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Alt 28.04.2020, 15:50   #1
weiblich Mrs Katalysator
 
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Dabei seit: 09/2019
Ort: Bonn
Alter: 27
Beiträge: 9


Standard Kurzgeschichte: Melancholie des Alltags

Montag. Morgens klingelt mein Wecker um 8 Uhr. Ich stehe auf, setze mich in die Küche und mache mir erstmal einen Kaffee.
Dabei versuche ich leise zu sein, meine Mitbewohnerin sitzt in der Küche und macht Homeoffice.
Während sie mit ihren Kunden telefoniert, mache ich mir Frühstück und baue meinen Laptop neben ihr auf. Meine Emails müssen gecheckt, Schulaufgaben müssen erledigt werden. Ich lenke meine Mitbewohnerin und mich von der Arbeit ab und als ich fertig bin, fange ich an zu spülen.
Abends koche ich und setze mich danach wieder an meinen PC. Freunde wollen mit mir Videochatten und wir reden miteinander, bis es spät in der Nacht ist. Mein Bett ruft mich und ich folge seinem Ruf.

Dienstag. Morgens klingelt mein Wecker um 8 Uhr, ich schlafe aber noch bis 9, habe ja keine Termine. Ich stehe auf, setze mich in die Küche und mache mir erstmal einen Kaffee.
Meine Mitbewohnerin ist konzentriert am arbeiten, heute versuche ich sie nicht zu stören, sie scheint viel zu tun zu haben. Ich setze mich in mein Zimmer, checke meine Emails, es ist nichts Neues dabei. Auch keine neuen Aufgaben, daher versuche ich mich anders zu beschäftigen. Ich esse aus Langeweile, fühle mich schuldig und ziehe mir Sporthose und Laufschuhe an, um draußen joggen zu gehen. Die Stunde ist aber schnell rum.
Als ich nach Hause komme, hat meine Mitbewohnerin schon alle Aufgaben im Haushalt erledigt und ist am kochen. Wir essen zusammen, skypen währenddessen mit Freunden und spülen anschließend zusammen. Als ich müde werde, gehe ich schlafen.

Irgendein Wochentag. Mein Wecker klingelt um 8, ich stelle ihn aus und schlafe noch bis mittags. Dann stehe ich auf, setze mich in die Küche und mache mir einen Kaffee.
Meine Mitbewohnerin scheint nicht da zu sein, ich weiß aber nicht, ob sie heute im Büro arbeitet oder ob es Wochenende ist.
An meinem Laptop checke ich meine Emails und mache meine Aufgaben für die Schule, bin damit aber schnell durch. Ich möchte nach draußen und laufen, aber es regnet, daher mache ich was Kreatives. Auf meinem Computerbildschirm stehen folgende Worte:

Ich werde dicker, von Tag zu Tag, weil ich Essen so sehr mag.

Hm, das klingt nicht so kreativ, also mache ich etwas anderes. Ich sortiere meine Kleidung aus, räume mein Zimmer etwas um und irgendwann ist es abends.
Meine Mitbewohnerin kommt mit Maske in die Küche, als ich gerade am kochen bin, und präsentiert mir stolz ihr erworbenes Klopapier. Wir freuen uns so sehr, wie man sich über Klopapier freuen kann und kochen anschließend zusammen. Nach dem Essen telefoniere ich mit Freunden, bis es spät in der Nacht ist.
Da ich noch nicht müde bin, liege ich noch eine Weile im Bett und surfe im Netz. Aber irgendwann langweilt mich auch das. In Gedanken plane ich das nächste Wiedersehen mit Freunden und Familie, mit Klassenkameraden und Bekannten. Irgendwann, denke ich mir, irgendwann sieht man sich wieder. Und dann holt mich der Schlaf.
Mrs Katalysator ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 09.05.2020, 13:18   #2
weiblich DieSilbermöwe
 
Benutzerbild von DieSilbermöwe
 
Dabei seit: 07/2015
Alter: 58
Beiträge: 4.940


Hallo Mrs Katalysator,

die Geschichte ist mir erst jetzt aufgefallen. Du hast die Melancholie des derzeitigen Alltages trefflich beschrieben: Eigentlich passiert gar nichts, aus lauter Langeweile wird zuviel gegessen, zuviel gechattet und sich über Klopapier gefreut. Im Prinzip kann man es sich ja im Homeoffice noch relativ gemütlich machen, aber der ganz normale Alltag fehlt halt. Der Laptop ersetzt das real life.

Die Geschichte hätte vielleicht noch bisschen mehr Pepp, wenn du die immer wiederkehrenden Dinge noch öfter aufzählen würdest bzw. immer wieder einschieben. Dann bekäme der Text etwas Satirisches. Ich weiß natürlich nicht, ob du das überhaupt willst

Auf jeden Fall gerne gelesen.

LG DieSilbermöwe
DieSilbermöwe ist offline   Mit Zitat antworten
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Stichworte
alltag, corona, langeweile

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