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Alt 12.01.2018, 17:24   #1
männlich Eisenvorhang
 
Benutzerbild von Eisenvorhang
 
Dabei seit: 04/2017
Beiträge: 789

Standard Zwiegespräche - Opus 1

I (Abschied) Zwiegespräch - Winter Sonne

Oh! Liebste Sonne, alles ist doch gut;
gefüllt bin ich mit so viel Lebensmut.
Drum lass uns keiner lauen Träne lauschen,
lass jedes Weh und Ach in Frieden rauschen

und so geschwind ist der Moment vergangen,
der Jahr um Jahr vergehend seine Wende kennt.
Wie arm und einsam ward ihm jener Mantel umgehangen
nun friere, ich, der Winter, der bald in der Sonne brennt.

Und ich, mit roten Wangen, einem lichten Willen,
der jede Träne, jedes Tauen nicht verhindern kann
stand einsam da, wie leer, erstarrt gestrenger Stillen,
verbannt bin ich, mein Puls ist tot, hab Wintersnot.

So senkt sich dieser Mond in bittrem Leiden;
weil alle Fröste schon von mir geschieden sind.


Aus den Augen der Sonne
strahlt
Ergriffenheit, ein Pathos,
zu einer Amphore;
Wasserjuwele perlen
das Lied vom Wind.

Ein Luftzug über Häute,
die von der Sonne
beflutet sind.


Aus ihr brechen Gerüche
süß und bitter
wie eine Mandel -
sie wirken Vollendung
farbumflort.

II (Ahnen) - Die Wärme wächst in warmen Ringen

Hörst du, wie die Amseln singen
und die Blümlein blühn! Erfühle
von Apoll gesandte Heilung,
jeder Farbe sanfte Kühle,
die sich um des Herzens tiefster Wandlung
wie ein Engel, küssend, um Dich legt.

Sieh, ein Morgenahnen schleicht sich
heimlich zwischen Baum und Rain.
Sanft und doch so schön, bekunde ich,
"Seltsam ist mir dieser Hain":
"Seltsam, ist es hier zu sein!"

Die Dämmerung vertropft
im Wind
hinter einer Wiese
und Lichtwasser flutet
schwungvoll weiße Dünen,
und immergrüne Wälder,
die,
in einem aufwölbenden Abend
sich ihrer Farben
entwinden.

Ich verliere mich in streuender Sehnsucht.

Aus dem Lichte brechen Worte
und ein Verstehen:
"Leb wohl, es war sehr winterlich".


III (Wachsamkeit) - Die Natur schläft in Worten

Lass uns wachsam lauschen, jenem leichten Ton,
der den Abend ruft, ihn langsam wachsen lässt.
Schau doch wie die Vögel ziehn, es ist ihr Lohn,
sie durch jeder Ferne, die die Weite küsst,
friedvoll durch das Dämmern fliehn.

Wer dem Wandel der Zeit und der Natur einen Irrtum unterstellt,
macht sich nicht nur zum Narren, sondern auch zum Irrtum selbst.

IV (Appell) - Der Schönheit Schluss, ist ein Beginn

Komm und reiche mir, so wie du willst, die zarte Hand.
Jedes Glück, das mich durchdringt, ist unser eigen.
Wie der letzte Wimpernschluss, ein Gruß, ein heilig Band;
diese Schönheit der Natur in Weisheit immerdar zu neigen.

Natur stirbt,
wenn ihr die Betrachtung
durch einen Dritten
abhanden kommt.
12.01.2018, gursky

Geändert von Eisenvorhang (12.01.2018 um 18:54 Uhr)
Eisenvorhang ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 13.01.2018, 23:36   #2
männlich pathos79
 
Benutzerbild von pathos79
 
Dabei seit: 03/2010
Ort: Sauerland
Alter: 38
Beiträge: 744

Hallo gursky,

Deine Zwiegespräche sind ein Lesegenuss, inhaltlich und gestalterisch sind die Gedichte und Texte kreativ dargestellt.

Wasserjuwele perlen
das Lied vom Wind.

jeder Farbe sanfte Kühle,
die sich um des Herzens tiefster Wandlung
wie ein Engel, küssend, um Dich legt.

Wer dem Wandel der Zeit und der Natur einen Irrtum unterstellt,
macht sich nicht nur zum Narren, sondern auch zum Irrtum selbst.

Das sind die Stellen, die mich besonders mit Freude meine Gedanken gestreichelt haben.
Auch das hier:

Die Dämmerung vertropft
im Wind
hinter einer Wiese
und Lichtwasser flutet
schwungvoll weiße Dünen,
und immergrüne Wälder,
die,
in einem aufwölbenden Abend
sich ihrer Farben
entwinden.

Es schwebt die Erkenntnis über der Erfahrung und spendet Licht, um das Glück zu erkennen, daß der fortlaufende Jahrezeitenwechsel das Leben ausmacht.
Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne...

Aber wer ist der Dritte im Bunde?
Ist es so gemeint, daß die Betrachtung der Natur nur durch ein Teilen mit einer anderen Person erst wirklich real wird?

take care
pathos79 ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 16.01.2018, 02:50   #3
männlich Eisenvorhang
 
Benutzerbild von Eisenvorhang
 
Dabei seit: 04/2017
Beiträge: 789

Hallo pathos,

ich las erst jetzt Deinen Kommentar und bedanke mich bei Dir, dass Du Dir die Zeit genommen hast.

Es freut mich, dass es Dich bewegen kann.

Der letzte Satz ist ganz einfach zu verstehen.

An erster Stelle steht eine Schöpfung, ein Ursprung. Das soll keineswegs religiös gemeint sein. Alles muss ja irgendwo entspringen. Ob Wissenschaft oder Glaube ist nicht wichtig. (Es kann auch selbstglaube sein)
Etwas, was durchaus divinatorisch wirkt.

Das Zweite ist die Natur selbst und ihr Wirken. Alles was im Sinne eines Organismus existiert und auch die Menschheit überdauert.

Das Dritte ist der Mensch selbst, der in der Lage ist Schönheit respektive Ästhetik subjektiv deuten zu können. Darin mündet auch der Aufruf.
Vergisst man den Blick für das Schöne, stirbt es. Wahrnehmen, wertschätzen und ja, es teilen.

Ich hoffe, mein Versuch dies komprimiert zu vermitteln ist gelungen.

Danke!

g
Eisenvorhang ist offline   Mit Zitat antworten
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