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Alt 02.10.2018, 02:52   #1
männlich Isengardt
 
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Standard Eine dieser Nächte

Es war nun schon zwei Uhr nachts und ich konnte immer noch nicht den stillen Rufen des Bettes nachgehen. Leise flüsterte mir der Wind seinen kühlen Atem um Beine, Brust und Rücken. "Wie er sich so anschlich?", dachte ich mir. "...durch den Spalt des gekippten Fensters" brabbelte ich vor mich hin. Nichts ahnend, dass das Schniefen meiner Nase unheilvoll sein könnte.

Da war sie nun, die Sehnsucht nach der Wärme einer gefiederten Decke und einer frisch bezogenen Schaumstoffmatratze. Es waren noch ein paar Stunden ehe die Sonne ihre Strahlen über die Baumkronen und Häuserdächer reckte und der Welt in unserer Hemisphäre einen guten Morgen wünschte.

Alles würde seinen Gang gehen.

Der Bäcker, der drei Straßen weiter seiner Arbeit nachgeht und einen wohlig süßlichen Duft in die Nacht entläßt um ein paar Uhrzeigerdrehungen später den Arbeitenden, Studenten und Schülern seine Handwerkskunst darzubieten.

Die Notärztin, die mit pompösen Sirenen die Stille der Nacht durchbricht um schnellstmöglich am vorgegebene Ort zu sein und vielleicht ein weiteres Leben retten kann.

Der Lehrer, der noch immer über den Klausuren von letzter Woche sitzt. Den Rotstift in der einen, das Rotweinglas in der anderen Hand.

Großmutter Erna, die schlaflos in ihrer Wohnung umherwandert. Mal zum Bügeleisen greift um Gustavs Hemd zu glätten, mal zur Fernbedienung um das nächtliche Fernsehprogramm von trist zu schamlos und wieder zurück zu trist zu schalten.

Auch Enkelsohn Hannes ist noch wach. Sitzt vor seinem eigenen Monitor, faselt etwas von einem zehnfachen Killstreak, schaut schuldbewusst auf die Uhr und versinkt nach einigen Sekunden des Zögerns wieder in seiner martialischen Welt aus Explosionen und Gewehrfeuer.

Auch ich bin es noch...wach! Hämmer unentwegt auf die Tastatur ein und denke mir so: "Wenn ich doch nur ein paar Stunden mehr Schlaf hätte!" Es war wieder eine dieser Nächte die mich umtriebig werden ließen. Regale aus und eingeräumt, sinnlose Zeit auf YouTube verschwendet, ein erquickendes Telefongespräch mit der Freundin gehabt nur um dann festzustellen das man die Gongschläge der Toruhr nicht zum Schäfchenzählen benutzen kann.
Denn diese liegen doch einfach zu weit auseinander.

Wie soll man da auch einschlafen können?

Was solls, es hilft doch alles nichts. Ich könnte mich vermutlich in einem Geschichtenforum anmelden und würde doch nur unzusammenhängende Zwei oder Dreizeiler über banale Alltäglichkeiten zusammenbringen.

Mal ordentlich an der E-Zigarette gezogen und schon hüllt sich die Welt in einen Schleier aus Dampf...zumindest für ein paar Sekunden gähne ich vor mich hin und denke es ist ein guter Zeitpunkt um ins Bett zu gehen. Heute ist schließlich auch noch ein Tag.

Wenn da nicht dieses unangenehme Schniefen wäre...

Gute Nacht!
Isengardt ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 08.10.2018, 03:47   #2
männlich Isengardt
 
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Beiträge: 14


Runde zwei innerhalb einer Woche.

Und doch, diesmal ist es anders. Der Ort, das Zimmer, die Umstände, die Zeit selbst. Aber irgendwie fühlt es sich gleich an. Ich finde mich doch wieder hier ein. Umgeben von den eigenen bedeutungsschwangeren Worthülsen empfinde ich es doch als heimelig.

"Was habe ich mir da nur angetan?" rumort es in meinem Kopf. Und nicht nur das. Die Schlaflosigkeit rührt auch von einer körperlichen Ursache: Schmerz

Ein unangenehmes Ziehen. Ein beständiges Drücken, als ob man sich Gewichte an die Hüfte gehängt hätte, die einen stetig nach unten zögen. Was war nur geschehen? Die Schaumstoffmatratze schien ihr Urteil über mich gefällt zu haben und hat nachgegeben.

Langsam richte ich mich auf. In Erwartung das mir jeden Moment eine Hexe in den Rücken schießt. Jedoch warte ich vergebens. Nur dieser stumpfe Schmerz um die Hüfte bleibt beständig.

Und das leise Schnarchen der geliebten Person neben mir, welche nichts von den Umständen mitbekommt. Nur ab und an aufstöhnt, sich dann wieder dreht im Bette. Auch hier scheint die Matratze nachzugeben.
Nein sie hat kein Eigenleben. Macht nur dass was man sie anweist.
Drück ich darauf, gibt sie nach. Lasse ich los, formt sie sich langsam zurück in ihren Ursprungszustand.

Das geht doch hier alles mit rechten Dingen zu?! Kein sich auftuender Schlund des Matratzendämons, kein gesprungener Federkern und auch kein Gegenstand auf dem man sich verlegen hätte können.

Was mache ich nur? Ich werde noch ganz irre bei dem Gedanken daran, dass der Schmerz und meine daraus resultierende Schlaflosigkeit keine weitere tiefere Ursache hat.

Vielleicht soll es aber auch so sein. Ich habe gut Lust meine Gedanken und gewählten Worte niederzulegen und zu archivieren. Im Traum sind sie zu schnell verflogen und oft nicht nachvollziehbar. Selten findet man auch einen roten Faden.
Wobei, das wird hier auch nicht anders sein. Ich denke es wird wohl Zeit den Matratzendämon ein weiteres mal herauszufordern.

Wenn ich doch nur nicht solche Angst davor hätte mich jetzt aufzurichten. Wer weiss ob man nicht doch noch von der Hexe erschossen wird.

Gute Nacht zum zweiten...
Isengardt ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 15.10.2018, 03:04   #3
männlich Isengardt
 
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Beiträge: 14


Standard Einmal Superheld und zurück

Gongschlag, Runde drei!

Jetzt heißt es ich gegen die Nacht. Ein recht sinnloses Unterfangen wie ich finde, da meine alleinige Leuchtkraft nicht wirklich ausreicht um die Dunkelheit zu erhellen. Ich sah mich schon einem Glühwürmchen gleich,
mit dem Popo wackelnd durch die Straßen dieser schwäbischen Metropole ziehen und gekonnt den entgegenkommenden Autos ausweichend Haken zu schlagen.
Wahrscheinlich hätten sie mich daraufhin in einen Krankenwagen gepackt und in die nächste Psychiatrie eingeliefert, wenn ich ihnen gesagt hätte, dass ich doch mit meinem hell erleuchteten Kometenarsch nur die B14 erleuchten wollte, damit die Autofahrer die Straße besser sehen konnten.
Wenn ich dann noch ein paar komische Geräusche von mir gegeben hätte, ich stelle mir da ein fast jaulendes "Wooooosch" vor wenn ich zur Seite sprang, dachten die mich abführenden Krankenpfleger vielleicht wirklich, ich hätte sie wohl nicht mehr alle beisammen.
Aber wie konnten sie auch wissen das ich die Leuchte bin, die die simple Aufgabe hatte, die Nacht zum Tage zu machen. Das konnte doch nicht so schwer sein. Man musste doch nur meine Strahlkraft mit der einer Straßenlaterne vergleichen und man wusste sofort: "Das ist mal ne Funzel!".
So dachte ich mir das zumindest. Und in meinen Gedanken fühlte sich das alles auch wirklich plausibel an. Vielleicht sollte ich aber doch lieber nackt durch den Wald stolzieren und den Mondschein mich leiten lassen. Da konnte ich mich wenigstens den Glühwürmchen anschließen und meine Runden drehen. Und das positive ist, es würde vermutlich nicht einmal jemandem auffallen. Allerhöchstens ein Jogger hätte sich dazu entschlossen auch die Nacht zum Tage zu machen und der Schein seiner Stirnlampe fiele auf meinen Kometenarsch der wackelnd durchs Unterholz streifte.
Vielleicht schlösse er sich ja mir an. Dann würden Kometenarsch und Gesichtsfunzel gemeinsam mit den Glühwürmchen im Wald für Recht und Ordnung sorgen. Und dabei den Mond anheulen...
Aber ich sehe schon wohin das führt. Ich kann die Sirenen schon von weitem hören.
"Herr Isengardt. würden sie bitte die Hände von der Tastatur nehmen und jetzt zu Bette gehen. Ansonsten sehen wir uns gezwungen sie wegen öffentlichen Klamauks mitzunehmen."
Naja. Vielleicht habe ich ja doch noch die Nacht erhellt. Wenn auch nur die eigene.

Gute Nacht
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Stichworte
langeweile, nacht, schlaf

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