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Die Philosophen-Lounge Forum für philosophische Themen, Weisheiten und Weltanschauungen.

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Alt 26.11.2020, 16:25   #1
männlich Ralfchen
 
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Standard Unser Gehirn ist nicht zum Denken da

Unser Gehirn ist nicht zum Denken da

Ausschnitt - übersetzt:


Copyright By Lisa Feldman Barrett und THE NEW YORK TIMES

Dr. Barrett ist eine Psychologin and Neurologie-Forscherin.


Vor fünfhundert Millionen Jahren veränderte ein winziges Meerestier den Lauf der Geschichte: Es wurde zum ersten Raubtier. Irgendwie spürte es die Anwesenheit eines anderen Lebewesens in der Nähe, trieb sich beweglich an oder schlängelte sich hinüber und fraß es auf.

Diese neue Aktivität der Jagd begann ein evolutionäres Wettrüsten. Im Laufe der Jahrmillionen entwickelten sowohl Raubtiere als auch Beutetiere komplexere Körper, die sich effektiver fühlen und bewegen konnten, um andere Kreaturen zu fangen oder ihnen zu entkommen.

Schließlich entwickelten einige Kreaturen eine Kommandozentrale, um diese komplexen Körper zu führen. Wir nennen es ein Gehirn.

__________________________________________________ _________________________________

Lade euch herzlich zu Diskussion zum Thema Gehirn ein.
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Alt 26.11.2020, 16:45   #2
männlich Ralfchen
 
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Und warum sehen wir gerade in einem Literatur-Forum, dass das menschliche Gehirn in erster Linie nicht zum Denken da ist?
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Alt 26.11.2020, 17:48   #3
weiblich Ilka-Maria
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So simpel, wie dieser Artikelausschnitt die Thesen dieser Wissenschaftlerin zusammenfasst, hat sie selber es aber nicht ausgedrückt. Sie fasst sie in wesentlich differenziertere Worte (siehe ca. ab der 30. Min. des Gesprächs):
https://www.youtube.com/watch?v=NbdRIVCBqNI

Das Wort "denken" hat sie, soweit ich ihre Erklärungen angehört habe, nicht gebraucht, sondern sie spricht von Reizverarbeitung, und zwar - in meinen Worten - von automatischen Reflexen auf Reize, aber auch von bewusst kontrollierten Reaktionen. Sie spricht auch über den Rückgriff auf Erfahrungen, also auf ein "memory", um gewisse Reize richtig einordnen und auf sie reagieren zu können. Man kann also nicht behaupten, das Gehirn sei nicht zum Denken da.

Ihre These, dass das Gehirn höherer Lebewesen sich entwickelt habe, als Gehör- und Sehapparate entstanden, die es möglich machten, sich gegenseitig aufzufressen, also zum "predator" zu werden, halte ich für ziemlich steil. Es gibt Säugetiere, die reine Pflanzenfresser sind, und es gibt Pflanzen, die Fleisch essen. Was also hat das mit der Entwicklung eines Gehirns zu tun?

Außerdem könnte man die Frage stellen, was in unserem Gehirn vorgeht, wenn keine Reize von außen kommen, Augen, Gehör und sonstige Sinne also nicht beteiligt sind. Woher kommen die Träume? Wie entstehen die Bilder in unserem Kopf, die wir aus unserem Vorstellungsvermögen erschaffen (was auch bei Taubstummen funktioniert)?

Richtig ist, dass unser Gehirn nicht der einzige Apparat ist, mit dem man lernen kann. Das hat der deutsche Neurowissenschaftler Gerald Hüther schon oft genug anhand von Beispielen vorgetragen. Selbst ein Einzeller wie das Pantoffeltierchen ist fähig, zu lernen und sein Verhalten an geänderte Umweltbedingungen anzupassen.

Unser menschliches Gehirn ist so einzigartig und leistungsfähig, dass es mehr damit auf sich haben muss, als nur Reize aufzunehmen und darauf zu reagieren. Mit einem Stimulus-Reaktions-Schema allein ist die Kreativität des Menschen nicht erklärbar, schon gar nicht sein Vermögen, abstrakt zu denken. Genau diese Fähigkeit, nämlich sich mit abstrakten Ideen zu befassen, unterscheidet den Menschen von der Tierwelt und geht über simple Erklärungen wie Reiz-Reaktions-Mechanismen weit hinaus.
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Alt 26.11.2020, 18:59   #4
männlich Cilonsar
 
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Ich finde dies eine fragwürdige Theorie, wenn man "Angstbeissen" als "Raub"tier" auslegt, also sich für Aggression feiert, sie hat ja das Nadelöhr der Säuger, zur Zeit der Dinos, unterschlagen, bei dem "Fluchttier" die Bezeichnung der Wahl der Evolutionsbiologen ist, also selbst wenn sie Recht hätte, was Amphibien angeht, ist da der Wettrennen"bruch / das Nadelöhr.

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Alt 26.11.2020, 21:12   #5
männlich Ralfchen
 
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Na Ihr Lieben ein paar gute Punkte habt ihr hier angebracht – vor allem Ilka ich nehme dazu später noch genau und detailliert Stellung...

Zitat:
Diese Entstehungsgeschichte des Gehirns ist zugegebenermaßen nur eine Skizze, lenkt aber die Aufmerksamkeit auf eine zentrale Erkenntnis über den Menschen, die allzu oft übersehen wird. Die wichtigste Aufgabe des Gehirns ist nicht das Denken, sondern das Betreiben der Systeme Ihres Körpers, damit Sie am Leben bleiben und es Ihnen gut geht. Neueren neueren Erkenntnissen der Neurowissenschaften zufolge dient Ihr Gehirn, selbst wenn es bewusste Gedanken und Gefühle produziert, mehr den Bedürfnissen der Verwaltung Ihres Körpers, als Ihnen bewusst ist.

Und in stressigen Zeiten wie jetzt kann diese merkwürdige Perspektive auf Ihr geistiges Leben tatsächlich dazu beitragen, Ihre Ängste abzubauen.
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Alt 26.11.2020, 21:17   #6
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Zitat:
Zitat von Ilka-Maria Beitrag anzeigen
.



Außerdem könnte man die Frage stellen, was in unserem Gehirn vorgeht, wenn keine Reize von außen kommen, Augen, Gehör und sonstige Sinne also nicht beteiligt sind. Woher kommen die Träume? Wie entstehen die Bilder in unserem Kopf, die wir aus unserem Vorstellungsvermögen erschaffen (was auch bei Taubstummen funktioniert)?

Wie wäre es aber mit Taubstumm-Blinden oder etwa einem Kaspar Hauser Modell beziehungsweise Vorfall im menschlichen Erlebnisbereich?
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Alt 26.11.2020, 21:35   #7
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Zitat:
Zitat von Ralfchen Beitrag anzeigen
Wie wäre es aber mit Taubstumm-Blinden ,,,
Den Kaspar Hauser lasse ich mal außen vor, das ist ein Sonderfall.

Tja, wie sieht es beispielsweise bei Menschen aus, die von Geburt an weder sehen noch hören können und deshalb auch das Sprechen nicht exakt lernen?

Ich habe nur geringe Erfahrung mit solchen Menschen, habe aber feststellen können, dass auch sie sich eine Vorstellungswelt erschaffen können. Es stehen ja noch andere Sinne zur Verfügung, die Reize aufnehmen und an das Gehirn senden können. Diese Menschen ertasten ihre Umwelt und setzen die Formen, die sie fühlen, in Bilder um. Ich hatte mal ein Ehepaar kennengelernt, zwei Taubstumme von Geburt an, die sich durch Sprache weniger gut, aber in Verbindung mit der Standard-Zeichensprache verständigten. Sensationell war jedoch, dass sie Tanzveranstaltungen besuchten, weil sie Musik liebten. Sie nahmen die Schwingungen körperlich wahr, und danach bewegten sie sich.

Der Mensch kann sich mit seinem Tastsinn die Welt sehr gut erschließen. Ich hatte vor langer Zeit mal eine Unterhaltungssendung im Fernsehen gesehen, bei der drei Prominente herausfinden mussten, unter welchem Tuch sich ihr Ehemann befindet. Die Kerls waren so verhüllt, dass sie optisch nicht einordenbar waren, auch nicht nach Körpergröße, Gewicht usw. Marianne Koch, damals noch mit Dr. Freund verheiratet, brauchte nur wenige Handgriffe, um ihren Mann aus den drei Kandidaten herauszufinden - total zielsicher.
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Alt 26.11.2020, 23:35   #8
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Zitat:
Zitat von Cilonsar Beitrag anzeigen
Ich finde dies eine fragwürdige Theorie, wenn man "Angstbeissen" als "Raub"tier" auslegt...

Das hat die Wissenschaftlerin aber nicht gesagt
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Alt 27.11.2020, 13:51   #9
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ich dachte sie hat gesagt:

Zitat:
Es wurde zum ersten Raubtier.
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Alt 27.11.2020, 14:34   #10
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Zitat:
Zitat von Cilonsar Beitrag anzeigen
ich dachte sie hat gesagt:
Das steht in dem Artikel, der eine Zusammenfassung eines Journalisten ist. Das heißt nicht, dass die Wissenschaftlerin das so gesagt haben muss. Einfach mal das Interview mit ihr anschauen und selber hören, was sie sagt.

Die Einzeller, die erstmals andere Einzeller in sich aufnahmen (wie?), wird man kaum als die "ersten Raubtiere" bezeichnen können. Sie jagten nicht, sondern da war nur etwas im Weg, und das wurde dann eben einverleibt. Vielleicht war es so klein, dass dies mit Osmose klappte. Keine Ahnung, da kenne ich mich nicht aus.

Wir wissen überhaupt nicht, ob der frühe Mensch ein "Raubtier" war - vermutlich nicht. Er hatte keine natürlichen Waffen und war zu langsam für große Beute. Vielleicht waren Käfer, Würmer und Larven anfangs seine einzige tierische Nahrung. Alles, was wir uns an Jagdverhalten vorstellen, hängt mit der Erfindung von Waffen zusammen und mit dem, was wir aus Höhlenmalereien kennen. Bevor der Mensch scharfe und spitze Waffen entwickelt hatte, war er selbst noch ein Glied irgendwo in der Nahrungskette, konnte also selbst zur Beute werden. Vielleicht fing er auch Fische, bevor er sich an große Landtiere heranmachte - aber nicht überall gab es Flüsse und Seen.

Trotzdem halte ich die These, die Ausbildung des Gehirns bzw. der Augen und des Gehörs hätte etwas mit der Entwicklung zum Raubtier zu tun, für beweispflichtig. Unsere Sinnesorgane könnten ja auch allein aus der Notwendigkeit, uns vor Angriffen zu schützen, entstanden sein. Bestimmt war es von Vorteil, zu sehen, ob ein See voller Krokodile war, bevor man hineinstieg, um ein Bad zu nehmen oder einen Lachs aufzuspießen.
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Alt 27.11.2020, 17:04   #11
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Zur Erfindung beziehungsweise Verwendung von Waffen ist folgendes zu sagen. Wie Ilka richtig angemerkt hat ist dieser Zeitpunkt schwer zu eruieren man kann aber davon ausgehen dass das ungefähr vor einer halben Million Jahre stattgefunden hat. Nehme ich ab dem Zeitpunkt als der Homo ein omnivore , Also ein Allesfresser wurde.
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Alt 21.12.2020, 18:24   #12
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Standard Unser Gehirn ist nicht zum Denken da (Fortsetzung)

Unser Gehirn ist nicht zum Denken da (Fortsetzung)


Diese Geschichte über die Entwicklung des Gehirns ist zwar nur eine Skizze, lenkt aber die Aufmerksamkeit auf eine wichtige Erkenntnis über den Menschen, die allzu oft übersehen wird. Die wichtigste Aufgabe Ihres Gehirns ist nicht das Denken; es steuert die Systeme Ihres Körpers, um Sie am Leben und gesund zu erhalten. Nach neueren Erkenntnissen der Neurowissenschaft produziert Ihr Gehirn zwar bewusste Gedanken und Gefühle, aber sie dienen mehr der Steuerung Ihres Körpers, als Ihnen bewusst ist. Und in stressigen Zeiten wie jetzt, kann diese merkwürdige Perspektive auf Ihr Geistesleben tatsächlich helfen, Ihre Ängste zu verringern.

Ein Großteil der Gehirnaktivität findet außerhalb Ihres Bewusstseins statt. In jedem Moment muss Ihr Gehirn die Bedürfnisse Ihres Körpers für den nächsten Moment herausfinden und einen Plan ausführen, um diese Bedürfnisse im Voraus zu erfüllen. Jeden Morgen, wenn Sie aufwachen, antizipiert Ihr Gehirn zum Beispiel die Energie, die Sie brauchen werden, um Ihren jämmerlichen Körper aus dem Bett zu ziehen und den Tag zu beginnen. Es flutet proaktiv Ihren Blutkreislauf mit dem Hormon Cortisol, das hilft, Glukose für schnelle Energie bereitzustellen.

Ihr Gehirn steuert Ihren Körper mithilfe einer Art Budget. Ein finanzielles Budget zeichnet Geld auf, wie es verdient und ausgegeben wird. Das Budget für Ihren Körper verfolgt Ressourcen wie Wasser, Salz und Glukose, wie Sie sie gewinnen und verlieren. Jede Aktion, die Ressourcen verbraucht, wie z. B. Aufstehen, Laufen und Lernen, ist wie eine Abhebung von Ihrem Konto. Handlungen, die Ihre Ressourcen wieder auffüllen, wie Essen und Schlafen, sind wie Einzahlungen.

(Wird fortgesetzt)
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Alt 22.12.2020, 00:50   #13
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Ralfchen, das ist alles das Wissen von gestern und klärt nicht die Frage, weshalb das Gehirn des Menschen so außerordentlich groß, schwer und komplex ist. Alles, was in deinem Beitrag steht, leisteten auch die Gehirne der Dinosaurier. Auch bei ihnen war das Gehirn in erster Linie dazu da, das Konglomerat an Zellen, das sich zu einem Organismus mit unterschiedlichen Aufgaben verklumpt hatte, zu steuern und überlebensfähig zu halten.

Viel interessanter wäre ein Vergleich der Gehirne der Neandertaler mit der einzigen Menschenart, die von einer ganzen Reihe übrig geblieben ist, nämlich uns. Der Neandertaler war überlebensfit, intelligent und zu abstraktem Denken fähig, genau wie wir. Seine Gehirnleistung stand unserem in Volumen und Kapazität vermutlich in nichts nach. Er war der Umwelt perfekt angepasst und ein großartiger Jäger. Jahrtausendelang hatte er sich behaupten können, und bis heute ist es ein ungeklärtes Rätsel, weshalb er ausstarb. Alle Theorien darüber arbeiten mit plausiblen Argumenten, haben aber dennoch verstörend viele Schwächen.

Was unser Gehirn darüber hinaus leistet, den Organismus aus Zellen, den wir Körper nennen, am Leben zu erhalten, ist deshalb außerordentlich, weil kein anderes Lebenswesen außer uns es zu einem derart abstrakten Denken gebracht hat, dass wir in metaphysische Sphären vorgestoßen sind und uns mittels komplexer Sprache fiktive Welten schaffen konnten. Der Mensch ist von Natur aus ein Geschichtenerzähler, nur so konnten die großen Mythen - Sagen, Regligionen - erschaffen werden. Ob die Grammatik dem modernen Menschen bereits in die Wiege gelegt wurde,wie Noam Chomsky behauptet hat, ist umstritten und bis heute eine vieldiskutierte These.

Das große Geheimnis und Objekt der Gehirnforschung ist also nicht die Steuerung eines Zellenverbundes, den man Organismus nennt, sondern wie und warum der Mensch sich fiktive Welten erschafft.
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Alt 22.12.2020, 14:26   #14
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Du hast eine ganze Reihe wichtige Anmerkungen gemacht und Fragen aufgeworfen. Vor allem jene die in Bezug auf die Neandertaler geht. Für die Verfechter der Verhaltenshypothese ergibt sich ein weiteres, noch gravierenderes Problem: Seit langem ist bekannt, daß der Neandertaler (Homo neanderthalensis) im Durchschnitt ein absolut größeres Gehirn hatte als heutige Menschen. Erklären können sie das nicht. Und das ist ein absolut interessanter Vergleich.

Dieser opinion – Beitrag von Lisa Feldman Barrett bezieht sich ja auf die Funktionen und Leistungen des Gehirns Bezug auf die Funktionen des Körpers. Damit sehe ich das ganze nicht irgendwie überholt sondern eher eine Auseinandersetzung mit dem was wir im Großen und Ganzen vergessen haben.

Warum ist unser Gehirn so groß und schwer? Diese Entwicklung wurde von Anthropologen bereits geklärt:

Über Jahrhundert Tausende wenn nicht sogar 2 Millionen haben unsere Vorfahren - und da könnte ihr durchaus auch der moderne Mensch in diesem Zusammenhang entstanden sein - Sozusagen als scavenger - das Knochen –Mark von erlegten Tieren verzehrt. Daraus entwickelte sich im Zusammenhang mit diesem gigantischen Eiweiß–intake dieses rasante Wachstum des Gehirns. Dieses Forschungsergebnis hatte ich vor vielen Jahren im Scientific American Magazin gelesen. Es wird heute eher weniger darauf eingegangen.
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Alt 22.12.2020, 14:44   #15
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Zitat:
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Warum ist unser Gehirn so groß und schwer? Diese Entwicklung wurde von Anthropologen bereits geklärt:

Über Jahrhundert Tausende wenn nicht sogar 2 Millionen haben unsere Vorfahren - und da könnte ihr durchaus auch der moderne Mensch in diesem Zusammenhang entstanden sein - Sozusagen als scavenger - das Knochen –Mark von erlegten Tieren verzehrt. Daraus entwickelte sich im Zusammenhang mit diesem gigantischen Eiweiß–intake dieses rasante Wachstum des Gehirns. Dieses Forschungsergebnis hatte ich vor vielen Jahren im Scientific American Magazin gelesen. Es wird heute eher weniger darauf eingegangen.
Geklärt haben sie nichts, sondern nur erklärt. Es ist eine Hypothese.

Eine weiterführende Hypothese besagt, die Entdeckung des Feuermachens sei maßgeblich gewesen. Dadurch konnte die Nahrung gegart werden, so dass sie besser verdaut werden konnte und dem Körper in kürzerer Zeit enorm viel mehr Energie zuführte. Dies habe wesentlich zur Entwicklung des Homo Sapiens und seines Gehirns beigetragen.
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Alt 26.02.2021, 23:19   #16
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Neanderthaler waren Fleischfresser und scheinbar nicht so aggressiv/anpassungsfähig wie der Homo Sapiens.
Unser Gehirn ist zur Verarbeitung und Interpretation von Außenreizen zuständig und verbraucht dadurch ein Haufen an Energie. Nebenbei verträumt es später Außenreize und lässt unseren Körper trotzdem nicht die Atmung etc. vergessen, toll. Trotz allem ist es das Gehirn, welches uns steuert und am Leben erhält.
Mit 8-bit Außenreizaufnahme und einer n-bit Verarbeitung ist das schon ein Wahnsinnsstruktur da oben. Das heißt nicht, dass jeder damit umgehen kann, mal so, mal so, je nach Programmierung/ Erziehung.
In diesem Informationszeitalter ist es schwer, korrekt von falsch zu unterscheiden, also mache ich es mir leicht, wenn ich es nicht gelernt habe. Vor Jahren fiel es mir leichter, gedruckt muss wahr sein, lange her.
Ach so, das Gewicht des Gehirns ist übrigens ziemlich uninteressant, Vogelhirne haben genug Windungen, um es manchmal mit uns aufzunehmen, Delphine und andere Wale sowieso.
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Alt 27.02.2021, 06:14   #17
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Zitat:
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Neanderthaler waren Fleischfresser und scheinbar nicht so aggressiv/anpassungsfähig wie der Homo Sapiens.
Woher du das nimmst, ist mir nicht klar. Der Neandertaler war, wenn die Forschung richtig liegt, hochgradig an seine Umwelt angepasst. Gerade deshalb hatte er so lange überlebt. Von seinen kognitiven Fähigkeiten war er mit dem Cro-Magnon gleichauf. Auch kulturell stand er nicht zurück. Es gibt z.B. Hinweise, dass der Neandertaler an ein Leben nach dem Tod glaubte.

Zitat:
Unser Gehirn ist zur Verarbeitung und Interpretation von Außenreizen zuständig und verbraucht dadurch ein Haufen an Energie. Nebenbei verträumt es später Außenreize und lässt unseren Körper trotzdem nicht die Atmung etc. vergessen, toll. Trotz allem ist es das Gehirn, welches uns steuert und am Leben erhält.
So einfach ist das nicht. Auf der einen Seite gibt es das Stammhirn, das uns am Leben erhält, also alles steuert, was unser Körper braucht, ohne dass es uns bewusst ist. Das Träumen, die Erinnerung, die Emotionen finden aber woanders statt, nämlich im Innenhirn. Auf die diversen Bezeichnungen dieses Gehirnteils will ich hier nicht eingehen, um niemanden zu verwirren.

Darüber wölbt sich das Außenhirn, das für unser Denken zuständig ist und im Laufe der Evolution immer größer wurde. Hier wird die meiste Energie verbraucht.

Eine Theorie besagt, dass das Wachstum des Außenhirns, isnbesondere des Stirnhirns, deshalb möglich war, weil der Mensch die Kunst des Feuermachens lernte. Gegarte Nahrung kann vom Körper schneller aufgenommen und besser verarbeitet werden als rohe Nahrung. Mehr Energie - mehr Wachstum.

Zurück zum Neandertaler: Eine Theorie besagt, dass er aufgrund seines Körperbaus dem Cro-Magnon unterlegen war. Seine Arme seien zu kurz und zu unbeweglich gewesen, um einen Speer zu werfen und so erfolgreich zu jagen wie der Cro-Magnon. Mag sein ... Dann hieße dies, dass der Neandertaler nicht aufgrund weniger entwickelter kognitiver Fähigkeiten, sondern aufgrund seiner mangelhaften Motorik von der Erde verschwand.

Immerhin haben wir diesen Menschen ein Denkmal gesetzt, denn gäbe es den Cro-Magnon, also uns, nicht, wüsste niemand , dass es einst den Neandertaler gab.
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Alt 27.02.2021, 22:44   #18
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Tja, der Neanderthaler ist aber ausgestorben, weil sein Futter weg war und in der gleichen Zeit breitete sich der Homo Sapiens dort aus. Ich schrieb von Aggressivität und Anpassungsfähigkeit, welche zum Aussterben führten.

Ich bin ein Leser auch populärwissenschaftlicher Themen, regelmäßig.

Untersuchungen unseres Gehirns haben ergeben, dass die Bewegungsneuronen feuern, bevor wir selbst überhaupt denken, uns bewegen zu wollen. Unsere begrenzten Sinne/Reize werden vom jedem Gehirn unterschiedlich interpretiert, sonst würden gleich denken und müssten hier nicht diskutieren. Ich bin mir nicht sicher, ob so viele unterschiedliche Meinungen/Interpretationen etwas gutes für unser Überleben darstellen oder uns als Spezies nicht eigentlich behindern.
Das bisschen, was wir denken nennen und stolz drauf sind, erscheint mir nicht erwähnenswert, wir stehen nicht über anderen Tieren, wir maßen es uns nur an. Da nehme ich mich nicht aus.
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Alt 27.02.2021, 23:17   #19
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Zitat:
Zitat von dunkler Traum Beitrag anzeigen
Tja, der Neanderthaler ist aber ausgestorben, weil sein Futter weg war und in der gleichen Zeit breitete sich der Homo Sapiens dort aus.
Tolle Logik: Dem Neandertaler ging das Futter aus, aber für den Cro-Magnon war offensichtlich genügend da. Wahr ist, dass bis heute niemand weiß, weshalb der Neandertaler ausstarb.
Zitat:
Zitat von dunkler Traum Beitrag anzeigen
Untersuchungen unseres Gehirns haben ergeben, dass die Bewegungsneuronen feuern, bevor wir selbst überhaupt denken, uns bewegen zu wollen.
Stimmt. Hat aber nicht die Frage beantwortet, ob wir einen freien Willen haben oder nicht. Wenn du dich auf die Position zurückziehst, dass die Vorgänge im Gehirn unser Handeln vorbestimmen, müsstest du jeden Mörder freisprechen. Unser Gehirn ist aber kein Determinismus-Apparat, sondern eine komplexe Denkmaschine, die letztendlich uns die Entscheidung für unser Handeln überlässt.
Zitat:
Zitat von dunkler Traum Beitrag anzeigen
Das bisschen, was wir denken nennen und stolz drauf sind, erscheint mir nicht erwähnenswert, wir stehen nicht über anderen Tieren, wir maßen es uns nur an.
Das Gegenteil ist der Fall. Wir stehen über den Tieren, weil wir uns ihre Lebensweisen und ihre Konstruktionen zunutze machen. Um das zu kapieren, muss man sich vielleicht mal so eine Doku ansehen:
https://www.youtube.com/watch?v=zVSbKPvx4fQ
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Alt 01.03.2021, 03:51   #20
männlich Ralfchen
 
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Zitat:
Zitat von dunkler Traum
Tja, der Neanderthaler ist aber ausgestorben, weil sein Futter weg war...
Das ist natürlich ein absoluter Quatsch, denn die Neandertaler waren unglaublich perfekt an die Umwelt angepasst. Immerhin hatten sie einen Zeitraum von Rund 200.000 Jahren auf diesem Planeten gelebt. Wie lange leben wir schon? Circa 100.000 Jahre. Was sagt uns das? Der HSS ist eine mörderische rücksichtslose Spezies, die alles um sich herum eiskalt vernichtet und ausgerottet hat. Wir werden sehen wie es weiter geht.
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Alt 01.03.2021, 05:09   #21
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Zitat:
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Der HSS ist eine mörderische rücksichtslose Spezies, die alles um sich herum eiskalt vernichtet und ausgerottet hat. Wir werden sehen wie es weiter geht.
Das ist ebenfalls Unsinn. Der Homo Sapiens ist weder eiskalt noch auf Ausrottung anderer Spezies programmiert. Er hat überall Korrektive entwickelt, die Gewalt ist nachweislich seit seiner Frühzeit immer weiter zurückgegangen. Verhaltensweisen sind nicht von Geburt angelegt, sondern erlernt. Kein Baby kommt als ein Monster zur Welt. Außer einigen grundlegenden Eigenschaften ist sein Gehirn völlig blanco, d.h., dass erst einmal alles hinein muss, was später seine Persönlichkeit und seine Fähigkeiten ausmacht.

Außerdem widerspricht deine Aussage der an anderer Stelle vorgebrachten Haltung, der Mensch sei ein Tier. Der Biologe Frans de Waal, der seit langer Zeit Primaten erforscht, vor allem Schimpasen und Bonobos, hat herausgefunden, dass sie genau die gleichen sozialen Verhaltensweisen zeigen wie der Homo Sapiens, und nicht nur die positiven. Natürlich hat er mit seinen Forschungsergebnissen Kontroversen ausgelöst, aber er hat einen Punkt, an dem man weiterarbeiten kann. Kritisch ist z.B. der Vergleich mit den Bonobos, weil dort untypischerweise das Matriarchat herrscht.

Was die Schimpansen angeht, ist offensichtlich immer noch wenig bekannt, dass sie ihre aggressive Seite haben und zu Mord und Kannibalismus fähig sind. Das ist vielfach beobachtet und dokumentiert worden.

Was die Nutzung der Umwelt anbelangt, sind Tiere dem Menschen gegenüber im Nachteil, denn sie können gar nicht erfassen, ab wann sie ihre Grundlage zerstören. Wenn Elefanten alle Bäume ihreres Terrains ausgerissen haben und keine mehr finden, ist es eben aus - Exitus.

Ich finde diese Romantisierung der Tierwelt und der Natur auf der einen Seite und die Verteufelung des Menschen auf der anderen Seite ziemlich nervig. Da wird mit Stereotypen etwas platttgemacht, das in Wirklichheit hochkomplex ist.
Ilka-Maria ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 02.03.2021, 10:30   #22
männlich Ralfchen
 
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Zitat:
Zitat von Ilka-Maria Beitrag anzeigen
Das ist ebenfalls Unsinn.
Dann schau dir doch einmal die Zahlen an von allen Arten die bis jetzt auf das Konto des HSS gehen. Was die Schimpansen betrifft gebe ich dir natürlich recht das stehen wir erst am Anfang der Aggressionsforschung beziehungsweise Verhaltensforschung. Hast du eigentlich jemals das Buch Aggression von Hacker gelesen? Ich hatte ihn in Los Angeles kennen gelernt ein faszinierender Mensch, er fand, dass Aggression eine Grundverhaltensform ist, die durch Schmerz, Angst, Wut, Provokation etc. sowie Überfüllung und andere innere und äußere Reize ausgelöst, verstärkt oder vermindert und durch Lernerfahrung entscheidend beeinflusst werden kann.
Ralfchen ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 02.03.2021, 11:41   #23
weiblich Ilka-Maria
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Ralfchen, auch Hacker hat nur Theorien aufgestellt. Es gibt Biologen, Neurologen, Anthropologen und Psychologen, die in Aggressionen alles andere als ein Grundverhalten des Menschen sehen. Jede Seite hat ihre Argumente. Nun ist es aber so, dass es "die Wissenschaften" nicht gibt, sondern entweder empirische Forschung, die eine Prämisse zu beweisen versucht, oder aber die unvoreingenommene, beobachtende Herangehensweise. Die Ergebnisse gelten solange, bis sie falsifiziert oder zumindest angezweifelt werden, dann geht die Chose von vorn los.

Dann gibt es natürlich noch die zahlreichen "Wissenschaftler" - und diese werden immer mehr -, die den Lobbyisten dienen, weil sie Geld verdienen müssen und ihre "Forschung" so betreiben, dass das gewünschte Ergebnis dabei herauskommt.

Klar, auch ich betreibe "name dropping", aber dennoch sehe ich Wissenschaftler und sogenannte "Experten" kritisch. Das sind keine Berufe, sondern Zustände, die per se keine Beweiskraft haben. Man muss genau hinschauen, was sie studiert haben und in wessen Diensten sie stehen.
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Alt 15.03.2021, 21:27   #24
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Lb. Ralfchen,

Das menschliche Gehirn hat sich mit der Evolution seinen Erfordernissen entsprechend entwickelt (angepasst). Die Menschen befanden sich immer in einer ständigen Konkurrenz, bei der es oft auch um das Überleben ging. Die Konkurrenz wurde immer komplizierter, sodass es für Konkurrenzkämpfe erforderlich wurde viele Abwägungen und Optimierungen zu bedenken. Körperliche Kraft und Geschicklichkeit konnte von anderen Wesen (Tieren - Sklaven) heute auch Maschinen genutzt werden. Das Gehirn wird von Menschen zunehmen für kreative Denkprozesse benutzt und findet darin immer mehr seine Bedeutung. Wissen wird, auch wegen der ungeheuren Menge, immer mehr extern gespeichert.

LG Hans
Hans Plonka ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 15.03.2021, 22:44   #25
weiblich Ilka-Maria
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Zitat:
Zitat von Hans Plonka Beitrag anzeigen
Das Gehirn wird von Menschen zunehmen für kreative Denkprozesse benutzt und findet darin immer mehr seine Bedeutung. Wissen wird, auch wegen der ungeheuren Menge, immer mehr extern gespeichert.
Kreative Denkprozesse finden im menschlichen Gehirn seit tausenden von Jahren statt. Die heutige Entwicklung geht inzwischen dahin, dass Kreativität und Bildung denn Rückwärtsgang eingelegt haben (das nachzuweisen sind Wissenschaftler jedenfalls bemüht). Künstliche Intelligenz ist soweit vorangeschritten, dass selbstlernende Computer ihre neuronale Vernetzung inzwischen dermaßen optimiert haben, dass die besten Go-Spieler der Welt nicht mehr gegen sie gewinnen können - das mit Abstand komplizierteste Spiel, das es gibt.

Aber eins, und da sind sich die Neurowissenschaftler einig, wird niemals ein Computer können, nämlich Empathie empfinden. Nicht allein auf die Kreativität kam es an, dass der Mensch überlebt hat (damit kann man nämlich auch sehr erfindungsreich Leute umbringen), sondern sein Sozialverhalten, seine Fähigkeit zur Liebe und vor allem seine Begabung, sich in andere Menschen hineinzuversetzen. Zwar ist die Sache mit den Spiegelneuronen auch eine Theorie, da schwer beweisbar ist, aber diese Fähigkeit zur Bindung und zu einem mitmenschlichen Sozialverhalten ist bereits bei sehr kleinen Kindern zu beobachten.
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