenn ich noch so klug wäre, drehte ich mich nur umso schneller im Kreise. Liebe kann doch nicht in solch komplexen Gedanken gedacht werden. Man kann sie nur geschehen lassen. Wie kann ich mich erdreisten, ihre Gefühle in meine Gedanken zu zwängen? Doch es zerreißt mich - die Ahnungslosigkeit, dieses... ach! Beschränktheit und Unendlichkeit und ich dazwischen! Reift in dir auch zuweilen der Wunsch, dich für einige Zeit aus deinem eigenen Leben zurückzuziehen, um dann wieder einen Blick hinein zu wagen und festzustellen, ob es inzwischen richtig erscheint, wieder du selbst zu sein?
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Alt 10.04.2018, 07:54   #259
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Standard Brief Nr. XLII

Liebe Babsi,

noch ehe ich mir einen Reim auf all dieses machen konnte, schrieb sie mir gestern wieder: sie habe all meine Gedichte gelesen und präsentierte mir eine Auswahl ihrer liebsten Werke - darunter auch "Perpetuum mobile". Ob ich dies als Geste oder als Offenbarung deuten sollte? Jedenfalls zeigte ich mich überrascht und ergriffen - ich weiß nicht, ob mehr über das Interesse, das sie preisgab oder doch ob der Tatsache, dass sie, nach allem, Gedichte, deren Muse sie war, derart schätzen kann. Also fragte ich, ob sie es mir nicht verdenke, wenn ich über sie schreibe.

"Wieso denn?" wiegelte sie ab: "Wie könnte ich dir böse sein, ehrliche Worte für deine Gefühle zu finden? Juhuu! Ich wurde verewigt! Und ein bisschen bilde ich mir etwas darauf ein, die Einzige zu sein, die deine Texte so lesen kann, wie ich sie lese. Deine Worte bringen dich mir näher." Nie hätte ich gedacht, dass mein verzweifelter Versuch, Ausdruck zu finden, einem anderen Menschen so viel bedeuten könnte. Verstehst du Babsi? Jemanden in meinem Leben zu wissen, der das, was man nicht in der Begrenztheit beschreibender Sprache widergeben kann, versteht, der den Menschen hinter der Person erkennt und annimmt, ohne zu werten, ohne zu verlangen - unabhängig davon, woraus dies erwächst oder wohin es führt, erfüllt es mich mit Dankbarkeit, die ich nie auszudrücken imstande wäre. Dennoch muss ich mich fragen: Ist ihr die Nähe meiner Worte genug oder sind Worte lediglich Ersatz für die wortlose Nähe, welche ich still ersuche?
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Alt 11.04.2018, 11:03   #260
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Standard Brief Nr. XLIII

Ach Babsi,

bald füllt sich der Mond zum ersten Male seit... Und ich denke an den letzten Vollmond, in dessen mildem Lichte ich mich ihr so nahe wähnte. Auch denke ich an sie. Vielleicht blickt sie auch gerade gen Himmel und erkennt, dass wir vor des Mondes Angesicht an demselben Orte sind und gemeinsam in die Ferne blicken. Ach, irriges Geschwätz! Wieso sollte sie? Allerdings ist sie mein Mond und ihrem geruhsamen Wesen ist meine ganze Unrast zugedacht.
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Alt 11.04.2018, 11:05   #261
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So, fertig! Dieser Brief schließt also an den Eingangspost an und damit ist es abgeschlossen.
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Alt 25.04.2018, 11:28   #262
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Bravo! Bravo! Bravo!

Wann kann ich das Buch kaufen?

Beste Grüße,
Laie
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Alt 26.04.2018, 22:27   #263
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Danke!
Dir gefällt also auch das Gesamtwerk?

Zitat:
Wann kann ich das Buch kaufen?
Oh je, das ist eine Geschichte für sich und ich bin nicht sicher, ob es dafür einen Markt gibt. Ich meine, hier im Forum wurde das Buch ja mehr als positiv aufgenommen (und zumindest das habe ich erreicht, dass ihr was Annehmliches zu lesen hattet). Aber das ist eben eine spezielle Zielgruppe von Leuten, die genauso bekloppt sind wie ich und ein rein lyrisches Werk über 64 Seiten ohne jegliche Handlung wertschätzen können. Wie "normale" Leser es annehmen, bleibt abzuwarten.

Habe es daher auch meinen besten Freunden zur Lektüre gegeben, die wenig bis gar nicht lyrisch vorbelastet sind. Da fällt das Fazit zwar nicht vernichtend, aber eben auch nicht so euphorisch aus. Auf jeden Fall habe ich so noch wertvolle Anregungen erhalten und werde Teile des Buches noch ändern müssen, dann noch dutzende Male Probe lesen und wenn ich dann tatsächlich einen Verlag finden sollte, der das Werk druckt, kann dies ja auch noch ne ganze Weile dauern.

Ich werde es euch aber wissen lassen, falls es so weit kommt. Weiß nicht, ob ich hier dann dafür werben darf, aber wir haben ja noch eine eigene Rubrik dafür...

Jedenfalls vielen lieben Dank für die treue Lektüre, auch an die anderen fleißigen Leseratten, und an eure Feedbacks, die mich auch immer wieder motiviert haben, die Disziplin hochzuhalten und das Buch zu Ende zu bringen.

LG
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Alt 27.04.2018, 06:58   #264
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Bitte reserviere schonmal ein Exemplar, für die Unar.
Herzlichen Dank.
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brieffreundschaft, roman, sehnsucht

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