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Liebe, Romantik und Leidenschaft Gedichte über Liebe, Herzschmerz, Sehnsucht und Leidenschaft.

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Alt 17.02.2018, 22:19   #1
weiblich LauraM
 
Dabei seit: 01/2018
Alter: 20
Beiträge: 127

Standard schluss

wäre ich jetzt tot und könnte sehen
von ganz weit entfernt und stumm
wie mein Körper da liegt und sie stehen
alle um den rest von mir herum

würde ich so gerne heimlich wissen
ob vielleicht auch du dort stehst
wissen ob auch dir das herz zerrissen
du vor leid um mich vergehst
LauraM ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 17.02.2018, 22:44   #2
männlich Schmuddelkind
 
Benutzerbild von Schmuddelkind
 
Dabei seit: 12/2010
Ort: Berlin
Alter: 33
Beiträge: 4.811

Hallo Laura,

dank einer originellen Verwendung des Konjunktivs erlaubst du dem Leser an einem sehr seltenen und intimen Gedanken des LI teilzuhaben. Solcherlei Ideen können einem schon kommen, wenn derjenige, der einem bis vor Kurzem noch die Welt bedeutete, plötzlich nicht mehr Teil des Lebens ist und da liegt eben auch die Assoziation mit dem Tod nahe.

Du jedenfalls drückst diese Momentaufnahme einer verzweifelt suchenden Seele gut aus.

Gibt es eigentlich einen speziellen Grund, warum das gesamte Gedicht kleingeschrieben ist?

LG
Schmuddelkind ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 17.02.2018, 23:02   #3
weiblich Ilka-Maria
Forumsleitung
 
Benutzerbild von Ilka-Maria
 
Dabei seit: 07/2009
Ort: Arrival City, auf der richtigen Seite des Mains
Beiträge: 23.035

Zitat:
Zitat von LauraM Beitrag anzeigen
würde ich so gerne heimlich wissen
ob vielleicht auch du dort stehst
wissen ob auch dir das herz zerrissen
du vor leid um mich vergehst
Wäre dir das Genugtuung? Wofür?

Rachegedanken? Egomanie?

Diese Verse evozieren nagative Gedanken. Es klingt eine Forderung an: "Ich wüsste gerne, ob du meinen Erwartungen entsprichst und du mit mir gemeinsam an unserer wie auch immer gescheiterten Liebe leidest." Mit Liebe hat das nichts zu tun. Wahre Liebe ist sich nämlich immer sicher, steht auf festem Grund und erwartet niemals, dass der Liebespartner leidet.

Die Liebe ist keine Gefängniszelle. Sie lässt sich nicht an die Leine legen. Sie geht und kommt, wie es ihr passt. Und sie ist der Prototyp des Ausbrechers, wenn die Schnur um den Hals zu eng wird. Liebe braucht Luft.
Ilka-Maria ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 17.02.2018, 23:15   #4
männlich Schmuddelkind
 
Benutzerbild von Schmuddelkind
 
Dabei seit: 12/2010
Ort: Berlin
Alter: 33
Beiträge: 4.811

Zitat:
Diese Verse evozieren nagative Gedanken. Es klingt eine Forderung an: "Ich wüsste gerne, ob du meinen Erwartungen entsprichst und du mit mir gemeinsam an unserer wie auch immer gescheiterten Liebe leidest." Mit Liebe hat das nichts zu tun.
Letztendlich kann dir natürlich nur die Autorin erklären, wie sie es gemeint hat. Aber gerade dies ist meiner Ansicht nach die Stärke des Texts. Es wird ein kurzer Ausschnitt aus dem Innenleben eines Leidenden gezeigt, in welchem solche Gedanken schon aufkommen können. Dass es nicht gesund für einen selbst oder zuträglich für andere sein kann, wenn man diesen Impulsen nachgeht, ist klar. Aber es gibt diese Impulse und die Poesie ist dafür da, sie festzuhalten. Das LI muss ja kein moralischer Kompass sein, gerade dann wenn es darum geht, aufzuzeigen, wie schnell man in einer Notsituation seine Orientierung verlieren kann.
Schmuddelkind ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 18.02.2018, 00:21   #5
männlich Laie
 
Benutzerbild von Laie
 
Dabei seit: 04/2015
Ort: Oberpfalz
Alter: 28
Beiträge: 870

Hi Laura,

dein Gedicht transportiert sehr gut das Gefühl des verzweifelten, sehnsüchtigen Wissenwollens. Als Leser kann ich das wirklich gut nachspüren.

Der Mensch ist nicht perfekt und genauso wenig sind es seine Gefühle. Wer z.B. verlassen wird und sich zu keinem Moment fragt, ob der andere auch leidet oder vermisst, sondern diesen quasi verständnisvoll freigibt, der mag moralisch gesehen auf einer sehr hohen Stufe stehen. Aber menschlich fände ich das nicht. In extrem emotionalen Phasen ist es nur normal, etwas anders zu denken. Mit Rache hat das Gedicht, haben solche Gefühle meines Erachtens gar nichts zu tun.

Gern gelesen!

Gruß,
Tiger
Laie ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 18.02.2018, 00:47   #6
männlich dr.Frankenstein
 
Benutzerbild von dr.Frankenstein
 
Dabei seit: 07/2015
Ort: Zwischen den Ostseewellen ertrunken
Alter: 37
Beiträge: 4.370

Natürlich würde ich dich ins Labor bringen und auf den nächsten Blitz warten.

Wenn die Möglichkeit nicht möglich ist, bleibt nur möglich was möglich ist um die Möglichkeit zu mögen die möglich bleibt.

Das schlimme am Sterben ist ja nur das jemand nie wieder kommt, das passiert manchmal auch ohne Sterben.
Das zerreißt einem dann das Herz, das die Zeit weg ist, die man hätte verbringen können.
Ob da jemand tot liegt, entweder ist es Eklig oder sieht wie ne Puppe aus.

Zumindest sind Tote ziemlich langweilig, aber sie können gut zuhören, zumindest bilden sich das viele ein.


Eine andere wichtige Frage bleibt, wenn du das dann so siehst das sie leidet, ärgerst dich dann nicht tot zu sein, du kannst dann sehn wie sie an dich denkt und nicht mehr zu ihr.
Vor wut wirst du dann ein böser Geist. Und legst anderen die kalte Hand in den Nacken, fals die Demonen dich mögen oder du wirst zu einem Sturm.
dr.Frankenstein ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 18.02.2018, 00:49   #7
männlich Schmuddelkind
 
Benutzerbild von Schmuddelkind
 
Dabei seit: 12/2010
Ort: Berlin
Alter: 33
Beiträge: 4.811

Zitat:
Das schlimme am Sterben ist ja nur das jemand nie wieder kommt, das passiert manchmal auch ohne Sterben.
Interessanter Gedanke, der mir wohl unbewusst bei den im Gedicht hervorgebrachten Assoziationen auch so ähnlich im Kopf rum geisterte. Aber du hast den Finger in die Wunde gelegt, Franky. Danke!
Schmuddelkind ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 18.02.2018, 01:34   #8
männlich dr.Frankenstein
 
Benutzerbild von dr.Frankenstein
 
Dabei seit: 07/2015
Ort: Zwischen den Ostseewellen ertrunken
Alter: 37
Beiträge: 4.370

Das ging mir durch den Kopf als mein Kumpel der Straßenmusiker sich durch seinen Tod in meine Zeitung schlich.
Und dann dacht ich jetzt kannst ihn nie wieder sehen. Und mal mit ihm Vodka trinken.
Und dann dacht ich an verflossene Liebschafften oder Freunde die weg sind und nicht tod, gut da bleibt die Möglichkeit.
Aber die Wahrscheinlichkeit ist fast genauso hoch wie ihn wiederzutreffen.

Nagut bei Toten weiß ich mit Sicherheit das sie für immer weg sind.
Es bleiben nur Spuren in der Erinnerung, Abdrücke von gemeinsam erlebtem.

Die Erinnerung erschafft ein Bild. Und der Fotokasten kann es nie wieder knipsen, die Augen finden das Motiv nicht mehr, nur einen Ort des Verschwindens.
dr.Frankenstein ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 18.02.2018, 20:09   #9
weiblich LauraM
 
Dabei seit: 01/2018
Alter: 20
Beiträge: 127

viele geDANKEn
ich bin froh das dass ich es aufgeschrieben habe
an alle LG Laura
LauraM ist offline   Mit Zitat antworten
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