Poetry.de - das Gedichte-Forum
 kostenlos registrieren Forum durchsuchen Letzte Beiträge

Zurück   Poetry.de > Literatur und sonstige Themen > Die Philosophen-Lounge

Die Philosophen-Lounge Forum für philosophische Themen, Weisheiten und Weltanschauungen.

Antwort
 
Themen-Optionen Thema durchsuchen
Alt 19.05.2020, 19:42   #1
männlich Pjotr
 
Benutzerbild von Pjotr
 
Dabei seit: 09/2019
Beiträge: 443

Standard Das Wesen der Liebe und die Liebe der Wesen

Das Wesen der Liebe und die Liebe der Wesen

Die meisten irdischen Lebewesen lieben. Weshalb?

Irdisches Leben glückt allein durch Partnerschaft. Arten, die nicht partnern, sterben aus.

Partnerschaft geht einher mit Liebe, nicht mit Hass. Denn Hass spaltet.

Leben und Liebe sind somit untrennbar.

Auf der Erde wird seit Jahrmillionen gelebt. Warum? Weil in der irdischen Summe die Liebe stets den Hass übertrumpft hat. Weil das Leben dauernd den Tod übergeht -- dank all der Nachfahren, die lieber lieben als hassen.

Solange das Roulette der Evolution mehr liebende als hassende Varianten hervorbringt, wird kein totales Aussterben folgen. Die Chancen auf ein Weiterleben stehen gut, denn die Liebenden vermehren sich weitaus besser als die Spalter. Liebe ist Addition, Hass ist Subtraktion. Hass ist kein System der Selbsterhaltung; wann immer das Roulette zufällig ein Stück Hass hervorbringt, wird das Stück zügig in sich zusammenfallen mangels Partnerschaft.

Hier endet der Text über das Wesen der Liebe und die Liebe der Wesen. Der Text meint die Liebe übrigens nicht als romantische Idee, sondern als eine skalierbare, angenehme Empfindung im phänomenologischen Sinn. In der Sache selbst. Sie ist unbeschreiblich, wie alle Qualia.
Pjotr ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 19.05.2020, 23:09   #2
männlich Ralfchen
 
Benutzerbild von Ralfchen
 
Dabei seit: 10/2009
Ort: London-Kaufbeuren-Wien
Alter: 73
Beiträge: 13.594

bedauerlicher weise zerstören auch die liebenden unser raumschiff, denn sie haben kein gefühl über ihre liebe - die ich sehr infrage stelle - hinaus. ich dem, dass die meisten wesen einander nicht im geringsten lieben, sondern vorbehaltlos an der erhaltung der gattung herumwursteln. die meisten humanen ehen werden nach 36 monaten geschieden. jeder fickt kreuz und quer ohne auch nur die geringste rücksicht, mein lieber. du idealisierst hier völlig hoffnungslos.
Ralfchen ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 20.05.2020, 00:30   #3
männlich Pjotr
 
Benutzerbild von Pjotr
 
Dabei seit: 09/2019
Beiträge: 443

Der Text oben handelt ausdrücklich nicht von der romantischen Liebe, also auch nicht von der "Ehe-Liebe".

Es geht da auch nicht um Idealisierung.

Es geht da um die Phänomenologie des Wohlempfindens beim Erleben einer Partnerschaft, sei es die wohltuende Partnerschaft zu einem Wald, oder zu einem Partner beim Sex, oder zur Oma an Weihnachten, oder zu welcher Partnerschaft auch immer, und egal in welcher Zeitspanne, sei es eine Minute oder ein Jahrhundert.

Es geht um Phänomenologie und Mathematik.

Ich habe mit oberflächlichen Reaktionen gerechnet. Deine Antwort, Ralfchen, überrascht mich nicht. Die erste Reaktion auf die im Text vorkommenden Trigger-Wörter ist üblicherweise ein Satz wie etwa: "Ja, aber was ist mit all den hassenden Typen, die alles kaputt machen?" -- Das steht im Text. Es geht um die Summe des Großen Ganzen, um die Aufwiegung, und die mögliche Erklärung (nicht Idealiserung), warum seit Jahrmillionen Leben existiert. Warum haben Raubtiere ihre Beutetiere nicht total ausgerottet? Weil es nicht geht. Weil sie sie brauchen.

Wenn gewisse Menschen, die die Natur kaputtmachen (sich nicht mit der Natur verpartnern), die Zerstörung möglichst lokal begrenzen -- was schwierig sein wird --, dann besteht die Chance, dass solche Gesellschaften sich weniger stark vermehren, und vielleicht sogar aussterben. Dann wird erneut das System der Partnerschaft überleben; in dem Fall die gesunde Partnerschaft mit den Resourcen der Natur. Das nenne ich dann die Liebe zur Natur.
Pjotr ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 20.05.2020, 07:44   #4
weiblich Ilka-Maria
Forumsleitung
 
Benutzerbild von Ilka-Maria
 
Dabei seit: 07/2009
Ort: Arrival City, auf der richtigen Seite des Mains
Beiträge: 23.536

Zitat:
Zitat von Pjotr Beitrag anzeigen
Wenn gewisse Menschen, die die Natur kaputtmachen (sich nicht mit der Natur verpartnern), die Zerstörung möglichst lokal begrenzen -- was schwierig sein wird --, dann besteht die Chance, dass solche Gesellschaften sich weniger stark vermehren, und vielleicht sogar aussterben.
Okay, den Menschen kann man das rational vermitteln. Aber wie bringst du "gewissen" Tieren bei, die "Natur" nicht zu zerstören?

Und wie bringst du der Natur bei, sich nicht selbst zu zerstören?

Du redest von "Liebe" und meinst wohl so etwas wie das moderne "Achtsamkeit", aber wie du deine Ansichten vorträgst, tust du es genau so, wie du es leugnen möchtest: Du romantisierst.

Was dem Menschen fehlt, ist nicht Liebe (auf sie hat man sowieso keinen Einfluss), sondern Vernunft und Einsicht in das, was richtig ist.
Ilka-Maria ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 20.05.2020, 09:13   #5
männlich Pjotr
 
Benutzerbild von Pjotr
 
Dabei seit: 09/2019
Beiträge: 443

Der Text möchte weder Handlungsanweisungen vermitteln noch der Natur etwas beibringen.

Der Text erläutert eine Beobachtung.
Pjotr ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 20.05.2020, 23:46   #6
männlich Ralfchen
 
Benutzerbild von Ralfchen
 
Dabei seit: 10/2009
Ort: London-Kaufbeuren-Wien
Alter: 73
Beiträge: 13.594

Zitat:
Zitat von Pjotr Beitrag anzeigen
Der Text möchte weder Handlungsanweisungen vermitteln noch der Natur etwas beibringen.

Der Text erläutert eine Beobachtung.
ok dann habe ich das ein wenig desorbiert betrachtet.
Ralfchen ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 24.05.2020, 10:41   #7
männlich Pjotr
 
Benutzerbild von Pjotr
 
Dabei seit: 09/2019
Beiträge: 443

Ich schreibe hier weiter, weil mir gerade ein paar Beispiele eingefallen sind.

Also, das Phänomen "Liebe", das der obige Text meint -- und er meint nicht die "romantische Liebe" --, scheint ein in der Psyche programmiertes Phänomen zu sein.

Da ist eine skalierbare Größe; deren Skala beginnt bei maximaler Hassempfindung, geht hinüber zur Gleichgültigkeit in der Mitte, dann hinüber zur maximalen Liebesempfindung. Man könnte gewissen Skalenbereichen Begriffe zuweisen wie etwa "lieben", "mögen", "nett finden" und so weiter, ähnlich der Zuweisungen "violett", "rot", "grün" für Bereiche der Farbskala. Aber um solche Sprachspiele geht es jetzt ausdrücklich nicht; weißes Licht ist eine skalierbare Größe, und das besagte Liebesphänomen sei eine skalierbare Größe. Die Rede ist jetzt von dieser skalierbaren Größe als solche, nicht von den einzelnen Punkten darauf.

Diese Skala reicht also von maximalem Unwohlempfinden bis maximalem Wohlempfinden.

Wenn ein Huftier einen Pfad entlang geht, werden seine Hufe den auf dem Pfad befindlichen Lebewesen reflexartig ausweichen. Im strengen, romantischen Sinn werden solche Vorgänge nicht als Liebe bezeichnet, weil es eben nur Reflexe sind, und weil es beim Ausweichen zu keinem Enthusiasmus kommt. Die sogenannte "wahre Liebe" sei schließlich kein Reflex, sondern das höchste aller Gefühle, und das bei vollem Tatbewusstsein. Wie gesagt, es geht in diesem Text nicht um Romantik; es geht um Phänomenologie: Um die Empfindungs-Qualitäten an sich, und was diese im praktischen Leben bewirken.

Zurück zum Huftier: Ein Hund liegt am Wegrand; sein Schwanz ragt in den Pfad. Das Huftier tritt nicht auf den Schwanz. Es fühlt sich wohler, wenn es nicht darauf tritt (Wohlgefühl, Geselligkeitslohn). Wenn es versehentlich doch darauf tritt, und es bemerkt seinen Fehltritt, dann wird es sich daraufhin vermutlich unwohl fühlen (Geselligkeitsentzug, Liebesentzug). Und wenn das noch nicht reicht, wird das Jaulen und Bellen das Huftier erschrecken. Spätestens dann wird es seinen Fehltritt erkennen -- und dabei lernen. Gelerntes kann man nur dann dauerhaft speichern, wenn das Gelernte von starken Empfindungen begleitet wurde, sagen Hirnforscher. Bekanntlich haben nicht nur Menschen ein Gedächtnis.

Wäre dieses nervenbesitzende Huftier nicht mit solchen wohltuenden Empfindungsphänoma ausgestattet, würde seine Art auf der Erde vielleicht nicht lange überleben. Es würde aus den Schäden, die es gegenüber anderen Wesen anrichtet, nicht lernen, und daher würde es von den Anderen auch nicht mehr profitieren können. Kein Wesen ist autark. -- Man kann ja sagen, das Huftier sei bloß eine "Maschine". Was ist denn eine Maschine? "Eine Maschine tut etwas." Dieser Satz enthält keine große Erkenntnis. Lebewesen können gerne als "Maschinen" bezeichnet werden, der Punkt jedoch ist, dass ihr Programm mittels Empfindungen abläuft, im Gegensatz zu Rechen- oder Kaffeemaschinen. Und bei diesen Empfindungen spielt die Liebes-Empfindung, also das Wohlgefühl, wahrscheinlich eine wesentliche Rolle.

Papageien haben scharfe, starke Schnäbel, damit sie essen, klettern und sich verteidigen können. Wenn sie andere, friedliche Wesen kontaktieren, beschnäbeln sie diese äußerst behutsam. Gerne kann man das als "Reflex" bezeichnen, aber das Wort stellt keine Erkenntnis dar im phänomenologischen Sinn. Wie auch immer: Wären sie nicht liebesfähig, würde der Körperkontakt vom Zufall gesteuert und mit unkontrollierten Verletzungen enden. Ihre Art würde aussterben.

Menschliche Kleinkinder sind schon hilfsbereit, bevor sie dazu erzogen sind: Wenn jemand am Tisch sitzend seinen Bleistift auf den Fußboden fallen lässt, und seine Hand ihn wieder aufheben will, aber nicht ganz hinunterreicht, dann wird das Kleinkind in der Ecke, das den Vorgang beobachtet, zum Tisch watscheln, den Stift aufheben und ihn dem Menschen überreichen. Und dann wird es lächeln. Ganz automatisch. Das ist die Liebe, um die es in diesem Text geht.

Schimpansen tun das auch, den Bleistift sehen, aufheben und überreichen.

Das waren jetzt drei oder vier Beispiele von unzählig vielen.

Muss jetzt kurz zwischenspeichern ...

Geändert von Pjotr (24.05.2020 um 13:00 Uhr)
Pjotr ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 26.05.2020, 19:53   #8
männlich Pjotr
 
Benutzerbild von Pjotr
 
Dabei seit: 09/2019
Beiträge: 443

Ein Igel weilt mitten auf der Straße. Eine Krähe kommt vorbei und hört nicht auf, den Igel anzustubsen bis dieser die Straße verlassen hat:

https://youtu.be/FIqFiQ2MwfA

Ist das Spiel oder Beschützertrieb? Ich vermute, die Krähe will den Igel tatsächlich von der Straße wegkriegen. Wenn die Krähe nur spielen wollte, würde sie in zufällige Richtungen stubsen und nicht so zielstrebig zum Straßenrand hin. Klug genug sind Krähen auf jeden Fall, solche Gefahrensituation zu erkennen.
Pjotr ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 28.05.2020, 15:17   #9
weiblich Mohrel
 
Benutzerbild von Mohrel
 
Dabei seit: 11/2018
Beiträge: 182

Weder - noch!

Die Krähe fühlt sich einfach durch den Igel gestört, der ihr den Blick auf eine freie Straße vermasselt! 😂😂

Aber süß anzusehen ist es allemal!

Deine Skala des Liebesphänomens reicht also von maximalem Wohlempfinden bis zum maximalen Unwohlempfinden, oder anders ausgedrückt von maximaler Verbundenheit (Liebe) bis zur absoluten Isolation (Hass).
Liebe IST Leben.
Aber worauf willst du hinaus?
Mohrel ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 28.05.2020, 18:49   #10
männlich Pjotr
 
Benutzerbild von Pjotr
 
Dabei seit: 09/2019
Beiträge: 443

Woraus will ich hinauf?

Darauf, dass es guten Grund zur Hoffnung gibt, dass der Optimismus meistens chancenreicher ist als der Pessimismus, und zwar nicht wegen etwaiger Aufputschdrogen oder Religionen, sondern weil die Hirnstrukturen der irdischen Wesen die Bejahung a priori voraussetzen: Vermutlich liegt es in der Natur der irdischen Natur, dass die Aussicht auf Verbundenheit meistens wahrscheinlicher ist als die auf Isolation, und dass die Wesen hier im allgemeinen das Leben mehr bejahen als den Tod. Wie schon Popper anmerkte: Sogar ein Selbstmörder bejaht das Leben; würde er es verneinen, hätte er keinen Grund zur Traurigkeit.
Pjotr ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 28.05.2020, 21:09   #11
weiblich Mohrel
 
Benutzerbild von Mohrel
 
Dabei seit: 11/2018
Beiträge: 182

Zitat:
Darauf, dass es guten Grund zur Hoffnung gibt, dass der Optimismus meistens chancenreicher ist als der Pessimismus, und zwar nicht wegen etwaiger Aufputschdrogen oder Religionen, sondern weil die Hirnstrukturen der irdischen Wesen die Bejahung a priori voraussetzen
Na Halleluja!
😁

Wie schön, dass wir uns da einig sind!
Mohrel ist offline   Mit Zitat antworten
Antwort

Lesezeichen für Das Wesen der Liebe und die Liebe der Wesen

Themen-Optionen Thema durchsuchen
Thema durchsuchen:

Erweiterte Suche


Ähnliche Themen
Thema Autor Forum Antworten Letzter Beitrag
Wesen ganter Lebensalltag, Natur und Universum 2 21.09.2018 11:56
Da-ge-Wesen Unar die Weise Gefühlte Momente und Emotionen 15 06.05.2017 23:47
Was zum Wesen muux Sonstiges und Experimentelles 0 19.07.2015 23:42
Das Wesen kleine Erdbeere Sonstiges Gedichte und Experimentelles 3 08.11.2009 11:49


Sämtliche Gedichte, Geschichten und alle sonstigen Artikel unterliegen dem deutschen Urheberrecht.
Das von den Autoren konkludent eingeräumte Recht zur Veröffentlichung ist Poetry.de vorbehalten.
Veröffentlichungen jedweder Art bedürfen stets einer Genehmigung durch die jeweiligen Autoren.