Poetry.de - das Gedichte-Forum
 kostenlos registrieren Forum durchsuchen Letzte Beiträge

Zurück   Poetry.de > Geschichten und sonstiges Textwerk > Kolumnen, Briefe und Tageseinträge

Kolumnen, Briefe und Tageseinträge Eure Essays und Glossen, Briefe, Tagebücher und Reiseberichte.

Antwort
 
Themen-Optionen Thema durchsuchen
Alt 01.06.2010, 10:45   #1
MarkusA
 
Dabei seit: 05/2010
Alter: 34
Beiträge: 3

Standard Ist es das Alles wert?

Ein Haufen Gedanken von mir:

Warum lieben wir eigentlich, kann mir das mal jemand erklären? Ich weiss, dass die Liebe das Schönste auf der Welt sein kann, dass die Person die man liebt dir allein durch ihre Anwesenheit, eine kleine Geste oder durch ein paar kleine Worte den Atem rauben kann. Ich weiss, dass das Gefühl wenn man mitten in der Nacht aufwacht und diese eine Person neben sich liegen sieht, dass dieses Gefühl schöner ist als jeder Schmuck, jedes Auto und jede andere Sache auf der Welt, aber ist es das wert, ist so ein Gefühl, welches meist nur von kurzer Dauer ist, ist es die Schmerzen dannach wert?

Was ist das Dannach, das Dannach ist die Zeit nachdem dir diese Person die du liebst, die du zu lieben glaubtest, erklärt, dass sie dich nicht mehr liebt, dass sie sich keine Zukunft mit dir, mit dir der du so fest an sie geglaubt hast, sieht. Ist es das wert?

Die erste Frage die sich stellt ist natürlich immer: Warum liebst du mich nicht mehr? Und ich sage euch eines, sie haben nie eine konkrete Antwort darauf, diese Antwort existiert nicht, zumindest nicht in meiner Welt. Warum hört man einfach auf jemanden zu lieben, warum passiert sowas, und es passiert jedem von uns, es gibt keinen der dieses Gefühl nicht schon erlebt hat, jeder kann davon berichten, jeder glaubt eine Antwort und eine Lösung für sowas zu kennen, nur der den es im Moment betrifft, nur der weiss keine Antwort, nur der fragt sich immer, warum? Also, warum hört man auf zu lieben, diese Frage stelle ich mir gerade, ich stelle sie mir deswegen weil ich das Ganze hier und jetzt durchlebe, ich bin gerade der, dem alle gut zureden, dem alle einen Tipp geben und helfen wollen, aber dem keiner wirklich helfen kann, sie nehmen mir den Gedanken von ihr für einige Minuten, sie lenken mich ab von dieser Frage, aber sie nehmen mir nicht mein Leiden und meine Verwirrung. Das Leiden und vorallem diese ewige Frage, warum es so passiert ist, fressen einen, fressen mich, auf.

Also was geht einem wirklich durch den Kopf nachdem man sowas erfahren hat, ausser jetzt natürlich die Frage warum man einen nicht liebt, was? Ich sage es dir, Alles und Nichts, und jeder der mich versteht der weiss, dass das wirklich so ist, Alles und doch Nichts. Man fällt in eine Art Zwischenwelt, manche würden es Paralleluniversum nennen, aber mir gefällt Zwischenwelt besser, man ist da und irgendwie nicht, der Körper steht aber der Geist fliegt. Also während man an Alles und Nichts denkt, und während der Geist vom Körper getrennt ist, scheint die Zeit kaum zu vergehn, kennst du das Gefühl wenn du am liebsten eine Wand einreissen würdest, du aber kaum den Arm heben kannst um ein Glas voll Wasser aufzuheben, wenn der Geist will, die Seele aber nicht mitspielt, nicht der Körper ist schlaff, die Seele ist es die einen wie einen Zombie handeln lässt, die Seele ist die die mit dem Herzen leidet. Während man so nachdenkt und sich kaum rühren kann fallen einem die dümmsten, traurigsten, verrücktesten und herzzereissenden Sachen ein, meist fangen sie mit dem Wort warum an, warum ist das passiert, warum hab ich das gemacht und die schlimmste ist, warum hab ich das nicht gemacht!? Ich mache das im Augenblick, ich frage mich warum ich nicht schon vor allem etwas unternommen habe, warum hab ich das und jenes nicht gemacht, vielleicht hätte ich die Liebe retten können, ich tu das wirklich, aber ich weiss auch, dass das ein Haufen Nichts ist, man kann sowas nicht ändern und man kann es vorallem nicht rückwirkend ändern, ich weiss das, aber ich frage trotzdem. Ich frage meist nicht den ganzen Tag hinweg, aber ich frage dann wenn es am meisten wehtut, wenn ich alleine bin, vorallem wenn ich in der Früh vor dem Wecker aufwache weil ich schon wieder von dieser Person geträumt habe und dann mit einer Mischung aus Traum und Realität frage – Warum, warum passiert mir das alles, warum hab ich das verdient und warum hab ich es nicht ändern können. Wenn man dann so daliegt im Bett, alleine und verlassen, dann sind dies definitiv die schlimmsten Stunden des Leidens. Nichts ist schlimmer als dieses Gefühl, nichtmal die Nachricht vom Ende der Liebe selbst, weil da denkt man noch an Alles und an Nichts, da ist man in dieser Zwischenwelt, da hat man es noch nicht wirklich begriffen und meint es handle sich einfach um einen schlechten Scherz, um einen verdammt schlechten und gemeinen Scherz. Aber in der Nacht, dann wenn keiner da ist um dir mit Ratschlägen die Zeit zu rauben, und dich Alles für einige Sekunden vergessen zu lassen, dann ist das Gefühl von Einsamkeit und Trauer am schlimmsten, dann realisiert man das Ende dieser Liebe und die wirklichen Schmerzen im Brustkorb fangen an.

Leider ist es aber auch so, dass wenn man dies realisiert hat die Einsamkeit auch mitten am Tag einbrechen kann, wenn man auf dem Weg in die Arbeit ist, oder in den Supermarkt usw. wenn man alleine geht, kennst du das, kennst du das Gefühl wenn du zwischen all den Menschen auf der Strasse gehst und dich trotzdem so einsam fühlst, wenn alles an dir vorbeizieht und du mit halb gesenktem Kopf durch die Menge spazierst und dein Geist dahingleitet, gefangen in den Gedanken an die Person, gefangen in ihrem Sog der dich nur mit Schmerz und Elend zurücklässt, kennst du das? Wenn du da gehst und dir 100te Gedanken kommen so das du am liebsten schreien und den erstbesten Idioten mit blosen Händen erwürgen würdest, du aber nach Aussen wie ein Haufen Elend aussiehst und dich Innen noch mehr dannach fühlst, wenn du das Gefühl kennst dann weisst du ganz genau was ich meine, dann verstehst du, dass egal wieviele Menschen um dich herum sind, du diese Sache selber mit dir klären musst.

Das bringt mich zurück zu den Menschen, den Freunden, den Bekannten, der Familie, allen Personen die dich auf dieser Reise, warte, nennen wir es besser nicht Reise, nennen wir es den Leidensweg, also, alle Personen die uns auf diesem Leidensweg begleiten. Diese Menschen helfen einem bei der Besserung, aber nicht ganz, sie tragen zwar viel dazu bei, aber die entscheidenden Schritte können sie uns nicht zeigen, wenn ich es vergleichen müsste würde ich sagen, dass diese Menschen deine Krankenschwestern sind, sie helfen dir bei der Genesung, aber die wirklichen und wichtigen Schritte, die Schritte die dir wirklich helfen und ohne die du nicht überleben würdest, die macht der Arzt, und in diesem Fall bist du, bin ich, der Arzt, diese Aufgabe kann uns kein Mensch abnehmen, sie können uns helfen, sie können uns pflegen, aber sie können den Schmerz und die Verletzung nicht von uns nehmen, das müssen wir selber machen. Ein Problem bei der Sache ist, dass diese Menschen manchmal zu engagiert sind, sie geben uns Ratschläge, sie versuchen uns zu verstehen, sie wollen uns helfen, aber das geht nicht wirklich, warum, weil wir das alles selber wissen, wir kennen bereits jeden Ratschlag, ich habe das schon öfter gehört, ich habe das schon öfter jemandem gesagt, aber wenn du in dieser Situation bist dann bringt das nichts, ich weiss, das diese Person nicht die Einzige auf der Welt ist, ich weiss, dass auch andere Mütter schöne Töchter haben und, dass man nie weiss wozu das gut ist, ich weiss es, aber es hiflt mir nichts, es hilft meist überhaupt nichts. Jede Situation ist individuell, auch wenn das Milliarden von Menschen erlebt haben denkt man, denke ich, dass es keinem auf der Welt so wie mir geht, und man ist in seiner eigenen Welt, deswegen helfen diese Ratschläge nichts, jedoch hilft der Umgang und die Zeit mit diesen Menschen dir, das ist das entscheidende, nicht die Ratschläge, es ist die Zeit mit einem guten Freund, mit einem dir wichtigen Familienmitglied, die Zeit wo du zwar einsam bist aber „Rückendeckung“ hast, diese Zeit ist der entscheidende Faktor bei der Genesung.

Wann die Genesung beginnt kann ich dir nicht sagen, vorallem weil wir hier auch diskutieren müssen was die Genesung ist, für mich persönlich ist es die Zeit wenn ich anfange weniger an die Person zu denken, oder besser gesagt wenn die Brust, der Brustkorb, die Seele, wenn diese Teile von mir nicht mehr so schmerzen wenn ich an sie denke. Denken wird man noch oft an diese Person, aber man wird irgendwie imun gegen die Schmerzen, und das ist nicht weil man abgehärtet ist, dass ist weil die Phase der Genesung, der Weg gen Gipfel begonnen hat. Diese Phase ist trotzdem schmerzlich, ja das ist sie, jetzt kommen einem plötzlich andere Gedanken in den Sinn, was macht die Person jetzt, hat sie schon jemand anderen, hat sie so gelitten wie ich, ja diese Fragen tauchen auch auf, aber sie tun nicht so weh wie die Fragen am Anfang, die die einen direkt betroffen haben. Und auch wenn es noch immer wehtut kann man sagen, dass diese Phase viel besser ist als die vorige. Jetzt beginnt man langsam auf der einen Seite abzubauen und auf der anderen aufzubauen und ich kann dir ehrlich sagen – etwas aufzubauen ist immer gut, tut immer gut und hilft einem das Frühere zu vergessen.

Der Abschluss der Genesung, tja, wann tritt der ein, ich würde sagen, dass es nicht dann ist wenn man den verflossenen Partner wieder sieht und dabei keine Schmerzen empfindet, das ist zwar gut aber noch nicht 100%, ich denke, dass die Genesung, der Prozess, Alles, erst abgeschlossen ist wenn du an diese Person denkst und einfach hoffst, dass sie ein schönes Leben hat, das es ihr hoffentlich gut geht und sie glücklich ist, erst das zeugt von wahrer „Vergebung“, erst das zeigt dir, dass du ein guter Mensch bist, erst dann hast du dieses Leiden final überwunden.

So, jetzt bin ich mit dir diesen Weg durchgegangen, diesen Weg den wir alle kennen und hoffen, dass wir ihn nie wieder gehen müssen, jetzt will ich dich ehrlich fragen, ist es all das wert? Ist die Liebe diese Leiden und diese schlimme Phase wirklich wert?

Ich habe diese Gedanken vor 6 Tagen angefangen, damals war ich noch mitten in der ersten Phase, damals habe ich nur gefragt warum, warum und warum, dann habe ich den Text vor 4 tagen abgeschlossen und dache, dass ich in Phase 2 bin, jetzt schreibe ich das Ende, dieses Ende, nochmal neu und muss sagen, dass ich erst jetzt langsam in Phase 2 komme, das hat mir die letzte Nacht, die so einsam wie der Mond war, gezeigt. Ich will aber trotzdem sagen, dassa das Schreiben dieses Textes hat mir geholfen hat alles ein wenig besser zu verstehn und wenn ich mich jetzt so frage, ob das alles
die Schmerzen wert ist, dann sage ich - vielleicht... Vielleicht ist es alles
Leiden wert, ich weiss es nicht, in einigen Wochen hoffe ich dir offen
sagen zu koennen - ja, aber jetzt kann ich es noch nicht...

************************************************** *****
Danke allen die sich die Zeit genommen haben diesen Text zu lesen.

Ps: Wer Rechtschreibfehler findet - die duerft ihr behalten
MarkusA ist offline   Mit Zitat antworten
Antwort

Lesezeichen für Ist es das Alles wert?

Themen-Optionen Thema durchsuchen
Thema durchsuchen:

Erweiterte Suche


Ähnliche Themen
Thema Autor Forum Antworten Letzter Beitrag
Der Wert aller Dinge Kalypso Philosophisches und Nachdenkliches 0 30.05.2010 17:10
Nicht die Bohne wert Schmierfink Philosophisches und Nachdenkliches 32 30.08.2009 17:54
Wert Narucea Sprüche und Kurzgedanken 0 04.05.2009 00:27
Auf Menschen Wert legen Inline Gefühlte Momente und Emotionen 2 11.01.2006 18:53
Nichts wert SeeYou2005 Düstere Welten und Abgründiges 1 02.06.2005 22:00


Sämtliche Gedichte, Geschichten und alle sonstigen Artikel unterliegen dem deutschen Urheberrecht.
Das von den Autoren konkludent eingeräumte Recht zur Veröffentlichung ist Poetry.de vorbehalten.
Veröffentlichungen jedweder Art bedürfen stets einer Genehmigung durch die jeweiligen Autoren.