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Alt 17.08.2009, 04:29   #1
männlich greYphil
 
Dabei seit: 09/2006
Alter: 32
Beiträge: 51


Standard Mittwoch [Kurzgeschichte]

M i t t w o c h
eine Kurzgeschichte von K.K.


Schneeflocken fallen. Sie fallen schon seit Stunden auf scheinbar unkoordinierten Bahnen gen Boden. Egal wie wahllos ihr Weg zu scheinen mag, ihr Ziel ist immer dasselbe.
Unter den Schneeflocken laufen Wesen mit hochgestellten Krägen und mit tief ins Gesicht gezogene Kapuzen. Oft starren nur die leeren Augen auf die nächsten Zentimeter Weg vor ihren Füßen. Jeder Schritt hinterlässt Spuren im Schnee. Unkoordinierte Spuren, die dem Weg der gefallenen Flocken ähnlich sind.
Egal was in der Welt geschieht, die Spuren ändern sich nicht. Die Menschmaschine läuft weiter durch den Schnee und glaubt Spuren zu hinterlassen. Aber nach wenigen Stunden sind die Spuren verblasst. Doch der Mensch ist bereits weiter gegangen, seinem Ziel entgegen.
Es macht mich traurig, dass die Menschen nicht sehen, dass all ihre Spuren verschwinden. All ihr Handeln und all ihre Worte werden schon bald unter dem fallenden Schnee verborgen liegen.
Meine Spur verblasst nicht.
Nur wenige können in diesen Zeiten etwas bleibendes erreichen. Jene die man täglich in den Nachrichten sieht. Sie haben es geschafft Spuren in den Lehm zu treten. Aber die Menschen im Anzug und Krawatte spielen Frau Holle. Verschütten die Furchen im Lehm und legen eine Teerschicht darüber. Nur sehr wenige sind schnell genug ihr Zeichen in den heißen Teer zu pressen und sollte dies gelingen, werden die wunden Punkte in der gleichförmigen schwarzen Linie zugepflastert.
Meine Spur verblasst nicht. Ich habe jene Pflastersteine herausgerissen.
Hier am Fenster mit dem Blick auf die kleine Straße vor dem Haus. Eine Einbahnstraße, frisch gepflastert und mit Schnee bedeckt.
Schneeflocken fallen und schmelzen auf der warmen Motorhaube. Das Häusertal erfüllt von dem sanften Licht des Morgens wird von einem Blauen Glitzern überstrahlt.
Es scheint den Zyklus der Sonne stören zu wollen. Ein verzweifelter Kampf gegen das Rot des jungen Tages.
Von der Motorhaube tropft das Wasser und sammelt sich in einem Rinnsal das verzweifelt versucht zu fliehen. Viele frische Spuren vor der Haustüre unter meinem Fenster.
Ein klingeln von hinten. Es ist Zeit. Ein letzter Blick auf die Straße. Eine Schneeballschlacht der Nachbarskinder. Es klingelt erneut. Stolz gehe ich zur Tür.
Meine Spur verblasst nicht.

© by greYphil
greYphil ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 22.08.2009, 19:37   #2
männlich greYphil
 
Dabei seit: 09/2006
Alter: 32
Beiträge: 51


202 Views und nicht einer sagt ein Wort ...
greYphil ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 22.08.2009, 23:39   #3
weiblich Charly
 
Benutzerbild von Charly
 
Dabei seit: 08/2009
Ort: Österreich
Alter: 27
Beiträge: 143


Also mir hat diese Kurzgeschichte sehr gut gefallen, weil ich die Aussage total toll finde, und wenn man das richtige feeling hat, kann man gut mitfühlen.

Ich kann mir vorstellen dass noch keine Antworten gekommen sind, weil man wohl nicht so leicht zu wissen scheint, was man auf so eine Geschichte antworten könnte.

Zumindest haben einige Leute deine Geschcihte gelesen.

Und es gibt immerhin viele Leute, die erst dann den Mund aufmachen, wenn ihnen etwas NICHT passt *g*

Also ich find die Kurzgeschichte gut.

lg
Charly ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 23.08.2009, 17:49   #4
weiblich Ilka-Maria
Forumsleitung
 
Benutzerbild von Ilka-Maria
 
Dabei seit: 07/2009
Ort: Arrival City, auf der richtigen Seite des Mains
Beiträge: 23.042


Da sind ein paar Gedanken und Ausdrücke drin, die mir gefallen. Aber insgesamt stimmt die Sache nicht. Was ist mit der "Menschmaschine" in Ländern, in denen kein Schnee fällt? Oder wenn er in kalten Ländern einfach ausbleibt? Außerdem verliert sich die Spur der Menschen überall, z.B. auch in der Wüste (Sandwüste, Steinwüste, was auch immer).

Du stemmst dich gegen die Vergänglichkeit, aber deine Bilder hängen schief. Du lieferst kein Argument, warum ausgerechnet deine Spur nicht verwischt wird. Ich hätte gerne gewußt, wie du dir das vorstellst. Hinterläßt du einen steinernen Abdruck wie ein Dinosaurier? Oder läßt dich einbalsamieren wie Pharao? Hast ein unvergängliches Werk hinterlassen?

Nochmal drüber nachdenken!

LG
Ilka-M.
Ilka-Maria ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 23.08.2009, 18:32   #5
männlich greYphil
 
Dabei seit: 09/2006
Alter: 32
Beiträge: 51


Trenne das lyrische Ich bitte von dem Autor. Überlege um welche Art Person es vielleicht bei dem Ich im Text geht, dann sind vielleicht auch deine schiefen Bilder begründet. Es geht hier um einen konkreten Blickwinkel von einer Person, keineswegs um etwas allgemein gültiges.

Freut mich, dass sich manche doch mit dem Text beschäftigen.
greYphil ist offline   Mit Zitat antworten
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